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KLARTEXT: Reinhard Grindel, die alten Männer und eine einzige Schlammschlacht

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Gestern fand der 45. Verbandstag des Niedersächischen Fußball-Verbandes in Barsinghausen statt. Er war begleitet von der erneuten Medien-Berichterstattung über den „Fall 1. FC Germania Egestorf-Langreder“ bzw. einem möglichen Interessenskonflikt seitens des scheidenden NFV-Präsidenten Karl Rothmund. Unser Mit-Herausgeber Frank Willig war als Vertreter seines Vereins SV Arminia Hannover dabei.
Hier sein Kommentar.

KLARTEXT: Reinhard Grindel, die alten Männer und eine einzige Schlammschlacht

Von Frank Willig
Das Niveau und der gegenseitige Respekt bei öffentlichen Diskussionen sind zuletzt mehr und mehr gesunken. Am gestrigen Samstag sorgte DFB-Präsident Reinhard Grindel beim 45. Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) nun dafür, dass es noch ein Stückchen tiefer ging. Vier Vereine aus Hannover und Umgebung hatten sich vor einiger Zeit nebst weiterer Unterstützer zusammengetan, um ihrem Unmut über eine aus ihrer Sicht offensichtliche und unlautere Bevorteilung des mittlerweile in der Regionalliga kickenden 1. FC Germania Egestorf-Langreder durch den räumlich und personell nahestehenden NFV kundzutun und gegebenfalls rechtliche Maßnahmen in die Wege zu leiten. Ein völlig legitimer Schritt.

Mit Andree Ullmann, Vorsitzender des niedersächsischen Oberligisten 1. FC Wunstorf, und Jürgen Scholz, hannoverscher Rechtsanwalt mit Schwerpunkt unter anderem im Sportrecht, pickte sich Reinhard Grindel in seiner Würdigungsrede für den scheidenden NFV-Präsidenten Karl Rothmund nun zwei der Verbandskritiker heraus, indem er ihnen polemisch vorwarf, gegen den nicht zur Wiederwahl angetretenen Rothmund „mit Dreck zu schmeißen“. Auch den 78-jährigen Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg Unterhaching, wie Scholz Rechtsanwalt und Gründer der DFB-kritischen Initative „Rettet die Amateurvereine“ sowie dessen Mitstreiter knöpfte sich Grindel am Rednerpult indirekt vor. In abwertendem Kontext und ohne Nennung von Namen spielte er auf die „alten Herren aus Unterhaching“ an und zog damit gleich eine ganze Generation betagteren Alters – und damit natürlich auch viele beim Verbandstag Anwesenden – in den von ihm zuvor selbst zitierten Dreck, was zumindest für Tuscheln unter den Delegierten sorgte. Auf solchem Niveau mit gesellschaftsfeindlichem Zungenschlag sollte insbesondere ein Präsident eines Fußball-Bundes, der eigentlich doch wohl für alle da sein sollte, mit Kritikern nicht umgehen.

Karl Rothmund gilt es abseits der diskussionswürdigen Punkte danke für den geleisteten Einsatz im Fußball zu sagen, dem neuen NFV-Präsidenten Günter Distelrath ein glückliches Händchen für die Zukunft zu wünschen und Reinhard Grindel sowie dem NFV insgesamt dringend einen konstruktiveren und offeneren Umgang mit naturgemäß manchmal eben auch kritischen Stimmen nahezulegen.

Ein Kommentar

  1. Danke für den Bericht. Ein Beispiel dafür, dass die Entwicklung des Fußballs immer mehr
    auf die falsche Spur führt; ich kann nur hoffen, dass das keine Einbahnstraße ist.
    Der unterklassige Fußball wird in die Ecke geschoben und in der höchsten Spielklasse geht
    es nur um immer mehr Profit mit für die Fans kaum planbaren Spielterminen ( an wel-chem Tag um welche Uhrzeit kann ich mein Team im Stadion sehen?). Die Bundesligaberichterstattung im Radio informiert live flächendeckend und ausführlich nur
    noch über die Spiele am Samstagnachmittag; neue Alternativangebote überzeugen mich
    nicht!
    Ich freue mich zunehmend über Spiele im Amateurfussball, im vertrauten Umfeld unter
    Gleichgesinnten mit persönlichem Bezug zur Mannschaft meines Dorfvereins.

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