ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

Legende: 1. FC Schweinfurt 05

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In der Rubrik Legende kümmern wir uns um Klubs mit großen Namen und großer Vergangenheit, die in der Ligapyramide ein bisschen nach unten gerutscht sind. Der 1. FC Schweinfurt 05, „Legende“ in der aktuellen Ausgabe #9, war sogar schon bis in die Landesliga abgerutscht und hat sich inzwischen wieder etwas aufgerappelt. Seit 2013 ist man in der Regionalliga Bayern am Ball und strebt gegenwärtig in die 3. Liga. Schweinfurt 05, die „Schnüdel“, ist einer dieser berühmten „Schlafenden Riesen“ mit einer starken regionalen Fanverankerung.

Für die Renaissance steht nicht zuletzt Päsident Markus Wolf, unter dem sich der Verein seit 2010 sichtlich stabilisiert hat und nun wieder optimistisch in die Zukunft blickt. Wir haben mit ihm ein Interview geführt, das ihr weiter unten lesen könnte. Auf insgesamt neun Seiten stellen wir den 1. FC Schweinfurt 05, seine Vergangenheit, seine Fanszene und das Stadion in Zeitspiel-Ausgabe #9 ausführlich vor und lüften dabei auch das Geheimnis des Spitznamen „Die Schnüdel“.

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Seit dem Jahr 2010 steht Markus Wolf (49) dem 1. FC Schweinfurt 05 als Präsident vor, ist mit seinem Unternehmen „Wolf Möbel“ Hauptsponsor (seit 2008) und seit Ende letzten Jahres auch Geschäftsführer des Traditionsklubs. Zur aktuellen Saison hat der 49-Jährige Platz 1–3 in der Regionalliga ausgerufen und damit die 3. Liga noch stärker in den Fokus gerückt.

Herr Wolf, wie kam es 2010 zu Ihrem Engagement im Klub und hat die Arbeit seither Spaß gemacht?

Als damals die Entscheidung fiel, den Firmensitz von Würzburg nach Schweinfurt zu legen, war das eigentlich klar. Nur dass es diese Ausmaße nimmt und ich dann irgendwann 1. Vorstand werden sollte, war nicht vorgesehen. Im Großen und Ganzen hat es sehr viel Spaß gemacht. Es war aber auch eine wirkliche Mammutaufgabe, diesen Traditionsverein neu zu strukturieren und wieder auf die richtige Spur zu bringen.

In welcher Situation befand sich der Klub seinerzeit?

Der Verein war damals eigentlich tot bzw. nicht mehr existent. Viele Leute, die alles besser wussten. So wie es eben bei vielen Vereinen ist, wenn man aus einer alten Tradition kommt und irgendwann mal die Leute und Sponsoren verärgert hat. Ich alleine habe den Verein mehrmals vor dem Gang zum Insolvenzgericht bewahrt. Deswegen habe ich dann auch damals für den Vorstand kandidiert, damit ich weiß, was mit meinem Geld passiert.

Und was hat sich gegenüber damals verändert?

Sehr viel und jede Menge. Nachdem wir die Strukturen und Altlasten einigermaßen bereinigt hatten und den Verein am Leben gehalten haben, fingen wir an, uns an die einfachen unternehmerischen Tugenden zu halten. Zuverlässigkeit, Glaubhaftigkeit, Seriosität etc. Eigentlich ganz einfache Dinge, um wieder erfolgreich zu werden und ohne die es heutzutage überhaupt nicht mehr geht im Berufsleben. Der Fußball ist eben anders gewesen. Hier hat jeder die Chance bekommen mal ganz oben zu stehen. Oft ist man ja sogar heute noch froh, wenn man einen ehrenamtlichen Vorstand findet, der seinen Kopf für alles hinhält.

Wie sehr hängt der Verein nach rund sieben Jahren Wirken als Präsident von Ihnen persönlich ab? Sowohl vom zeitlichen als auch wirtschaftlichen Einsatz her gesehen?

Nicht mehr allzu viel. Und das war auch mein Ziel. Es ist wichtig, dass ein Verein wie der FC Schweinfurt nicht von einzelnen Personen oder einzelnen Sponsoren abhängig ist. Natürlich ist es aber auch wertvoll, von erfahrenen Unternehmern zu profitieren und sich auch mit diesen auszutauschen. Da sollten wir froh sein, dass es so ist. Damit identifizieren sich dann auch die Leute aus der Wirtschaft und das führt wiederum alles zu einer positiven Grundstimmung.

Das aktuelle Saisonziel lautet Platz 1 bis 3, der Start war perfekt. Ist der Verein zum kurzfristigen Aufstieg „verpflichtet“? Welche etwaigen Risiken birgt ein Nichtaufstieg infolge zu starker 1860er oder auch ein Scheitern in der Relegation?

Wir sind zu nichts verpflichtet. Wir haben viele Jahre daraufhin gearbeitet, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Wir sind jetzt auch mit dem NLZ und der U23 mit allen Mannschaften in der Bayernliga. Also auch die Nachwuchsarbeit dürfen wir nicht vergessen. Irgendwann muss man eben dann auch mal versuchen, etwas zu riskieren und voranzutreiben. Der Aufstieg wäre für uns als Traditionsverein natürlich eine riesen Sache und würde dem Verein sogar ein positives Ergebnis bringen in der 3. Liga. Auch wenn immer alle sagen, in der Liga 3 kann man nicht überleben. Die sollen erstmal in die Regionalliga kommen, wo keinerlei Geld von Verbänden bezahlt wird. Hier lernt man das Sparen und das Wirtschaften. Die Regionalliga ist für Traditionsvereine wie wir es sind nicht machbar. Die Attraktivität nimmt ab, die Zuschauer und Sponsoren bleiben aus etc. Das ist ein Überlebenskampf, den man fast nicht gewinnen kann. Das ist zumindest bei uns in Schweinfurt mit dem Stadiongelände, Umfeld etc. so. Vielleicht macht es durchaus für kleinere Vereine Sinn, das will ich gar nicht mal abstreiten. In Schweinfurt würden die ganze Region und die Stadt natürlich von einem Aufstieg profitieren. Bessere Werbung deutschlandweit bekommt man fast nicht. Aber dennoch ist es kein Muss, nur ein „es wäre schön“.

Wie war die Reaktion bei Ihnen, als feststand, dass 1860 München in die Regionalliga absteigt? Bereicherung oder harter Konkurrent im aktuellen Titelkampf?

Ich fand es toll, da ich wusste, dass unser Stadion definitiv ausverkauft sein wird. Ich wollte schon immer mal das Stadion mit 16.000 Leuten voll sehen. Und Konkurrenz gibt es auch durch andere Mannschaften wie Bayern II oder Augsburg II.

Was hat sich durch die Eingliederung der Löwen für Ihren Verein verändert?

Nichts, nur dass wie gesagt das Stadion ausverkauft sein wird und es mit Sicherheit ein sehr wichtiges und schönes Spiel geben wird.

Die BVUK.-Gruppe engagiert sich ab dieser Saison und für die kommenden drei Jahre in größerem Ausmaß als zweiter Hauptsponsor, die Finanzkraft des Vereins konnte dadurch gesteigert werden. Wie sehen die mittel- und langfristigen Ziele des Klubs aus?

Wie gesagt, wir versuchen so schnell wie möglich in die 3. Liga aufzusteigen. Danach machen wir uns an die Jugendarbeit und versuchen als nächsten Schritt, die U-19 in die Bundesliga zu bekommen. Ferner arbeiten wir gerade daran, die Strukturen für ein Bundesliga-NLZ zu schaffen. Es ist immer viel zu tun, wenn man klare Ziele vor Augen hat.

Nicolas Görtler (Kreuzbandriss), Lukas Billick (Sprungelenk gebrochen) und Lukas Kling (Außenbandriss im Knie) fallen länger aus. Soll bei der Mannschaft noch nachgelegt werden? Kommt ggf. noch ein Stürmer?

Wir suchen bereits seit einigen Monaten nach einem Stürmer. Doch leider ist es schwierig einen geeigneten zu bekommen, der zu uns passt und auch noch die Mannschaft zusätzlich verstärkt. Wir haben schon eine sehr gute Mannschaft und das bedeutet, dass man Spieler holen muss, die in der 2. Liga derzeit nicht soviel Einsatzzeiten bekommen. Aber dann muss man die Personen auch davon überzeugen, was unser Konzept ist und was wir vorhaben. Dabei ist es dann natürlich schwierig, Spieler in die Regionalliga zu locken. Aber auch hier müssen wir nicht unbedingt, obwohl es jetzt als Tabellenführer und vier Siegen zum Saisonstart etwas einfacher geworden ist und schon sehr viele auf uns aufmerksam geworden sind.

In jüngerer Vergangenheit gab es einen Stimmungsboykott von Teilen der Fans. Grund dafür waren nach Meinung der Fans überzogene Sanktionen der Polizei sowie das Verhalten der Klubführung, die Fans nicht ausreichend in ihrem Sinne zu vertreten. Wie stellt sich die Situation aktuell dar?

Das ist nicht ganz die Wahrheit. Die Vereinsführung hat immer versucht sich für die Personen einzusetzen, die ihre Unschuld aufzeigen konnten. Das wurde auch mehrfach mit den Fanbetreuern angesprochen und auch vorgenommen. Die Sache ist zum Glück jetzt aus der Welt, denn keiner hatte wirklich Lust auf so einen Boykott. Ich glaube, die Fans, Spieler und der Verein sind glücklich, dass die Stimmung wieder top ist. Der Verein wird sich immer für unschuldig verurteilte Fans einsetzen. Manche haben da aber trotzdem andere Auffassungen von „unschuldig“, das ist eher das Problem.

Letzte Frage: Wie würden Sie den 1. FC kurz und knapp persönlich beschreiben?

Menschlich, familiär, ehrlich mit einer Top-Stimmung, aber auch vielen Nörglern, denen man es niemals recht machen kann. Einfach ein Fußballverein, wie man ihn gern haben muss.

Wir arbeiten Fußball getreu unserem Motto. Und das jeden Tag …

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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