ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Lokalrunde am 11. und 12. Oktober!

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Der Sonntag war früher Amateurtag. Heutzutage verwässern leider Live-Übertragungen von Profispielen diese Tradition und klauen den Amateurvereinen mehr und mehr Zuschauer. Diesem Trend stellen sich nun einige aktive Fußballfans entgegen und haben für kommenden Sonntag den 1. Tag des Amateurfußballs in Deutschland und der benachbarten Schweiz ausgerufen – LOKALRUNDE.

Eigentlich kann man die Kiste anschalten, wann man will – beim Durchzappen rollt nahezu immer auf irgendeinem Sender der Ball. Am Wochenende sowieso und mittlerweile ja auch am einstigen (Amateur-)Sonntag.
Von einer Übersättigung des gemeinen Fußballfans ist jedoch trotz der TV-Dauerbeflimmerung nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Stadien der Profiligen sind rappelvoll. Während sich in den 70er- und 80er-Jahren der Zuschauerschnitt in der Belle Étage bei um die 20.000 Fans einpendelte (86/87 waren gerade einmal drei Spiele ausverkauft), füllten in den letzten Spielzeiten durchschnittlich stets über 40.000 Fußballfreunde die modernen Arenen und sorgten dafür, dass bei mehr als einem Drittel der 306 Saisonspiele beim Anpfiff sämtliche Plätze auf den Rängen belegt waren.

Oben hui, unten pfui
Alles gut also im deutschen Fußballlande? Auf jeden Fall – zumindest für die Profiligen. Stolpert man hingegen im Ligensystem nur drei Stufen abwärts, stößt man auf eine ganz andere Welt. Eine Parallelwelt vielleicht, die viele gar nicht mehr so richtig kennen.
Es ist die Welt der Vereine, die ambitionierten Amateurfußball bieten. Die Welt, in welcher manch Traditionsklub mit erfolgreicher Vergangenheit aufgrund von zahl- und beispiellosen Umstrukturierungen des Ligensystems „hinreformiert“ wurde und nun gestrandet ist – eine zunehmend verlassene Welt mit nicht gerade rosigen Zukunftsaussichten. Denn sie gerät immer mehr aus dem Blickfeld des öffentlichen (Fußball-)Interesses.

440 wollen die Nummer 5 Niedersachsens sehen
Nehmen wir Niedersachsen als Beispiel und blicken dort auf die Regionalliga Nord: Auf Platz sieben des Tableaus steht nach dem 11. Spieltag der TSV Havelse aus Garbsen bei Hannover. Der Viertligist ist – rein sportlich gesehen – aktuell immerhin die Nummer 5 in Niedersachsen. Denn über ihm kicken nur noch der VfL Wolfsburg und Hannover 96 in der 1. Bundesliga, Eintracht Braunschweig in der 2. Bundesliga sowie der VfL Osnabrück in der 3. Liga. Dann kommt bereits der TSV Havelse, lässt man einmal die in der Regionalligatabelle davor postierten Zweitvertretungen des VfL Wolfsburg, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig außen vor.
Fünftbester Klub Niedersachsens also – Zuschauerschnitt: magere 440. Die gesamte Regionalliga Nord lockt durchschnittlich 800 Leute hinter dem Ofen hervor, die darunter liegende Oberliga Niedersachsen nicht einmal 300 Unentwegte.
Der ambitionierte Amateurfußball – die Schwelle zum Profifußball – hat zu kämpfen. Die Integration der Zweitvertretungen von Profiklubs macht diesen Kampf nicht unbedingt einfacher – aber schweifen wir nicht ab. Fakt ist: Das Herausrücken des Amateurfußballs aus dem Fokus des Interesses, der Medien, befeuert die für den Fußball negative Entwicklung eines sich zwischen dritter und vierter sportlicher Ebene zunehmend vertiefenden Grabens – auf dessen Seite „Liga 4 oder darunter“ es bei immer mehr Vereinen ums bloße Überleben geht.

LOKALRUNDE stellt sich gegen den Trend
Unterstützung für die Geplagten hat sich nun aus dem Raum Göttingen angesagt, wo eine lobenswerte Initiative ins Leben gerufen wurde. Fans des südniedersächsischen Oberligisten 1. SC Göttingen 05 waren es, die zunächst GASA gegründet haben – Glotze aus, Stadion an! Großer Erklärung der Gruppierung bedarf es sicher nicht, der Name sagt ja eigentlich schon alles. Mehr als 40 Fanszenen von Amateurvereinen haben sich bereits der Initiative (gasa.blogsport.de) angeschlossen, die auf eine Unterstützung des Amateurfußballs zielt, indem den Vereinen zusätzliche Aufmerksamkeit verliehen werden soll.
Auf einem Vernetzungstreffen einiger GASA-Ehrenamtlicher in Hamburg entstand schließlich der Gedanke, auch in Deutschland und der Schweiz einen in England bereits erfolgreich etablierten „Non-League Day“ ins Leben zu rufen – einen Tag des Amateurfußballs. Auf der Insel fand dieser bereits zum vierten Mal statt und erfreut sich seit Anbeginn regem Zuspruch. Hierzulande geht der Tag des Amateurfußballs nun erstmals am kommenden Sonntag über die Bühne – unter dem passenden Namen LOKALRUNDE.

Jeder ist eingeladen!
Mit dabei sein kann jeder Verein, der unterhalb der dritten deutschen – oder zweiten Schweizer – Liga spielt und am kommenden Wochenende ein Heimspiel vor der Flinte hat. Um die Spiele „offiziell“ anzumelden, gibt es auf der Seite www.lokalrunde.info einen Matchfinder, wo die Partien in einer interaktiven Karte eingetragen werden können. Interessierte Zuschauer können diese dann aus der Karte herausfiltern und sich so ein LOKALRUNDE-Spiel in der Nähe herauspicken. Für die Vereine ist der Amateurtag im Grunde eine Gratis-Werbemaßnahme, denn LOKALRUNDE wird überregional beworben und bringt den Amateurfußball – zumindest an diesem Tag – wieder ein Stück weit ins Gespräch und damit in die Köpfe potenzieller Zuschauer.

Der 12. Oktober – und in der Schweiz darüber hinaus auch der 11. Oktober – sollte also im Kalender eines jeden Fußballfans dick angemarkert werden, denn LOKALRUNDE feiert dann Premiere! Mitfeiern lässt es sich übrigens am besten im Stadion …

P.S. An die LOKALRUNDE-Macher geht von dieser Stelle aus im Sinne des Fußballs ein dickes Dankeschön für die unterstützenswerte und hoffentlich mit starker Resonanz versehene Aktion! Walk on!

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