ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

3. März 2017
von Hardy Gruene
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Schlechte Nachrichten aus der Vertriebsabteilung: Ausgabe Nummer #2 („Süße Hölle Aufstiegsspiele“) ist nun ebenfalls komplett ausverkauft (die Ausgabe #1 gibt es ja schon länger nicht mehr).

Wir danken für euern grandiosen Support und weisen gerne noch mal auf die Abo-Möglichkeiten hin http://www.zeitspiel-magazin.de/wir-fuer-euch-abo-und-bezug .

Die Ausgaben #3 bis #7 sind übrigens noch lieferbar, wobei es bei den Ausgaben #3 und #4 in absehbarer Zeit wohl ebenfalls knapp wird.

2. März 2017
von Hardy Gruene
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Argentinien und sein Versuch, wieder um Punkte zu spielen

Kommt es morgen Abend zum Saisonstart in der „Tierre Santa“ von San Lorenzo de Almagro?

Aktueller Update Freitag, 3. März, 15 Uhr Ortszeit Buenos Aires

Die für heute geplanten Partien San Lorenzo gegen Belgrano Cordoba und Rosario Central gegen Godoy Cruz Mendoza sind gerade abgesagt worden. Am Abend ist ein weiteres Meeting, auf denen die Lage beraten werden soll. Die 2. bis 4. Liga (Ascenso) wollen angeblich am Wochenende spielen.

Aktueller Update Freitag, 3. März, 12 Uhr Ortszeit Buenos Aires

Frische News aus Absurdistan, resp. Argentinien. Nun doch Spielerstreik, wiewohl die Entscheidung nicht bei allen Vereinen auf Zustimmung stößt. Es geht um die ausstehenden Zahlungen der Klubs an die Spieler in den vier Profiligen. Der Verband hat Sanktionen angekündigt für jene Teams, die nicht antreten. Man denkt über die Entsendung von Jugendmannschaften nach. Belgrano de Cordoba ist nach Buenos Aires geflogen, will aber nach Aussage von Kapitän Farré dort nur auflaufen „wenn es zu einer Regelung bezüglich der Außenstände der Klubs an die Spieler kommt“. Von San Lorenzo, Belgranos Gegner um 21.20 Uhr Ortszeit, heißt es: „wir werden sehen was während des Tages noch passiert“. Darauf bin auch ich gespannt…

 

Originalbeitrag, Stand Donnerstag 2. März, 14 Uhr Ortsteut Buenos Aires

Es sind „interessante“ Tage im argentinischen Fußball – wenn sie auch etwas turbulent sind. Donnerstag, 14 Uhr Ortszeit, ist jedenfalls noch nicht klar, ob der Ball in der Primera Division ab morgen wie geplant rollt. Die Ereignisse im Zeitraffer: Erst gab es Streit zwischen Vereinen und Nationalverband AFA wegen der TV-Rechte, die nach dem Ende des „Futbol para todos/Fußball für Alle“-Agreement (da hatte der argentinische Staat die Kosten übernommen, mit der Wahl von Mauricio Macris zum neuen Präsidenten wurde das Agreement nicht verlängert) neu vergeben werden mussten. Das war die Ursache für den ersten Streik und die Verlegung des Saisonstarts von Anfang Februar auf den 3. März.

Kaum hatte man sich geeinigt, kündigte die Spielergewerkschaft FAA mit Hinweis auf massive Verdienstausfälle einen weiteren Streik an (fast alle Klubs sind hochverschuldet), womit der Saisonstart 3. März erneut gefährdet war. Auch das wurde gelöst (die Regierung zahlte gestern 390 Millionen Pesos, etwa 24 Millionen Euro) – als plötzlich die Polizei Sicherheitsbedenken anmeldete. Nachdem auch die beseitigt worden waren, schien tatsächlich alles perfekt zu sein – bis die FIFA gestern Nachmittag verkündete, Absatz 2 von Artikel 87 des gerade erst abgesegneten neuen Verbandsstatus nicht zustimmen zu wollen. Darin geht es um die Prüfung der Eignung möglicher Präsidentschaftskandidaten für die am 29. März terminierten Wahlen zum AFA-Vorstand. Nach Ansicht der FIFA verstößt der Artikel gegen die ethischen Richtlinien der FIFA-Statuten.

Damit schien der Saisonstart Stand gestern Nachmittag endgültig ins Wasser zu fallen. Wie es weitergeht, ist jedoch noch immer unklar. Das Team von Belgrano Cordoba, das morgen Abend in Buenos Aires gegen San Lorenzo spielen soll, sitzt jedenfalls inzwischen im Flugzeug. Gestern hatte es noch geheißen, man bekäme keine Plätze im Flieger mehr und könne daher nicht anreisen. Als die AFA drohte, dass eine Mannschaft, die nicht antritt, mit Punktabzug bestraft würde, soll der Verein angeblich die zweite Mannschaft in einen Bus gesteckt und nach Buenos Aires losgeschickt haben. Was stimmt – und was nicht – ist gegenwärtig jedoch nicht so genau zu unterscheiden.

Abgesehen vom noch immer unsicheren Saisonstart droht Argentinien aber viel Dramatischeres: nämlich eine internationale Sperre durch die FIFA wegen des angesprochenen Artikels 87. Das Sportblatt „Olé“ sah in seiner heutigen Ausgabe jedenfalls schon die Teilnahme an der WM 2018 in Gefahr (siehe Bild).

Die Stimmung im Land und unter den Fans schwankt zwischen Sarkasmus und Wut. Die chronisch korrupte Fußballführung wird nur noch bespöttelt, und die Sehnsucht nach einer grundlegenden Reform des Fußballs ist riesengroß.

Update 15:30 Ortszeit: inzwischen sind von der AFA auch die Spiele der zweiten bis vierten Liga terminiert und mit Schiedsrichtern besetzt worden. Es deutet also einiges darauf hin, dass es nun wirklich losgeht. Aber Stimmungswechsel gab es in den letzten Tagen genügend, das muss also nichts heißen.

28. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Zeitspiel unterwegs: Montevideo

Unser Redaktionsmitglied Hardy Grüne ist derzeit in Südamerika auf den Spuren des Fußballs unterwegs. Ab und an gibt er uns vorab schon mal ein paar Eindrücke, die Ihr via Faceboook verfolgen könnt (es ist kein Facebook-Account nötig!). Hier die Berichte vom vergangenen Wochenende:

 

Die erste Hälfte des Wochenendprogramms in Montevideo ist rum, und es waren zwei völlig verschiedene Fußballausflüge. Bei Defensor gegen Juventud am Freitagabend versammelte sich ein sehr gemütliches, leider aber auch überschaubares Publikum und sah ein 2:1 für den Gastgeber, das etwas schmeichelhaft ausfiel. Hat aber bis auf die Handvoll Gästefans niemanden gestört. Das Estadio Luis Franzini – eine Perle direkt am Meer gelegen und in einem charaktervollen Barrio voller netter Bars und Restaurants. Nur der vorgelagerte Rummelplatz störte ein wenig, zumal er die Anfeuerungsrufe der Defensor-Mannen und Frauen bisweilen übertönte.


 

Ganz anders sah die Lage am Samstagnachmittag bei Montevideo Wanderers gegen Peñarol aus. Wahre Heerscharen Peñarolistas machten sich auf den Weg in den Parque Prado, wo der Parque Alfredo Victor Viera mit seinen rund 7.500 Plätzen trotzdem nicht ganz gefüllt war und vor allem die auf zwei Seiten verteilten Gästefans ganz schön in der gleißenden Sonne brieten. Dafür konnten sie schon nach acht Minuten quasi sämtliche Nervosität bezüglich des Spielausgangs beiseite legen, denn zwei fette Klopfer der Gastgeber sorgten für eine frühe 2:0-Führung. Endstand 4:0 für Peñarol.
Das mit dem Karten-/Ausweischeck wird übrigens konsequent durchgezogen, und es ist auch eine gewisse Entschlossenheit zu spüren, die Gewalt insgesamt einzudämmen. Die Ticketbeschaffung ist aber, wenn man das System erstmal durchblickt hat, ziemlich einfach. Gucken, über welches Unternehmen der Gastvereine seine Tickets anbieten (Redpagos oder Abitab), in einer der überall zu findenden Läden gehen, Wunsch vortragen, Platz aussuchen, bezahlen. Aber den Pass nicht vergessen, ohne den geht nichts. Bei Spitzenspielen haben Socios in der Regel bis drei Tage vorher Vorkaufsrecht, läuft der freie Verkauf also nur über zwei Tage. Und: unbedingt spätestens am Tag VOR dem Spiel kaufen – am Spieltag geht nix.

 

 

Wer einen Tango zum Vereinslied macht, kann nichts Böses im Sinne haben. Als die Rampla Juniors am Sonntagnachmittag zum Lokalderby gegen Danúbio aufliefen, erklang über den Stadionlautsprecher leicht blechern der „Viejo Rampla Tango“ und zauberte eine fast surreale Stimmung. Ohnehin ist das Estadio Olimpio der Rampla Juniors ein surrealer Ort. Es gibt nur zwei Tribünen, die anderen beiden Seiten sind offen zum Río de la Plata und erlauben beeindruckende Aussichten auf die Skyline von Montevideo. Willkommen in Uruguay erster Liga.

Aber Rampla Juniors, das ist auch der Stadtteil Cerro, und da geht es ein bisschen bodenständiger zu als in der mondänen Kernstadt. Ständig wechseln die Bilder von Dritte-Welt-Szenarien über seit langem stillgelegte Industrieanlagen zu modernen Einfamilienhäusern, um die sich meistens ein ziemlich hoher Zaun zieht und in deren Garage ein Mercedes Benz steht. Cerro ist kein einfacher Barrio von Montevideo.
Das Duell Rampla Juniors gegen Danúbio zählt zu jenen Spielen, bei denen die Atmosphäre eher angespannt ist. Man mag sich nicht. Schon lange vor dem Anpfiff wurden allerlei Nettigkeiten ausgetauscht, und auch die Polizei rauschte einmal in Windeseile und mit Blaulicht an. Sportlich hatte Gastgeber Rampla Juniors die Nase vorn. In einem qualitativ eher mäßigen Spiel stand am Ende ein 2:0-Sieg, der durchaus als verdient zu bezeichnen war. Und dann war da ja noch diese eindrucksvolle Kulisse. Ach ja, und wer in den Viejo Rampla Tango mal reinhören möchte: https://www.youtube.com/watch?v=UlyxgorINS4


Anschließend ging die Fahrt zur Cancha von Nacional, wobei sich ein spannendes Gespräch mit dem Taxifahrer entwickelte. Der outete sich früh als Peñarol-Anhänger und hatte wenig freundliche Worte für Nacional über, bestand aber zugleich darauf, als Hincha zwar voller Leidenschaft zu sein, Gewalt aber abzulehnen. „Wir haben in Uruguay sehr viele tolle Fans, die ich Hinchas nennen will, die mit ihren Mannschaften leben und sterben, die anderen Klub und deren Fans aber trotzdem akzeptieren. Auch wir von Peñarol die von Nacional. Es gibt aber leider bei vielen Vereinen auch Leute, die suchen nur die Gewalt. Ich nenne die Fanáticos. Und die machen den Fußball für alle kaputt. Wir sind es alle leid, dass man nicht einfach zum Fußball gehen kann und sich gegenseitig Respekt zollt.“ Dann ließ er mich in Stadionnähe raus, wünsche mir viel Spaß und rief noch ein „pass auf Dich auf“ hinterher.
Um 20:17 Uhr, eigentlich hatte das Spiel um 20 Uhr losgehen sollen, war Schluss mit dem schönen Fußballtag. Als die Balljungen die Luft aus den im Mittelkreis aufgestellten aufblasbaren Werbeflaschen ließen, war perfekt, was sich seit einigen Minuten angedeutet hatte. „Es hat einen Vorfall gegeben“, hatte mir mein Platznachbar um kurz vor acht mitgeteilt. Mehr wusste er auch nicht. Nun zuckte er nur mit den Schultern, meinte „Das Spiel ist abgesagt“, erhob er sich und ging schweigend davon. Ich saß noch eine Weile da und konnte es kaum fassen. Mein letztes Spiel in Uruguay und dann ein Abbruch. Später erfuhr ich dann in den Fernsehnachrichten die Hintergründe. Ein Nacional-Anhänger hatte einen Ordner angegriffen und ihn geschlagen. Nach dem neuen Reglement zur Eindämmung der Gewalt ein Vorfall, der zwingend zum Abbruch des Spiels führt – bzw. in diesem Fall zur Absage. Man will rigide durchgreifen, auch wenn das bedeutet, dass die Tat eines Einzelnen von allen anderen ausgebadet werden muss.
Mich hat der Fall ratlos hinterlassen. Und im Grunde genommen auch alle anderen Fußballfans in Uruguay. In den Foren wird überwiegend Verständnis für den Abbruch gezeigt. Die Tageszeitung „El Observador“ titelte „Una suspensión polémica“ und diskutierte über vier Seiten pro und contra der Entscheidung. Uruguay – ein Land ringt um sich und seinen Fußball.

19. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Zeitspiel Unterwegs: Ausgesperrt bei Racing Montevideo

25.000 auf der „Süd“ mussten heute draußen bleiben (oder fanden sich auf der „Nord“ ein) – ich leider auch. Der Plan war ganz simpel: Racing gegen Liverpool, ein ziemlich unscheinares Duell zwischen zwei eher unscheinbarer Vereine aus dem Nordwesten von Montevideo. Früher kein Problem – zum Stadion fahren, ein Ticket kaufen, reingehen. Heute eine Herulesaufgabe. Denn seit heute gibt es im uruguayischen Fußball eine neue Eintrittskartenpolitik. Man muss sein Ticket spätestens am Tag vor dem Spiel bei einem von zwei Ticketagenturen gekauft haben. Notwendig ist der Pass, denn dessen Nummer wird mitsamt Name auf das Billet gedruckt. Einlass gibt es nur mit Ticket und dazugehörigem Dokument.
Dass man das durchaus ernst sieht, habe ich heute erfahren. Weil ich gestern zu spät ankam, konnte ich kein Ticket mehr erwerben, und sämtliche Versuche, mit Presseausweis, Reisepass und der aktuellen Zeitspiel-Ausgabe (mit der Reportage über Chile) Einlass zu finden schlugen fehl. Der Grund: man hat einfach Angst. Nationalverband AUF hat die Klubs strikt angewiesen, niemanden außerhalb des neuen Systems hineinzulassen. Kontrolliert wurde das durch ein Polizeiaufgebot und vor allem eine zusätzliche Abordnung des Verbandes, mit der dann auch mein „Fall“ ausgiebig und mit großem Bedauern abschlägig beurteilt wurde.
Uruguay hat seit langem ein Gewaltproblem im Fußball, und dieses System soll helfen, es zu lösen. Ich habe da meine Zweifel. Denn zumindest bei Racing ist es nun so, dass der Zuschauerzuspruch – ohnehin schon überschaubar – vermutlich noch weiter zurückgehen wird. Ein spontaner Stadionbesuch ist ja schließlich nicht mehr möglich.
Für morgen habe ich bereits ein Billet für das Abendspiel zwischen Peñarol und Boston River in der Tasche, wohingegen ich für den schon seit Wochen ausverkauften Parque-Prado-Schlager zwischen River Plate und den Montevideo Wanderers am Nachmittag schwarz sehe. Eigentlich hatte ich mich da auf den Schwarzmarkt verlassen. Bei Racing aber wurde heute tatsächlich bei jedem Einzelnen der Pass mit der Eintrittskarte abgeglichen – selbst bei Journalisten und TV-Leuten! Das dürfte morgen nicht anders sein. Zwar hat mir ein Platzwart beim Besuch des River-Stadions „Saroldi“ am Nachmittag versichert, er würde mich morgen in jedem Fall reinlassen („komm einfach eine Stunde vorher an dieses Tor, da werde ich warten“), dass ihm das wirklich gelingt glaube ich nach den heutigen Erfahrungen jedoch nicht.
Abenteuer Fußball…

Hier aber nun zumindest ein paar optische Eindrücke aus dem Racing-Umfeld.

 

Sieht gar nicht so wild aus – ein Vorbeikommen gab es dennoch nicht.

13. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Zeitspiel unterwegs: Buenos Aires und Montevideo

Der Koffer gepackt, Fotoapparat und Laptop für neue Eindrücke und Stories freigeräumt – wir sind mal wieder unterwegs für Euch.
Die Reise geht nach Buenos Aires und Montevideo.
In den nächsten fünf Wochen wird ein Teil unserer Redaktion (Hardy nämlich) dort ihren temporären Wohnort beziehen. Und sich auf die Suche nach der Seele des Fußballs machen. Die vor allem in Buenos Aires, aber auch in Montevideo bekanntlich vielfältig ausfällt. Mehr dazu erfahrt ihr immer mal wieder auch an dieser Stelle – und natürlich später dann in einer gedruckten Ausgabe von Zeitspiel.
Wie „spontan“ Fußball in Südamerika funktioniert ist übrigens daran zu sehen, dass sich die argentinische Liga derzeit im Streit bzw. Streik um die TV-Gelder befindet und der Ligastart deshalb kurzerhand um einen Monat nach hinten verlegt wurde. Hat unsere Planungen natürlich nur „ein klein bisschen“ durcheinandergebracht… Am 3. März soll es nun endlich losgehen. Unsere Reise beginnt daher in Montevideo, wo am Wochenende u.a. der Nachbarschaftsschlager zwischen River Plate und den Montevideo Wanderers auf dem Programm stehen.
Nos vemos!