ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Wanderausstellung „Fan-Tastic Females“

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Seit September 2018 tourt die Wanderausstellung Fan.Tastic Females – Football Her.Story durch Deutschland, die über die Entwicklung im Frauenfußball informiert. Aktuell ist sie in Duisburg zu sehen, hier die weiteren Orte, in denen sie bis in den Herbst 2019 gastiert. Die Journalistin Mara Pfeiffer hat in unserer aktuellen Ausgabe #14 mit dem Leitartikel „Frauen und Fußball“ auch über die Ausstellung berichtet und sich mit Sue Rudolph aus dem Orga-Team unterhalten.

 

Weibliche Fans als Inspiration

Von Mara Pfeiffer

Die Geschichte(n) weiblicher Fankultur erzählt die Ausstellung Fan.Tastic Females – Football Her.Story, die erstmals im September 2018 in Hamburg gezeigt wurde und seit Oktober auf Tour ist. Unter der Federführung von Football Supporters Europe (FSE), die auch Träger der Ausstellung sind, haben rund 70 Ehrenamtliche aus Europa und der Türkei (Frei-)Zeit, Arbeit und Herzblut investiert, um weibliche Fankultur jenseits der gängigen Stereotype zu zeigen. Die Ausstellung vereint 80 Videos von Frauen aus 21 Ländern, für die Teams von Freiwilligen monatelang durch Europa reisten, um Interviews zu führen. Dabei haben die Macher*innen auf die Bedürfnisse der Fans behutsam Rücksicht genommen, wenn diese beispielsweise ihr Gesicht nicht zeigen oder auch anonym bleiben wollten, was in manchen Ländern schon aus Selbstschutz notwendig ist, oder aber dem Schutz der Fangruppe dienen kann.

„Ohne eine stabile Vertrauensbasis, die über Jahre erarbeitet wurde, wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, erklärt Sue Rudolph aus dem Orga-Team. So gelingt es, die ganze Vielfalt weiblicher Fans zu zeigen: Kutten bis Ultras, Frauen in Führungspositionen oder nationalen Netzwerken. Damit kann das Anliegen der Macher*innen gelingen, „Vorbilder zu schaffen, die vielleicht sogar andere Frauen inspirieren, sich ihren Platz auf der Tribüne zu erobern.“

 

Sue Rudolph (links)

Interview mit Sue von den Fantastic Females

Wie sehr überschneiden sich die Frauen hinter F_in und die hinter den Fantastic Females?

Da Football Supporters Europe (FSE) Träger der Ausstellung und F_in Mitglied bei FSE ist, gibt es durchaus einige Überschneidungen zwischen F_in und Fan.Tastic Females.

Es waren sowohl Frauen vor, als auch hinter der Kamera, die bei F_in aktiv sind. Da F_in ein hauptsächlich deutschsprachiges Netzwerk ist, beschränken sich die Überschneidungen vor der Kamera auf Fans aus Deutschland und Österreich, aus dem Orga-Team sind mindestens zwei Personen auch bei F_in aktiv, eine davon ist eine der Projektkoordinatorinnen.

Wie viele Mitstreiter*innen aus anderen Ländern sind an Bord, wie viele Menschen haben die Ausstellung insgesamt auf die Beine gestellt?

Insgesamt haben unter Federführung von FSE circa 70 Menschen ehrenamtlich an der Realisierung der Ausstellung mitgewirkt, viele davon aus anderen (fußball-)europäischen Ländern. Alle Details wurden in vielen abendlichen internationalen Skype-Konferenzen besprochen und Unterthemen in kleinere internationale Arbeitsgruppen zur Realisierung aufgeteilt. So gab es zum Beispiel auch eine Gruppe, die Hintergrundinformationen zu und die Historie von Frauen im Fußball recherchiert hat. Eine andere hat sich mit Merchandise beschäftigt, wieder andere gemeinsam mit unserer Grafikerin mit dem Design und so weiter. Generell ist aber schon ein kleiner deutscher Schwerpunkt zu erkennen, da auch die meisten der Organisator*innen, Geldgeber*innen und Unterstützer*innen aus Deutschland kommen.

Wie lange war die Vorbereitungszeit?

Die Idee für eine Ausstellung über weibliche Fankultur kam erstmals 2010 bei einem Workshop zum Thema weibliche Fußballfans beim FSE-Fankongress in Barcelona auf. Danach verschwand sie für eine Weile wieder in den Schubladen, bevor sie, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, unter anderem bei einem F_in-Treffen wieder thematisiert und schließlich mit FSE konkret an ihr Realisierung weitergearbeitet wurde. In den letzten eineinhalb Jahren vor Eröffnung sind dann Teams von Freiwilligen durch ganz Europa gereist, um über 80 Frauen aus insgesamt 21 Ländern zu interviewen. Die meiste Arbeit war aber wahrscheinlich das Schneiden, Übersetzen und Transkribieren der ganzen Interviews.

Wie habt ihr die Frauen gefunden? Wie habt ihr sie vor die Kamera gebracht?

Wir haben natürlich durch die beteiligten Personen, Initiativen, Netzwerke und Organisationen viele Kontakte in die verschiedensten Fanszenen, national wie international. Allein bei FSE sind Personen aus über 48 UEFA-Ländern organisiert. Wir haben mit Frauen von Norwegen bis Italien, von Frankreich bis Russland gesprochen – sogar Frauen aus den USA und dem Iran kommen zu Wort.

Ein schöner Nebeneffekt der Ausstellung war, dass mit dem Bekanntwerden des Projektes auch immer mehr Personen von sich aus auf uns zugekommen sind und fan.tastische Frauen aus ihren Fanszenen vorgeschlagen haben. So haben sich automatisch immer mehr Menschen mit dem Thema auseinandergesetzt und sich Gedanken über die Frauen in ihren Fanszenen gemacht oder ihre scheinbare Abwesenheit hinterfragt.

Je tiefer man in die jeweiligen Fanszenen eindringt, desto schwieriger wird es, aus den verschiedensten Gründen, Menschen vor die Kamera zu holen. Ein paar der Frauen wollten zwar mitmachen, weil sie hinter der Sache stehen, aber anonym bleiben oder ihr Gesicht nicht zeigen – was wir selbstverständlich auch genau so umgesetzt haben.

Generell kann man sagen, dass die Frauen, die mitgemacht haben, den Frauen, die es organisierten, vertraut haben. Ohne eine stabile Vertrauensbasis, die sich über Jahre erarbeitet wurde, wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Was war euch besonders wichtig?

Wir wollten weibliche Fankultur jenseits medialer Stereotype einmal in ihrer ganzen Vielfalt von Kutten bis Ultras so zeigen, wie sie wirklich ist. Um die Rolle endlich positiv zu besetzen und die Geschichten der vielen großartigen Frauen mit der Welt zu teilen. Um Vorbilder zu schaffen, die vielleicht sogar andere Frauen inspirieren, sich ebenfalls ihren Platz auf der Tribüne zu erobern.

Die Ausstellung und die durch sie entstandene Aufmerksamkeit für das Thema hat bereits diverse vereinsübergreifende Initiativen angestoßen und bei fast allen Beteiligten und Ausstellungsorten dazu geführt, dass eigene Frauengruppen, Netzwerke oder Treffen angestoßen wurden. Gemeinsam mit den Vereinen wird jetzt vielerorts daran gearbeitet, nicht nur die bereits aktiven weiblichen Fans sichtbarer zu machen und mehr auf sie einzugehen, sondern auch neuen weiblichen Fans den Zugang zu erleichtern und sie besser zu integrieren.

Was waren prägende Begegnungen? / Welche Erkenntnisse über Frauen in den Kurven habt ihr während der Zeit gewonnen?

Jede der Interviewerinnen hat wahrscheinlich eine Interviewpartnerin, die sie persönlich am meisten beeindruckt hat. Viele Geschichten sind sehr bewegend und nicht selten waren die Gespräche auch emotionale Reisen ins eigene Ich, aus denen Freundschaften entstanden sind.

Was aber neben den besonderen (Einzel-)Begegnungen alle Beteiligten enorm geprägt, gestärkt und beflügelt hat, ist die Erkenntnis, wie viele verschiedene tolle Fanfrauen es überall in der Fußballwelt gibt. Als Frau ist man im Fußball meist in der Unterzahl oder bei Treffen und in Gremien sogar nicht selten „DIE Frau“ allein unter Männern. Dies kann dazu führen, dass man die eigenen Positionen manchmal vielleicht als weniger wichtig empfindet oder sich schlechter durchsetzen kann. Wenn dann aber einige Frauen den Anfang machen, einen Schritt vortreten und sichtbar werden, sieht man auf einmal, dass wir viele sind und gemeinsam alles erreichen können. Und das macht allen Mut und stärkt das Selbstbewusstsein enorm.

Es war schon faszinierend, wie gut sich alle Beteiligten bereits bei ihrer ersten großen Begegnung bei der Ausstellungseröffnung am Millerntor verstanden haben und wie schnell sich ein Zusammengehörigkeits- beziehungsweise Gemeinschaftsgefühl etabliert hat. Der heimliche Star dieses Treffens war sicherlich die heute 79-jährige Maria Petri, die seit 50 Jahren kein Heimspiel ihrer Gunners verpasst hat. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem reichen Erfahrungsschatz, ihrer Sanges- und Lebensfreude war sie uns allen ein großes Vorbild – und unsere Vorsängerin.

Wie finanziert ihr euch? Inwiefern erfahrt ihr Unterstützung durch die gelisteten Partner?

Wir verlangen von ausstellenden Profivereinen, Museen oder ähnlich professionell aufgestellten Organisationen eine kleine Leihgebühr, die wir ausschließlich zur Deckung der laufenden Kosten für die Hintergrundorganisation verwenden. Die gelisteten Unterstützer und Partner haben das Projekt oder Teile davon mitfinanziert, bei Recherchen geholfen oder mit kompetenter fachlicher Hilfe bei der Umsetzung, sprich Frauenpower. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, uns über den „Donate“-Button auf der Webseite der Ausstellung (fan-tastic-females.org) mit Spenden zu unterstützen, selbstverständlich erhält man hierfür auf Wunsch eine Spendenquittung.

Was müssen Veranstalter tun?

Die Idee hinter dem Projekt war von Beginn an, die Ausstellung möglichst vielen Fans und für unterschiedlichste Orte und Begebenheiten in ganz Europa zugänglich zu machen. Deshalb ist das Projekt als eine multimediale Wanderausstellung konzipiert, um sie auf relativ einfache und kostengünstige Weise von A nach B transportieren zu können. Die Inhalte werden auf Deutsch und Englisch auf mobilen Displays und Bannern dargestellt, Videos sind über QR-Codes auf Smartphones einscann- und ansehbar. Auf diese Weise soll es Fans oder Organisationen mit relativ geringen Eigenmitteln ermöglicht werden, die Ausstellung zu zeigen. Ebenso können aber auch Aussteller*innen mit entsprechendem Equipment (wie Vereinsmuseen) die multimedialen Teile auf eigenen Bildschirmen in ihren Räumlichkeiten darstellen.

Im Grundsatz funktioniert es etwa so:

Die Aussteller*innen an der jeweils nächsten Station übernehmen die Versandkosten vom letzten Ausstellungsort in ihre Stadt.

Zusätzlich ist eine Kaution in geringer Höhe zu hinterlegen, damit beschädigte Ausstellungsteile gegebenenfalls ersetzt werden können – wenn alles heil geblieben ist, gibt es die Kaution natürlich in voller Summe zurück.

Bei ausstellenden Profivereinen, Museen oder ähnlich professionell aufgestellten Organisationen wird zudem eine kleine Leihgebühr fällig, die wir ausschließlich zur Deckung der laufenden Kosten für die Hintergrundorganisation verwenden.

Wer die Ausstellung zeigen möchte, kann sich an exhibition@fanseurope.org wenden, sich kurz vorstellen und am besten auch gleich sagen, wann man die Ausstellung in welchem Rahmen gerne zeigen möchte.

 

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