ZEITSPIEL

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Global Game: Demokratische Republik Kongo

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Es ist eine der erfolgreichsten Fußballnationen in Schwarzafrika, und doch leidet der Fußball unter der korrupten Politik und dem schier unendlichen Krieg. In unserer Ausgabe #9 beleuchten wir die tragische Fußballgeschichte der Demokratischen Republik Kongo – und hier gibt es einen kleinen Auszug aus dem Kapitel.

Global Game: Demokratische Republik Kongo

Im Würgegriff von Politik und Korruption

In einer idealen Welt wäre die Demokratische Republik Kongo ein wirtschaftliches Schwergewicht und könnte seinen Einwohnern ein exzellentes Leben ermöglichen. Denn das flächenmäßig drittgrößte Land Afrikas verfügt über reichlich Bodenschätze, die überall begehrt sind und für die immense Summen bezahlt werden. Doch es gibt keine ideale Welt. Schon gar nicht in Afrika, noch weniger in Schwarzafrika.

Ein Großteil der 82 Millionen Kongolesen leidet unter Misswirtschaft und Korruption, schier unendlichem Bürgerkrieg, regelmäßigen Flüchtlingswellen, periodisch auftretenden Hungersnöten und einer katastrophalen Infrastruktur. Die Erlöse aus der Ausbeutung der Bodenschätze gehen unterdessen ins Ausland bzw. werden von einer korrupten einheimischen Machtelite schamlos verprasst. Man kann auch sagen, dass die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo ein Trauerspiel ist.

Das gilt auch für die des Fußballs, der sich, wie nahezu alles in der DR Kongo, im Würgegriff der korrupten Elite befindet. Zwar wurde die kongolesische Nationalmannschaft zweimal Afrikameister (1968 und 1974) und reiste 1974 als Zaïre als erste schwarzafrikanische Auswahl zu einem WM-Endturnier, das fußballerische Potenzial des Landes aber spiegeln diese Erfolge nur unzureichend wider. Was möglich wäre, zeigt Serienmeister TP Mazembe Lubumbashi, der mit fünf afrikanischen Kontinentalmeisterschaften die nach den ägyptischen Klubs Al-Ahly und Zamalek führende Mannschaft des Kontinents ist. Der Klub ist ein leuchtendes Beispiel für moderne Strukturen und stabile Führung, das über ganz Afrika Strahlkraft ausübt. Allerdings geriet der Verein 2016 ebenfalls in den Fokus der politischen Auseinandersetzungen, als sich Vereinspräsident Moïse Katumbi in Opposition zu Staatschef Joseph Kabila stellte und das Land daraufhin fluchtartig verlassen musste.

Der doppelte Kongo

Fußball kam Anfang des 20. Jahrhunderts durch belgische Missionare in die Region. Im Auftrag des belgischen Königs Léopold II. hatte der Afrikaforscher Henry Stanley ab 1879 mit verschiedenen Bantu-Häuptlingen Verträge geschlossen und sich weite Teile des Gebietes der heutigen Demokratischen Republik Kongo gesichert. Hintergrund waren dort vermutete Rohstoffe. Während die missionarische Erschließung des Landes für eine „Bekehrung“ der „Naturvölker“ sorgte, gingen private Konzessionsfirmen mit einer beispiellosen Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen die einheimische Bevölkerung vor, die selbst bei den auch nicht gerade zimperlichen anderen europäischen Kolonialmächten auf Kritik stieß und den belgischen Staat 1908 veranlassten, das königliche Besitztum unter Staatsgewalt zu nehmen. Die rüden Ausbeutungspraktiken blieben jedoch bestehen. Zwischen 1880 und 1920 halbierte sich die Bevölkerung Belgisch-Kongos, verloren mehr als zehn Millionen Menschen ihr Leben. Dennoch wurden nach dem Ersten Weltkrieg auch die bis dahin unter deutscher Verwaltung stehenden heutigen Länder Ruanda und Burundi unter belgische Administration gestellt. Hauptstadt von Belgisch-Kongo war ab 1923 Léopoldville, das heute den Namen Kinshasa trägt und am Südufer des Kongo liegt. Die am Nordufer gelegene Stadt Brazzaville indes gehörte damals zum französischen Einflussgebiet und ist heute die Hauptstadt der Republik Kongo. Zu keiner Phase der jüngeren Geschichte haben die beiden Kongos eine politische Einheit gebildet.

Zwei Fußballwiegen: Boma und Lubumbashi

Die Wiege des kongolesischen Fußballs steht in der Hafenstadt Boma, dem damaligen belgischen Verwaltungssitz im äußersten Westen des Landes. Kurz nach der Jahrhundertwende von belgischen Lehrern eingeführt, wurde das Spiel über Missionsschulen rasch weiterverbreitet. 1918 erreichte es die heutige Hauptstadt Kinshasa (damals Léopoldville), wo der belgische Reverend Raphaël de la Kethule 1919 mit dem FC Union den ersten Fußballverein gründete. Schwarze und weiße Fußballer blieben analog der Kolonialpolitik jeweils unter sich, wobei es organisierten Sport ohnehin nur unter weißer Obhut gab.

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Informationsblatt des kongolesischen Fußballverbandes von der WM 1974 – damals wurde die DR Kongo „Zaire“ genannt.

 

 

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