ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

ZEITSPIEL Zeitreise: HSV gegen Burnley, 15. März 1961

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Heute vor 55 Jahren traf der Hamburger SV im noch jungen Europapokal der Landesmeister auf den Burnley FC aus England. Ein Duell, das in die Fußballgeschichte einging – nicht nur in die der Hamburger. Eine ZEITSPIEL Zeitreise zurück zum 15. März 1961.

Trotz Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 durch Deutschland, trotz des beeindruckenden Auftritts der Frankfurter Eintracht im Europapokal der Landesmeister 1959 – das Maß aller Dinge hieß zu Zeiten der legendären Oberligen noch immer britischer Profifußball. Landauf landab sprach man voller Ehrfurcht von den „englischen Profis“, und bisweilen erinnerte die Berichterstattung an das berühmte Duell zwischen David und Goliath,

So auch im März 1961. Der Hamburger SV, Landesmeister 1960 und mit seinem Sturmduo Klaus Stürmer/Uwe Seeler längst nicht nur in Norddeutschland in aller Munde, traf im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister auf den Burnley FC.

Zuvor hatten sich die Hanseaten gegen den Schweizer Meister Young Boys Bern durchgesetzt und dabei geradezu euphorische Lobeshymnen eingeheimst. „Der HSV kann alle aus dem Weg räumen“, war in der „Tribune de Lausanne“ zu lesen gewesen, und selbst HSV-Trainer Günther Mahlmann hatte nach dem 5:0-Rückspielsieg über die Berner geschwärmt: „Es gibt keine vergleichbare Mannschaft, was Haltung und Charakter betrifft. Es ist eben kein zusammengekauftes Team“.

In der Tat. Die Seeler-Brüder Dieter und Uwe, Georg Krug, Jürgen Werner sowie Klaus Stürmer hatten schon in der Jugend das Jersey mit der Raute auf der Brust getragen und traten als eingeschworener Haufen auf, der nur schwer zu bezwingen war.

Und nun stand das Duell mit den „Clarets“ aus der nordenglischen Industriestadt Burnley an. Das Hinspiel hatte der HSV unter schwierigen Witterungsbedingungen im Turf Moor von Burnley mit 1:3 verloren. Angesichts des hohen Respekts vor dem englischen Profifußball herrschte vor dem Rückspiel am 15. März 1961 im Hamburger Volksparkstadion überwiegend Zurückhaltung.

Nur die HSV-Fans schienen an eine Sensation zu glauben. Die 74.000 Plätze waren jedenfalls ruckzuck ausverkauft, und auf dem Schwarzmarkt wurden Stehplatztickets mit einem Einstandspreis von 2,75 DM für sechs und mehr DM gehandelt. Hamburg brodelte, Hamburg kochte, Hamburg hoffte.

Das Fernsehen war live dabei, und so konnte man landesweit die Daumen drücken, als Schiedsrichter Poulsen aus Dänemark die Partie exakt um 16.30 Uhr frei gab. Den Fans im Stadion und an den Bildschirmen standen epische 90 Minuten bevor.

Drei Minuten waren gespielt, als Uwe Seeler die 74.000 erstmals von ihren Sitzen riss und mit einem Gewaltschuss nur knapp scheiterte. Vier Minuten später hatte Klaus Stürmer mehr Glück, jagt der HSV-Goalgetter eine Dörfel-Flanke mit dem Kopf unter die Latte. 1:0! „Und da ein einziger Aufschrei, wie wir ihn in Hamburg noch nicht erlebt haben. Tausendfach, sekundenlang das Echo der Begeisterung von den Zuschauerrängen,“ jubelte das „Sport-Magazin“ und wusste: „Dieses Tor ist von größter psychologischer Bedeutung“.

Voller Leidenschaft lieferten sich beide Mannschaften anschließend ein packendes Kampfspiel. Angeführt vom unermüdlichen Uwe Seeler dominierten die Hausherren das Geschehen. Erst in der 30. Minute wurde die erste Chance für Burnley notiert. Doch das erlösende 2:0 wollte einfach nicht fallen. Vier Minuten vor dem Halbzeitpfiff jagte Klaus Stürmer dann auf der linken Seite auf und davon. Seine Flanke erreichte den durch den Strafraum fliegenden Uwe Seeler, der das Leder endlich zum zweiten Mal in die Maschen wuchtete! Wenig später pfiff Poulsen zur Halbzeit und das Volksparkstadion konnte sich ein wenig von seiner Erregung erholen.

Nach dem Seitenwechsel setzte der HSV sofort nach. Der englische Meister wurde in den eigenen Strafraum gedrängt, doch die Burnley-Defensive um Torhüter Blacklaw hielt dem Ansturm stand. Bei einem Konter in der 54. Minute passierte es. Der wegen einer Schulterverletzung gehandikapte Klaus Stürmer musste Harris laufen lassen, und aus 16 Metern knallte der Burnley-Stürmer das Leder unhaltbar für Schnorr zum 2:1 ins Netz.

„Besitzt der HSV noch die physische Kraft, diesen Konterschlag aufzufangen?“, fragte sich nicht nur das „Sport-Magazin“.

Zwei Minuten später stand die Antwort fest, und sie lautete „ja“! Einmal mehr war es der überragende Uwe Seeler, der Gerd Dörfel auf dem linken Flügel in Szene gebracht und damit das 3:1 für die Hamburger eingeleitet hatte. Und diesmal machte der HSV den berühmten Sack zu! Es lief die 60. Minute, als Dörfel seinem kongenialen Partner Uwe Seeler vorlegte und „uns Uwe“ zum 4:1 einnetzte. Das Volksparkstadion stand Kopf und trug seine Rothosen anschließend durch eine turbulente Schlussphase, in der ein Stürmer-Treffer zum vermeintlichen 5:1 die Anerkennung verwehrt wurde (Abseits), während HSV-Zerberus Schnoor auf der Gegenseite zum unüberwindbaren Ballfänger mit tausend Armen avancierte.

Dann war Schluss, und Hamburg konnte durchatmen. Und sich auf den FC Barcelona freuen, gegen den es im Halbfinale gleich drei epische Europapokalduelle gab. Aber das ist eine andere Geschichte.

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