ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Zeitspiel Unterwegs: Ausgesperrt bei Racing Montevideo

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25.000 auf der „Süd“ mussten heute draußen bleiben (oder fanden sich auf der „Nord“ ein) – ich leider auch. Der Plan war ganz simpel: Racing gegen Liverpool, ein ziemlich unscheinares Duell zwischen zwei eher unscheinbarer Vereine aus dem Nordwesten von Montevideo. Früher kein Problem – zum Stadion fahren, ein Ticket kaufen, reingehen. Heute eine Herulesaufgabe. Denn seit heute gibt es im uruguayischen Fußball eine neue Eintrittskartenpolitik. Man muss sein Ticket spätestens am Tag vor dem Spiel bei einem von zwei Ticketagenturen gekauft haben. Notwendig ist der Pass, denn dessen Nummer wird mitsamt Name auf das Billet gedruckt. Einlass gibt es nur mit Ticket und dazugehörigem Dokument.
Dass man das durchaus ernst sieht, habe ich heute erfahren. Weil ich gestern zu spät ankam, konnte ich kein Ticket mehr erwerben, und sämtliche Versuche, mit Presseausweis, Reisepass und der aktuellen Zeitspiel-Ausgabe (mit der Reportage über Chile) Einlass zu finden schlugen fehl. Der Grund: man hat einfach Angst. Nationalverband AUF hat die Klubs strikt angewiesen, niemanden außerhalb des neuen Systems hineinzulassen. Kontrolliert wurde das durch ein Polizeiaufgebot und vor allem eine zusätzliche Abordnung des Verbandes, mit der dann auch mein „Fall“ ausgiebig und mit großem Bedauern abschlägig beurteilt wurde.
Uruguay hat seit langem ein Gewaltproblem im Fußball, und dieses System soll helfen, es zu lösen. Ich habe da meine Zweifel. Denn zumindest bei Racing ist es nun so, dass der Zuschauerzuspruch – ohnehin schon überschaubar – vermutlich noch weiter zurückgehen wird. Ein spontaner Stadionbesuch ist ja schließlich nicht mehr möglich.
Für morgen habe ich bereits ein Billet für das Abendspiel zwischen Peñarol und Boston River in der Tasche, wohingegen ich für den schon seit Wochen ausverkauften Parque-Prado-Schlager zwischen River Plate und den Montevideo Wanderers am Nachmittag schwarz sehe. Eigentlich hatte ich mich da auf den Schwarzmarkt verlassen. Bei Racing aber wurde heute tatsächlich bei jedem Einzelnen der Pass mit der Eintrittskarte abgeglichen – selbst bei Journalisten und TV-Leuten! Das dürfte morgen nicht anders sein. Zwar hat mir ein Platzwart beim Besuch des River-Stadions „Saroldi“ am Nachmittag versichert, er würde mich morgen in jedem Fall reinlassen („komm einfach eine Stunde vorher an dieses Tor, da werde ich warten“), dass ihm das wirklich gelingt glaube ich nach den heutigen Erfahrungen jedoch nicht.
Abenteuer Fußball…

Hier aber nun zumindest ein paar optische Eindrücke aus dem Racing-Umfeld.

 

Sieht gar nicht so wild aus – ein Vorbeikommen gab es dennoch nicht.

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