ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

25. November 2016
von Hardy Gruene
Keine Kommentare

6er Weihnachts-Abo mit Buchpräsent!

Infos zu den Büchern siehe www.werkstatt-verlag.de

Infos zu den Büchern siehe www.werkstatt-verlag.de

Ein schickes Weihnachtsgeschenk in der Hand und dann auch noch selbst was abstauben? Mit Zeitspiel und dem Verlag Die Werkstatt geht das ganz einfach! Bis einschließlich 24. Dezember bieten wir unser „Weihnachts-Abo“ mit sechs Ausgaben und einem Buchpräsent der Wahl aus dem Hause Werkstatt!

Zur Auswahl stehen folgende Werke:
– Die nagelneue Biografie über Helmut Schön von Bernd Beyer
– Ben Redelings Meisterwerk „Die Bundesliga wie sie lebt und lacht“
– Das hochgelobte „Gesellschaftsspielchen“ von Ronny Blaschke
– Werner Skrentnys Nostalgikerbibel „Es war einmal ein Stadion“
– Die geniale Textesammlung „Fußballkritik“ von den Kollegen des „Tödlichen Passes“
– Christoph Rufs „Kurvenrebellen“ in der aktuellen 3. Auflage
– und schließlich, wir wollen ja auch die FreundInnen des Glitzerfußballs erfreuen, „Die Bayern-Story“, ein toller Comic zur Geschichte des Rekordmeisters.

Das Weihnachts-Abo kann man übrigens auch an sich selbst verschenken 😉 bzw. als Folgeabo für ein noch laufendes Abo ordern. Einfach E-Mail mit dem entsprechenden Wunsch an abo@zeitspiel-magazin.de. Infos zu den Büchern gibt es auf www.werkstatt-verlag.de

14. November 2016
von Hardy Gruene
11 Kommentare

Offener Brief von Alan Gasperoni (San Marino) an Thomas Müller

gasperoniNach dem Länderspiel in San Marino stellte Thomas Müller die Sinnfrage von Begegnungen wie der zwischen Weltmeister Deutschland und dem krassen Außenseiter San Marino. Eine Debatte ähnlich der, ob Amateurklubs auch künftig noch in der ersten Runde des DFB-Vereinspokals auf Bundesligisten vom Kaliber Bayern München treffen dürfen/sollen, schloss sich an. Tenor: das Solidarprinzip im Fußball wird einmal mehr in Frage gestellt. Zunehmend werden die „Kleinen“ als lästiges Beiwerk angesehen, die sich brav in ihr Schicksal zu fügen haben und den großen Stars möglichst aus dem Weg gehen sollen, indem sie sich vorab gegenseitig eliminieren. Der große Fußball zieht sich zurück aus dem kleinen Fußball. Dabei zeigt das Beispiel Island, dass „Kleine“ keineswegs immer „klein“ bleiben müssen (auch wenn San Marino sicherlich ncht mit dem Potenzial Islands zu vergleichen ist).

In San Marino war man nicht sonderlich begeistert von Müllers Worten. Alan Gasperoni, Journalist und langjähriger Vereins- wie Verbandsfunktionär, hat Thomas Müller sogar einen offenen Brief offenen Brief geschrieben. Da uns nicht bekannt ist, ob Herr Müller über ausreichend Italienisch-Kenntnisse verfügt, haben wir unseren Italienspezialist Henning Tatje gebeten, Gasperonis Brief exklusiv für Zeitspiel zu übersetzen:

Lieber Thomas Müller,

natürlich hast Du recht! Spiele wie das vom Freitag braucht kein Mensch. Auch Du nicht! Lieber Thomas, es nutzt Dir ja wirklich nicht, kostenlos an einem spielfreien Bundesliga-Wochenende nach San Marino zu kommen, wenn Du gleichzeitig mit Deiner Frau in Deiner Luxusvilla zusammen sein könntest. Alternativ könntest Du ja auch ein paar Tausend Euro einsacken, wenn Du an einem Sponsorenevent teilnehmen könntest.

Ich armer Tropf habe jedoch zehn gute Gründe für den Abstecher nach San Marino, um an einem Spiel zwischen San Marino gegen Deutschland teilzunehmen. Denk einfach mal darüber nach

1.) Es zeigt, dass Du noch nicht mal gegen solche Rumpeltruppen wie uns Sanmarinesen triffst; und gib es zu: Du warst stinksauer, dass unser Keeper Simoncini Dich am Tore schießen gehindert hat.

2.) Das Spiel zeigt, dass der Fußball nicht im Besitz von Deutschland ist. Das Spiel gehört euch nicht. Auch wir sind Teil des Spiels und lieben es – ob Du willst oder nicht – sag das auch Rummenigge und Beckenbauer!

3.) Es zeigt Hunderten von Journalisten, dass es da Männer gibt, die ihren Traum leben …. Und nicht nur Schecks hinterher rennen.

4.) Es zeigt, dass ihr Deutschen euch nicht geändert habt. Selbst aus der Geschichte habt ihr nichts gelernt … Machtgelüste sind keine Siegesgarantie

5.) Es zeigt 200 Nachwuchsfußballern, dass ihre Trainer richtig liegen, wenn sie davon sprechen, dass sich Einsatz und Opferbereitschaft auszahlen. Vielleicht erleben diese Burschen bald solche Spiele gegen den Weltmeister nicht mehr … Wer weiß?

6.) Mit dem Geld, das wir durch die Übertragungsrechte einnehmen, zahlen wir nicht nur Deinen gestörten Wochenendfrieden, sondern auch ein neues Fußballcamp im Niemandsland von Acquaviva. Das Camp hättest Du mit Deiner Gage aufbauen können, wir brauchten aber dieses Spiel über 90 Minuten mit seinen Übertragungsrechten dafür!

7.) Es dient einem Staat der Zwerge, der mit seinen Einwohnern nur einen Teil Deines Stadions in München füllt, um mal wegen eines guten Grundes in die Zeitungen zu kommen; und ein Fußballspiel ist immer ein guter Grund.

8.) Es dient Deinem Freund Gnabry, um in der Mannschaft zu debütieren und drei Tore zu schießen. Nun kann er bei Werder einen besseren Vertrag aushandeln.

9.) Es gibt einem traurigen Sanmarinesen neue Kraft, weil er sieht, was für ein stolzes Team San Marino hat.

10.) Und es zeigt mir, dass ihr zwar die schicksten Adidas-Trikots haben könnt, aber immer die bleiben werdet, die weiße Tennissocken in den Sandalen tragen.

So, und nun bist Du am Zug, lieber Thomas

Beste Grüße, Dein Alan

(Hier das Original: http://www.repubblica.it/sport/calcio/esteri/2016/11/13/news/san_marino_risponde_a_mueller-151952317/)

11. November 2016
von Hardy Gruene
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Unsere Wappenzeichner suchen Unterstützung

So sieht eine entstehende Wappenhistorie aus.

So sieht eine entstehende Wappenhistorie aus.

Dass wir in unseren Heften immer wieder seltene historische Wappen abbilden können, verdanken wir vor allem unermüdlichen Zeichnern wie Thomas Senftleben, Benjamin Teufel, Stefan Ecker, Michael Holzkämper, Marcus Keune, Terry Wiegard und Artur Piwko. Mit großer Leidenschaft und Liebe zum Detail erstellen sie nach historischen Vorlagen exzellente Grafiken, die wunderbare Zeitreisen durch die Fußball- und Wappengeschichte ermöglichen. Wer ein bisschen mehr von ihrer Arbeit sehen möchte, schaut mal auf www.dfs-wappen.de vorbei.
Die Rekonstruierung der Wappen ist jedoch ein zeitaufwändige Sache, und deshalb suchen die Zeichner aktuell händeringend Helfer bei der Archivpflege. Es geht um das Hochladen von neuen Wappen sowie um die Erforschung der Verwendungszeiträume der unterschiedlichen Embleme. Wer sich von diesem Aufruf angesprochen fühlt und einen eigenen Beitrag zur Erforschung der Fußballhistorie beitragen möchte, kann sich gerne bei Thomas Senftleben (senfi at dfs-wappen.de) oder Benjamin Teufel (webmaster at dfs-wappen.de) melden.

11. November 2016
von Hardy Gruene
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Zeitspiel-Ausgabe #6

Derbys und Rivalitäten im Fußball – der große Schwerpunkt im aktuellen Zeitspiel-Magazin Ausgabe 6. Geschichten und Geschichte zu den 250 wichtigsten Derbys in Deutschland und der Welt.
Außerdem im Heft
Legende Tennis Borussia Berlin
Global Game Wales
Lost Grounds Ernst-Grube-Stadion Riesa
Gästeblock Bayern Hof
sowie die üblichen Rubriken Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Überleben im Turbokapitalismus u.v.m.
Jetzt hier ordern. Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel.

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5. November 2016
von Hardy Gruene
1 Kommentar

KLARTEXT zum DFB-Bundestag in Erfurt

gruene_fotoKLARTEXT zum DFB-Bundestag in Erfurt

Von Hardy Grüne

Der DFB hat getagt und Jens Weinreich fühlt sich auf Spiegel Online an „Chinesische Verhältnisse“ erinnert. 100 Prozent Zustimmung für eine Verbandsspitze, die mitten in der wohl schwersten Krise in der Geschichte des größten Fußballverbandes der Welt steckt und über der zahlreiche ungeklärte Fragen schweben.

Chapeau, das muss man erstmal hinbekommen!

Die Öffentlichkeit – und vor allem die Basis – steht derweil geschockt und entsetzt vor dem, wie sich der DFB auf seinem 42. Bundestag in Erfurt präsentierte. Immer wieder wird beklagt, die „da oben“ würden die Realität ausblenden und ihr eigenes Süppchen kochen. „Oben wird beschlossen, unten wird ausgebadet.“ Das gilt für die Politik ebenso wie für Sportverbände, und es ist eine gefährliche Entwicklung. Nicht nur, weil es die Gesellschaft spaltet, sondern vor allem, weil das Bild viel zu sehr im vereinfachten Schwarz-Weiß-Denken gezeichnet ist. Die Wahrheit ist komplexer und komplizierter

Doch dann kommt ein Mann, der in den letzten Wochen mit offenen Briefen und Protesten überhäuft wurde, behauptet, „Noch nie ist der Amateurfußball so gefördert worden wie durch das jetzt zuständige Präsidium. Amateure und Profis halten in Deutschland zusammen wie sonst nirgendwo in Europa“ und tut Kritiker wie den langjährigen Unterhaching-Präsidenten Engelbert Kupka als „ehemaligen Funktionär“ ab, mit dessen Vorschlägen man sich offenbar inhaltlich nicht auseinandersetzen muss.

Denn nun gibt es ja Reinhard Grindel, den Robin Hood des deutschen Fußballs, der über sich sagt: „Mein Ziel ist es, dass sich Profis und Amateure gemeinsam von ihrem Präsidenten vertreten fühlen“. So viel Selbstgefälligkeit muss man angesichts der massiven inhaltlichen Kritik der letzten Monate erstmal hinbekommen – mal ganz abgesehen, dass sich um die Profis ohnehin die DFL kümmert.

Man würde Herrn Grindel dringend empfehlen, sich wirklich mal an der Basis umzuhören. Schon im November 2015 schrieb ich im KLARTEXT: „Wenn man sich an der Basis umhört, erntet man nur noch Kopfschütteln. Über die DFB-Politik, über die Regional- und Landesfürsten, über das Postengeschacher. Wie der Kopf des DFB sind auch die Köpfe der Regional- und Landesfürsten längst abgekoppelt von der Basis. Schneidern sich ihre eigenen Welten und Strukturen zurecht. Während dort unten die mühevolle Tagesarbeit verrichtet wird. Reinhard Grindel als neuer DFB-Präsident wäre ein Unding. Dagegen muss sich die Amateurszene ebenso wehren wie der Profibereich. An der Basis und in den Vereinen gilt zu hinterfragen, was die Präsidenten der Regional- und Landesverbände eigentlich bewog, Grindel zu nominieren und ohne zeitliche Not einen Kandidaten durchzudrücken, der schon auf den ersten Blick wie eine Kontinuität dessen aussieht, was man aufräumen möchte.“

Damals gab es breite Kritik an Grindels Nominierung, nicht zuletzt aus dem Profilager. Geblieben ist: nichts! Wobei – stimmt auch wieder nicht. Denn während die Kritik aus dem Pofilager verstummte, wird die andauernde Kritik aus dem Amateurlager einfach nicht mehr aufgegriffen.

Grindel sonnt sich lieber im Glanze der Nationalmannschaft, versucht ein Häppchen vom schillernden Bundesliga- und Champions-League-Fußball abzubekommen (ohne zu realisieren, dass sich die Profivertreter längst vom trantütigen DFB abgekoppelt haben und ihn im Grunde genommen gar nicht mehr ernst nehmen) und trampelt auf dem herum, was den Fußball, den DFB, trägt: seine Basis. Kritik am dritten Sonntagsspiel der Bundesliga kontert der oberste Fußballwächter des Landes mit der Aussage, dass der Vorwurf, der Profifußball würde den Amateuren vorsätzlich schaden, „abenteuerlich“ sei. Mal abgesehen davon, dass niemand von „vorsätzlich schaden“ gesprochen hat, wahrlich eine „abenteuerliche“ Interpretation, wenn man sich vor Augen hält, dass die Bundesliga ab 2017/18 sowohl Samstag als auch Sonntag quasi pausenlos spielt. Da wünscht man sich fast Theo Zwanziger zurück, der mit seinem VfL Altendiez wenigstens einen Fuß an der Basis hatte. Wann Grindel wohl zum letzten Mal ein Heimspiel seines Rotenburger SV gesehen hat?

Doch auch die sogenannten „Amateurvertreter“ dürfen von der Kritik nicht ausgespart bleiben. Es sind vor allem Verbandsfürsten wie Karl Rothmund vom NFV, der gerade wegen auffälliger Verbindungen zu seinem Heimatverein Germania Egestorf-Langreder in der Kritik steht . Oliver Fritsch schreibt heute in der Zeit: „Die vielen Delegierten der Amateure aus den Regional- und Landesverbänden, die in der Mehrheit sind, sagen keinen Piep. Vielleicht sind sie schon glücklich, dass sie alle drei Jahre zu solchen Veranstaltungen, auf denen man Bundesliga-Managern und Bundestrainern begegnet, auf Verbandskosten reisen dürfen.“ Aber waren in Erfurt wirklich Vertreter der Basis? Oder ist nicht vielmehr das strukturelle Problem des DFB auch auf Regional- bzw. Verbandsebene anzutreffen? Hier in Niedersachsen sagt man über den NFV dasselbe wie auf Bundesebene über den DFB: „die da oben machen doch eh, was sie wollen“.

Am DFB gibt es viel zu kritisieren. Die WM-Affäre, der Versuch, die Dopingfrage zu einer Nebensächlichkeit herunterzustufen, die Ernennung von Jürgen Klinsmann zum Ehrenspielführer; auf einer Ebene mit Männern wie Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer. Der Umgang des DFB mit der Amateurbasis aber toppt alles. Wie ein lästiges Übel wischt man die Bedenken weg. Nur Vizepräsident Rainer Koch, der einzige in der aktuellen Führung, dem ich ein wirkliches Interesse an den Belangen des Amateurfußballs unterstelle, müht sich leidlich, zumindest das letzte noch verbliebene Bindeglied zwischen Profis und Amateuren zu erhalten: den DFB-Pokal. Doch auch aus seiner Stimme klingt längst Resignation. Koch dürfte sich bewusst sein, dass sich die Profis eher früher als später durchsetzen werden und die 1. Hauptrunde in Zukunft den „Amateuren“ vorbehalten bleibt. Im Gegenzug gibt es dann den „Tag der Amateure“, lauthals gefeiert auf sämtlichen DFB-internen Kanälen, denn, so DFL-Chef Reinhard Rauball: „Das erfolgreiche Miteinander von Profis und Amateuren ist ein Markenzeichen des deutschen Fußballs“.

Dringend überfällig wäre eine pragmatische Beschäftigung mit den Problemen. Dass sich der Profifußball ausdehnen muss, ist auch an der Basis unbestritten. Dass es nicht damit getan ist, einen verstärkten Geldfluss von oben nach unten zu erreichen, ebenfalls, denn das Finanzproblem des Fußballs ist ein systemisches, das sich durch verstärkte Zahlungen nicht lösen lässt. Doch es gibt eine Menge praktischer Dinge, die den Amateurfußball wirklich entlasten würden: Verbandsbeiträge zum Beispiele. Oder Schiedsrichterkosten. Warum beispielsweise übernimmt der reiche DFB nicht einfach mal die Schiedsrichterkosten im Amateurfußball und entlastet die Klubs damit wirklich an der Quelle? Ein Verband, der sich wirklich um seine Mitglieder kümmert, sieht anders aus.

Was bleibt den Amateuren? Zusammenhalt. Um dem DFB und den Regional- bzw. Landesverbänden deutlich zu machen, wo die meisten seiner 6,9 Mio. Mitglieder tatsächlich herkommen. Und wenn man das in Frankfurt weiterhin nicht hören will – nun, dann sollte man vielleicht mal die Macht seiner Mitgliederzahl nutzen, um die DFB-Spitze aus ihrem Realitätsverlust zu reißen und sie mit der Nase auf die Realitäten zu stoßen. Dann sieht sie vielleicht auch, dass es „dort unten“ längst nicht mehr nur brodelt.