ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

26. September 2016
von Hardy Gruene
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Ausgabe 1 AUSVERKAUFT

Oha, Schreckensmeldung aus der Zeitspiel-Vertriebszentrale!

Unsere Pemierennummer (Zeitspiel #1, „Überleben im Turbokapitalismus“) ist nun leider ausverkauft. Und von 2, 3 sowie 4 sind auch nur noch überschaubare Bestände vorhanden. Besser jetzt die Sammlung vervollständigen!

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23. September 2016
von Hardy Gruene
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Auf dem Weg zur Legende Tennis Borussia

14433168_611948285653295_1105114285721554329_nAuf dem Weg zur nächsten „Legende“! Heute Abend schauen wir uns beim Oberliga-Nordost-Spitzenspiel zwischen Tennis Borussia Berlin und Lichtenberg 47 ein bisschen im Mommsenstadion um und gucken, wie es um die Tennis Borussen so steht. Aufklärung erfolgt dann in Zeitspiel-Ausgabe #6, die Ende Oktober erscheint. Leider ist das Spiel von einer traurigen Nachricht überschattet: am Montag starb mit Dietlinde Rohde eine langjährige und engagierte Tennis Borussin. R.I.P. (http://www.tebe.de/artikel-4169.html)

22. September 2016
von Hardy Gruene
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Fußballfans in Südamerika: Interview mit Jan-Henrik Gruszecki

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Jan-Henrik „Janni“ Gruszecki darf man zweifelsohne als Kenner des südamerikanischen Fußballs und vor allem der südamerikanischen Fankultur bezeichnen. Der BVB-Fan absolvierte 2006 zwei Auslandstrimester in Paraguay und lebte anschließend einige Jahre in Buenos Aires. 2014 drehte er gemeinsam mit Marc Quambusch die viel beachtete WDR-Doku über die „Die Fußballhauptstadt Buenos Aires“.

Für unsere aktuelle Zeitspiel-Ausgabe haben wir uns mit ihm über die speziellen Eigenarten südamerikanischer bzw. argentinischer Fußball-Leidenschaften unterhalten.

 

Janni, wie bist Du zum südamerikanischen Fußball gekommen?

Mein Vater war bei der WM 1990 in Italien und seine Erzählungen machten mich zum großen Fan von Diego Maradona, den ich mit sechs Jahren zum ersten Mal in Neapel spielen sah. Später kam ich dann zum BVB, bin in die Ultraszene eingetaucht, wurde Groundhopper. Zum Studium – ich habe Medienkommunikation & Journalismus in Bielefeld studiert – wollte ich unbedingt nach Südamerika. Am liebsten nach Venezuela, denn ich war seinerzeit ein ziemlicher Hugo-Chávez-Fan. Gelandet bin ich dann aber bei einer deutschsprachigen Zeitung in Paraguay. Von dort aus bin ich im Oktober 2006 über 28 Stunden mit dem Bus nach Buenos Aires gefahren und habe meinen ersten Superclásico (Boca Juniors gegen River Plate) gesehen. Das war damals eines der wenigen richtig guten Superclásicos. Ich dachte nur „was ist denn hier los?“ und war total angefixt. Danach bin ich jedes Wochenende von Asunción nach Argentinien. Nach dem Praktikum bin ich ganz rüber nach Buenos Aires und dort eingetaucht ins Leben. Nach ungefähr zwei Jahren versteht man langsam, wie die Beziehung zwischen Stadtviertel und Verein wirklich funktioniert. Das hat mich sehr gepackt. Es ist kein Klischee, wenn das Fünftligaderby aus Sicherheitsgründen am Dienstag um 14 Uhr stattfindet und alles komplett zu ist, weil alle Leute, der Supermarktbesitzer, der Kioskverkäufer, wirklich alle im Stadion sind. Das, das Fahren auf den Trittstufen von Vorortzügen, die gesamte Atmosphäre – für mich war das der totale Inbegriff von Freiheit.

 

Was unterscheidet Südamerika von Europa?

Lateinamerikaner haben ein komplett anderes Verhältnis zur Nation als es beispielsweise für Deutsche verständlich ist. Die Länder haben alle ihre Unabhängigkeit erkämpfen müssen und sind komplett stolz auf ihre Nationen. Egal, ob nun Argentinier, Bolivianer, Chilenen, Kolumbianer etc. Fußball hat eine immense Rolle in diesem Identitätsprozess gespielt. Das ist bis heute so. Die Argentinier beispielsweise sind überzeugt davon, dass sie den Fußball, so wie er heute gespielt wird, erst geprägt haben und deshalb Argentinien die eigentliche Heimat des Fußballs ist. Sie glauben, dass sie das moderne Passspiel erfanden, während die Engländer einfach nur den Ball nach vorne gekickt haben.

 

Was für eine Bedeutung haben Copa América bzw. die Nationalmannschaften in diesem Zusammenhang?

Dieses „Nationalmannschaft interessiert mich nicht“, was in Deutschland unter den aktiven Fans sehr populär ist, gibt es in Südamerika kaum. Wenige sagen hier, „ich lehne die Nationalmannschaft ab!“. Deshalb hat die Copa América, auch wegen ihrer langen Geschichte und weil sie das erste Kontinentalturnier war, einen sehr hohen Stellenwert. Das kann aber auch zum Problem werden. Nehmen wir Lionel Messi. Wir Europäer verstehen nicht, warum er in Europa ein absoluter Superstar und in Argentinien nicht annähernd so beliebt ist. Aber Messi hat in oder mit Argentinien noch nie einen Titel gewonnen. Weder mit dem Verein – er ist ja schon mit 13 von den Newell’s Old Boys aus Rosario nach Barcelona – noch mit der Nationalmannschaft. Messi ist für Argentinier kein so großer Spieler, weil er mit der „Albiceleste“ noch nie was in den Himmel gehoben hat. Insofern ist es tragisch, dass er nun ohne Titel abtreten will.

 

Wo siehst Du die Unterschiede zwischen einer Copa América und einer Europameisterschaft?

Der Fokus in Südamerika liegt stark auf dem Veranstalterland, und dann ist ja das Mediensystem in Südamerika ein anderes. Alle Länder außer Brasilien sprechen spanisch. Das heißt, man kann chilenische Sender auch in Argentinien verstehen, in Kolumbien, in Venezuela usw. Deshalb schwappt die Begeisterung immer auch schnell auf die anderen Länder über. Das ist schon eine Besonderheit der Copa, dass fast alle eine Sprache sprechen. Und dann ist da natürlich auch diese totale Rivalität untereinander. Die Derbys sind ja teilweise uralt und zigfach gespielt. Eine Copa ist immer „heiß“, weil sie die krassen Derbys bringt. Für einen Argentinier ist die Copa von ihrer Wertigkeit her sicher weit über der Europameisterschaft für einen Deutschen.

 

Wie hat sich die Copa in Deinen Augen verändert und wo steht sie im Vergleich zur WM-Qualifikation, die ja ebenfalls als Turnier zwischen allen zehn CONMEBOL-Mitgliedern ausgespielt wird.

Die Verhältnisse im Fußball haben sich durch die Globalisierung – oder eigentlich muss man ja sagen durch die Europäisierung des Fußballs – stark verändert. Viele Spieler sind heute in Europa. Das war vor Jahren noch anders. Damals haben die Stars aus den lokalen Ligen den Kontinentalwettbewerb ausgefochten. Jetzt sind es die globalen Stars, die eben nahezu ausnahmslos in Europa spielen. Dadurch hat sich bei den Spielern einiges verschoben, zumal die Champions League in Europa inzwischen so massiv aufgewertet wurde. Für einen Diego Maradona war ein Sieg in der Copa América deutlich wertvoller als der Gewinn des Europapokals der Landesmeister mit Barça. Wenn Lionel Messi heute wählen könnte, würde er sicher die Champions League vor die Copa América stellen. Für die Fans ist die Bedeutung der Copa immer noch massiv, für die Spieler ist sie aber leider gesunken.

Die WM ist ein Riesending. Lateinamerikaner haben ja so einen kleinen Minderwertigkeitskomplex, weil sie den Europäern kulturell sehr nahe sind, die Europäer aber sagen, ihr seid doch nur „Europa B“. Deshalb freut man sich sehr auf die Weltmeisterschaft, wo man den Europäern zeigen kann, dass man mindestens gleichwertig ist. Daher ist die WM-Qualifikation auch enorm wichtig. Zuletzt hat man das bei Uruguay gesehen. Dass die viele Jahre nicht dabei waren, hat sehr am Selbstwertgefühl der kompletten Nation genagt. Als sie dann 2010 ihr Comeback schafften, war das eine massive Aufwertung für das ganze Land.

 

Wie würdest Du die unterschiedlichen Fankulturen Südamerikas charakterisieren?

Da muss man zunächst zwei Gruppen unterscheiden: Argentinien und der ganze Rest. Der Rest ist schnell abgehandelt. Es gibt zwar überall Rivalitäten, aber das betrifft oft nur zwei, manchmal drei Vereine. Länder wie Uruguay, Chile, Bolivien, Peru, Paraguay etc. haben nur jeweils zwei große Vereine – in der Regel aus der Hauptstadt – mit entsprechenden Fanszenen, die sich Machtkämpfe liefern können. Wobei das Wort „Machtkampf“ eigentlich viel zu groß ist. Sicher beanspruchen die Gruppen Führungsrollen, der ganze Prozess ist aber nicht komplett missgünstig. Und bei allen gehen ohnehin das Land und der Nationalstolz vorneweg.

In Argentinien ist das anders. Nehmen wir alleine mal die Unterschiede zwischen Buenos Aires und Montevideo. Während man sich in Montevideo eher über den Fußball als Sport definiert (nach einer Studie spielen über 70 Prozent aller Jugendlichen um die 13 aktiv in einem Verein) definieren sich die Porteños mit ihrer Fankultur über ihren Verein.

Und in Argentinien gibt es auch nicht nur zwei Vereine, die glauben, dass sie die größten der Welt sind, ihres Landes auf jeden Fall; sondern fünf Große (Boca, River, Racing, Independiente, San Lorenzo) und weitere Szenen, die sich ebenfalls als groß empfinden. Vélez Sarsfield, Estudiantes, Lanús, Huracan, Banfield, Quilmes – das sind alles Vereine, die traditionell auch bei der Nationalmannschaft eine große Rolle spielen. Häufig hat das etwas damit zu tun, dass Spieler oder Trainer der Vereine eine wichtige Position in der Nationalmannschaft einnahmen. Als beispielsweise Carlos Bilardo von Estudiantes de la Plata Trainer der „Albiceleste“ war, hat er dafür gesorgt, dass die Fanszene von Estudiantes größeren Einfluss bekommt. Und als Diego Maradona Nationaltrainer war, hat „la doce“ („die Zwölf“, Fangruppe der Boca Juniors) ihren Draht zu ihm genutzt, um eine Vormachtstellung zu erreichen.

Das merkt man dann auch bei den Länderspielen. Da gibt es manchmal quasi zwei Kurven, die dann teilweise sogar gegeneinander singen. Das sind teilweise blutige Machtkämpfe. Bei der WM 2006 in Deutschland beispielsweise waren die Fans getrennt untergebracht. Die Leute von River in München, die von La Boca in Prag. Trotzdem gab es bei den Spielen Auseinandersetzungen. Das war auch 2010 in Südafrika wieder der Fall. Im Moment ist es wieder etwas ruhiger, was auch am gerade zurückgetretenen Nationaltrainer „Tata“ Martino liegt.

Insgesamt unterscheidet sich die argentinische Fankultur deutlich von der anderer Nationen in Südamerika. Und insgesamt unterscheidet sich Südamerikas Fankultur in vielfacher Hinsicht von dem, was wir aus Europa kennen. In Deutschland würden die Capos von, sagen wir Frankfurt, Stuttgart, Köln, Schalke und Dortmund niemals gemeinsam auf der Mauer des Berliner Olympiastadions stehen und Deutschland anfeuern. In Argentinien tauschen sich die Szenen aus, planen Lieder miteinander, Choreografien. Manchmal wird sogar Gesangskultur aus den Vereinen übernommen. Wie 2014 bei der WM in Brasilien, wo dieses Lied „Brazil, decime qué se siente…“ entstand, was dann wirklich alle mitsangen (siehe QR-Code). Das stammt eigentlich von Boca, die nach dem Abstieg von River gesungen haben: „River Plate, wie fühlt es sich eigentlich an, ein Zweitligaverein zu sein?“.

 

Wer kann denn eigentlich zu den Copa-Spielen reisen? Die sozialen Verhältnisse sind ja teilweise sehr prekär.

Zuletzt bei der Copa América Centenario in den USA waren es vor allem Lateinamerikaner, die in den Staaten leben und dort arbeiten. Also eher Mittel- oder Oberschicht. Höchstens bei den Mexikanern war auch Unterschicht oder Prekariat dabei. Aus Südamerika selbst kamen lediglich Leute, die das Geld zum Reisen haben. Das ist fast nur Oberschicht, denn die Mittelschicht ist in Südamerika sehr dünn. Bei früheren Turnieren war das zumindest in den Gastgeberländern anders. 2011 in Argentinien waren zum Beispiel auch die Unter- und Mittelschicht dabei, die sonst nur zu ihren lokalen Vereinen geht. Aber auch nur die Argentiniens – und nicht die aus anderen Ländern.

 

Rassismus hat vor allem in der Frühphase eine große Rolle im südamerikanischen Fußball gespielt. Wie siehst Du die Situation heute?

Die Länder definieren sich wie gesagt sehr stark über ihre Nation, und da ist man natürlich immer nah dran, sein Land über andere Länder zu stellen. Rassismus ist bis heute vielfach anzutreffen. Vor allem gegen die sogenannten „negros“ – gemeint sind damit Bolivianer und Paraguayer. Da gibt es in den Stadien krasse Lieder, in denen übel gegen diese Gruppen gehetzt wird.

Interessant ist der Fall Chile. Auch gegen das Land gibt es viele Hassgesänge. Das hat aber weniger mit Rassismus zu tun als vielmehr mit dem Krieg um die Malvinas, den wir in Europa „Falkland-Krieg“ nennen. Unter Pinochet hat Chile damals die Engländer unterstützt. Seitdem gelten die Chilenen bei vielen als Verräter, denn eigentlich halten Lateinamerikaner zusammen. Die meisten Chilenen fanden das damals sicher auch blöd, aber sie müssen es jetzt ausbaden. Beleidigungen von Chilenen haben also keine rassistischen Hintergründe, man fühlt sich einfach nur verraten.

 

titel_05In der aktuellen Zeitspiel-Ausgabe steht die Copa América in ihrem 100. Jahr im Mittelpunkt unseres Schwerpunkts. Neben dem obigen Interview mit Jan-Henrik Gruszecki umfasst der 38seitige Schwerpunkt die Geschichte der Copa (die gleichzeitig eine kleine Geschichte des Fußballs in Südamerika ist), einen Rückblick auf jedes einzelne Turnier seit 1916 und zahlreiche Nebenthemen wie Profitum, Rassismus, Korruption, Politik, Fankultur und die großen Spieler der Copa-Geschichte.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Informationen und Bestellung über den Reiter „abo und bezug“ ganz oben.

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20. September 2016
von Hardy Gruene
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Zeitspiel-Klartext: Zum BGH-Urteil im „Fall Wilhelmshaven“

Verschlafen

Auf den Fluren der Frankfurter DFB-Zentrale dürften heute Vormittag wohl so einige zerknitterte Gesichter zu sehen gewesen sein. In Bremen beim Norddeutschen Fußballverband (NordFV) ebenso, und auch in den jeweiligen Heimatstädten der untergeordneten 21 Landesverbände: Siebtligist SV Wilhelmshaven hat sich im seit 2007 schwelenden Entschädigungsstreit um den argentinischen Kicker Sergio Sagarzazu gegen die Rechtsvertreter von FIFA, DFB, NordFV und auch gegen die Entscheidung des Landgerichts Bremen durchgesetzt – und darf sich über die Bestätigung des Bundesgerichtshofes (BGH) freuen, der die Entscheidung des Oberlandesgerichts Bremen unterstrich und damit den Zwangsabstieg des heutigen Bezirksligisten im Jahre 2012 für Unrecht erklärte.

Hurra, der SVW darf wieder in die Regionalliga Nord einziehen, bekommt einen Koffer voll Zaster als Entschädigung und kann beginnen, den Durchmarsch in die Dritte Liga zu planen! SVW-Aufsichtsrat Harald Naraschewski träumt immerhin schon in siebenstelliger Schadenersatzhöhe.

Wenn das mal alles so einfach wäre … Denn: Seit der heutigen BGH-Entscheidung ist beileibe gar nichts mehr simpel, gilt es vielmehr gegenüber einer Flut von künftigen Fragen gewappnet zu sein. Beginnen wir bei den Klubs: Wenn der SV Wilhelmshaven wieder in die Regionalliga eingegliedert wird (zu welchem Zeitpunkt denn eigentlich?), wer steigt dann am Saisonende als zusätzlicher Absteiger ab? Dessen Klage dürfte wohl vorprogrammiert sein. Oder hat der NordFV gleich deren 18 vorsorgliche Klagen aller anderen Regionalligisten bereits vor dem ersten Spieltag am Hals, weil der SVW seinen Entschädigungsmammon in Beine statt in Steine investieren und demnach heißer Anwärter für Meisterschaft und Aufstieg sein könnte? Was sagen Klubs wie Meppen, Oldenburg oder Lübeck dazu, wenn sie vom SVW auf diese Weise überholt werden? Was, wenn der Platzwart nur 17 Ligaspiele im Jahr für verträglich hielte? Was, wenn, oder, oder …

Unabhängig von allem Vereinsfrust, der auf die jeweiligen Verbände zukommen dürfte, sollten diese schon mal Briefpapier nachdrucken lassen. Denn das bisher gültige System der von der FIFA berechneten Transferentschädigungen ist hierzulande zerschossen worden bzw. kann nach BGH-Feststellung nicht auf deutsche Klubs übertragen werden. Der BGH hat klar formuliert, dass deutsche Vereine lediglich die Satzung ihres unmittelbar übergeordneten Verbandes interessieren muss. „Dynamische Verweisungen“ in den Satzungen, so der Fachjargon, auf Paragrafenwerke des DFB oder gar der FIFA seien irrelevant. Somit müssten nun sämtliche deutschen Verbandssatzungen aufwändig angepasst werden.

Im Falle der von den Jadestädtern nicht gezahlten Entschädigungssumme Sagarzazu geht es genau um jene Satzungsverweisungen: Der SVW habe sich über die Satzung des NordFV nicht ausreichend über die möglichen Auswüchse von Entschädigungszahlungen informieren können. Denke darüber jeder, was er will; seit heute ist dies ohnehin nur noch nebensächlich.

So hat sich über neun Jahre nun ein vom DFB lange unterschätztes Schlamassel-Fass gefüllt, was der Dachverband zu großen Teilen selbst wird auslöffeln müssen. „Den DFB hat deutsches Recht von Beginn an nicht interessiert, er hat Vorschläge für Gesprächstermine mit dem SV Wilhelmshaven ignoriert und war der FIFA stets willenlos untertänig, anstatt nach einer konstuktiven Lösung zu suchen. Nun ist es zu spät“, gibt der hannoversche Sportanwalt Jürgen Scholz zu Protokoll, der in den beiden Vorinstanzen den SV Wilhelmshaven vertreten hat. Staatliches Recht sei von Anfang an dem bloßen Vereinsrecht der FIFA untergeordnet, der SVW als kleiner Klub den Interessen der FIFA geopfert worden. Auch ein zwischenzeitlich ins Spiel gebrachter Vergleich zwischen den beteiligten Vereinen scheiterte letztlich an 21.000 Euro, die an die FIFA gehen sollten. Wilhelmshaven wollte als Geschädigter den Betrag nicht überweisen, der DFB nicht übernehmen.

Viel Ungemach dürfte nun anstehen, aber auch viele lustige Possen und Diskussionen dürften die interessierte Klientel dann und wann zum Schmunzeln bringen. Unabhängig davon: Das heutige Urteil des BGH unterstreicht nebenbei, dass die über Jahrzehnte verfestigten und von manch einem als allgemeingültiges Recht angesehenen Verbandsregeln auch von vermeintlich kleineren „Gegnern“ bzw. Vereinen erfolgreich angegriffen werden können – einen langen Atem wie den des SV Wilhelmshaven vorausgesetzt. In puncto deutschem Recht sollte der neunjährige Sagarzazu-Schlaf in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise jedenfalls baldmöglich gegen kraftspendendes „Power Napping“ ausgetauscht werden. Denn Kraft werden sie beim DFB in nächster Zeit wohl brauchen …

Frank Willig

26. August 2016
von Hardy Gruene
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Global Game: Neukaledonien

14086333_599309196917204_2051231528310397037_oBei den gegenwärtigen Temperaturen vermisst man ja eigentlich nur noch Palmen, Strand und ein kühles Bier.
All das ist in Neukaledonien im Überfluss vorhanden. Doch wie sieht es aus mit dem Fußball in dem französischen Überseegebiet nordöstlich von Australien bzw. Neuseeland? In der aktuellen Ausgabe gehen wir in der Rubrik „Global Game“ auf Spurensuche.
Schon 1910 wurde auf der ozeanischen Inselgruppe erstmals gekickt, doch lange war die Entwicklung des Spiels durch apartheidsähnliche Regeln gegenüber den einheimischen Kanaki gehemmt, denen auch fußballerische Aktivitäten verwehrt blieben. Seit den 1960ern hat sich Fußball in Neukaledonien dann aber stetig weiterentwickelt, und das Land konnte zu einer kleinen Fußballinsel umgeben von Rugbyländern wie Neuseeland, Tahiti und Fidschi aufsteigen. Die Zuschauerzahlen sind beachtlich, und auch sportlich feierte man bereits diverse Erfolge.
Das alles und noch viel mehr (zum Beispiel ein Interview mit einem fußballkundigen Neukaledonien-Reisenden) im siebenseitigen Special „Global Game Neukaledonien“ in unserer aktuellen Ausgabe.
Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Infos und Bestellung unter http://www.zeitspiel-magazin.de/wir-fuer-euch-abo-und-bezug