ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Zeitspiel-Buch: Montevideo – eine Reise ins Herz des Fußballs

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Montevideo – eine Reise ins Herz des Fußballs: Das Buch

Montevideo ist eine der ältesten Fußballstädte der Welt. Gemeinsam mit Buenos Aires war man Geburtsstätte des Fußballs in Südamerika und wurde zur Hochburg mit einer leidenschaftlichen Fankultur. Und hatte enormen Erfolg! Zweimal Olympiasieger (1924 und 1928), zweimal Weltmeister (1930, 1950), 15 Mal Sieger der Copa América – und damit häufiger als Brasilien oder Argentinien – Uruguay, das so viele Einwohner wie Berlin hat, ist die kleine Fußballhochburg der Welt.

Und Montevideo ist ihr fußballerisches Epizentrum. Hardy Grüne besuchte die Stadt 2014 und 2017 und machte sich auf die Suche nach den Wurzeln der Fußball-Liebe. Er ging nicht nur zu den beiden Großen Peñarol und Nacional, die seit über 100 Jahren den Fußball in Uruguay dominieren, er besuchte auch die „Kleinen“ wie Defensor, Wanderers, Cerro, Rampla Juniors, Fénix, Liverpool etc. Was er fand war eine einzigartige Stadionlandschaft, die regelrechte Zeitreisen ermöglichen, eine tief verwurzelte Fanliebe, die den Alltag prägt und eine lebendige Fußballkultur, die jedes Wochenende die komplette Stadt erfasst.

Sein Buch erzählt auf 128 üppig bebilderten Seiten von der Geschichte und vor allem der Gegenwart des Fußballs in Montevideo. Die Reise geht in kultige Canchas wie das Estadio Olímpico von Rampla Juniors, wo ein uralter Tango als Einlaufmusik fungiert bis hin ins hochmoderne Estadio Campeón del Siglo von Serienmeister Peñarol, mit dem Uruguay in die Moderne aufbrechen will. Im Zentrum steht in Montvideo aber immer irgendwie die Vergangenheit, und die wird eindrucksvoll repräsentiert vom Estadio Centenario, dem Endspielort der WM 1930.

Sein Bild- und Textband auf 128 Din-A4-Seiten wird im November als Zeitspiel-Sonderedition erscheinen und kann ab sofort zum Subskriptionspreis von 19,90 Euro (plus Porto) hier in unserem Shop vorbestellt werden. Dieser Sonderpreis gilt bis zum 31. Dezember 2018, danach kostet das Buch 25 Euro plus Porto. Für Bestellungen im EU-Ausland bitte hier, für Bestellungen im restlichen Ausland bitte hier klicken.

 

Inhaltsverzeichnis

  • ¡Bienvenidos en Montevideo! (das Vorwort gibt es hier schon mal zu Lesen: einfach bis zum Ende runterscrollen)
  • Fußball als Pulsschlag der Stadt
  • Uruguays Fußballgeschichte im Zeitraffer
  • Gebrauchsanweisung für Montevideo
  • Montevideos Fußballgeografie
  • Racing Club de Montevideo
  • Club Atlético Peñarol
  • Defensor Sporting Club
  • Club Atlético Rivers Plate
  • Montevideo Wanderers FC
  • Club Atlético Bella Vista
  • Kassenhäuschen
  • Liverpool Fútbol Club
  • Danúbio Fútbol Club
  • Montevideos Fußballseele
  • Estadio Centenario
  • Estadio Pocitos
  • Central Español
  • Club Nacional de Fútbol
  • Stadtimpressionen
  • Club Atlético Cerro
  • Rampla Juniors FC
  • Fußball-Streetart
  • Centro Atlético Fénix
  • Die anderen Klubs
  • Montevideo. Mate. Liebe.

Und hier nun ein paar optische Auszüge aus dem entstehenden Werk:

 

Und wer schon mal reinlesen möchte. Hier ist das Vorwort:

¡Bienvenidos en Montevideo!

Montevideo und Buenos Aires sind für viele Fußballfans Traumziele. Wer guten Fußball sehen will, reist sicher an andere Orte. Wer jedoch eine Fankultur erleben möchte, deren Nukleus die reine und grenzenlose Leidenschaft und Hingabe ist, der kommt voll auf seine Kosten. Bis in die fünfte Liga reihen sich die Spektakel, und wer seine Besuche über die namhaften Vereine hinweg organisiert erlebt eine einzigartige Fußballkultur.

Zwei längere Aufenthalte in Südamerika ließen mich 2014 bzw. 2017 eintauchen in diese Welt, die in uns Westeuropäern häufig ratlose Faszination auslöst. Denn über Stadtautobahnen brausende Buskolonnen voller Fans, die mit freiem Oberkörper aus den Busfenstern hängen oder gleich auf dem Dach hocken und mit Trommeln und Posaunen marschierende Gruppen schwitzender Machomänner wirken aus unserer europäischen „safety-first“-Attitüde ziemlich irritierend. Die selbstverliebte Leidenschaft, mit der die „hinchas“ (Fans) bzw. „barras brava“ (Fangruppen) ihre Choreografien und Gesänge vortragen, ist überwältigend, und selbst wenn die Ultraszene in Deutschland längst eine respektable Kreativität und Intensität entwickelt hat, bleibt Südamerika der Sehnsuchtsort für viele Fußballfans.

Im Gegensatz zur durchchoreografierten Fußball-Eventisierung in Europa ist Fußball in Südamerika zudem unverändert Teil der Alltagskultur und tief im Lebensalltag der Menschen verankert. Es geht nicht nur um Fußball und Stadionbesuch, um Graffitis und Choreografien, es geht um Abgrenzung und Dazugehörigkeit, um Territorium und Eroberung und nicht zuletzt um Hoffnung und Halt in einer Welt, die von existenzieller bis existenzbedrohender Schärfe geprägt ist.

Während Fußball für viele den Lebensanker darstellt, ist die Herzkammer eines jeden Klubs sein Stadtteil. Der „barrio“. Dort, wo die „cancha“ (Stadion) steht, wo Graffitis die Herrschaftsbereiche der „barras brava“ abgrenzen, wo jedes Spiel Farbe, Leben und trotzige Zuversicht in einen oft ernüchternd grauen und tristen Alltag zaubert. In seinem Barrio ist der Klub weit mehr als nur ein Fußballverein, zu dem man hingeht, um sich die Spiele anzuschauen. Er ist das Bannerschild des eigenen Viertels – und oft genug zugleich das Schwert, mit dem der Barrio verteidigt oder der gegnerische Barrio angegriffen wird.

Fußball und Gewalt sind in Südamerika noch unmöglicher zu trennen als in Europa. Wer sich einmal durch eines dieser berüchtigten Barrios getraut hat, die Blicke und den Argwohn auf sich spürte, die einfachen Lebensumstände wahrnahm und die Perspektivlosigkeit vor allem der Jugend begriff, der bekommt eine Ahnung, was der Fußball dort bedeutet. Und dass der sportliche Wettstreit zwischen zwei Fußballmannschaften dadurch schleichend verschwimmt mit Machtkämpfen adrenalingetriebener Machogruppen auf den Rängen und jenem existenziell-menschlichen Grundbedürfnis nach Gemeinschaft, das umso intensiver wird, je stärker die eigene Lebenswelt gefühlt bedrängt ist. In einige Barrios wagt man sich daher besser nur mit wachsamer Vorsicht, gesundem Menschenverstand, dem Bewusstsein über den eigenen Wohlstand (gilt auch für groundhoppende Sparfüchse!) und einer gewissen Durchlässigkeit für die südamerikanische Lebensart.

Auf meinen beiden Reisen habe ich viele dieser Barrios gesehen und so manchen durchwandert. Davon handelt das vorliegende Buch über Montevideo ebenso wie der zweite Band, in dem es um Buenos Aires gehen wird. Es waren Besuche in den Zentren zweier Fußballherzen und zugleich entlang der Welten. In den Stadtzentren von Buenos Aires und Montevideo fühlte ich mich vertraut heimisch, weil vieles wie in Europa ist. Die üblichen Laden- und Kaffeehausketten, die Leichtigkeit des Wohlstands, die Allmacht des Geldes. Schon ein paar Busstationen weiter sieht die Welt jedoch oft völlig anders aus. Wellblechhütten, unasphaltierte Rumpelpisten, ein Leben, das außerhalb der Konsumgesellschaft stattfindet. Stärkstes Symbol für die Bedeutungslosigkeit, in die die Einwohner dieser Barrios von Verwaltung und Politik gerne abgeschoben werden, sind fehlende Straßenschilder. Als würden sie nicht gebraucht, als gehörten diese Straßen ohnehin nicht zur Stadt, als seien sie nicht vorhanden. Touristen verirren sich hier nicht hin.

Es sei denn, sie sind Fußballfans. Dann geht es mitten hinein nach Villa del Cerro oder Jardines del Hippódrome, mitten hinein ins raue Fußballherz. Meine Stadionbesuche dienten nicht dem Spiel, sondern seinem Rahmen. Ich bin losgezogen, weil ich sehen wollte, in welchem Umfeld Fußball gespielt wird. Wie sich die Unterschiede in der Zuschauerschaft zeigen, was für Perlen der Fankultur abseits von Nacional und Peñarol zu entdecken sind. Was die Geschichte erschaffen hat. Davon handelt diese Buch. Keine Spielberichte, keine Torschützen, keine Erzählungen von tollen Flankenläufen. Stattdessen bebilderte Erlebnisberichte aus dem Herzen des gelebten Fußballwahnsinns.

Buen Viaje!

Autor Hardy Grüne

 

 

 

 

 

 

 

 

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