ZEITSPIEL

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Finnland: Die Liga der Frauen

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Hyvää huomenta!

Aus Finnland erreichte uns in diesen wilden Corona-Zeiten ein Kommentar unseres ständigen Mitarbeiters vor Ort zur Umbenennung der höchsten Fußball-Spielklasse der Frauen. Die heißt nun „Subway Kansallinen Liiga“, was einige Fragen aufwirft. 

Von Felix Zschauer
Am 27. Februar hat der finnische Fußballverband endlich den neuen Namen für die 1. Liga der Frauen veröffentlicht. ”Endlich” sage ich nicht, weil ich mir eine neue Bezeichnung gewünscht hätte. Im Gegenteil sollte man nicht in jedem zweiten Jahrzehnt den Namen wechseln, so wie es in Finnland üblich ist, sondern etwas Tradition wachsen lassen. Es handelt sich um den fünften Namen in 49 Jahren offiziellem Frauenfußballs!
Endlich sage ich deshalb, weil die Klubs ihre Zeit brauchen, um ihre Kleidung und Werbung usw. dementsprechend anpassen müssen. Aber wie kam es zum Namenswechsel für den sich der Verband jetzt gar international (The Guardian) feiern lässt?
Offiziell geht es darum, das Wort „Frauen“ zu entfernen und zwecks Gleichberechtigung nicht mehr von Fußball bzw. Frauenfußball zu sprechen. So schön, so gut. Und nachvollziehbar. Was als neuer Name kam, war aber ausrechenbar. Abgesehen davon, dass das Finnische einfach nicht wirklich viele Möglichkeiten hergibt, den Namen so prägnant auszudrücken (wie z.B. die norwegische Toppserien), wurde davor („nur zu Marketing-Zwecken“) der Name einer internationalen Butterbrotkette eingefügt. Nichts gegen den Sponsor an sich – das ist nicht Gegenstand dieser Diskussion. Aber dass man sich vom „sperrigen Namen“ Naisten Liiga („Liga der Frauen“) verabschiedet, um sie „Subway Kansallinen Liiga“ zu nennen, ist absurd. Einige erinnert der neue Name an politische Ideologien (Kansallinen steht für „Nationale“), anderen ist er zu nah am finnischen Begriff für die Nations League (Kansojen Liiga). Der Schachzug, den Sponsoren in den Namen einzufügen, während man in der öffentlichen Diskussion auf „Gleichstellung“ hinweist, erinnert mich an die Zeiten als der FC Barcelona seinen ersten Brustsponsor vorstellte und dann langsam zu einem Unternehmen aus Nahost mutierte.
Ich verstehe, dass man das Geld, das dahintersteckt, gerne annimmt. Und selbstverständlich hoffe ich, dass wir unsere Spitzenspielerinnen auch mal im Land halten könnten. Um den Namen zu verkaufen, bin ich jedoch einfach ein zu konservativer Fußballfan. Immerhin war man konsequent genug, alles aus dem öffentlichen Auftritt zu entfernen, was irgendwie an Weiblichkeit erinnert. Das Pink des Logos wurde durch finnischen Blau ersetzt – damit kann ich leben. Ansonsten erinnert das Logo stark an das aktuelle Logo eines Turiner Spitzenklubs. Nur, dass an Stelle des „J“ ein kantiges „I“ ist. Jedenfalls sieht es danach aus. Wofür das stehen soll, weiß keiner. Wir brauchen ja keinen Pferdeschwanz oder „weibliches“ Pink oder Rosa. Doch im neuen Logo erkennt man nicht, was dahinter steckt.
Weiblichkeit? Ausgelöscht! Was daran ist Gleichberechtigung? Dürfen Frauen nicht stolz sein auf ihre Weiblichkeit? Es soll ja Fußballfreunde geben – und ich bin selber einer – der den Frauenfußball dafür schätzt, dass nicht ganz so viel auf dem Boden rumgerollt und reklamiert wird. Es passt zu unserer heutigen Zeit, dass systematisch alles ausradiert wird, was im Frauenfußball zur Tradition geworden ist. Die Vereine des Männerfußballs sollen auch die Führung im Frauenfußball übernehmen.
Für mich hat das alles absolut nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Ganz im Gegenteil! Und die Scheinheiligkeit des gesellschaftspolitischen Vorangehens verdeckt in diesem Fall nur das Voranbringen kapitalistischer Ideen!
Felix Zschauer, 1986 in Berlin geboren, lebt seit 2010 in Finnland. Für Zeitspiel-Ausgabe #17 schrieb er über die Qualifikation der finnischen Männer-Nationalmannschaft zur Euro 2020

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