KLARTEXT

Africa Cup 2026
Das enorm gefährliche Spiel der CAF

Olaf Jansen


(18.März 2026)  

  

Marokko wurde nachträglich zum Afrikameister erklärt. Was manch einer als Kuriosität abtun möchte, ist in Wahrheit ein ungemein gefährliches Spiel des afrikanischen Fußballverbandes CAF. Ein Kommentar.


Nun ist also Marokko der Sieger des 35. Afrika-Cups. Der afrikanische Fußballverband CAF hat in einer schmalen Mitteilung bekanntgegeben, dass dem sportlichen Sieger Senegal der Titel aberkannt worden ist. Das Team habe im Finale im marokkanischen Rabat mit dem zeitweisen Verlassen des Spielfelds gegen Paragraph 82 der Spielordnung verstoßen - daher werde die Partie nachträglich mit 3:0 für Finalgegner Marokko gewertet.


Natürlich: Das Verhalten Senegals im Finale war ein Fehler, allerdings hatte er eine Vorgeschichte. Schon im frühen Verlauf der Partie hatte man von Gastgeberseite immer wieder versucht, Senegals Keeper mit einem "Handtuch-Klau" aus dem Konzept zu bringen. Vor der Partie kollabierten bereits drei senegalesische Spieler - ein Vergiftungsverdacht steht noch heute im Raum. Und: Schon am Tag vor dem Finale hatten die marokkanischen Ausrichter Senegals Spieler größter Gefahr ausgesetzt, als man das Team bei der Anreise zum Finalort ungeschützt in eine unkontrollierbare Menschenansammlung geschickt hatte.


Natürlich: Trotz allem hätte man als neutraler Beobachter einer Entscheidung am Grünen Tisch pro Marokko folgen können - wenn sie direkt nach dem Spiel gefallen wäre. Tatsächlich hatte es ja einen offiziellen marokkanischen Protest gegeben - der seinerzeit aber von der CAF abgeschmettert wurde. Nun - zwei Monate später - eine andere Entscheidung bekannt zu geben, erscheint willkürlich.

Willkür in seinen Entscheidungen - gerät ein offizieller Sportverband wie die CAF unter diesen Verdacht, ist er gewissermaßen verloren. Weil man sich nicht mehr auf ihn und seine Objektivität verlassen kann. Das kann zum einen dazu führen, dass man den Sportverband nicht mehr ernst nimmt. Neutrale Beobachter winken dann ab, empfinden den Verband und dessen Entscheidungen vielleicht sogar als lächerlich.


Schlimmer noch ist: Ein Verband, der willkürlich entscheidet, sorgt auf der geschädigten Seite für Wut, die sogar enorme Ausmaße annehmen kann. Der Sieg beim Afrika-Cup ist auf dem Kontinent eine ausgesprochene Sache des Prestiges. Die Gewinner dürfen sich für gewöhnlich mindestens zwei Jahre lang sozusagen als "Könige des Kontinents" fühlen. Die Siegernation ist von unglaublichem Stolz erfüllt.

Die Aberkennung des Titels wird im Senegal - und wahrscheinlich auch in den solidarisch auftretenden Nachbarstaaten - als unglaubliche Ungerechtigkeit wahrgenommen werden. Schon nach dem Finale war es zu Ausschreitungen zwischen nordafrikanischen und westafrikanischen Fans und Anhängern in verschiedensten Teilen der Welt gekommen.

Es ist zu befürchten, dass der CAF mit seiner neuen Entscheidung sehr leicht entzündbares Öl ins Feuer der ohnehin latent glimmenden Gewaltgefahr geschüttet hat. Allein aus diesem Grund schon ist die nachträgliche Titelentscheidung unverantwortlich. Und sicher auch: gefährlich. 

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