ZEITSPIEL aktuell

EM der Frauen in der Schweiz

28. Juli 2025

Unser Redaktionsmitglied Holger Hoeck war knapp zwei Wochen in der Schweiz und besuchte einige Spiele der Europameisterschaft der Frauen. Seine Beobachtungen und Gedanken hat er hier zusammengetragen 

 

Es ist erst 16 Jahre her, doch im Fußball ist das eine Ewigkeit. 2009 ging es urlaubsbedingt nach Finnland, wo seinerzeit gerade die Frauen-EM ausgetragen wurde. Karten erhielt man problemlos am Stadion, wo sich, zumindest in vielen Gruppenspielen, eine sehr überschaubare Zuschauermenge einfand. Knapp 2.000 waren es etwa im riesigen Olympiastadion in Helsinki bei der Partie zwischen Finnland und der Ukraine.

Inzwischen ist auch europäische Spitzenfußball der Frauen zu einem kommerziellen Event geworden, das der UEFA reichlich Euro, Kronen oder wie in diesem Jahr Franken einbringt. Zumindest offiziell fast überall ausverkaufte Stadien und ein neuer Rekord an verkauften Tickets, die schon bei der ersten Verkaufsphase im vergangenen August stark nachgefragt waren.
 

Gastgeber Schweiz hat sich der Aufgabe gestellt, den heimischen und auswärtigen Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Und war dabei höchst erfolgreich. Hilfsbereite Bewohner an den Spielorten, gastronomische Tipps außerhalb der offiziellen UEFA-Fanzonen (die aber durchaus ihren Reiz hatten) und ehrenamtliche Volunteers, die große Freude am Besuch der Fans aus Skandinavien oder Südeuropa hatten. Auch das gemeinsame Feiern der großen und kleinen Anhänger, zum Beispiel beim regelmäßigen Fanwalk zwei Stunden vor den Spielen, machte gute Laune. Die Frauen-Europameisterschaft war und ist vor allem ein Spektakel für Familien und eher untypische Fans, doch genau das war/ist ihr Charme. Dauer-Ultragesänge gab es nicht, und das war auch gut so. Hätte hier einfach nicht hingepasst. 

Etwas anders sah es dann in den Stadien aus. Okay, dass einige Zuschauer Probleme hatten, ihren Platz zu finden, weil sie sonst kaum oder nie ins Stadion gehen – geschenkt. Auch über die ständige Bewegung in den Blöcken wegen Toilettengang oder Verpflegungsdrang sowie Dauerquatscher (die irgendwie immer hinter mir saßen und über alles mögliche, nur nicht über Fußball, laberten) konnte hinweggesehen werden. Nerviger waren jedenfalls die (vermutlich bezahlten) Animateure, die ständig die eigentlich doch verstorbene La-Ola-Welle zum Leben erweckten und wenig überraschend ein dankbares Publikum dafür fanden. Und was sollte bitte schön der isländische Wikinger-Schlachtruf "Huh!" beim Spiel Spanien gegen Portugal? Wieso durfte dieser „Einpeitscher“ als einziger eine Trommel mit reinnehmen? Mal bei der UEFA anrufen.
 

Dass manche Spiele wegen des Videobeweises oder gefühlt 47 Spielerinnenwechsel weit über 100 Minuten dauerten, provozierte zwar Pfiffe der genervten Besucher, gehört aber nun mal zum heutigen Hochglanzprodukt namens Fußball dazu. Sympathisch wurde es immer dann, wenn im durchgestylten UEFA-Event doch mal Fehler passierten und etwa eine Isländerin „Player of the match“ beim Spiel Dänemark gegen Schweden wurde.
 

Fazit: Es war/ist ein schönes Turnier in einem wunderbaren Land mit tollen Begegnungen in den Stadien, Gaststätten und Innenstädten. Finnland war auch schön - aber ganz shön anders.