ZEITSPIEL

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Frankreich. Fußball. Frauen.

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Allez, les femmes!

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich wurde viel berichtet. Panini brachte Sammelbildchen heraus, Firmen schmücken sich mit den Spielerinnen und die Euphorie in den teilnehmenden Ländern scheint größer, als bei bisherigen Großereignissen des Frauenfußballs. Doch wie sieht es im austragenden Land aus? Ein Vor-Ort-Besuch in der französischen Hauptstadt am Eröffnungswochenende.

Von Johannes Brattke

Le moment de briller – der Slogan zur Weltmeisterschaft leuchtet in Paris den Besucherinnen und Besuchern an den großen Bahnhöfen entgegen. Doch das war es erst einmal mit den Hinweisen, dass hier in diesem Sommer das größte Fußballturnier der Welt stattfindet. Stattdessen: Tennis. Die Finaltage der French Open fallen in die Zeit der ersten Spiele der WM. Die Champs-Élysées ist komplett mit Fahnen des Grand Slams behangen, vor allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt stehen mobile Fanshops für das Tennisturnier. Im Stadtbild zeigen sich immerhin vereinzelt Menschen mit Trikots der Fußball-Nationalteams. Ein französisches hier, ein australisches dort. In der Nähe des Eifelturms sucht ein Kamerateam des übertragenden französischen TV-Senders nach Leuten für Interviews, die dann unter anderem diese Frage beantworten sollen: „What would you personally do, to make your team win?“, allerdings mit dem Nachsatz „Would you run on the pitch naked?“

Die Frage, ob es ein Public-Viewing-Event geben würde, können die Herren vom Fernsehen nicht beantworten. Diese wird von der Fifa per Mail allen Ticketbesitzerinnen und -besitzern immerhin einen Tag vor Beginn des Wettbewerbs beantwortet: Eine Fanzone sei eingerichtet, in der Nähe des Louvre, im Jardin Nelson Mandela. Geöffnet täglich ab 12 Uhr und mit dem Namen Fifa Fan Experience. Weitere Hinweis auf diese Möglichkeit, alle Spiele auch unter freiem Himmel zu sehen, gibt es nicht. Und offenbar auch keine anderen öffentlichen Übertragungen.

Am Tag des Eröffnungsspiels ist die Fanzone des Ausrichters am Nachmittag noch geschlossen. Eine kleine Ausstellung ist bereits geöffnet und auch der eigens aufgestellte Kleinfeld-Fußballplatz wird schon bespielt – von Jungs.

Vor dem Parc des Princes sieht die Szenerie zwei Stunden vor dem ersten Spiel ganz anders aus: Lange Schlangen bilden sich bereits am Einlass, Musikgruppen sorgen für Stimmung, an den Kassen hängen „Sold out!“-Schilder. Frankreich trifft zur Eröffnung der WM auf Südkorea und viele wollen dabei sein. Die günstigsten Tickets gab es bereits ab 13 Euro zu erwerben. Eine halbe Stunde vor Anpfiff startet die Eröffnungszeremonie: Sängerin Jain performt zusammen mit 300 Tänzerinnen, die in den Farben der beteiligten Ländern gekleidet sind. Richtig laut wird es im Stadion beim Auflaufen der beiden Teams, und erst recht, als fast alle der 45.261 Anwesenden die Marseillaise lautstark mitsingen. Kaum fünfzehn Minuten nach Anpfiff gehen die Französinnen in Führungen und die La-Ola-Welle nimmt ihre erste Runde. Am Ende steht es 4:0 für die Gastgeberinnen.

In der Fifa Fan Experience ist am zweiten Tag der WM alles fertig aufgebaut, vor allem die Stände der Fifa-Partner. Besonders groß ist der Andrang nicht – zum Spiel der deutschen Frauen, immerhin Mitfavoritinnen um den Titel, verlieren sich kaum über 50 Leute in den Garten. Eine Fußballerin präsentiert ihre Ball-Jonglage-Künste, die Sonne scheint.

Ob die große Euphorie abseits der Stadien in Paris noch kommt, wird auch vom Verlauf des Wettbewerbes abhängen. Dann wird sich zeigen, ob diese Weltmeisterschaft le moment de briller sein wird. Gute Nachrichten gab es indes schon von den Halbfinals und dem Finale zu lesen: Die drei Spiele waren bereits vor Beginn des Turniers ausverkauft.

 

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