ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

6. Juli 2019
von Hardy Gruene
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Ausgabe #15 – der Inhalt

Voila, es ist vollbracht. Ausgabe #15 ist in der Druckerei und wird in der zweiten Juli-Woche an alle AbonnentInen und VorbestellerInnen ausgeliefert.

Hier schon mal als kleiner Vorgeschmack das Inhaltsverzeichnis:

1. Juli 2019
von Hardy Gruene
Keine Kommentare

Zeitspiel-Ausgabe #15 im Druck!

Mit 15 steckt man mitten in der Pubertät und rebelliert gegen die Alten. Kennen wir alle, ist halt nur unterschiedlich lange her.

Unsere Ausgabe #15, die seit Donnerstag in der Druckerei ist und nächste Woche bei allen AbonenntInnen und VorbestellerInnen in den Briefkästen landen sollte (Ausland dauert etwas länger) ist so eine „Pubertätausgabe“. Denn wir schauen in unserem Leitartikel mal genau hin, wie das mit dem Fußball eigentlich so ist. Gucken auf all die vermeintlichen und tatsächlichen Krisenfelder vom Glitzerprodukt Weltmeisterschaft bis in die unterste Kreisklasse, vom umkämpften Talentemarkt bis in die Pampersliga, von Fußball-Millionären à la Neymar zu den Armenhäusern Regionalliga und Oberliga.

Doch wir wollen nicht nur jammern und klagen, wir wollen vor allem in die Zukunft schauen. Wie man das mit 15 so tut geht es um Visionen, um neue Wege, um ein bisschen Aufbegehren gegen die „Alten“ und das „Alte“. Dazu haben wir uns bei diversen Vereinen umgeschaut, die es schon „anders“ machen. Und spekulieren ein bisschen, wie ein anderes Verbandswesen aussehen kann und wie das mit den Klubs in Regional- und Oberliga vielleicht auch ohne Serienpleiten klappen kann.

Mit anderen Worten: die #15 ist ein bisschen rebellisch unterwegs – ganz so, wie man es mit 15 tut.

Zum Ausgleich gibt es reichlich geerdete Fußballkultur. Unsere Legende Hanau 93 beispielsweise nennt sich mit vollem Recht „ältester Fußballklub Hessens“ und hat gerade nach 33 Jahren die Rückkehr in die Hessenliga geschafft. Im Global Game reisen wir nach Djibouti ans Horn von Afrika, und wo das schönste Stadion der Welt steht zeigt Euch Johannes in seinem „Jays Corner“.
Last but noch least ist da noch unser alljährlicher großer Rückblick auf die Saison in der Regional- und Oberliga. Alle Zahlen, alle Fakten und vor allem: alle Zuschauerzahlen. Exklusiv nur bei Zeitspiel!

Die #15 kann ab sofort bestellt werden. Gern natürlich auch gleich im Abo oder als Zweier-Kurzabo zum Testen.

14. Juni 2019
von Hardy Gruene
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Eine kleine Geschichte der Copa América (aus: Zeitspiel-Ausgabe 5)

Heute startet in Brasilien die Copa América, das älteste Nationenturnier der Welt. Einmal mehr steht Südamerika im Banne des Fußballs, wenn die traditionsreichen Nationen Brasilien, Argentinien und Uruguay aufeinandertreffen und sich mit kecken Herausforderern wie Chile, Paraguay, Kolumbien oder Bolivien messen. Die Copa ist ein kontinentales Ereignis, das sich nicht zuletzt aus ihrer reichhaltigen und mythenbeladenen Geschichte speist.

In unserer fünften Ausgabe haben wir uns im September 2016 anlässlich des damaligen 100. Jubiläums des Turniers ausführlich und vielschichtig mit dem Phänomen Copa América beschäftigt. Aus dieser Ausgabe nachstehend der komplette Einstiegstext über Geschichte und Mythos des Turniers. Das Heft mit zahlreichen weiteren Artikeln zur Copa América kann noch über unseren  Shop erworben werden.

Über den Fußball zur nationalen Identität

100 Jahre Copa América – eine kurze Geschichte

2. Juli 1916. Knapp 10.000 Zuschauer füllen das Stadion des Klubs Gimnasia y Esgrima in Buenos Aires. Im Auftaktspiel des „Campeonato Sudamericano del Selecciones” stehen sich Uruguay und Chile gegenüber. 4:0 gewinnt die „celeste” von der anderen Seite des Río de la Plata. Zwei Treffer gehen auf das Konto von Isabelino Gradín, gegen dessen Einsatz die chilenische Delegation später Protest einlegen wird (ebenso wie gegen den von Juan Delgado). Man behauptet, die beiden seien afrikanische Profis. Tatsächlich sind es Nachfahren von als Sklaven nach Südamerika verschleppten Afrikanern. Das Kontinentalturnier ist noch keinen Tag alt, da hat es schon seinen ersten Skandal. Es ist der symbolträchtige Auftakt zu einer schillernden und oft turbulenten Historie eines Wettbewerbs, die die Vielschichtigkeit eines Kontinents widerspiegelt, der sich nicht zuletzt über den Fußball identifiziert.

 

Fußball als kultureller und gesellschaftlicher Kitt

Als Fußball in den 1870er-Jahren über britische Seeleute Südamerika erreichte, befanden sich die erst wenige Jahre oder Jahrzehnte zuvor aus der spanischen beziehungsweise portugiesischen Kolonialherrschaft entlassenen neuen Nationalstaaten noch im Selbstfindungsprozess. Der war nicht ohne Tücke, denn es handelte sich um multikulturelle und fragile Gesellschaften. Einige mit einer starken indianischen Note – wie Bolivien, Paraguay, Ecuador oder Peru – andere dominiert von Mestizen (indianisch-europäische Mischlinge) beziehungsweise Kreolen (im Land geborene Nachfahren von Europäern).

Zudem waren es im rasanten Wandel steckende Gesellschaften. Vor allem Argentinien, Uruguay, Brasilien und Chile dienten im ausklingenden 19. Jahrhundert zehntausenden von Aus­wanderern aus Spanien, Italien, dem Balkan, dem Mittleren Osten und auch Deutschland als Ziel und Hoffnungsanker. Voller Zuversicht auf ein besseres Leben tasteten sie sich der neuen Heimat an. Fußball, weltweit auf dem Vormarsch, war dabei sowohl Mittler als auch Kitt. Er bot einerseits die Möglichkeit, die eigene Herkunft und Kultur zu bewahren und gab andererseits die Gelegenheit, sich der neuen Heimat zu öffnen. Bis heute wird Argentiniens Kultklub Boca Juniors „Xeneise” genannt – ein in einem norditalienischen Dialekt für „Genua”, wo die Klubgründer herkamen, stehender Begriff. Ecuadors populärster Verein heißt Barcelona, weil sein Gründer Katalane war. In Chile trugen die Landesmeister schon Namen wie Palestino, Audax Italiano oder Unión Española, und in Brasilien weisen Vereine wie Cruzeiro, Grêmio, Corinthians, Vasco da Gama oder Palmeiras bis heute gepflegte europäische Wurzeln auf. Migration, Fußball und Identität bildeten in Südamerika von Beginn an ein starkes Bündnis.

La Boca – Heimat der Boca Juniors (Foto: Hardy Grüne)

Britische Pioniere

Fußball war selbst ein Import gewesen. Wohlhabende britische Gentlemen, die zum Handeln, als Banker oder als Eisenbahningenieure nach Südamerika gekommen waren, hatten die von den Seeleuten gelegten Wurzeln weiterentwickelt. Vor allem Buenos Aires wirkte wie ein Magnet. Um 1860 lebten bereits 40.000 Briten in der unaufhörlich wachsenden Metropole. Es waren mutige, aber auch versnobte Abenteurer und leidenschaftliche Sportsmänner. Nach dem Rugby, bereits in den frühen 1860er-Jahren eingeführt (bis heute ist Argentinien eine der stärkeren Rugbynationen), etablierten sie in den 1880er-Jahren auch den Association Football.

Mit den oft aus einfachen Verhältnissen stammenden Zuwanderern aus Südeuropa wollten die noblen Gentlemen jedoch nicht allzu viel zu tun haben. Das eine oder andere Rugby- beziehungsweise Fußballmatch war genehm, doch als die Migranten zunehmend die Initiative ergriffen, zogen sich die Briten pikiert zurück. Nach der Jahrhundertwende übernahmen Migranten endgültig die „britischen Fußballkolonien”, die sich daraufhin in nationale Kulturgüter verwandelten und zur gemeinsamen Klammer für die Einwanderungsgesellschaften wurden.

Entscheidende Steigbügelhalter waren die Industrialisierung sowie der Bau von Eisenbahnlinien. 1863 hatte man begonnen, Argentinien von Buenos Aires aus sternenförmig über Schienenstränge zu erschließen. 1912 gab es bereits 320.000 Eisenbahnkilometer im ganzen Land. Dem verdanken renommierte Vereine wie Quilmes Athletic Club oder Rosario Central ihre Existenz – sie wurden von Eisenbahnarbeitern gegründet. Die südamerikanische Fußballlegende Alfredo di Stéfano meinte 2002: „Man kann sagen, dass wo immer die Eisenbahn hinging, auch der Fußball eingeführt wurde. Das war in Argentinien so wie in ganz Lateinamerika.”

Zunächst schlug das Herz des südamerikanischen Fußballs allerdings vor allem im Mündungsraum des Río de la Plata. Auf der einen Seite liegt Buenos Aires, auf der anderen Montevideo. Gemeinsam bildete man die weltweit erste Fußballhochburg außerhalb der britischen Inseln. Und war auch in Sachen Ligafußball Vorreiter. Die 1893 gegründete „Argentine Association Football League” war die viertälteste Fußball-Liga nach der englischen (1888) und der schottischen beziehungsweise (nord-)irischen (beide 1890). Montevideo folgte 1900.

Während in Buenos Aires neben Briten vor allem Italiener an der Entwicklung beteiligt waren, dominierten im als „Pufferstaat” eingerichteten Uruguay Spanier. 1886 erhielt der dortige Albion Cricket Club eine Fußballabteilung; 1891 entstand der von britischen Eisenbahnarbeitern geschaffene Vorläufer des heutigen Rekordmeisters Peñarol. Gefördert wurde die Entwicklung des „fútbol ríoplatenense” durch Gastspiele renommierter britischer Profimannschaften wie Nottingham Forest, Everton oder Southampton, die für die jungen südamerikanischen Republiken zudem erste Möglichkeiten boten, sich als eigenständige Gesellschaften im Duell mit der damaligen Weltmacht Großbritannien zu bewähren. Über den Fußball erfuhr man damit erstmals so etwas wie eine „nationale Identität”.

Ältestes Nationenduell außerhalb der britischen Insel

Schon lange vor dem Ligabetrieb war es zu ersten regionalen Länderspielen gekommen, und heute ist das Duell zwischen Argentinien und Uruguay nicht nur das älteste nach dem zwischen England und Schottland, sondern das mit 184 Partien auch am Häufigsten gespielte. Den Auftakt hatten zwei Teams aus Buenos Aires und Montevideo gemacht, die sich im August 1888 anlässlich des Geburtstags von Königin Victoria gegenüberstanden. Das erste offizielle Länderspiel – zugleich das weltweit erste Länderspiel außerhalb der britischen Inseln – gewann Argentinien dann am 20. Juli 1902 mit 6:0 in Montevideo.

Zu diesem Zeitpunkt war der „fútbol ríoplatenense” noch immer britisch geprägt. 1905 stiftete der aus Glasgow stammende Teebaron Sir Thomas Lipton einen Silberpokal, der fortan alljährlich zwischen Argentinien und Uruguay ausgespielt wurde. An ihm durften nur Einheimische teilnehmen – damit wollte Lipton die Entwicklung des regionalen Fußballs fördern. Ein Jahr später stellte auch der Argentinier Nicanor Newton eine Trophäe, um die Auswahlteams der besten Ligamannschaften von Buenos Aires und Montevideo stritten.

Zugleich wurden die britischen Einflüsse allmählich zurückgedrängt. In Uruguay legte der Nationalverband AUF 1905 Spanisch als alleinige Verkehrssprache fest (Argentiniens AAF hatte dies bereits 1903 getan, behielt aber im Widerspruch dazu bis 1946 seine teilweise englische Verbandsbezeichnung „Asociación Argentina de Football” bei). In Buenos Aires sorgte die versnobte Arroganz der Briten dafür, dass von Migranten geprägte neue Vereine wie River Plate (1901), Racing (1903), Boca Juniors, Independiente (beide 1905) und San Lorenzo (1908) entstanden und sich der Fußball binnen weniger Jahre von einem noblen britischen Elitesport in ein populäres Arbeiter- und Massenvergnügen verwandelte. Als 1913 mit Racing erstmals ein rein kreolisches Team Stadtmeister wurde, endete die britische Ära vollends. „Als sich der Fußball ausbreitete, wurden die Stars mit britischen Namen von jenen mit lateinamerikanischen, vor allem italienischen und spanischen Namen wie García, Martínez, Ohaco, Olazar, Chiappe, Calomino, Laforia, Isola etc. verdrängt”, schrieb das argentinische Sportblatt „El Gráfico” 1928 rückblickend.

Das wiederum führte zur Entwicklung eines südamerikanischen Fußballertypus mit einer ausgesprochen „männlichen” Note, hoher individueller Klasse sowie schlitzohriger Frechheit, der sich insbesondere unter den italienischen und spanischen Einwanderer ausbreitete. Er entsprach der damaligen Idealvorstellung einer männlichen Kultur aus Dandyismus und Machotum, die namentlich in Buenos Aires gepflegt wurde. Parallel entwickelten sich enge Verbindungen zu den zahlreichen neuen Stadtvierteln („barrios”) vor allem im unaufhaltsam boomenden Buenos Aires. In ihnen nahmen Klubs wie Boca Juniors oder San Lorenzo von Beginn an die Rolle von Katalysatoren in Sachen Integration, Identifikation und soziales Miteinander ein – daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.

Enge Verknüpfung mit der Politik

Fußballvereine wurden aber nicht nur zu sozialen Anlaufstellen in den Barrios beziehungsweise deren Repräsentanten, sondern auch zu Werkzeugen für die jungen politischen Parteien. Als 1916 in Argentinien die ersten demokratischen Wahlen anstanden, verfügte mit Pedro Bidegain ein führendes Mitglied der späteren ersten Regierungspartei Unión Cívica Radical (UCR) über enge Verbindungen zu San Lorenzo, war Aldo Cantoni, Senator von San Juan und Präsident vom Fußball-Nationalverband AAF zugleich Präsident von Huracán. Diese Nähe von Politik und Fußball ist bis heute typisch für Südamerika – mit allen Konsequenzen wie beispielsweise Korruption und Vetternwirtschaft.

Auch das erste Copa-Turnier 1916 war im Grunde genommen eine politische Veranstaltung. Schon 1910 hatte man den 100. Jahrestag der Mai-Revolution in Argentinien unter anderem mit einem Fußballturnier gefeiert. Die 1916 anstehende 100. Wiederkehr der Erlangung der argentinischen Unabhängigkeit sollte gleichfalls mit einem Fußballturnier begangen werden. Am 15. Oktober 1913 hieß es in der Tageszeitung „La Argentina”: „Die Asociación Argentina de Football will ein jährliches Fußball-Turnier einrichten mit dem Ziel einer Copa América. Die Ligen von Uruguay, Chile und Brasilien sind eingeladen, Mannschaften zu entsenden, die um den Pokal spielen. Das Turnier wird in Buenos Aires stattfinden.”

Initiiert worden war es von José Susan, Präsident des Vorstadtklubs Estudiantes La Plata, der den Nationalverband AAF rasch von seiner Idee hatte begeistern können. Unterdessen warb der uruguayische Politiker und Journalist Héctor Rivadavia Gómez um eine seit 1912 verfolgte Idee der Gründung eines südamerikanischen Kontinentalverbandes. Für den Präsidenten von Erstligist Montevideo Wanderers war dies unerlässlich, um die auseinanderdriftenden Strömungen in Südamerikas junger Fußballgemeinde zu stoppen. Warnendes Szenario war die 1912 erfolgte Spaltung der Liga von Buenos Aires. Nach Ansicht von Gómez konnte nur ein starker Regionalverband vergleichbares auf kontinentaler Ebene verhindern.

Turnierauftakt im Juni 1916

Der 1904 in Paris gegründete Weltverband FIFA kam zu diesem Zeitpunkt auf 23 Mitglieder, von denen 19 aus Europa stammten. Auch aus diesem Grunde schien es also nötig, über eine Kräftebündelung nachzudenken. Zudem verfügte ein grenzübergreifender Verband über bessere Möglichkeiten, die vielfältigen Herausforderungen der Zeit zu überwinden. Denn ein Turnier mit mehreren Ländermannschaften war anno 1916 ein gewagtes Unterfangen. Flugverbindungen gab es noch nicht, und insbesondere zwischen den Ländern der Ost- und Westküste Südamerikas war das Reisen trotz dichter werdendem Eisenbahnnetz anstrengend und zeitraubend. Da die Aktiven zudem Amateure waren, stellte sich außerdem das Problem der beruflichen Freistellung. Selbst im ungleich dichter besiedelten Europa war es vor dem Ersten Weltkrieg nur punktuell gelungen, einen grenzüberschreitenden Spielbetrieb zu etablieren.

Das erste Turnier, das am 2. Juni 1916 mit einem 4:0-Sieg Uruguays über Chile begann und am 17. Juli mit einem 0:0 zwischen Argentinien und Uruguay endete, war entsprechend in vielerlei Hinsicht rudimentär. Zudem zeigten sich zwei Konfliktfelder, die Südamerikas Fußball über Jahrzehnte beschäftigen sollten: Rassismus (wie eingangs erwähnt) sowie Gewalt. Weil zum letzten Gruppenspiel zwischen Argentinien und Uruguay zu viele Zuschauer kamen, musste die Partie nach fünf Minuten abgebrochen werden. Es kam zu Ausschreitungen, in deren Verlauf eine Tribüne in Flammen aufging.

La Boca (Foto: Hardy Grüne)

Gründung des weltweit ersten Kontinentalverbandes

Ungeachtet der turbulenten Begleitumstände durften sich die Veranstalter jedoch stolz auf die Schultern klopfen, als die vom argentinischen Außenministerium gestiftete Trophäe am 17. Juni 1916 dem Mannschaftskapitän von Uruguay überreicht wurde. Das „Campeonato Sudamericano” – kurz „Sudamericano” – sollte Südamerikas Fußball jenen Drive geben, der zur Ausbreitung und Etablierung des Fußballs auf dem ganzen Kontinent noch gefehlt hatte.

Zumal es Vertretern von Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay tatsächlich parallel gelungen war, die Weichen zur Gründung eines Kontinentalverbandes zu stellen. Am 15. Dezember 1916 wurde die Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) auf ihrer konstituierenden Sitzung in Montevideo ins Leben gerufen.

Sie übernahm umgehend die Organisation der folgenden Turniere, und ihr oblag es auch, die bis heute vergebene Trophäe zu beschaffen, die sich Titelverteidiger Uruguay am 14. Oktober 1917 mit einem 1:0 über Argentinien vor über 40.000 Fans im Parque Pereira von Montevideo erstmals sicherte. Dieses erste offizielle Copa-Turnier mit einem Zuschauerschnitt von 20.833 stabilisierte den Wettbewerb enorm und ließ die „Sudamericano” zu einem regelmäßigen Termin im kontinentalen Fußballkalender werden.

Und zu einem Ereignis, das zahlreiche Fußball-Legenden hervorbrachte. So 1917, als der junge Uruguayer Héctor Scarone debütierte und beim 1:0 über Argentinien den entscheidenden Treffer zur uruguayischen Titelverteidigung markierte. Oder 1919, als mit Arthur Friedenreich ausgerechnet ein dunkelhäutiger Nationalspieler dem von Rassismus überschatteten brasilianischen Fußball zum ersten Triumph verhalf, indem er im Abschlussspiel gegen Titelverteidiger Uruguay das Tor des Tages erzielte.

Identität durch Fußball

Während Europa im Ersten Weltkrieg steckte, schrieb man in Südamerika also Fußballgeschichte. Der Ausfall Europas als Lehrmeister bewirkte aber noch etwas: die Ausbildung eines „südamerikanischen Fußballs”. Denn ohne die regelmäßigen Gastspiele europäischer Profiteams war man auf sich selbst gestellt und entwickelte eigene Spielkulturen. Die wiederum spiegelten die sozialen, gesellschaftlichen und auch ethnischen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern wider. Geprägt von variablem Stellungsspiel mit häufigen Positionswechseln, technisch hochklassigem Passspiel sowie Tempofußball entwickelte jedes Land seine ganz eigene Note.

In Uruguay war es zunächst die filigrane „picardá criolla” („kreolische Schlitzohrigkeit”) und später das ultradefensive und überharte „garra charrúa” („entschlossene Kralle”). In Argentinien hieß es „la nuestra” („Das Unsere”) und war ein kombinationsgeprägter Individualfußball mit Betonung auf Ästhetik. In Brasilien entwickelte sich der tänzerische und experimentell-spontane „futebol arte”, und in Peru war „el toque” („die Berührung”) eine Kombination aus Samba- und Systemfußball. Verbindendes Element war die überragende Bedeutung der Individualität. Das gilt bis heute. Wo in Europa das Team an herausragender Stelle steht, ist es in Südamerika der Einzelne, jubelt man dem Dribbelkünstler mehr zu als dem Torschützen. Ist der Dribbelkünstler dann auch noch Torschütze – wie Diego Armando Maradona – wird er zum Idol. Es geht nicht in erster Linie um Tore und Siege, sondern um Ästhetik und individuelle Klasse.

Die „Goldenen Zwanziger”

In den 1920er-Jahren weitete sich das Teilnehmerfeld der Sudamericano sukzessive aus. 1921 debütierte Paraguay, 1926 Bolivien und 1927 Peru, das bei seiner Premiere zugleich als Gastgeber auftrat. Vor allem aber stieg Südamerikas Fußball zur weltweiten Führungskraft auf. Der berauschende Auftritt der uruguayischen „celeste” beim olympischen Fußballturnier 1924 in Paris versetzte ganz Europa in Aufregung, und 1928 kam es in Amsterdam mit dem Duell zwischen Uruguay und Argentinien sogar zu einem rein südamerikanischen Finale (2:1 für Uruguay). Es war der totale Triumph für den „fútbol ríoplatensense”.

Europa hatte vor allem aus zwei Gründen den Anschluss verpasst: wegen des Ersten Weltkriegs, der eine ganze Generation Talente auslöschte und die Entwicklung des Spiels stagnieren ließ, und wegen der ungelösten Profifrage, was unter anderem die britischen Länder davon abgehalten hatte, an den olympischen Turnieren 1924 und 1928 teilzunehmen. Uruguays Gegner im Finale 1924 war die Schweiz – wahrlich keine Führungskraft.

Südamerikas Fußball entwickelte sich unterdessen weiter. Vor allem in Brasilien, wo sich die Stadtverbände von São Paulo und Rio de Janeiro 1917 endlich auf die Gründung eines Nationalverbandes geeinigt hatten. Zudem wurde die bislang als Last empfundene ethnische Mischung zunehmend als „Chance” begriffen und als „brasilianische” Kultur interpretiert. Dadurch veränderte sich die Lage der schwarzen beziehungsweise „farbigen” Fußballer, und in Verbindung mit einer Hinwendung zum Profitum konnte Brasilien Ende der 1920er-Jahre allmählich zur südamerikanischen Spitze aufschließen. Fußball, Musik und Karneval verknüpften sich fortan zu einer weltweit einzigartigen Kombination, die zur Ausbildung des berühmten „futebol arte” führte.

Tiefe Einschnitte in den 1930er-Jahren

Als 1930 das erste WM-Turnier in Montevideo ausgetragen wurde (Endspiel auch hier: Uruguay gegen Argentinien, 4:2), stand das Campeonato Sudamericano in voller Blüte. Von den zwölf Turnieren hatte Uruguay sechs, Argentinien vier und Brasilien zwei gewonnen. Der regelmäßige Wettkampf hatte die Spielstärke der Auswahlmannschaften signifikant erhöht und geholfen, jene Ausnahmetalente, an denen Südamerika stets so reich war, zu fördern.

Doch ausgerechnet die WM in Uruguay erwies sich als folgenschwerer Einschnitt. Nach dem Finale zerstritten sich die Verbände von Uruguay und Argentinien, was zum vorübergehenden Aus für das Sudamericano-Turnier führte. Erst 1935 wagte man auf Initiative Perus mit einem „Extraordinario”-Turnier einen Neustart, ehe 1937 die CONMEBOL wieder offiziell als Veranstalter auftrat und das Turnier in Gastgeber Argentinien seinen Sieger fand.

Die Rahmenbedingungen hatten sich allerdings erheblich verändert. Mit der Einführung des Profitums in Argentinien und Peru (1931), Uruguay (1932) sowie Brasilien (1933) rückte der Fokus verstärkt auf die nationalen Vereinswettbewerbe. Zudem litt Südamerika unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, gerieten namentlich Brasilien und Uruguay in schwere politische Turbulenzen, lieferten sich Paraguay, Bolivien und Chile bewaffnete Grenzkonflikte. Die „Goldenen Zwanziger” waren für Südamerika unwiderruflich vorbei.

Das wiedererstarkte Europa erkannte die Gunst der Stunde und warb erfolgreich um Südamerikas Ballkünstler. Schon 1925 war der als Sohn italienischer Einwanderer in Rosario geborene Julio Libonatti, der Argentinien 1921 zum Copa-Sieg geschossen hatte, mit dem Wechsel nach Turin einen Weg gegangen, dem zahlreiche Spieler folgen sollten. Vor allem Italien warb unter Benito Mussolini um Spieler mit italienischen Wurzeln, denen die doppelte Staatsbürgerschaft angeboten wurde. Als die „Squadra Azzurra” 1934 Weltmeister wurde, standen mit Orsi, Monti, Guaita und Demaría gleich vier Südamerikaner im Team. Südamerika dominierte also durchaus noch immer den globalen Fußball – nun allerdings über europäische Teams. Ein Schicksal, an dem sich im Grunde genommen bis heute nicht viel geändert hat.

Das Campeonato Sudamericano büßte durch die Entwicklung spürbar an Prestige ein, bescherte auf der anderen Seite aber den „kleinen” Fußballnationen die Gelegenheit, erste internationale Erfolge zu feiern. 1939 triumphierte die vom Engländer Jack Greenwell trainierte Auswahl Perus beim Turnier im eigenen Land und sicherte sich erstmals die Copa-Trophäe. Allerdings fehlten in Lima mit Argentinien und Brasilien zwei der leistungsstärksten Teams, war Ecuador bei seinem Debüt lediglich Sparringspartner. Drei Jahre zuvor war Peru, das lange unter seiner geografischen Lage auf der Pazifikseite litt und nur sporadisch internationale Begegnungen bestritt, übrigens unter dubiosen Umständen beim olympischen Fußballturnier in Berlin im Viertelfinale ausgeschieden.

Zum neuen Fußballstern Südamerikas wurde Brasilien, das 1938 bei der WM in Frankreich mit einer ethnisch gemischten Mannschaft auftrumpfte. Vor allem die Schwarzen Leônidas und Domingos begeisterten das Publikum. Fußball half in Brasilien enorm, die weiße Dominanz zu durchbrechen und den Rassismus einzudämmen – wenn nicht sogar zu überwinden. Wie im Falle Argentiniens gab der Fußball auch Brasilien zudem eine alle Schichten und Ethnien erreichende „nationale Identität”.

Die argentinischen Jahre

Während Europa ab 1939 abermals im Krieg versank, profitierten Südamerikas Industrie und Wirtschaft von dem damit einhergehenden Wettbewerbsvorteil. Inmitten der florierenden Jahre stieg Argentinien zur dominierenden Fußballmacht auf. Der intensive Ligacharakter in Buenos Aires, wo zahlreiche eng mit ihren Barrios verbundene Klubs nahezu pausenlos Talente hervorbrachten, ließ die „albiceleste” zur erfolgreichsten Elf der Epoche aufsteigen. Von 1945 bis 1947 errang Argentinien dreimal in Folge die Sudamericano-Trophäe. Es war die Zeit von „la máquina” („die Maschine”), jenem aus Juan Carlos Muñoz, José Manuel Moreno, Adolfo Pedenera, Angel Labruna und Félix Lousteau bestehenden Wundersturm von River Plate, der mit seinem raumgreifenden und wechselvollen Spiel eine Art Vorläufer des holländischen „totaalvoetbol” war.

Während der Peron-Ära (1946–55) wurde die Nationalelf endgültig zur einigenden und verbindenden Klammer einer zerrissenen Gesellschaft. In Buenos Aires gehörte der Fußball ebenso wie der Tango zur Kulturlandschaft und verband Oberschicht mit Unterschicht, Intellektuelle und Schöngeistige mit Arbeitern. An keinem Ort der Welt wurde der Fußball damals intensiver gelebt als in Buenos Aires, und keinem anderen Land verhalf er so kraftvoll zu nationalem Selbstbewusstsein wie Argentinien.

Seinen Zenit erreichte man 1957 beim Turnier in Peru. Mit einem blutjungen Sturm um Omar Sívori (19 Jahre), Antonio Angelillo (17) und Humberto Maschio (20) – „el trio de la muerte”, das „Trio des Todes” genannt – sicherte sich die „albiceleste” mit einem 3:1 über Brasilien zum elften Mal seit 1921 die Trophäe. Argentinien spielte einen perfekten und ästhetisch hochklassigen Fußball.

Und doch war es nicht der Beginn, sondern das Ende einer Ära. Denn noch im selben Jahr wechselte das „trio de la muerte” geschlossen nach Italien, spielten Sívori, Angelillo und Maschio fortan für die „Squadra Azzurra”, stand Argentinien ohne seine Hoffnungsträger da. Bei der WM 1958 in Schweden enttäuschte die „albiceleste” prompt, und auch wenn sie 1959 auf heimischem Boden erneut die Copa gewann, war ihre Zeit unwiderruflich abgelaufen. Erst 1991 sollte Argentinien der nächste Triumph in der Kontinentalmeisterschaft gelingen.

Italien war nicht das einzige europäische Land, das seine Finger nach Südamerikas Fußballstars mit migrantischen Hintergründen ausstreckte. Auch Spanien warb unter Franco offensiv um Akteure mit spanischen Wurzeln. Alfredo di Stéfano, geboren in Buenos Aires, war nur einer von vielen Südamerikanern, der diesem Ruf folgte. Der regelmäßige Verlust herausragender Spieler wirkte sich bedrohlich für die großen Fußballnationen Südamerikas aus. Zumal er einher ging mit einer frappierend überhöhten Selbstwahrnehmung sowie einer störrischen Ignoranz gegenüber der globalen Entwicklung des Fußballs. Namentlich Argentinien versperrte sich in der Überzeugung seiner eigenen Überlegenheit („dios es argentino”, „Gott ist Argentinier”) zunehmend selbst den Weg zur kontinentalen Elite.

Das Estadio Centenario in Montevideo (Foto: Hardy Grüne)

„Futebol arte” erobert die Welt

Ein Nachfolger stand schon bereit. Während Ríoplatenense-Konkurrent Uruguay in wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Problemen erstickte, die auch seinem Fußball gehörig zu schaffen machte, gelang Brasilien der lange erwartete kontinentale Durchbruch. 1956 feierte man bei der Sudamericano in Montevideo sogar erstmals seit 1922 wieder einen Turniersieg über Argentinien. Auch in Brasilien war es zu einer intensiven Verquickung von Fußball und Politik gekommen. Während Präsident Juselino Kubitschek aus dem Agrarland eine Industrienation machte und die heutige Hauptstadt Brasília aus dem Boden stampfen ließ, verzauberten Garrincha, Vavá, Pelé und Co. die Fußballwelt. Der WM-Triumph 1958 löste eine Wende im Weltfußball aus, nach der nichts mehr war wie zuvor.

Südamerikas Kontinentalturnier profitierte allerdings kaum davon. Im Gegenteil. Mit zunehmender Bedeutung der WM schickten viele Verbände nur noch Reserve- oder Regionalteams zur Sudamericano. 1959 reiste Brasilien mit einer Elf aus dem Bundesstaat Pernambuco nach Ecuador, und als 1963 Bolivien beim Turnier im eigenen Land triumphierte, fehlten mit Uruguay und Chile zwei „Große”, waren Argentinien und Brasilien mit Reservemannschaften aufgelaufen.

Insbesondere Brasilien nutzte die Sudamericano zunehmend zu Testzwecken. Zwischen 1958 und 1964 kamen insgesamt 661 Akteure in der „seleção” zum Einsatz – viele davon bei den Kontinentalturnieren. Darunter der angehende Weltstar Pelé, der in seiner gesamten Karriere lediglich einmal an der Sudamericano teilnahm: 1959, als er mit acht Toren in sechs Spielen Torschützenkönig beim Turnier in Argentinien wurde.

„La Violencia” und die Copa-Krise

Als der 1960 eingeführte Vereinswettbewerb Copa Libertadores – quasi die Champions League Südamerikas – nach erheblichen Startschwierigkeiten den Durchbruch feierte, geriet die Copa weiter ins Abseits. Vor allem in Montevideo fand man Gefallen an der „Libertadores” und stellte zwischen 1960 und 1971 gleich sechsmal den Sieger (jeweils dreimal Peñarol beziehungsweise Nacional). Die „celeste”, 1950 in Brasilien noch als Weltmeister gefeiert, taumelte derweil von einer Krise in die nächste. Hintergrund war nicht zuletzt eine tief verwurzelte Melancholie und lähmende Fokussierung auf die Vergangenheit. 1964 schrieb die argentinische Zeitung „La Nacion”: „Niemand lebt vermutlich mehr von Erinnerungen als Uruguay. Die Olympia- und WM-Titel sind kein Antrieb zur Entwicklung, sondern eine Bürde. Jeder versucht, den großen Meistern von damals nachzueifern. Nur wenige realisieren, dass Fußball sich verändert hat und man mehr braucht als Eifer und Talent.”

In den 1960er-Jahren weitete sich der Rückgang zu einer großen und tiefen Krise aus, was durch Brasiliens WM-Erfolge (1958, 1962, 1970) nur unzureichend übertüncht wurde. Wie so häufig in Südamerika ging die Fußballkrise einher mit politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen. Argentinien war nach dem Ende der Perón-Ära (1955) höchst instabil, Brasilien steckte seit 1964 unter der Herrschaft des Militärs, und in Uruguay war das Gesellschaftssystem fast völlig zerbrochen.

Womöglich auch deshalb sind die 1960er-Jahre zudem verbunden mit einem sprunghaften Anschwellen der Gewalt. „La Violencia” war schon immer ein Begleiter des Fußballs in Südamerika gewesen. Doch nun nahmen die Vorfälle Überhand. Die WM 1966 mit den beiden Skandalspielen Uruguay gegen Deutschland beziehungsweise Argentinien gegen England demonstrierten der Welt, in welch desolatem Zustand sich Südamerikas Fußball befand. Für viele Experten spiegelten die Gewaltexzesse und Disziplinlosigkeiten lediglich die Zustände in den betroffenen Ländern wider, die politisch wie moralisch als gescheitert galten.

Das drohende Aus für den Wettbewerb

Die Krise hielt in den 1970er-Jahren an. Dabei begann das Jahrzehnt mit dem dritten WM-Triumph für Brasilien! Dass der Auftritt der „seleção” in Mexiko bis heute als Zenit in der Fußballgeschichte gefeiert wird, interpretieren viele südamerikanische Fußballexperten übrigens nüchtern als „Verklärung”. Sie halten die uruguayische Elf der 1920er-Jahre sowie Argentiniens „la máquina” der 1940er für deutlich spielstärker. Der große Vorteil Brasiliens 1970 waren, so heißt es, die TV-Kameras, durch die erstmals ein globales Massenpublikum zuschauen konnte und einfach abrufbare Erinnerungen hinterließen.

Publikumsmassen lockten die Sudamericano-Turniere längst nicht mehr an. Im Gegenteil: Nach dem Turnier 1967 folgte eine achtjährige Pause, während der es schien, als sei das Ende des Wettbewerbs besiegelt. Die politischen Turbulenzen in quasi allen Ländern des Kontinents, das unrühmliche Skandalspiel zwischen Chile und der Sowjetunion in der WM-Qualifikation 1973 und das völlig im Zeichen der Militärjunta stehende WM-Turnier 1978 in Argentinien warfen schwere Schatten auf den kontinentalen Fußball. Überall versuchten Politiker, den Fußball und seine Popularität im Volk zu missbrauchen und für ihre Zwecke zu vereinnahmen.

Schließlich rang sich die CONMEBOL aber doch durch und schrieb für 1975 erneut ein Turnier aus. Allerdings gab es aus wirtschaftlichen Gründen kein Endturnier mit einem Veranstalter mehr, sondern es wurde in Hin- und Rückspiel in den jeweiligen Ländern gespielt. Bei diesem Format blieb es bis 1983. Die Copa war auf dem Tiefpunkt.

Als man 1986 zur alten Organisation mit einem Gastgeberland zurückkehrte, markierte dies den Beginn einer neuen Ära. Schon seit 1975 trug das Campeonato Sudamericano den Namen „Copa América”. Nun wurden erstmals alle zehn CONMEBOL-Mitglieder zur Teilnahme verpflichtet, und seit 1987 rotiert die Ausrichtung des Turniers unter den zehn Verbänden. Die Copa América hatte ihre existenzbedrohende Krise überstanden und war zudem nach der 1984 erfolgten Einstellung des „British Home Championship” (Turnier zwischen England, Schottland, Wales und (Nord-)Irland, seit 1884 ausgespielt) zum ältesten Nationenwettkampf der Welt geworden.

Geblieben waren viele der alten Probleme. Argentinien und Chile lieferten sich Grenzscharmützel in Patagonien, Brasilien steckte in einer schweren Wirtschaftskrise mit Rekordschulden, Gewalt stand unverändert auf der Tagesordnung. Beim Copa-Finale 1987 zwischen Uruguay und Chile zückte Schiedsrichter Romualdo Arppi Filho gleich viermal Rot, gewann Uruguay unter skandalösen Umständen zum 13. Mal die Copa. Auch der zunehmende Exodus von Profifußballern ins wirtschaftlich attraktivere Europa wirkte sich negativ aus.

Öffnung für die Fußballwelt

Als sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in den 1990er-Jahren stabilisierten, verbuchte die Copa América prompt wachsende Popularitätswerte. 1993 entschied sich die CONMEBOL für einen historischen Schritt, als sie das Turnier auch Mitgliedern des nordamerikanischen Nachbarn CONCACAF öffnete. Mexiko und die USA waren beim Turnier in Ecuador die ersten „Gastnationen”. Bis heute ist die Copa América übrigens das einzige Kontinentalturnier, für das man sich nicht qualifizieren kann, sondern zu dem man eingeladen wird – wobei die Teilnahme für die zehn CONMEBOL-Mitglieder wie erwähnt verpflichtend ist.

Die Bedeutung des Turniers im globalen Fußballkalender ging allerdings signifikant zurück. Als Bolivien 1997 zur Copa einlud, schickten viele Verbände nur B-Mannschaften. Zum einen kollidierte das Turnier mit der WM-Qualifikation, zum anderen störte man sich an der Höhenlage von La Paz. Sportlich dominierte Brasilien, das allerdings einen hohen Preis für seinen Megadeal mit Ausrüster Nike zahlen musste, der mit einer Vielzahl von Freundschaftsspielverpflichtungen verbunden war. Auch die Copa war ausgedehnten Marketingüberlegungen unterworfen. Um den asiatischen Markt zu erschließen, nahm 1999 mit Japan erstmals ein Teilnehmer eines anderen Kontinents teil. Ex-Kolonialmacht Spanien schlug unterdessen eine Einladung zum Turnier 2011 aus, weil es in der europäischen Sommerpause stattfand.

Die rasanten Veränderungen im globalen Fußball haben tiefe Spuren in der Copa-Gegenwart hinterlassen. Seit der Millenniumswende sind Fußballer vollends zum erfolgreichsten Exportgut Südamerikas aufgestiegen. Das lässt die heimischen Ligen ausbluten, und weil viele Spieler schon im Teenageralter wechseln, mangelt es den „Europäern” bisweilen an der wichtigen Bindung zum heimischen Publikum. Argentiniens Superstar Lionel Messi beispielsweise hat nie als Erwachsener für einen argentinischen Klub gespielt und bezeichnet den FC Barcelona als seinen Heimatverein – das schafft in Buenos Aires ein Misstrauen, das kaum zu überwinden scheint.

Die gesellschaftliche wie sportliche Bedeutung der Copa ist dementsprechend spürbar zurückgegangen. 2011 erreichten erstmals in der Turniergeschichte weder Argentinien noch Brasilien das Halbfinale, und sportlich steht das Turnier längst tief im Schatten der seit 1996 im Ligasystem ausgespielten WM-Qualifikation sowie der Libertadores. Heute ist die Copa América vor allem ein Turnier, bei dem die Trainer der teilnehmenden Teams im vergleichsweise „ruhigen” Jahr nach einer WM ohne großen Erfolgsdruck unter hochklassigen Bedingungen experimentieren und ausprobieren können. Für die jeweiligen Gastgeber bietet sie unterdessen die Chance, die fußballerische Infrastruktur auszubauen. Längst sind nicht mehr nur die großen Metropolen Copa-Schauplätze, sondern auch das Hinterland, wo im Zuge der Turniere moderne Stadien entstehen und die regionale Fußballbegeisterung angekurbelt wird. Es ist also eine ganz andere Erfolgsgeschichte, die die Copa América heute schreibt.

FIFA-Skandal überschattet Vorbereitung für Jubiläumsturnier

Zum 100. Jubiläum des südamerikanischen Kontinentalverbandes gab es eine Menge Novitäten. Erstmals richteten CONMEBOL und CONCACAF das Turnier gemeinsam aus (basierend auf Überlegungen, die beiden Verbände perspektivisch zu vereinen), und erstmals in 100 Jahren Turniergeschichte fand die Copa nicht auf südamerikanischem Boden statt. Als Gastgeber fungierten die USA. Die nur ein Jahr nach der letzten Copa in Chile durchgeführte „Copa América Centenario” galt bei vielen allerdings nicht als „richtige” Copa. Man sprach von einer „reinen Kommerzveranstaltung”. Dazu passte, dass eine zusätzliche Jubiläumstrophäe ausgelobt wurde, wohingegen die eigentliche Copa im Schrank blieb. Im Vorfeld gab es Ärger, als zahlreiche Spitzenfunktionäre von CONMEBOL wie CONCACAF im Zuge der Aufdeckung der Korruptionsskandale durch US-Behörden festgenommen wurden. Stimmen aus Südamerika forderten daraufhin, den USA die Austragung zu entziehen. Korruption, Vetternwirtschaft, hohe Einflussnahme der USA – die Copa América scheint noch immer ein Abbild der südamerikanischen Gegenwart zu sein.

 

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 05 von Zeitspiel – Magazin für Fußball-Zeitgeschichte. Die Ausgabe ist noch lieferbar und kann über unseren Shop bezogen werden.

Weitere Eindrücke aus dem Heft:

 

 

 

11. Juni 2019
von Hardy Gruene
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Frankreich. Fußball. Frauen.

Allez, les femmes!

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich wurde viel berichtet. Panini brachte Sammelbildchen heraus, Firmen schmücken sich mit den Spielerinnen und die Euphorie in den teilnehmenden Ländern scheint größer, als bei bisherigen Großereignissen des Frauenfußballs. Doch wie sieht es im austragenden Land aus? Ein Vor-Ort-Besuch in der französischen Hauptstadt am Eröffnungswochenende.

Von Johannes Brattke

Le moment de briller – der Slogan zur Weltmeisterschaft leuchtet in Paris den Besucherinnen und Besuchern an den großen Bahnhöfen entgegen. Doch das war es erst einmal mit den Hinweisen, dass hier in diesem Sommer das größte Fußballturnier der Welt stattfindet. Stattdessen: Tennis. Die Finaltage der French Open fallen in die Zeit der ersten Spiele der WM. Die Champs-Élysées ist komplett mit Fahnen des Grand Slams behangen, vor allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt stehen mobile Fanshops für das Tennisturnier. Im Stadtbild zeigen sich immerhin vereinzelt Menschen mit Trikots der Fußball-Nationalteams. Ein französisches hier, ein australisches dort. In der Nähe des Eifelturms sucht ein Kamerateam des übertragenden französischen TV-Senders nach Leuten für Interviews, die dann unter anderem diese Frage beantworten sollen: „What would you personally do, to make your team win?“, allerdings mit dem Nachsatz „Would you run on the pitch naked?“

Die Frage, ob es ein Public-Viewing-Event geben würde, können die Herren vom Fernsehen nicht beantworten. Diese wird von der Fifa per Mail allen Ticketbesitzerinnen und -besitzern immerhin einen Tag vor Beginn des Wettbewerbs beantwortet: Eine Fanzone sei eingerichtet, in der Nähe des Louvre, im Jardin Nelson Mandela. Geöffnet täglich ab 12 Uhr und mit dem Namen Fifa Fan Experience. Weitere Hinweis auf diese Möglichkeit, alle Spiele auch unter freiem Himmel zu sehen, gibt es nicht. Und offenbar auch keine anderen öffentlichen Übertragungen.

Am Tag des Eröffnungsspiels ist die Fanzone des Ausrichters am Nachmittag noch geschlossen. Eine kleine Ausstellung ist bereits geöffnet und auch der eigens aufgestellte Kleinfeld-Fußballplatz wird schon bespielt – von Jungs.

Vor dem Parc des Princes sieht die Szenerie zwei Stunden vor dem ersten Spiel ganz anders aus: Lange Schlangen bilden sich bereits am Einlass, Musikgruppen sorgen für Stimmung, an den Kassen hängen „Sold out!“-Schilder. Frankreich trifft zur Eröffnung der WM auf Südkorea und viele wollen dabei sein. Die günstigsten Tickets gab es bereits ab 13 Euro zu erwerben. Eine halbe Stunde vor Anpfiff startet die Eröffnungszeremonie: Sängerin Jain performt zusammen mit 300 Tänzerinnen, die in den Farben der beteiligten Ländern gekleidet sind. Richtig laut wird es im Stadion beim Auflaufen der beiden Teams, und erst recht, als fast alle der 45.261 Anwesenden die Marseillaise lautstark mitsingen. Kaum fünfzehn Minuten nach Anpfiff gehen die Französinnen in Führungen und die La-Ola-Welle nimmt ihre erste Runde. Am Ende steht es 4:0 für die Gastgeberinnen.

In der Fifa Fan Experience ist am zweiten Tag der WM alles fertig aufgebaut, vor allem die Stände der Fifa-Partner. Besonders groß ist der Andrang nicht – zum Spiel der deutschen Frauen, immerhin Mitfavoritinnen um den Titel, verlieren sich kaum über 50 Leute in den Garten. Eine Fußballerin präsentiert ihre Ball-Jonglage-Künste, die Sonne scheint.

Ob die große Euphorie abseits der Stadien in Paris noch kommt, wird auch vom Verlauf des Wettbewerbes abhängen. Dann wird sich zeigen, ob diese Weltmeisterschaft le moment de briller sein wird. Gute Nachrichten gab es indes schon von den Halbfinals und dem Finale zu lesen: Die drei Spiele waren bereits vor Beginn des Turniers ausverkauft.

 

15. Mai 2019
von Hardy Gruene
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Wanderausstellung „Fan-Tastic Females“

Seit September 2018 tourt die Wanderausstellung Fan.Tastic Females – Football Her.Story durch Deutschland, die über die Entwicklung im Frauenfußball informiert. Aktuell ist sie in Duisburg zu sehen, hier die weiteren Orte, in denen sie bis in den Herbst 2019 gastiert. Die Journalistin Mara Pfeiffer hat in unserer aktuellen Ausgabe #14 mit dem Leitartikel „Frauen und Fußball“ auch über die Ausstellung berichtet und sich mit Sue Rudolph aus dem Orga-Team unterhalten.

 

Weibliche Fans als Inspiration

Von Mara Pfeiffer

Die Geschichte(n) weiblicher Fankultur erzählt die Ausstellung Fan.Tastic Females – Football Her.Story, die erstmals im September 2018 in Hamburg gezeigt wurde und seit Oktober auf Tour ist. Unter der Federführung von Football Supporters Europe (FSE), die auch Träger der Ausstellung sind, haben rund 70 Ehrenamtliche aus Europa und der Türkei (Frei-)Zeit, Arbeit und Herzblut investiert, um weibliche Fankultur jenseits der gängigen Stereotype zu zeigen. Die Ausstellung vereint 80 Videos von Frauen aus 21 Ländern, für die Teams von Freiwilligen monatelang durch Europa reisten, um Interviews zu führen. Dabei haben die Macher*innen auf die Bedürfnisse der Fans behutsam Rücksicht genommen, wenn diese beispielsweise ihr Gesicht nicht zeigen oder auch anonym bleiben wollten, was in manchen Ländern schon aus Selbstschutz notwendig ist, oder aber dem Schutz der Fangruppe dienen kann.

„Ohne eine stabile Vertrauensbasis, die über Jahre erarbeitet wurde, wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, erklärt Sue Rudolph aus dem Orga-Team. So gelingt es, die ganze Vielfalt weiblicher Fans zu zeigen: Kutten bis Ultras, Frauen in Führungspositionen oder nationalen Netzwerken. Damit kann das Anliegen der Macher*innen gelingen, „Vorbilder zu schaffen, die vielleicht sogar andere Frauen inspirieren, sich ihren Platz auf der Tribüne zu erobern.“

 

Sue Rudolph (links)

Interview mit Sue von den Fantastic Females

Wie sehr überschneiden sich die Frauen hinter F_in und die hinter den Fantastic Females?

Da Football Supporters Europe (FSE) Träger der Ausstellung und F_in Mitglied bei FSE ist, gibt es durchaus einige Überschneidungen zwischen F_in und Fan.Tastic Females.

Es waren sowohl Frauen vor, als auch hinter der Kamera, die bei F_in aktiv sind. Da F_in ein hauptsächlich deutschsprachiges Netzwerk ist, beschränken sich die Überschneidungen vor der Kamera auf Fans aus Deutschland und Österreich, aus dem Orga-Team sind mindestens zwei Personen auch bei F_in aktiv, eine davon ist eine der Projektkoordinatorinnen.

Wie viele Mitstreiter*innen aus anderen Ländern sind an Bord, wie viele Menschen haben die Ausstellung insgesamt auf die Beine gestellt?

Insgesamt haben unter Federführung von FSE circa 70 Menschen ehrenamtlich an der Realisierung der Ausstellung mitgewirkt, viele davon aus anderen (fußball-)europäischen Ländern. Alle Details wurden in vielen abendlichen internationalen Skype-Konferenzen besprochen und Unterthemen in kleinere internationale Arbeitsgruppen zur Realisierung aufgeteilt. So gab es zum Beispiel auch eine Gruppe, die Hintergrundinformationen zu und die Historie von Frauen im Fußball recherchiert hat. Eine andere hat sich mit Merchandise beschäftigt, wieder andere gemeinsam mit unserer Grafikerin mit dem Design und so weiter. Generell ist aber schon ein kleiner deutscher Schwerpunkt zu erkennen, da auch die meisten der Organisator*innen, Geldgeber*innen und Unterstützer*innen aus Deutschland kommen.

Wie lange war die Vorbereitungszeit?

Die Idee für eine Ausstellung über weibliche Fankultur kam erstmals 2010 bei einem Workshop zum Thema weibliche Fußballfans beim FSE-Fankongress in Barcelona auf. Danach verschwand sie für eine Weile wieder in den Schubladen, bevor sie, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, unter anderem bei einem F_in-Treffen wieder thematisiert und schließlich mit FSE konkret an ihr Realisierung weitergearbeitet wurde. In den letzten eineinhalb Jahren vor Eröffnung sind dann Teams von Freiwilligen durch ganz Europa gereist, um über 80 Frauen aus insgesamt 21 Ländern zu interviewen. Die meiste Arbeit war aber wahrscheinlich das Schneiden, Übersetzen und Transkribieren der ganzen Interviews.

Wie habt ihr die Frauen gefunden? Wie habt ihr sie vor die Kamera gebracht?

Wir haben natürlich durch die beteiligten Personen, Initiativen, Netzwerke und Organisationen viele Kontakte in die verschiedensten Fanszenen, national wie international. Allein bei FSE sind Personen aus über 48 UEFA-Ländern organisiert. Wir haben mit Frauen von Norwegen bis Italien, von Frankreich bis Russland gesprochen – sogar Frauen aus den USA und dem Iran kommen zu Wort.

Ein schöner Nebeneffekt der Ausstellung war, dass mit dem Bekanntwerden des Projektes auch immer mehr Personen von sich aus auf uns zugekommen sind und fan.tastische Frauen aus ihren Fanszenen vorgeschlagen haben. So haben sich automatisch immer mehr Menschen mit dem Thema auseinandergesetzt und sich Gedanken über die Frauen in ihren Fanszenen gemacht oder ihre scheinbare Abwesenheit hinterfragt.

Je tiefer man in die jeweiligen Fanszenen eindringt, desto schwieriger wird es, aus den verschiedensten Gründen, Menschen vor die Kamera zu holen. Ein paar der Frauen wollten zwar mitmachen, weil sie hinter der Sache stehen, aber anonym bleiben oder ihr Gesicht nicht zeigen – was wir selbstverständlich auch genau so umgesetzt haben.

Generell kann man sagen, dass die Frauen, die mitgemacht haben, den Frauen, die es organisierten, vertraut haben. Ohne eine stabile Vertrauensbasis, die sich über Jahre erarbeitet wurde, wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Was war euch besonders wichtig?

Wir wollten weibliche Fankultur jenseits medialer Stereotype einmal in ihrer ganzen Vielfalt von Kutten bis Ultras so zeigen, wie sie wirklich ist. Um die Rolle endlich positiv zu besetzen und die Geschichten der vielen großartigen Frauen mit der Welt zu teilen. Um Vorbilder zu schaffen, die vielleicht sogar andere Frauen inspirieren, sich ebenfalls ihren Platz auf der Tribüne zu erobern.

Die Ausstellung und die durch sie entstandene Aufmerksamkeit für das Thema hat bereits diverse vereinsübergreifende Initiativen angestoßen und bei fast allen Beteiligten und Ausstellungsorten dazu geführt, dass eigene Frauengruppen, Netzwerke oder Treffen angestoßen wurden. Gemeinsam mit den Vereinen wird jetzt vielerorts daran gearbeitet, nicht nur die bereits aktiven weiblichen Fans sichtbarer zu machen und mehr auf sie einzugehen, sondern auch neuen weiblichen Fans den Zugang zu erleichtern und sie besser zu integrieren.

Was waren prägende Begegnungen? / Welche Erkenntnisse über Frauen in den Kurven habt ihr während der Zeit gewonnen?

Jede der Interviewerinnen hat wahrscheinlich eine Interviewpartnerin, die sie persönlich am meisten beeindruckt hat. Viele Geschichten sind sehr bewegend und nicht selten waren die Gespräche auch emotionale Reisen ins eigene Ich, aus denen Freundschaften entstanden sind.

Was aber neben den besonderen (Einzel-)Begegnungen alle Beteiligten enorm geprägt, gestärkt und beflügelt hat, ist die Erkenntnis, wie viele verschiedene tolle Fanfrauen es überall in der Fußballwelt gibt. Als Frau ist man im Fußball meist in der Unterzahl oder bei Treffen und in Gremien sogar nicht selten „DIE Frau“ allein unter Männern. Dies kann dazu führen, dass man die eigenen Positionen manchmal vielleicht als weniger wichtig empfindet oder sich schlechter durchsetzen kann. Wenn dann aber einige Frauen den Anfang machen, einen Schritt vortreten und sichtbar werden, sieht man auf einmal, dass wir viele sind und gemeinsam alles erreichen können. Und das macht allen Mut und stärkt das Selbstbewusstsein enorm.

Es war schon faszinierend, wie gut sich alle Beteiligten bereits bei ihrer ersten großen Begegnung bei der Ausstellungseröffnung am Millerntor verstanden haben und wie schnell sich ein Zusammengehörigkeits- beziehungsweise Gemeinschaftsgefühl etabliert hat. Der heimliche Star dieses Treffens war sicherlich die heute 79-jährige Maria Petri, die seit 50 Jahren kein Heimspiel ihrer Gunners verpasst hat. Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem reichen Erfahrungsschatz, ihrer Sanges- und Lebensfreude war sie uns allen ein großes Vorbild – und unsere Vorsängerin.

Wie finanziert ihr euch? Inwiefern erfahrt ihr Unterstützung durch die gelisteten Partner?

Wir verlangen von ausstellenden Profivereinen, Museen oder ähnlich professionell aufgestellten Organisationen eine kleine Leihgebühr, die wir ausschließlich zur Deckung der laufenden Kosten für die Hintergrundorganisation verwenden. Die gelisteten Unterstützer und Partner haben das Projekt oder Teile davon mitfinanziert, bei Recherchen geholfen oder mit kompetenter fachlicher Hilfe bei der Umsetzung, sprich Frauenpower. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, uns über den „Donate“-Button auf der Webseite der Ausstellung (fan-tastic-females.org) mit Spenden zu unterstützen, selbstverständlich erhält man hierfür auf Wunsch eine Spendenquittung.

Was müssen Veranstalter tun?

Die Idee hinter dem Projekt war von Beginn an, die Ausstellung möglichst vielen Fans und für unterschiedlichste Orte und Begebenheiten in ganz Europa zugänglich zu machen. Deshalb ist das Projekt als eine multimediale Wanderausstellung konzipiert, um sie auf relativ einfache und kostengünstige Weise von A nach B transportieren zu können. Die Inhalte werden auf Deutsch und Englisch auf mobilen Displays und Bannern dargestellt, Videos sind über QR-Codes auf Smartphones einscann- und ansehbar. Auf diese Weise soll es Fans oder Organisationen mit relativ geringen Eigenmitteln ermöglicht werden, die Ausstellung zu zeigen. Ebenso können aber auch Aussteller*innen mit entsprechendem Equipment (wie Vereinsmuseen) die multimedialen Teile auf eigenen Bildschirmen in ihren Räumlichkeiten darstellen.

Im Grundsatz funktioniert es etwa so:

Die Aussteller*innen an der jeweils nächsten Station übernehmen die Versandkosten vom letzten Ausstellungsort in ihre Stadt.

Zusätzlich ist eine Kaution in geringer Höhe zu hinterlegen, damit beschädigte Ausstellungsteile gegebenenfalls ersetzt werden können – wenn alles heil geblieben ist, gibt es die Kaution natürlich in voller Summe zurück.

Bei ausstellenden Profivereinen, Museen oder ähnlich professionell aufgestellten Organisationen wird zudem eine kleine Leihgebühr fällig, die wir ausschließlich zur Deckung der laufenden Kosten für die Hintergrundorganisation verwenden.

Wer die Ausstellung zeigen möchte, kann sich an exhibition@fanseurope.org wenden, sich kurz vorstellen und am besten auch gleich sagen, wann man die Ausstellung in welchem Rahmen gerne zeigen möchte.