ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

KLARTEXT zur DFB-Präsidentschaft

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Reinhard Grindel also. Ein Kandidat wie aus dem Lehrbuch. Jurist, lobbygestählt und als „gelegentlich aufbrausend“ bezeichnet. Okay, zum Fußball kam er erst 2006, als die Nationalelf von Trinidad-Tobago in seinem Wahlkreis in Rotenburg/Wümme gastierte. Also eigentlich keiner aus dem eigenen Nest. Macht aber nichts, hat er längst ausgeglichen durch seine gelungene Ämterkombination als CDU-Abgeordneter im Sportausschuss des Bundestages und Schatzmeister des DFB. Ist doch gut, wenn jemand dabei ist, der Ahnung hat, kommentierte er. Ja, ja, „gut“. Dafür sorgt schon die schriftliche Absprache mit der DFB-Spitze, dass sich der CDU-Abgeordnete Grindel aus nicht sportrelevanten Themen raushalten möge. Was dazu wohl seine Wähler im heimischen Wahlkreis sagen?

Nicht so gut: bei einer Abstimmung über Stimmenkauf und Korruption enthielt sich Grindel der Stimme. Und worum geht es derzeit nochmal beim DFB? WM 2006? Sommermärchen? Und nun soll einer, der beim Thema Stimmenkauf und Korruption statt Position zu beziehen für „Enthaltung“ votierte zum großen Aufräumer in Sachen Stimmenkauf und Korruption werden? Man braucht schon viel Fantasie, um diese Möglichkeit zu sehen.

„Aki“ Watzke hat dann im „Kicker“-Interview auch gleich mal losgeschimpft. Und bekommt dafür unseren Beifall. Denn Recht hat er, der BVB-Boss, wenn er sagt: „Für den Fußball ist das eine sehr unschöne Geschichte“. Gehen wir konform. Dass Watzke dann aber gleich den dicken Prügel rausholt und andeutet, „man sollte die Möglichkeiten des Profifußballs nicht unterschätzen“, denn „am Ende des Tages“ spiele „die Musik in der Bundesliga“ steht auf einem anderen Blatt. „Wenn man meint, man müsste uns vor vollendete Tatsachen stellen, muss man sich im Klaren sein, dass der größte Wert des DFB, die Nationalmannschaft, von Spielern gebildet wird, die wir bezahlen,“ zitiert der „Kicker“ Watzke.

Zack, das saß. Der DFB, kein Verband, der von seinen 6,9 Mio. Mitgliedern getragen wird sondern seinen Wert in erster Linie durch eine Handvoll hochbezahlter Nationalspieler erhält. Schade, dass Watzke einen Keil hineinschlägt wo eine Brücke hilfreicher wäre.

Natürlich hat er Recht, wenn er das Votum der Landes- und Regionalverbandspräsidenten pro Grindel bemängelt. Es ist skandalös! Hals über Kopf eine Personalentscheidung zu fällen, die nicht mit dem Profibereich abgestimmt ist und alleine aufgrund der Stimmmacht der Landes- und Regionalverbände durchgedrückt werden kann riecht mehr als nur anrüchig. Und ist ein dickerer Keil, als es Watzkes Aussagen je sein könnten. Wer will da seine Schäfchen ins Trockene bringen, wer seine Pfründe sichern?

In der Kritik steht nun der Amateurfußball. Denn Reinhard Grindel ist der Kandidat der Regional- und Landesverbände. Doch ist er damit auch der Kandidat der gesamten Amateurszene? Wenn man sich an der Basis umhört, erntet man nur noch Kopfschütteln. Über die DFB-Politik, über die Regional- und Landesfürsten, über das Postengeschacher. Wie der Kopf des DFB sind auch die Köpfe der Regional- und Landesfürsten längst abgekoppelt von der Basis. Schneidern sich ihre eigenen Welten und Strukturen zurecht. Während dort unten die mühevolle Tagesarbeit verrichtet wird.

Reinhard Grindel als neuer DFB-Präsident wäre ein Unding. Dagegen muss sich die Amateurszene ebenso wehren wie der Profibereich. An der Basis und in den Vereinen gilt zu hinterfragen, was die Präsidenten der Regional- und Landesverbände eigentlich bewog, Grindel zu nominieren und ohne zeitliche Not einen Kandidaten durchzudrücken, der schon auf den ersten Blick wie eine Kontinuität dessen aussieht, was man aufräumen möchte.

Hardy Grüne

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