KLARTEXT
Männer mit Haltung gesucht
Dietrich Schulze-Marmeling
(6. Januar 2026)
Am Ende eines sehr lesenswerten Kommentars von Günter Klein in der „Frankfurter Rundschau“ zum Verhältnis Trump/FIFA heißt es: „Früher sind Sportgroßereignisse auch schon in Länder vergeben worden, in die sie nicht hingehörten – doch diese haben sich wenigstens im Vorfeld am Riemen gerissen. Von Trumps Amerika ist das nicht zu erwarten.“
So ist es. Trump führt die FIFA vor, demonstriert, dass er die Herren an der Spitze des Verbands für Lappen hält – und dies völlig zu recht. Trump würde auch nicht davor zurückscheuen, am Tag der Eröffnung des Turniers Kolumbien zu überfallen oder sich Grönland einzuheimsen.
Infantino glaubt ja ernsthaft, er dürfe mit den Big Boys spielen, sei akzeptiertes Mitglied ihrer Gang. Tatsächlich ist er nur der Puschel, mit dem sich die Trumps und Putins dieser Welt den Hintern abwischen. Sie wissen: Dieser Mann fuselt nicht!
Was wir tatsächlich erleben, ist eine Verzwergung der FIFA. Günter Klein: „Die Anbiederungspolitik von Infantino hat der Fifa jede Möglichkeit der Intervention genommen. Der frühere blasse Uefa-Beamte gefällt sich als politischer Welt-Player, 2018 Seite an Seite mit Putin, 2022 mit den Scheichs in Katar – und spürt nicht einmal die Verachtung, die man ihm als willigem Vasallen entgegenbringt. Im Fall der WM 2026 erleben wir Unterwerfung in einer Dimension, die nicht vorstellbar erschien, mit der Verleihung eines Friedenspreises an Donald Trump.“
Unter der Führung von Infantino hat sich die FIFA komplett in die Abhängigkeit von Diktatoren und Autokraten begeben – finanziell wie politisch. Von diesem Verband ist nichts, aber auch gar nichts zu erwarten.
Dies gilt wohl auch für den DFB und seinen Präsidenten Bernd Neuendorf. Die peinliche Verleihung eines Friedenspreises an Donald Trump - für Neuendorf kein Anlass für Kritik. Stattdessen hebt der DFB-Chef die Verdienste Trumps um eine Beendigung des Gaza-Krieges hervor. „Wir waren alle gemeinsam froh, als der Konflikt im Nahen Osten beendet wurde, dass hier ein Abkommen unterzeichnet wurde. Das muss man ehrlich sagen, das wäre ohne die USA und ohne den Einsatz des Präsidenten nicht möglich gewesen. Insofern ist es anerkennenswert, was da passiert ist.“
Die „FAZ“: „Aus der Weltmeisterschaft in Qatar hat der DFB Lehren gezogen: Leider die falschen. Sein Präsident erregt schon Monate vor dem Trump-Turnier Besorgnis.“
Dass Trump schon vor der Verleihung Dänemark damit drohte, Grönland einzukassieren, notfalls mit militärischen Mitteln; dass Trump die Souveränität von Kanada in Frage stellte, also eines Mitausrichters der WM 2026; das Trump überhaupt bei jeder Gelegenheit mit militärischer Intervention droht; dass Trump die Ukraine Putin zum Fraß vorwirft; dass Trump den vom saudischen Regime auf bestialische Weise ermordeten Jamal Kashoggi verhöhnt - für Neuendorf kein Grund zur Kritik am FIFA-Friedenspreis. So wenig wie die Jagd auf Menschen, die Trump in den USA veranstaltet, seine krankhafte Rachsucht, sein Rassismus und Sexismus etc.
Mit der Aktion in Venezuela und den anschließend erneuerten Drohungen gegen Dänemark, Kolumbien, Mexiko etc. hat Trump nicht nur Infantino, sondern auch den DFB-Präsidenten bis auf die Knochen blamiert.
Und by the way: Um Demokratie oder Menschenrechte geht es weder im Falle von Maduro / Venezuela noch in Gaza. In Venezuela geht es um Öl und Raubrittertum, in Gaza betrachtet Trump die Hamas als stabilisierenden Faktor und hat null Probleme damit, wenn die Islamisten vermeintliche Kollaborateure und Oppositionelle öffentlich hinrichten. Macht sein Kumpel in Saudi-Arabien auch.
Noch einmal Günter Klein: „Im Lauf des Wochenendes mit seiner sich stündlich verdichtenden Nachrichtenlage kam natürlich auch die Frage auf: Wird die Fußball-WM in ein paar Monaten mit den USA als Hauptaustragungsland überhaupt noch stattfinden können, so wie die Amerikaner in ihrem Konflikt mit Venezuela auftreten? Greift US-Präsident Trump bis zum WM-Anpfiff nach weiteren Territorien, berauscht er sich an den nächsten militärischen Operationen, die er als nächtliches Entertainment per Livestream verfolgt? Vieles kann passieren – doch dass sich aus Reihen des Fußballs Protest erhebt gegen das imperialistische Gebaren der Vereinigten Staaten, damit sollte man nicht rechnen.“
Woran es dieser Gesellschaft eklatant mangelt: Menschen mit Haltung. Vor allem Männer mit Haltung. Stattdessen: Opportunisten wohin mensch auch schaut.
Woran es dieser Gesellschaft eklatant mangelt: Menschen mit Haltung. Vor allem Männer mit Haltung. Stattdessen: Opportunisten wohin mensch auch schaut. Dies gilt auch für nicht unerhebliche Teile des hiesigen Sportjournalismus, wo man dem olympischen Motto frönt: „Dabei sein ist alles!“ Und: „Macht uns bloß nicht die WM kaputt!
ZEITSPEL-Ausgabe #41.
United oder Divided. Die WM 2026
Drei Austragungsländer, eine Rekordzahl an Teilnehmern, zahlreiche politische und wirtschaftliche Konfliktfelder. Was ist nur aus der WM geworden? Dabei ist Fußball eigentlich perfekt, um die Menschen miteinander zu verbinden und auszusöhnen. Dafür stehen alle drei Gastgeberländer. Unser besonderer Blick auf das WM-Turnier 2026.