ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Unser Schwerpunkt #7: Chinas Fußball-Revolution

| Keine Kommentare

Das Thema China und Fußball ist derzeit in aller Munde und löst großes Staunen und auch eine gewisse Unruhe aus. Mit scheinbarer Mühelosigkeit locken chinesische Klubs namhafte Spitzenspieler ins Land und in eine Liga, die bislang als bessere Operettenliga galt. Während sich die eine Seite über einen zu erschließenden Milliardenmarkt freut, sorgt sich die andere Seite um die Hegemonie im Weltfußball.
Wir haben uns in unserem Schwerpunkt intensiv mit den vielen Seiten der „chinesischen Fußball-Revolution“ beschäftigt. Denn sie geht weit über die schlagzeilenträchtige Verpflichtung von Spielern wie Hulk oder Carlos Tevez hinaus. Chinas Fußball-Revolution hat das Zeug, den Weltfußball nachhaltig und grundlegend zu verändern.


Und so  starten wir in unseren 30-seitigen Schwerpunkt „Chinas große Fußballoffensive – und was sie für Europa bedeutet“:

AC und Inter Mailand. Slavia Prag, ADO Den Haag, AJ Auxerre. OGC Nizza, Espanyol Barcelona, Atlético Madrid. Aston Villa, Wolverhampton Wanderers, Manchester City, der Schweizer Vermarkter Infront, Portugals 2. Liga. Die Spieleragentur GestiFute und selbst die FIFA. Große Namen des Weltfußballs, die eins gemeinsam haben: Investoren oder Besitzer aus China.

Mehr als 1,5 Milliarden Euro investierte China seit Ende 2015 in Beteiligungen und Übernahmen europäischer Vereine. Spieler- und Marketingagenturen von Weltruf kamen unter chinesische Verantwortung. Und auch die heimische „Chinese Super League“ (CSL) öffnete ihre Schatullen. Im Frühjahr 2016 tätigten chinesische Klubs laut „transfermarkt.de“ fünf der sechs größten Transfers, wechselten atemberaubende 300 Mio. Euro für Spielerpersonal die Seiten.

Gefühlt binnen eines Wimpernschlages hat sich China von einer müde belächelten Fußballrentner-Destination zu einem einflussreichen Mitbewerber im Weltfußball aufgeschwungen. Mit seiner enormen Finanzkraft hat man inzwischen selbst zur englischen Premier League aufgeschlossen und erschüttert die alteingesessene (eurozentrische) Fußballwelt in ihren Grundfesten.

Eine Fußballkultur zu „kaufen“ ist sicher kein neues Phänomen. Das gab es in den 1970ern in den USA, als vor allem Warner Brothers mit Cosmos New York für eine Fußball-Revolution sorgte. Oder in den 1990ern in Italien, als Auto-, Food- und Medien-Tycoons auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen. In den 2010er Jahren in Russland und der Ukraine, als Oligarchen und andere Gewinner der politischen Entwicklung sich Fußballklubs als Spielzeuge leisteten. Und natürlich aktuell in England, wo Roman Abramowitsch eine Entwicklung einleitete, die zum Ausverkauf des dortigen Vereinsfußballs führte.

Doch der Fall China ist anders. Denn China ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Welt und das mit den weltweit meisten Milliardären, sondern vor allem ein Land, in dem der Fußball einen enormen Nachholbedarf hat und dessen politische Führung (der demokratische Entscheidungsprozesse ziemlich egal sind), die Fußballrevolution federführend anstieß und unterstützt. Das alles ergibt ein Potenzial mit nie zuvor erlebter Schlagkraft, über das Arsène Wenger im Herbst 2015 sagte: „Ich weiß nicht, wie groß das Verlangen in China ist, aber wenn es ein starkes politisches Verlangen ist, sollten wir uns sorgen.“

Fußball-Revolution als 50-Punkte-Plan

Es war der 23. Februar 2015, als sich die Geschicke des Weltfußballs entscheidend veränderten. Generalsekretär und Staatspräsident Xi Jinpig bat die „Zentrale Führungsgruppe für Reform“ zu einer Sitzung ins KP-Hauptquartier Zhongnanhai. Schon kurz nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten im März 2013 hatte Xi – in den Medien gerne als „passionierter Fußball-Liebhaber“ dargestellt, ohne dass es dafür belastbare Belege gibt -, eine Untersuchung über den Zustand des Fußballs im Land anordnet und radikale Reformen angekündigt. Denn für Chinas KP-Chef ist Fußball „eine Grundlage für Glück und Erfüllung in der modernen Gesellschaft“.Nun lag das „Reform- und Entwicklungsprogramm für den chinesischen Fußball“ vor. Es begann mit den Worten: „Seit Kamerad Xi Jinping Generalsekretär des 18. Kongresses der Kommunistischen Partei Chinas (CCP) wurde, hat er die Entwicklung des Fußballs auf die Agenda gesetzt, um China zu einer großen Sportnation zu machen“. Herausragendes Ziel ist die Umsetzung eines drei Punkte umfassenden WM-Plans: 1.) Qualifikation zum Endturnier, 2.) Ausrichtung eines Endturniers und 3.) Gewinn bis 2050.

Nachdem Xi den Befehl zur „Wiederbelebung des chinesischen Fußballs“ gegeben hatte (O-Ton der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua), setzte sich das halbe Land in Bewegung. Liu Xiaoxin, Chefredakteur der Fachzeitung „Fußball“ prophezeite damals: „Wenn die Regierung sagt, Fußball ist Trumpf, dann heißt das: Alle werden sich nun auf den Fußball stürzen.“

Genau so kam es. Der Staatsrat, Chinas Regierung, verabschiedete umgehend einen 50 Punkte umfassenden Fußball-Aktionsplan. Offizielle von der obersten Zentralregierung bis hinunter auf die kleinste Provinzebene beeilten sich, Xis Visionen in die Realität zu übertragen. Landesweit entstanden Fußballplätze und Graswurzelvereine, wurde der Fußball in die Schulen getragen und zu einem fixen Bestandteil des Bildungswesens. Bis dato war er bei Chinas Eltern eher verpönt, wollte man den Nachwuchs lieber Wissen pauken sehen. Nun sollen bis 2017 rund 20.000 Schulen in Fußball-Akademien umgewandelt sein, die rund 100.000 Spieler „produzieren“; entstand in Guangzhou die weltweit größte Fußball-Akademie mit über 3.000 Schülern. Noch 2010 waren in China übrigens insgesamt lediglich 7.000 Fußballer registriert (Deutschland: 6,3 Mio.), sagte Bora Milutinovic, der China 2002 zu seiner bisher einzigen WM-Teilnahme geführt hatte: „In jedem Land sieht man Jungs auf den Straßen oder in Hinterhöfen kicken. Nur hier nicht.“

Ihr wollt weiterlesen und mehr über die chinesische Fußball-Revolution erfahren? Dann Zeitspiel-Ausgabe 7 bestellen! Darin berichten wir auf insgesamt 30 Seiten aus folgenden Blickwinkeln über China und seine Fußball-Revolution:
– Chinas globale Fußballoffensive – und was sie für Europa bedeutet
– Sport als Werkzeug: Die politische Dimension der chinesischen Fußball-Revolution
– Schwachpunkt Nationalmannschaft: Chinas quälende Wunde
– Warum Fußball? Chinas Obsession mit Tradition und Luxusmarken
– Die Spielmacher der Fußball-Revolution: die einflussreichsten Personen, Firmen und Konsortien
– Die Spielfelder der Fußball-Revolution: in welchen Fußballklubs Europas sind chinesische Unternehmen bereits involviert
– Eine lange und kuriose Geschichte: Fußball in China
– Worlds Next Top League?: Die Chinese Super League (CSL)
– Guangzghou Evergrande: der Premier-Klub
– Die eigentliche Revolution: Chinas Nachwuchsarbeit
– Nur ein neuer Markt? Deutschland und China
– Interview mit einem Schalke-Fan über eine Gastspielreise der Königsblauen nach China im Sommer 2016
– Klartexte zum Thema von Tarik Dede und Marco Stein

 

Außerdem im Heft:

Leitartikel Revolutionen im Fußball – Wie China den Weltfußball erschüttert und der Unterbau in Europa aufmuckt
Legend Kickers Offenbach
Global Game Chile
Gästekurve Luckenwalde
Jays Corner SV Lohhof
Mottenkiste Schlesischer Fußball an der Peripherie
Dazu kommen die üblichen Rubriken wie Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Hagen Leopolds Collector’s Corner, Zeitspiel International, Frank Willmanns Kolumne, Fußballwelt und Weltfußball, Buchmacher, Abstauber, Singing Area, Alle Tassen im Schrank etc.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Infos und Bestellung hier.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.