ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Offener Brief von Alan Gasperoni (San Marino) an Thomas Müller

| 11 Kommentare

gasperoniNach dem Länderspiel in San Marino stellte Thomas Müller die Sinnfrage von Begegnungen wie der zwischen Weltmeister Deutschland und dem krassen Außenseiter San Marino. Eine Debatte ähnlich der, ob Amateurklubs auch künftig noch in der ersten Runde des DFB-Vereinspokals auf Bundesligisten vom Kaliber Bayern München treffen dürfen/sollen, schloss sich an. Tenor: das Solidarprinzip im Fußball wird einmal mehr in Frage gestellt. Zunehmend werden die „Kleinen“ als lästiges Beiwerk angesehen, die sich brav in ihr Schicksal zu fügen haben und den großen Stars möglichst aus dem Weg gehen sollen, indem sie sich vorab gegenseitig eliminieren. Der große Fußball zieht sich zurück aus dem kleinen Fußball. Dabei zeigt das Beispiel Island, dass „Kleine“ keineswegs immer „klein“ bleiben müssen (auch wenn San Marino sicherlich ncht mit dem Potenzial Islands zu vergleichen ist).

In San Marino war man nicht sonderlich begeistert von Müllers Worten. Alan Gasperoni, Journalist und langjähriger Vereins- wie Verbandsfunktionär, hat Thomas Müller sogar einen offenen Brief offenen Brief geschrieben. Da uns nicht bekannt ist, ob Herr Müller über ausreichend Italienisch-Kenntnisse verfügt, haben wir unseren Italienspezialist Henning Tatje gebeten, Gasperonis Brief exklusiv für Zeitspiel zu übersetzen:

Lieber Thomas Müller,

natürlich hast Du recht! Spiele wie das vom Freitag braucht kein Mensch. Auch Du nicht! Lieber Thomas, es nutzt Dir ja wirklich nicht, kostenlos an einem spielfreien Bundesliga-Wochenende nach San Marino zu kommen, wenn Du gleichzeitig mit Deiner Frau in Deiner Luxusvilla zusammen sein könntest. Alternativ könntest Du ja auch ein paar Tausend Euro einsacken, wenn Du an einem Sponsorenevent teilnehmen könntest.

Ich armer Tropf habe jedoch zehn gute Gründe für den Abstecher nach San Marino, um an einem Spiel zwischen San Marino gegen Deutschland teilzunehmen. Denk einfach mal darüber nach

1.) Es zeigt, dass Du noch nicht mal gegen solche Rumpeltruppen wie uns Sanmarinesen triffst; und gib es zu: Du warst stinksauer, dass unser Keeper Simoncini Dich am Tore schießen gehindert hat.

2.) Das Spiel zeigt, dass der Fußball nicht im Besitz von Deutschland ist. Das Spiel gehört euch nicht. Auch wir sind Teil des Spiels und lieben es – ob Du willst oder nicht – sag das auch Rummenigge und Beckenbauer!

3.) Es zeigt Hunderten von Journalisten, dass es da Männer gibt, die ihren Traum leben …. Und nicht nur Schecks hinterher rennen.

4.) Es zeigt, dass ihr Deutschen euch nicht geändert habt. Selbst aus der Geschichte habt ihr nichts gelernt … Machtgelüste sind keine Siegesgarantie

5.) Es zeigt 200 Nachwuchsfußballern, dass ihre Trainer richtig liegen, wenn sie davon sprechen, dass sich Einsatz und Opferbereitschaft auszahlen. Vielleicht erleben diese Burschen bald solche Spiele gegen den Weltmeister nicht mehr … Wer weiß?

6.) Mit dem Geld, das wir durch die Übertragungsrechte einnehmen, zahlen wir nicht nur Deinen gestörten Wochenendfrieden, sondern auch ein neues Fußballcamp im Niemandsland von Acquaviva. Das Camp hättest Du mit Deiner Gage aufbauen können, wir brauchten aber dieses Spiel über 90 Minuten mit seinen Übertragungsrechten dafür!

7.) Es dient einem Staat der Zwerge, der mit seinen Einwohnern nur einen Teil Deines Stadions in München füllt, um mal wegen eines guten Grundes in die Zeitungen zu kommen; und ein Fußballspiel ist immer ein guter Grund.

8.) Es dient Deinem Freund Gnabry, um in der Mannschaft zu debütieren und drei Tore zu schießen. Nun kann er bei Werder einen besseren Vertrag aushandeln.

9.) Es gibt einem traurigen Sanmarinesen neue Kraft, weil er sieht, was für ein stolzes Team San Marino hat.

10.) Und es zeigt mir, dass ihr zwar die schicksten Adidas-Trikots haben könnt, aber immer die bleiben werdet, die weiße Tennissocken in den Sandalen tragen.

So, und nun bist Du am Zug, lieber Thomas

Beste Grüße, Dein Alan

(Hier das Original: http://www.repubblica.it/sport/calcio/esteri/2016/11/13/news/san_marino_risponde_a_mueller-151952317/)

11 Kommentare

  1. Ich befürchte das Thomas Müller den Inhalt in seiner Tiefe nicht verstehen wird! Vielleicht sollte man ihm diesen Absatzweise nochmal erklären.
    Toller Brief!

  2. Alan Gasperoni hat einfach nur Recht. TOP-Kommentar!

  3. Wie heißt es so schön auf Englisch: „Cry me a river!“

    Ach, die pööhsen Deutschen, die eine Million Flüchtlinge aufgenommen haben. Die Italiener scheren sich nen Dreck um die.

    • DA! da ist sie wieder die deutsche arroganz!!! bildest du dir wirklich ein italien nimmt keine flüchtlinge auf und kümmert sich nicht um diese? hast du eigentlich eine ahnung wieviele flüchtlinge als aller erstes italien anvisieren um zu flüchten? hast du eigentlich eine ahnung seit wievielen jahrzehnten italien flüchtlige aufnimmt? anscheinend hast du keine ahnung! und komm mir nicht mit „das war sarkasmus“ denn sarkasmus ist EINDEUTIG zweideutig!! ach und im übrigen geht es um sanmarino nicht um italien!!!

  4. Hut ab Alan, das sind die richtigen Worte für diese dummen Sprüche von Müller. Auch wir in der Kreisliga lieben Fussball und spielen für Nothing…..

  5. Macht den Mann – Alan Gasperoni – zum FIFA-Vorsitzenden! Und sagt dem Müller, dass er Fusball spielen und die Klappe halten soll.

  6. Obwohl ich kein Bayern- Fan bin, habe ich immer viel von Thomas Müller gehalten.
    Aber seine Aussage fand ich großkot…….,
    das ist typischer Bayern – München – Jargon. Schade eigentlich von sonst so einem netten, lustigen sympathischen Fußballer hätte ich das nicht erwartet.
    Hoffentlich war es ein einmaliger Ausrutscher.

  7. Mit großem Interesse habe ich den Brief von Alan Gasperoni gelesen, nur, er ist an die falsche Adresse geschickt worden, der DFB wäre der richtige Ansprechpartner gewesen und deshalb muss ich auch Thomas Müller in Schutz nehmen. Er ist einer der Wenigen die immer als Ziel die Mannschaft, das Team hat Gerade Thomas ist für mich Vorbild und hat sicherlich auch mit viel Ehrgeiz dieses Spiel gespielt. Wenn er auch nicht getroffen hat, das ist nur zweitrangig, Wichtiger ist die Einstellung zu solch einem Spiel, und die stimmt bei Thomas immer. Ich bin Westfale, d.h. Borussia Dortmund Fan, trotzdem stehe ich zu Thomas Müller. Lieber Alan Gasperoni, ich wünsche ihnen trotzdem viel Freude mit ihrem Verein, mit ihrer Mannschaft San Marino.

  8. Stars in der Provinz sind die beste Reklame für den Fussball. Fussball schweisst zusammen, verbindet über alles Sprachgrenzen. Es ist doch erstrebenswert auch als Kleiner einmal gegen einen Grossen spielen zu dürfen. Also Motivation pur. Fördere den Breitensport damit es eine Spitze gibt. Auch wenn das Resultat vorher klar ist, so ist es doch ein wertvolles Erlebnis, besonders für die Kleinen. Gönnt es ihnen!

  9. Das Fussballcamp hättet ihr schon längst haben können, wenn der Liebe Staat von San Marino das hart erarbeitete Schwarz und Schmiergeld einfach für sowas benutzen Würde

  10. Müller wird das nicht begreifen, der hat nur Geldscheine im Kopf.

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