ZEITSPIEL

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KLARTEXT: Afrikameisterschaft 2019: der verkappte Machtkampf

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Kamerun wird der Afrika-Cup 2019 entzogen – die späte Revanche des neuen CAF-Präsidenten

Von Olaf Jansen

Am Freitag tagte die Spitze des Afrikanischen Fußballverbandes (CAF) in Ghanas Hauptstadt Accra. Die Führungsriege um Präsident Ahmad Ahmad hatte sich verabredet, um endgültig zu entscheiden: Kann Kamerun tatsächlich die Endrunde des Afrika-Cups 2019 im kommenden Sommer ausrichten? Das Ergebnis lautete – wie von Insidern schon seit langem vorhergesagt – „Nein!“. Kamerun ist offiziell die Austragung entzogen worden. Ein Ersatzland soll noch in diesem Kalenderjahr bestimmt werden.

Die Spatzen pfeifen schon lange von den Dächern, dass dies Marokko sein dürfte. Ägypten und Südafrika sind auch im Gespräch. In allen drei Ländern ist die notwendigge Infastruktur schon vorhanden. Aber: Marokko liegt politisch vorn. Das Königreich bewirbt sich schon seit langem darum, nächster afrikanischer WM-Ausrichter zu werden. Und wird in diesem Unterfangen massiv von Ahmad und seinen Leuten unterstützt. Mit der kurzfristigen Ausrichtung des Afrika-Cups kann man der FIFA-Welt beweisen: Wir können Groß-Veranstaltungen.

Die andere Seite für das Aus von Kamerun ist in der ganz persönlichen Biografie von Caf-Präsident Ahmad Ahmad zu finden. Es war im März 2017, als sich der Mann aus Madagaskar – für Außenstehende völlig überraschend – bei den Präsidentschaftswahlen gegen Platzhirsch Issa Hayatou aus Kamerun durchsetzte. Vorausgegangen war eine kurze, aber heftige Schlammschlacht.

Als Hayatou 2016 bemerkte, dass ihm in Ahmad erstmals im Laufe seiner 29jährigen Amtszeit ein echter Herausforderer gegenüberstand, reagierte er wie immer: Er schickte seine Kavallerie los. Den Aufmüpfigen mundtot zu machen, war der Auftrag für Hayatous korrumpierte Entourage, die stets von Hayatous Prinzip des Geben/Nehmens profitiert hatte.

Es erwischte also Ahmeds Heimatland Madagaskar, das kurzerhand die Ausrichtung der U17-Afrika-Cup 2017 entzogen wurde. Zudem wurde Ahmad aus dem CAF-Exekutivkomitee geworfen. Doch zu spät: Auch mit der Unterstützung des neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino hatte sich Ahmad selbst schon genügend Verbündete für einen Wechsel gesichert. Neue Transparenz und Anti-Korruptionseinheiten sollten den Knoten der jahrelangen persönlichen Bereicherungen in Afrikas Fußball zerschlagen.

Mit 39:20 Stimmen setzte sich der Reformer in den Wahlen 2017 gegen Hayatou durch. Und in Kamerun wusste man an diesem Tag: Das wird eng mit der Ausrichtung des Afrika-Cups 2019. Die Neuen würden wahrscheinlich genau hinschauen, ob man die bereitgestellten Gelder für den Ausbau der Infrastruktur auch tatsächlich sachgerecht verwendet hatte. Und tatsächlich kam noch im Frühsommer 2017 bereits die Gelbe Karte für Kamerun. Ein Vor-Ort-Untersuchungsausschuss der neuen CAF-Spitze hatte „beträchtliche Mängel“ beim Stand der Turniervorbereitungen ausgemacht.

Nun ist der Cup für Kamerun also weg, Ahmad und seine Leute haben sich etwas verspätet für Madagaskars Entzug des U17-Turniers revanchiert. Das einzig Überraschende daran ist eigentlich der späte Zeitpunkt. Man hätte dies auch bereits vor 12 Monaten so sagen können. Und fast tragisch ist das Ganze für die fußballverrückten Menschen in Kamerun. Die haben sich schon so lange drauf gefreut, auf das Turnier hingefiebert. Sie wieder einmal die Leidtragenden von politischen Ränkespielen und von Unfähigkeit eigener Politiker und Fußballfunktionäre. Sie sind nicht die ersten Opfer dieser Art in Afrika.

Olaf Jansen berichtet seit vielen Jahren vom Fußball aus Afrika und von den Afrikameisterschaften. Zur Historie des Turniers hat er gerade ein fast 600 Seiten starkes Buch vorgelegt, das für 19,90 Euro hier zu erwerben ist.

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