Zum Tod von Bernd Sautter
Aus dem Leben gerissen.
Eine Floskel, die ein Gefühl umschreibt, das nicht greifbar ist. Bernd Sautter, Zeitspieler der ersten Stunde und enger Begleiter unseres Magazins seit über zehn Jahren, wurde vor einigen Tagen jäh aus dem Leben gerissen. Tatsächlich war es ein sanfter Tod, der im Schlaf kam. Mitten auf einer mehrtägigen Radreise mit seinen Freunden durch Frankreich. Am Abend ging er nach 85 Kilometern und 1.800 Höhenmetern durch die Tarn-Schlucht ins Bett. Am Morgen war er in einer anderen Welt.
Aus dem Leben gerissen.
Für seine Frau, seine Familie, seine Angehörigen. Für seine Freunde, seine Lebenswelt, sein Umfeld. Für uns als Zeitspiel-Redaktion. Für mich als sein Freund, der es geliebt hat, mit Bernd über Fußball, Radreisen und das Leben im Allgemeinen zu philosophieren. Nun ist da ein Loch, wo stets warmes, fröhliches, vertrauensvolles, energiereiches Leben war. Sein fröhliches Grinsen, sein wunderbarer Dialekt, der seine schwäbische Herkunft binnen Sekunden für jedermann offenbarte, seine Energie, sein Wille, diese Welt gemeinsam zu einer besseren zu machen. Seine Empathie und sein Fingerspitzengefühl für das gemeinsame Miteinander.
Aus dem Leben gerissen.
Das Loch zu füllen, diesen Entriss aus unser aller Leben zu akzeptieren, scheint im Moment noch unmöglich. Wie gelähmt versuche ich mir eine Zukunft ohne Bernd vorzustellen. Als Teil der Zeitspiel-Redaktion. Als Freund. Diese Welt erscheint so viel ärmer und kälter ohne Bernd.
Als Frank Willig und ich 2015 gründeten, war Bernd sofort Feuer und Flamme für die Idee. Als Fan des damals dauerkriselnden VfB Stuttgart hatte er von den Veränderungen im Fußball im eigenen Herzen erfahren. Er wusste um die Bedeutung des Fußballs in der Ebene und in der Fläche. Er lebte die verschiedenen Ebenen der Leidenschaft für den Fußball, ob in Bad Cannstatt, auf Degerlochs Höhen, in Belgien, in Italien, in Frankreich.
Er hatte den Blick für das Besondere jedes Fußballortes, das Gespür für den eigenen Charakter jeder Szene, jedes Klubs, jeder Ausgangssituation. Er konnte ebenso leidenschaftlich von der Champions League wie aus der Kreisklasse berichten. Immer mit der Liebe für die Liebe der Fans zu ihrem Verein unterwegs, mit offenen Augen, offenem Herzen und offener Seele für die Besonderheiten des jeweiligen Fußball-Ortes. Er lebte die Zeitspiel-Idee. Zuletzt war er für Zeitspiel in Ulm und ging der Frage nach, warum der SSV 1846 schon zum zweiten Mal binnen kurzem einen derartigen Absturz erlitt. Sein Text wird in der demnächst erscheinenden Ausgabe #43 erscheinen. Es wird sein Letzter sein.
Aus dem Leben gerissen.
Zeitspiel ohne Bernd Sautter ist undenkbar. Er ist nicht ersetzbar. Bernd würde vermutlich sagen: Dann macht es denkbar! Es wird unsere Aufgabe sein. Zeitspiel in seinem Sinne fortzuführen. Die Lücke, die er hinterlassen hat, einerseits zu füllen und sie andererseits zu ehren.
Was das heißt, ist im Moment nicht einmal annähernd abzuschätzen. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das große Bild ergeben. Für Ausgabe #44 wollte Bernd nach Metz fahren und über den dortigen FC berichten. Die #45 sollte „seine“ Ausgabe werden. Dafür hatten wir sein Lieblings-Fußball-Land Belgien vorgesehen. Jede Zoom-Redaktionssitzung ohne seinen fröhlichen Dialekt, seine Ideen, seine Dynamik wird uns fordern. Auf unseren jährlichen Redaktionstreffen, zu denen er gerne per Fahrrad von Stuttgart nach Niedersachsen reiste, wird er unendlich fehlen. Und wie sollen wir seine regelmäßigen Teilnahmen am Hörfehler-Podcast jemals ersetzen?
Aus dem Leben gerissen.
Vor allem aber wird uns Bernd als Freund fehlen. Er war ein Licht in diesen auch im Fußball so umwälzenden, bisweilen düster erscheinenden Zeiten. Er schenkte Optimismus, er schenkte Energie, er trieb uns an, er öffnete neue Felder und Welten. Wie sehr ich unsere regelmäßigen Telefonate über Fußball, die einzigartige Freiheit des Rad-Fernreisens mit wenig Gepäck und die Bedeutung der Hoffnung im Leben vermissen werde, kann ich derzeit noch nicht einmal ahnen.
Danke für alles, Bernd!
Unser herzlicher Gruß voller Trauer geht an seine Frau und seine Familie. Danke, dass wir Bernd ein bisschen mit Euch „teilen“ durften.
Hardy Grüne, für die gesamte Zeitspiel-Redaktion