ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

19. September 2017
von Hardy Gruene
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KLARTEXT: Kritiker bitte zu Hause bleiben!

KLARTEXT: Kritiker bitte zu Hause bleiben!

von Frank Willig

 

„Sie können gerne zu Hause bleiben“, raunzte Hannover-96-Chef Martin Kind nach dem 2:0-Sieg seines Klubs gegen den HSV am letzten Freitag. Gemeint waren die Ultras der „Roten“, die ihren Stimmungsboykott fortgesetzt hatten, den Block mit dem Abpfiff schnurstracks räumten und die Mannschaft beim Feiern zurückließen. In Kreisen der Hannover-Ultras und deren Umfeld ist man unzufrieden mit der Entwicklung von 96, entkoppelt vom derzeitigen sportlichen Erfolg. Die Aufhebung von 50+1 treibt vielen Sorgenfalten auf die Stirn; Präsident Kind ist seit über 20 Jahren Unterstützer des Klubs und derzeit dabei, die Profiabteilung komplett unter seine eigenen Fittiche zu nehmen. Die künftige Ausgestaltung von Hannover 96 liegt fortan in den Händen Kinds, der Einfluss des Vereins in Bezug auf mögliche Investoren ist gesunken.   

Während der Partie gegen den HSV hatten die Ultras nun erneut gegen Kind und auch andere Zuschauer Stimmung gemacht. „Wenn sie schon einen Stimmungsboykott machen wollen, dann sollen sie wenigstens ruhig bleiben und die anderen Fans Stimmung machen lassen“, echauffierte sich 96-Sportdirektor Horst Heldt. Die hannoversche „Neue Presse“ kommentierte das Geschehen gar als „Ego-Trip im Stadion“. Heldt ergänzte, dass die Mannschaft keine Politik mache und von Teilen der Fans komplett im Stich gelassen werde. Böse Ultras also!

Doch wer lässt hier eigentlich wen im Stich? Und aus welchem Grund? Und wo sonst sollen besorgte oder genervte Anhänger ihre Meinung kundttun wenn nicht im Stadion? Ohne selbst in der Ultra-Bewegung aktiv zu sein: Ich kann den Unmut nachfühlen. Sehr gut sogar, insbesondere in Zeiten, in denen die Summen im Fußball astronomisch steigen. Etliche Fans und Möchtegern-Fans haben sich erst im Sommer darüber aufgeregt, dass einfach zu viel Geld im Spiel sei. Und etliche haben es wenige Wochen später schon wieder vergessen. Insbesondere in Hannover, wo Tabellenplatz zwei momentan alles andere überdeckt und damit eine gute Ausgangsbasis geschaffen wurde, um Querdenkende endlich aus dem Stadion zu bitten. 
„Sie können gern zu Hause bleiben.“ Nachvollziehbar aus Martin Kinds Blickwinkel, denn letztlich stören nicht-konforme Meinungen und deren Unterstreichung im Stadion ja nicht nur andere Fußball-Konsumenten, sondern schlicht und einfach auch das Geschäft. Dies muss aber zu ertragen sein, so wie eine Demokratie auch unterschiedliche Strömungen aushalten können muss. Denn auch den Ultras „gehört“ nun einmal der Fußball; ebenso wie allen anderen im Stadion – inklusive der Klubführung. Im Gegensatz zu vielen anderen machen die Ultras im Fußballgeschäft aber keine Mark.

Hannover wird für den Fall der Vergabe nach Deutschland kein möglicher Spielort der EM 2024 sein, wie der DFB kürzlich bekanntgab. Beileibe kein Problem, doch Teile der Begründung für die Entscheidung contra Hannover wird den Sorgen vor dem Ausverkauf des Fußballs neue Nahrung geben: zu wenig 5-Sterne-Hotels in der niedersächsischen Hauptstadt, zu wenig VIP-Logen in der Arena, ein zu kleiner VIP-Bereich. Allein daran lässt sich ablesen, worum es im Profifußball hauptsächlich geht. Das ist natürlich nichts Neues und für sich genommen ja auch zunächst einmal kein Problem. Problematisch wird es nur dann, wenn Fußball-Fans anderer Fokussierung ihren Mund halten oder wegbleiben sollen.

Wie erwähnt, ohne Anhänger der Ultra-Kultur zu sein: Als Fußballfan freue ich mich über die standhafte Meinungsvertretung dieser Fangruppo. Warum sollen die Ultras den Unkritischen das Feld überlassen, wie von Horst Heldt vorgeschlagen? Warum sollen sie Heldt selbst das Feld überlassen? Ihm, der noch gar nicht da war und noch auf der Lohnliste von Schalke stand, als all der Ärger in Hannover bereits hochkochte und nun seine Zuspitzung erfährt. Wer wäre denn noch da und ließe H96 nicht im Stich, wenn es für den Klub mal wieder abwärts ginge? Horst Heldt? Die neu gewonnenen Fans, die bei dem aktuellen sportlichen Erfolg in Scharen kommen? Wohl kaum …

25. August 2017
von Hardy Gruene
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Global Game: Demokratische Republik Kongo

Es ist eine der erfolgreichsten Fußballnationen in Schwarzafrika, und doch leidet der Fußball unter der korrupten Politik und dem schier unendlichen Krieg. In unserer Ausgabe #9 beleuchten wir die tragische Fußballgeschichte der Demokratischen Republik Kongo – und hier gibt es einen kleinen Auszug aus dem Kapitel.

Global Game: Demokratische Republik Kongo

Im Würgegriff von Politik und Korruption

In einer idealen Welt wäre die Demokratische Republik Kongo ein wirtschaftliches Schwergewicht und könnte seinen Einwohnern ein exzellentes Leben ermöglichen. Denn das flächenmäßig drittgrößte Land Afrikas verfügt über reichlich Bodenschätze, die überall begehrt sind und für die immense Summen bezahlt werden. Doch es gibt keine ideale Welt. Schon gar nicht in Afrika, noch weniger in Schwarzafrika.

Ein Großteil der 82 Millionen Kongolesen leidet unter Misswirtschaft und Korruption, schier unendlichem Bürgerkrieg, regelmäßigen Flüchtlingswellen, periodisch auftretenden Hungersnöten und einer katastrophalen Infrastruktur. Die Erlöse aus der Ausbeutung der Bodenschätze gehen unterdessen ins Ausland bzw. werden von einer korrupten einheimischen Machtelite schamlos verprasst. Man kann auch sagen, dass die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo ein Trauerspiel ist.

Das gilt auch für die des Fußballs, der sich, wie nahezu alles in der DR Kongo, im Würgegriff der korrupten Elite befindet. Zwar wurde die kongolesische Nationalmannschaft zweimal Afrikameister (1968 und 1974) und reiste 1974 als Zaïre als erste schwarzafrikanische Auswahl zu einem WM-Endturnier, das fußballerische Potenzial des Landes aber spiegeln diese Erfolge nur unzureichend wider. Was möglich wäre, zeigt Serienmeister TP Mazembe Lubumbashi, der mit fünf afrikanischen Kontinentalmeisterschaften die nach den ägyptischen Klubs Al-Ahly und Zamalek führende Mannschaft des Kontinents ist. Der Klub ist ein leuchtendes Beispiel für moderne Strukturen und stabile Führung, das über ganz Afrika Strahlkraft ausübt. Allerdings geriet der Verein 2016 ebenfalls in den Fokus der politischen Auseinandersetzungen, als sich Vereinspräsident Moïse Katumbi in Opposition zu Staatschef Joseph Kabila stellte und das Land daraufhin fluchtartig verlassen musste.

Der doppelte Kongo

Fußball kam Anfang des 20. Jahrhunderts durch belgische Missionare in die Region. Im Auftrag des belgischen Königs Léopold II. hatte der Afrikaforscher Henry Stanley ab 1879 mit verschiedenen Bantu-Häuptlingen Verträge geschlossen und sich weite Teile des Gebietes der heutigen Demokratischen Republik Kongo gesichert. Hintergrund waren dort vermutete Rohstoffe. Während die missionarische Erschließung des Landes für eine „Bekehrung“ der „Naturvölker“ sorgte, gingen private Konzessionsfirmen mit einer beispiellosen Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen die einheimische Bevölkerung vor, die selbst bei den auch nicht gerade zimperlichen anderen europäischen Kolonialmächten auf Kritik stieß und den belgischen Staat 1908 veranlassten, das königliche Besitztum unter Staatsgewalt zu nehmen. Die rüden Ausbeutungspraktiken blieben jedoch bestehen. Zwischen 1880 und 1920 halbierte sich die Bevölkerung Belgisch-Kongos, verloren mehr als zehn Millionen Menschen ihr Leben. Dennoch wurden nach dem Ersten Weltkrieg auch die bis dahin unter deutscher Verwaltung stehenden heutigen Länder Ruanda und Burundi unter belgische Administration gestellt. Hauptstadt von Belgisch-Kongo war ab 1923 Léopoldville, das heute den Namen Kinshasa trägt und am Südufer des Kongo liegt. Die am Nordufer gelegene Stadt Brazzaville indes gehörte damals zum französischen Einflussgebiet und ist heute die Hauptstadt der Republik Kongo. Zu keiner Phase der jüngeren Geschichte haben die beiden Kongos eine politische Einheit gebildet.

Zwei Fußballwiegen: Boma und Lubumbashi

Die Wiege des kongolesischen Fußballs steht in der Hafenstadt Boma, dem damaligen belgischen Verwaltungssitz im äußersten Westen des Landes. Kurz nach der Jahrhundertwende von belgischen Lehrern eingeführt, wurde das Spiel über Missionsschulen rasch weiterverbreitet. 1918 erreichte es die heutige Hauptstadt Kinshasa (damals Léopoldville), wo der belgische Reverend Raphaël de la Kethule 1919 mit dem FC Union den ersten Fußballverein gründete. Schwarze und weiße Fußballer blieben analog der Kolonialpolitik jeweils unter sich, wobei es organisierten Sport ohnehin nur unter weißer Obhut gab.

Wollen Sie gerne weiterlesen? Den Rest gibt es in der Printausgabe von Zeitspiel Ausgabe #9. Nur im Direktbezug, nicht im Handel. Infos und Bestellungen (auch als Einzelheft) über „Abo und Bezug“.

Informationsblatt des kongolesischen Fußballverbandes von der WM 1974 – damals wurde die DR Kongo „Zaire“ genannt.

 

 

25. August 2017
von Hardy Gruene
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Leipzig: Fußballstadt zwischen Tradition und Moderne

Leipzig – Fußballstadt zwischen Tradition und Moderne heißt das Titelthema unserer Ausgabe #9, die jetzt erschienen ist.

Auf 40 Seiten beleuchten wir darin den höherklassigen Fußball in Leipzig sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Ausführliche Porträts von Roter Stern, FC International, BSG Chemie, 1. FC Lokomotive und RB, ein Blick auf die vielen anderen Vereine der Stadt, das jüdische Fußballerbe von Leipzig, die Fanrivalität Lok/Chemie, Leipzigs große Fußballhistorie sowie eine Gesprächsrunde zwischen Fanvertretern aller fünf „großen“ Vereine und schließlich eine nachdenkliche Reportage zum Thema „Politik und Fußball“ – das alles bildet unseren großen Leitartikel zur derzeit wohl spannendsten Fußballstadt des Landes.

Zum Einlesen hier der Einleitungstext:

„Fußballstadt zwischen Tradition und Moderne“:

Leipzig ist hipp, Leipzig ist cool. Cooler als Halle oder Dresden jedenfalls, und cooler als Berlin sowieso. Leipzig ist die Stadt, von der alle träumen. Weil sie Szene hat, weil sie Freiheit verspricht, weil sie lässig ist. Und noch dazu günstig. Unter den führenden Unistädten Deutschlands belegt Leipzig in Sachen Mietpreise stets eine attraktive Platzierung. La dolce vita ist an der Weißen Elster kein Problem.

Leipzigs Fußball spiegelt diese Möglichkeiten. Während das benachbarte Dresden ganz im Zeichen von Dynamo steht, konkurrieren in Leipzig zahlreiche Lager um Aufmerksamkeit und Publikumsgunst. Keine vergleichbare Stadt in Deutschland hat ein derartiges Spektrum zu bieten. Auf der einen Seite das kantenfrei geformte Marketingprodukt RB, das für viele Leipziger Fußballfreunde wie ein Segen daherkommt. Auf der anderen Seite ein Klub wie Roter Stern, quasi ein FC St. Pauli in Reinform, bar jeglichem Kommerzgetüddel und gefüllt mit Leidenschaft, klarer politischer Botschaft und tiefer Liebe zum Fußball. Zwischen diesen Extremen mäandrieren die reinkarnierten Traditionsgemeinschaften aus DDR-Zeiten, 1. FC Lokomotive und BSG Chemie, sowie mit dem FC International ein Newcomer, der praktisch jedem ein Rätsel aufgibt. Egal ob friedensbewegter Öko, linksorientierter Skin, DDR-Nostalgiker, national gesinnter AfD-Wähler, den nach Bundesligaglamour suchenden Eventie, Traditionalist, Modernist oder Globalist – in Leipzig ist für jeden etwas dabei!

Begehbares Fußballmuseum

Leipzig ist voller Geschichte. Politischer wie gesellschaftlicher. Vor den Toren der Stadt musste sich dereinst Napoleon geschlagen geben, in den Straßen der Stadt wurde das DDR-Regime zu Fall gebracht. Leipzig hat eine lange sozialdemokratische und liberale Tradition, die bis heute spürbar ist. Und die Stadt strotzt vor Fußballhistorie, ist so etwas wie ein begehbares Fußballmuseum. Am 28. Januar 1900 entstand hier der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Drei Jahre später wurde der VfB Leipzig erster Deutscher Meister. 1922 sah das Stadion Probstheida das „ewige Endspiel” zwischen dem HSV und Nürnberg. In den 1920er-Jahren war Leipzig Deutschlands Hochburg im Arbeiterfußball und verfügte über eine blühende jüdische Sportgemeinde. Zu DDR-Zeiten wies man eine quirlige und vielschichtige Szene verschiedenster Sportgemeinschaften auf, die das ökonomische wie kulturelle Bild der Messestadt exzellent widerspiegelte. Im November 1990 war es in Leipzig, als der NOFV, Nachfolger des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR, seinen Anschluss an den DFB verkündete und damit die Vereinigung des deutschen Fußballs abschloss. All das ist nachzuspüren im (derzeit allerdings leider geschlossenen) Sportmuseum Leipzig, neben den Museen in Köln und Berlin das umfangreichste seiner Art.

RB veränderte die Leipziger Fußballkultur

Dass sich Dietrich Mateschitz ausgerechnet Leipzig aussuchte, um seine Version von Fußballgeschichte zu schreiben, war kein Zufall. Denn Leipzig ist auch wirtschaftlich attraktiv. Es ist Deutschlands am schnellsten wachsende Großstadt (aktuell kommt man auf etwa 580.000 Einwohner). Ein Knotenpunkt zwischen Ost und West, Nord und Süd. Spätestens seit 2006, als man bei fünf Spielen WM-Gastgeber war, sehnte sich die Region nach hochklassigem Profifußball. Stattdessen servierten die wirtschaftlich und strukturell taumelnden Galionsfiguren VfB/Lok und FC Sachsen fade unterklassige Kost, schreckten ihre ermüdenden Anfeindungen und die schwer erträgliche Gewalt all jene vom Stadionbesuch ab, die entspannt Fußball gucken wollten.

Seit RB ist alles anders. Der FC Sachsen existiert nicht mehr, dafür spielt nun wieder eine BSG Chemie im Alfred-Kunze-Sportpark. Lok hat seinen Weg von ganz unten bis in die Regionalliga geschafft und ringt mit einer Fanszene, die einerseits beeindruckend treu, andererseits in Teilen verstörend „teutsch” ist. Für beide jahrzehntelangen Platzhirschen hat sich die Situation grundlegend verändert. Durch RB rückten sie ins zweite Glied und verloren ihre Deutungshoheit über die Fußballstadt Leipzig. Im Rest der Republik verbindet man Leipzig heute entweder mit der Postmoderne oder dem endgültigen Ausverkauf des Fußballs. Lok und Chemie ringen eine Ebene darunter um das, was die regionale Fußballgemeinde an Aufmerksamkeit noch übrig lässt.

Dadurch veränderte sich ihre Rivalität, denn erstmals hat man einen gemeinsamen „Gegner”. Vor allem aber veränderte sich die Erwartungshaltung, die in Leipzig oft gigantisch war. Nun wird sie quasi im Alleingang vom Red-Bull-Konzern getragen, dem kommunale und regionale Befindlichkeiten ziemlich egal sind. RB bettelt nicht um öffentliche Gelder und Aufmerksamkeit, wie es Lok und der FC Sachsen stets taten bzw. tun mussten, RB kann es sich sogar leisten, seine Unterstützer zu selektieren. Positiv betrachtet heißt das für Lok und Chemie, dass sie ihre nunmehrigen Nischen sichtlich entspannter bespielen können. Und das ist vor allem eine Chance – ab 2017/18 sogar wieder in einer gemeinsamen Spielklasse!

Lok und Chemie als gewandelte Fanvereine

Zumal sich beide Klubs völlig verwandelt haben. Es sind nicht mehr die geldverschlingenden Monster von einst, die ständig in den Negativschlagzeilen standen und in deren vermeintlichem Glanz sich allzu dubiose Personen sonnten. Es sind von Fans geführte Gemeinschaften voller Vielfalt, Loyalität und Leidenschaft. Damit repräsentieren sie das komplette Gegenteil zum Konsumtempel RB, in dem man für Geld Dienstleistungen erwirbt und das Angebot dem Anbieter überlässt. Bei Lok und Chemie hingegen ist Mitarbeit gefragt und gefordert, um ein Angebot entstehen zu lassen.

Und noch etwas: Während in der Republik voller Pathos und oftmals klischeebehaftet über RB und die Veränderungen im Fußball insgesamt gestritten wird, ist man in Leipzig schon einen Schritt weiter. Man hat sich arrangiert mit dem neuen Player (was blieb der Stadt auch anderes übrig?) und sucht seine Chancen im Wandel. Das Bild eines Leipziger Fußballs, in dem ein „den Fußball zerstörendes RB”, ein „von Nazis durchsetzter 1. FC Lokomotive” und eine „von Linksautonomen beherrschte BSG Chemie” im Dauerkonflikt miteinander liegen, stimmt jedenfalls mit dem Bild, das man in Leipzig hat, ganz und gar nicht überein.

Willkommen in der Fußballstadt Leipzig!

 

 

25. August 2017
von Hardy Gruene
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LVZ: „Eine großartige Situationsbeschreibung des Fußballs in unserer Stadt“

„Eine großartige Situationsbeschreibung des Fußballs in unserer Stadt“ sieht die Leipziger Volkszeitung in unserem Leitartikel „Leipzig – Fußballstadt zwischen Tradition und Moderne“ und freut sich vor allem über die Gesprächsrunde mit Vertretern der fünf führenden Teams.

Wir sagen danke!

Und hier geht es zum kompletten Artikel auf dem LVZ Sportbuzzer.

24. August 2017
von Hardy Gruene
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Legende: 1. FC Schweinfurt 05

In der Rubrik Legende kümmern wir uns um Klubs mit großen Namen und großer Vergangenheit, die in der Ligapyramide ein bisschen nach unten gerutscht sind. Der 1. FC Schweinfurt 05, „Legende“ in der aktuellen Ausgabe #9, war sogar schon bis in die Landesliga abgerutscht und hat sich inzwischen wieder etwas aufgerappelt. Seit 2013 ist man in der Regionalliga Bayern am Ball und strebt gegenwärtig in die 3. Liga. Schweinfurt 05, die „Schnüdel“, ist einer dieser berühmten „Schlafenden Riesen“ mit einer starken regionalen Fanverankerung.

Für die Renaissance steht nicht zuletzt Päsident Markus Wolf, unter dem sich der Verein seit 2010 sichtlich stabilisiert hat und nun wieder optimistisch in die Zukunft blickt. Wir haben mit ihm ein Interview geführt, das ihr weiter unten lesen könnte. Auf insgesamt neun Seiten stellen wir den 1. FC Schweinfurt 05, seine Vergangenheit, seine Fanszene und das Stadion in Zeitspiel-Ausgabe #9 ausführlich vor und lüften dabei auch das Geheimnis des Spitznamen „Die Schnüdel“.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel. Weitere Infos und Bestellung über den Reiter „Abos und Bezug“.

 

Seit dem Jahr 2010 steht Markus Wolf (49) dem 1. FC Schweinfurt 05 als Präsident vor, ist mit seinem Unternehmen „Wolf Möbel“ Hauptsponsor (seit 2008) und seit Ende letzten Jahres auch Geschäftsführer des Traditionsklubs. Zur aktuellen Saison hat der 49-Jährige Platz 1–3 in der Regionalliga ausgerufen und damit die 3. Liga noch stärker in den Fokus gerückt.

Herr Wolf, wie kam es 2010 zu Ihrem Engagement im Klub und hat die Arbeit seither Spaß gemacht?

Als damals die Entscheidung fiel, den Firmensitz von Würzburg nach Schweinfurt zu legen, war das eigentlich klar. Nur dass es diese Ausmaße nimmt und ich dann irgendwann 1. Vorstand werden sollte, war nicht vorgesehen. Im Großen und Ganzen hat es sehr viel Spaß gemacht. Es war aber auch eine wirkliche Mammutaufgabe, diesen Traditionsverein neu zu strukturieren und wieder auf die richtige Spur zu bringen.

In welcher Situation befand sich der Klub seinerzeit?

Der Verein war damals eigentlich tot bzw. nicht mehr existent. Viele Leute, die alles besser wussten. So wie es eben bei vielen Vereinen ist, wenn man aus einer alten Tradition kommt und irgendwann mal die Leute und Sponsoren verärgert hat. Ich alleine habe den Verein mehrmals vor dem Gang zum Insolvenzgericht bewahrt. Deswegen habe ich dann auch damals für den Vorstand kandidiert, damit ich weiß, was mit meinem Geld passiert.

Und was hat sich gegenüber damals verändert?

Sehr viel und jede Menge. Nachdem wir die Strukturen und Altlasten einigermaßen bereinigt hatten und den Verein am Leben gehalten haben, fingen wir an, uns an die einfachen unternehmerischen Tugenden zu halten. Zuverlässigkeit, Glaubhaftigkeit, Seriosität etc. Eigentlich ganz einfache Dinge, um wieder erfolgreich zu werden und ohne die es heutzutage überhaupt nicht mehr geht im Berufsleben. Der Fußball ist eben anders gewesen. Hier hat jeder die Chance bekommen mal ganz oben zu stehen. Oft ist man ja sogar heute noch froh, wenn man einen ehrenamtlichen Vorstand findet, der seinen Kopf für alles hinhält.

Wie sehr hängt der Verein nach rund sieben Jahren Wirken als Präsident von Ihnen persönlich ab? Sowohl vom zeitlichen als auch wirtschaftlichen Einsatz her gesehen?

Nicht mehr allzu viel. Und das war auch mein Ziel. Es ist wichtig, dass ein Verein wie der FC Schweinfurt nicht von einzelnen Personen oder einzelnen Sponsoren abhängig ist. Natürlich ist es aber auch wertvoll, von erfahrenen Unternehmern zu profitieren und sich auch mit diesen auszutauschen. Da sollten wir froh sein, dass es so ist. Damit identifizieren sich dann auch die Leute aus der Wirtschaft und das führt wiederum alles zu einer positiven Grundstimmung.

Das aktuelle Saisonziel lautet Platz 1 bis 3, der Start war perfekt. Ist der Verein zum kurzfristigen Aufstieg „verpflichtet“? Welche etwaigen Risiken birgt ein Nichtaufstieg infolge zu starker 1860er oder auch ein Scheitern in der Relegation?

Wir sind zu nichts verpflichtet. Wir haben viele Jahre daraufhin gearbeitet, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Wir sind jetzt auch mit dem NLZ und der U23 mit allen Mannschaften in der Bayernliga. Also auch die Nachwuchsarbeit dürfen wir nicht vergessen. Irgendwann muss man eben dann auch mal versuchen, etwas zu riskieren und voranzutreiben. Der Aufstieg wäre für uns als Traditionsverein natürlich eine riesen Sache und würde dem Verein sogar ein positives Ergebnis bringen in der 3. Liga. Auch wenn immer alle sagen, in der Liga 3 kann man nicht überleben. Die sollen erstmal in die Regionalliga kommen, wo keinerlei Geld von Verbänden bezahlt wird. Hier lernt man das Sparen und das Wirtschaften. Die Regionalliga ist für Traditionsvereine wie wir es sind nicht machbar. Die Attraktivität nimmt ab, die Zuschauer und Sponsoren bleiben aus etc. Das ist ein Überlebenskampf, den man fast nicht gewinnen kann. Das ist zumindest bei uns in Schweinfurt mit dem Stadiongelände, Umfeld etc. so. Vielleicht macht es durchaus für kleinere Vereine Sinn, das will ich gar nicht mal abstreiten. In Schweinfurt würden die ganze Region und die Stadt natürlich von einem Aufstieg profitieren. Bessere Werbung deutschlandweit bekommt man fast nicht. Aber dennoch ist es kein Muss, nur ein „es wäre schön“.

Wie war die Reaktion bei Ihnen, als feststand, dass 1860 München in die Regionalliga absteigt? Bereicherung oder harter Konkurrent im aktuellen Titelkampf?

Ich fand es toll, da ich wusste, dass unser Stadion definitiv ausverkauft sein wird. Ich wollte schon immer mal das Stadion mit 16.000 Leuten voll sehen. Und Konkurrenz gibt es auch durch andere Mannschaften wie Bayern II oder Augsburg II.

Was hat sich durch die Eingliederung der Löwen für Ihren Verein verändert?

Nichts, nur dass wie gesagt das Stadion ausverkauft sein wird und es mit Sicherheit ein sehr wichtiges und schönes Spiel geben wird.

Die BVUK.-Gruppe engagiert sich ab dieser Saison und für die kommenden drei Jahre in größerem Ausmaß als zweiter Hauptsponsor, die Finanzkraft des Vereins konnte dadurch gesteigert werden. Wie sehen die mittel- und langfristigen Ziele des Klubs aus?

Wie gesagt, wir versuchen so schnell wie möglich in die 3. Liga aufzusteigen. Danach machen wir uns an die Jugendarbeit und versuchen als nächsten Schritt, die U-19 in die Bundesliga zu bekommen. Ferner arbeiten wir gerade daran, die Strukturen für ein Bundesliga-NLZ zu schaffen. Es ist immer viel zu tun, wenn man klare Ziele vor Augen hat.

Nicolas Görtler (Kreuzbandriss), Lukas Billick (Sprungelenk gebrochen) und Lukas Kling (Außenbandriss im Knie) fallen länger aus. Soll bei der Mannschaft noch nachgelegt werden? Kommt ggf. noch ein Stürmer?

Wir suchen bereits seit einigen Monaten nach einem Stürmer. Doch leider ist es schwierig einen geeigneten zu bekommen, der zu uns passt und auch noch die Mannschaft zusätzlich verstärkt. Wir haben schon eine sehr gute Mannschaft und das bedeutet, dass man Spieler holen muss, die in der 2. Liga derzeit nicht soviel Einsatzzeiten bekommen. Aber dann muss man die Personen auch davon überzeugen, was unser Konzept ist und was wir vorhaben. Dabei ist es dann natürlich schwierig, Spieler in die Regionalliga zu locken. Aber auch hier müssen wir nicht unbedingt, obwohl es jetzt als Tabellenführer und vier Siegen zum Saisonstart etwas einfacher geworden ist und schon sehr viele auf uns aufmerksam geworden sind.

In jüngerer Vergangenheit gab es einen Stimmungsboykott von Teilen der Fans. Grund dafür waren nach Meinung der Fans überzogene Sanktionen der Polizei sowie das Verhalten der Klubführung, die Fans nicht ausreichend in ihrem Sinne zu vertreten. Wie stellt sich die Situation aktuell dar?

Das ist nicht ganz die Wahrheit. Die Vereinsführung hat immer versucht sich für die Personen einzusetzen, die ihre Unschuld aufzeigen konnten. Das wurde auch mehrfach mit den Fanbetreuern angesprochen und auch vorgenommen. Die Sache ist zum Glück jetzt aus der Welt, denn keiner hatte wirklich Lust auf so einen Boykott. Ich glaube, die Fans, Spieler und der Verein sind glücklich, dass die Stimmung wieder top ist. Der Verein wird sich immer für unschuldig verurteilte Fans einsetzen. Manche haben da aber trotzdem andere Auffassungen von „unschuldig“, das ist eher das Problem.

Letzte Frage: Wie würden Sie den 1. FC kurz und knapp persönlich beschreiben?

Menschlich, familiär, ehrlich mit einer Top-Stimmung, aber auch vielen Nörglern, denen man es niemals recht machen kann. Einfach ein Fußballverein, wie man ihn gern haben muss.

Wir arbeiten Fußball getreu unserem Motto. Und das jeden Tag …

Vielen Dank für das Gespräch!