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KLARTEXT Chinas U20 – ein Spiel mit vielen Verlierern

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KLARTEXT: Chinas U20 – ein Spiel mit vielen Verlierern

Von Hardy Grüne

Nun also doch: Die Gastspiele der U20-Nationalmannschaft Chinas in der Regionalliga Südwest sind gestoppt. Zumindest vorerst, denn DFB und CFA wollen alles daran setzen, das Projekt fortzusetzen.

Es ist ein Fall, bei dem es nur Verlierer gab. Den DFB, Chinas U20, bestehend aus jungen Männern, die sich am Samstag in Mainz nicht zuletzt vor dem Bannstrahl ihrer politischen Führung haben ducken müssen, die spielwilligen Regionalligavereine, die eine Menge Ärger und Aufwand hatten und nun auch noch um die Prämie von 15.000 Euro gebracht werden. Aber auch die Protestler, zumindest diejenigen, denen es um die Kernidee ging, nämlich die Frage, ob eine Mannschaft aus Asien zum Zwecke der Olympiavorbereitung in einer deutschen Regionalliga mitlaufen darf bzw. soll. Diese Frage ging im Laufe der Woche völlig unter.

Es war ein Projekt, das vom ersten Moment an nicht funktionierte. Ich erinnere mich noch gut, als ich die Meldung hörte und mir sicher war, dass die Satire-Seite „Postillon“ dahinterstehen würde. Dass dem nicht so war machte mich fassungslos. Die Kommunikation seitens des DFB war haarsträubend und erntete den verdienten Protest seitens vieler Fangruppen und auch einiger Vereine. Wer so unsensibel mitten in einer wegen der Aufstiegsfrage ohnehin aufgewühlten Atmosphäre von oben herab ein derart vielschichtiges und auch politisch kompliziertes Projekt mit einem Land, das wegen seines Umgangs mit den Menschenrechten in der Kritik steht, initiiert, darf sich nicht wundern, wenn nichts davon reibungslos funktioniert. Hätte der DFB schon in der Überlegungsphase mit offenen Karten gespielt und sein gemeinsames Anliegen mit China erläutert, statt hinter dem Rücken der Fans und Zuschauer für Fakten zu sorgen, ich bin mir sicher, die Idee wäre mit deutlich weniger Empörung aufgenommen worden.

Die Ignoranz der Verbandsherren für die Sensibilitäten der Fans in den Regionalligen – gebeutelt von schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, medialem Desinteresse und einer unbefriedigenden Aufstiegsregelung – war damals offenkundig, und sie ist es noch immer. Das belegt die offizielle DFB-Erklärung zur Rückstellung des China-Projektes, in der man sich sichtlich eingeschnappt zeigt. Das Projekt habe „nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten“, heißt es da. Von „einigen wenigen Zuschauern“ ist die Rede, die „Botschaften“ setzten, „die von der chinesischen Mannschaft, den Offiziellen, dem Betreuerstab des Chinesischen Fußball-Verbandes und auch den chinesischen Zuschauern als verletzend empfunden wurden“.

Wir müssen jetzt nicht über Meinungsfreiheit diskutieren, das ist in Deutschland Gott sei Dank nicht nötig. Wenn man in China mit dem Anblick von Tibet-Fahnen nicht klarkommt, ist es sicher nicht Aufgabe der deutschen Fußballgemeinde, dafür zu sorgen, dass die buntbedruckten Symboltücher verschwinden. Ich vermute, beim DFB spielte der eine oder andere in dieser Woche durchaus mal mit dem Gedanken, dass das mit der Meinungsfreiheit manchmal eine ärgerliche Sache ist. Wäre doch auch zu schön gewesen, wenn in Mainz neben der schwarz-rot-goldenen einfach nur die rote Fahne zu sehen gewesen wäre und alle fröhlicher Stimmung gewesen wären.

So sehr die Absage zu begrüßen ist, so schal ist der Beigeschmack. Denn es ging längst nicht mehr um die eigentliche Frage – die Teilnahme der Mannschaft an einem Gastspielbetrieb mit den Regionalligisten –, es ging um Tibet. Und um Provokation. Ich bin der letzte, der sagt, Politik habe im Stadion nichts zu suchen. Politik IST im Stadion. Immer und überall. Aber in diesem Fall hat die Politik den Fußball in der Tat benutzt. Und das finde ich bedauerlich. Und zugleich nachvollziehbar. Denn die Tibet-Aktivisten wussten, sie bekommen eine große Bühne für ihren Auftritt. Chapeau dafür, alles richtig gemacht!

Im Regen stehen bleiben die Vereine und auch die engagierten Fans, die gegen die Gastspiele protestiert haben. Denn die Absage erfolgte ja nicht, weil der Wert des Projektes für die Regionalligen hinterfragt wurde. Und die 15.000 Euro hätten Stadtallendorf, Völklingen und Worms wohl auch gerne mitgenommen.

Dass man beim DFB nicht wirklich verstanden hat, zeigt das offizielle Statement, in dem vom „festen Willen beider Verbände, die gegenseitige Verbindung weiter zu stärken“ die Rede ist. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, wie genau das ausfallen wird: freundschaftliche Gastspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dann gibt es auch keine Tibet-Fahnen mehr zu sehen.

Ein Kommentar

  1. Das es doch so einfach ist,den DFB umzustimmen,hätt ich nicht gedacht.Paar Leute mit Tibetfahnen und schon ist die Sache gelaufen.Sehr gut,großes Lob an die Leute.DFB ,schämt Euch…

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