ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

15. Dezember 2019
von Hardy Gruene
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Ausgabe 17 mit „70 Jahre DDR-Oberliga“ jetzt lieferbar

Da ist, sie, unsere Ausgabe 17!

Auf 100 Seiten liefern wir euch vielschichtige Einblicke über den Fußball unterhalb der Kommerzebene sowie aus der Fußball-Zeitgeschichte. Im Leitartikel geht es diesmal um die DDR-Oberliga, die vor 70 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Die Erinnerung an das Oberhaus der DDR ist 30 Jahre nach dem Mauerfall längst verblasst und lebt zugleich fort. Wir schauen zurück und erzählen, wie Oberligafußballfußball im Arbeiter- und Bauernstaat funktioniert hat, blicken aber zugleich auch in die Gegenwart und diskutieren, was vom Oberliga-Erbe blieb und wo der Fußball im Osten und seine Fankultur heute stehen.

Für die Rubrik „Legende“ haben wir der SpVgg Bayeuth und dem wunderbaren Altstadt-Kult-Museum einen Besuch abgestattet. Markus Horn berichtet für uns über die Lage bei Kickers Offenbach, und Christian Jessen war in Heide sowie beim aufstrebenden 1. FC Phönix Lübeck. Hardy Grüne berichtet vom Fußball aus Albanien, Felix Zschauer war für Zeitspiel live bei der „Rivelution“ in Finnland dabei, als das Land sich erstmals für ein EM-Turnier qualifizierte. Und in unserer neuen Rubrik „Originalton“ sprechen wir mit der Schalker Legende Yves Eigenrauch über das Gestern, das Heute und das Morgen. Steve Appenowitz schließlich öffnet seine „Kleiderkammer“ mit einem raren Trikot des VfL Osnabrück, Jays Corner führt uns zum Favoritner AC und Carmen Mayer bringt uns das Thema „Fußball und Trauer“ näher.

Dazu kommen die üblichen Rubriken wie Krisensitzung und Neues aus dem Unterbau, Willmanns Kolumne, Wappenstube, Früher war alles besser, Abstauber, Singing Area, Trinkpause, Unverzichtbares Wissen, Buchmacher, Stimme aus dem Kuchenblock etc.

Ausgeliefert wir Ausgabe #17 ab dem 16. Dezember, so dass Abonnenten und Vorbesteller das Heft vor Weihnachten in ihren Briefkästen haben sollten (Ausland dauert wie immer etwas länger). Und wer jetzt noch fix bestellen will kann dies hier tun und darf die Bestellung gerne gleich als Testabo bzw. Abo abschließen. Übrigens: Ein Zeitspiel-Abo eignet sich übrigens auch großartig als Weihnachtsgeschenk!

 

14. Dezember 2019
von Hardy Gruene
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Jetzt vorbestellen: Buenos Aires – Eine Reise in die Seele des Fußballs

Jetzt vorbestellen: Buenos Aires – Eine Reise in die Seele des Fußballs

Nun geht es aber Schlag auf Schlag!

Nach Ausgabe #17, die nächste Woche ausgeliefert wird, geht nun auch der Bild-/ Textband von Hardy Grüne über Buenos Aires über die Ziellinie! Wir prüfen gerade ein letztes Mal sämtliche Seiten, und noch vor Weihnachten wird das Ganze an die Druckerei übergeben. Mitte Januar sollte es dann an alle Vorbesteller ausgeliefert werden können.

Hardy ist selber ein bisschen aufgeregt, dass dieses Werk nun endlich zur Vollendung schreitet. Auf seinem Facebook-Account schrieb er:

Amigas y amigos, endlich ist es soweit. Buenos Aires ist fertig! Unser schärfster Korrekturleserhund brütet grade noch ein letztes Mal über den Texten und forscht nach falschen Kommas und anderen Dingen, nächste Woche geht es dann ab in die Druckerei. Selten zuvor habe ich mit einer vergleichbaren Intensität ein Buch gemacht und mich dabei zugleich so unendlich belohnt gefühlt, genau diese Intensität spüren zu dürfen. Denn wo Montevideo vor allem Nostalgie und Romantik ist, liefert Buenos Aires ein ungleich vielschichtigeres Bild, und ich hoffe, ich habe es auf den 208 Seiten mit 500 Bildern angemessen und respektvoll dargestellt. Ab sofort könnt ihr den A4-Schinken im Hardcover nun vorbestellen, ausgeliefert wird ca. Mitte Januar. Muchas gracias y suerte!

Das 208-Seiten-Werk mit über 500 Fotos kommt für 35 Euro inkl. Porto und Verpackung (Preise Ausland: innerhalb EU, außerhalb EU) ins Haus und kann ab sofort hier vorbestellt werden – und zwar ausschließlich über unseren Shop (dort steht als Lieferdatum zwar 3. Februar, das Buch kommt aber sicher früher).

 

10. Dezember 2019
von Hardy Gruene
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Zeitspiel unterm Tannenbaum

An Heiligabend leuchtende Augen beim Beschenkten auszulösen ist eine schöne Sache. Doch mit Socken, einem neuen Küchengerät oder der nächsten bunten Krawatte klappt das selten. Da muss schon etwas besonders her!

Wir hätten da was im Angebot. Zum einen natürlich ein Zeitspiel-Abo, die Glücksvariante für das ganze Jahr. Zum anderen aus unserer Bücherecke zwei Schmöker von Hardy Grüne: die sagenhafte Fußball-Erinnerungsoase Montevideo, ein Bild- Textband, der direkt in die „gute alte Zeit“ beamt, sowie den Textband „Ohne Fußball ist alles nichts“, in dem Hardy eigene Gedanken aus den letzten 20 Jahren versammelt hat.

Alles erhältlich bei uns im Shop, wo es außerdem Kalender, Tassen und natürlich allerlei Abo-Möglichkeiten gibt.

 

8. Dezember 2019
von Hardy Gruene
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Zeitspiel unterwegs: Spielabbruch nach rassistischen Beleidigungen

Gestern fand im Stadion Paulshöhe von Schwerin die Landesliga-West-Partie zwischen der heimischen SG Dynamo und Schlusslicht FC Anker Wismar II statt. Eigentlich ein ganz normales Spiel, das nach einer guten Stunde Spielzeit beim Stande von 6:0 für den Tabellenfünften aus Schwerin längst entschieden war. Und dennoch bis zum Spielabbruch eskalierte, nachdem heimische Zuschauer wiederholt rassistische Äußerungen gegen zwei Spieler der Gäste von sich gegeben hatten. Unser Leser Phillip war vor Ort und hat uns nachstehenden Bericht überliefert.

Während des gesamten Spiels wurden die Gästespieler Kamara Abu Bakarr und Ebenezer Miah von einer kleinen Gruppe (3 Leute) immer wieder verbal angegriffen. Das steigerte sich im weiteren Spielverlauf in blanken Rassismus und gipfelte in einem „Scheiß Nigger!“ nach einem Foul Abu Bakarrs, der daraufhin den Zuschauer mit dem Ball abwarf und eine glatt rote Karte kassiert. Das wollte Miah nicht auf seinem Mitspieler sitzen lassen. Er ist völlig ausgerastet und kassierte nach Trikot ausziehen und mehreren Beleidigungen erst gelb, dann gelb-rot. Daraufhin entschied der Kapitän von Wismar II, dass das Team das Spiel abbricht. Der Schiedsrichter hat versucht, mit der Mannschaft zu sprechen, ist aber (aus meiner Sicht) nicht auf die rassistische Angriffe eingegangen. Auch vom Dynamo-Fanblock wurde Miah widerholt als „Nigger“ beschimpft, der sich aus Deutschland „verpissen soll“.
Nach Rücksprache mit einem Spieler von Dynamo Schwerin ist der Zuschauer, der die rassistischen Rufe tätigte, bei jedem Spiel da und seine Sprüche gingen „oft unter der Gürtellinie“. Die Spieler von Dynamo waren jedoch die einzigen, die die Beleidigung unmöglich fanden, obwohl auch sie trotzdem weiterspielen wollten. Ein Dynamo-Fan mit Thor-Steiner Mütze hingegen meinte zu mir, dass sich der Spieler mal „nicht so haben soll“.
Als wir uns mit einem Spieler von Anker Wismar II unterhielten schüttelte ein Offizieller von Dynamo nur den Kopf, und als wir ihm entgegneten, dass der ganze Verein bei sowas gefragt sei verließ er wortlos das Gespräch. Letztendlich regte sich sogar noch eine Gruppe von Zuschauern über die dunkelhäutigen Spieler auf und verleugnete den Rassismus, den es „nicht gegeben“ habe und dass „nur die Dynamos wieder an den Pranger gestellt werden sollten“. Beim Versuch einer Diskussion wurden zwei aus der Gruppe immer lauter und meinten schließlich „sich nicht als Glatzen hinstellen zu lassen“. Auf meine Entgegnung, dass ich sie nicht persönlich meinte, wurden sie noch lauter und schrien uns an, dass wir das Stadion verlassen sollten. Man muss sagen, dass einer der Herren bereits im Rentenalter war und er es war, der am meisten gegen uns schrie und pöbelte.
Fazit: Ekelhafte Szenen und komplettes Leugnen von Seiten des Vereins. Nur die Spieler sahen ein, dass die Beleidigungen unerträglich waren, gingen aber auf den bekannten Zuschauer, von dem die ersten Beleidigung ausgegangen waren, auch nicht zu, obwohl man sich kennt.
Der NDR war übrigens vor Ort und hatte den Schiri verkabelt. Am heutigen Sonntag strahlt der Sender ab 19:30 Uhr eine Dokumentation aus, in der es um den Alltag von Amateurschiedsrichtern geht. Ich bin gespannt, was der NDR daraus macht und ob man mehr als nur den Ausraster des Spielers zeigen wird.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen und auf die Aktion „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ aufmerksam machen. Infos auf www.fussballvereine-gegen-rechts.de

Das Stadion Paulshöhe in Schwerin (Foto: Philipp)

3. Dezember 2019
von Hardy Gruene
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KLARTEXT: Harakiri in Nordhausen

KLARTEXT: Harakiri in Nordhausen

Von Hardy Grüne

Der FSV Wacker Nordhausen spielt in der Regionalliga Nordost, der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man folgende Zeilen aus einer Meldung des „MDR“ liest: „Allein im Geschäftsjahr 2017/18 hat die GmbH einen Fehlbetrag von 3,249 Millionen Euro ausgewiesen. Insgesamt summierte sich die Schuldenlast auf über neun Millionen Euro. Davon sind kurzfristige Verbindlichkeiten, die innerhalb eines Jahres beglichen werden müssen, in Höhe von 554.000 Euro aufgelaufen. Bereits im Geschäftsjahr zuvor hatte Wacker einen Jahresfehlbetrag von 2,477 Millionen Euro aufgehäuft.

Neun Millionen Euro. In der vierten Liga. Bei einem Verein, dessen Zuschauerschnitt in der Saison 2018/19 exakt 933 betrug. Und da war sogar ein Derby gegen den FC Rot-Weiß Erfurt mit dabei.

Was aktuell  in Nordhausen passiert ist exemplarisch für das, was an vielen Orten des Fußballs in den unterklassigen Leistungsligen geschieht: Harakiri. In Nordhausen ist es die Kombination aus einem, vorsichtig formuliert, „sehr ehrgeizigen“ Präsidenten und einem Geldgeber, der dem Vernehmen nach pro Saison das Gros eines Drei-Millionen-Etats gestellt hat. Zumindest auf dem Papier. Wohl gemerkt: In der Regionalliga, mit einem Zuschauerschnitt von unter 1.000! Nordhausen war in den letzten Jahren ein Paradies für Profis, deren Karriere im Spätherbst nicht mehr allzu viel Licht abgab. In Nordhausen konnten sie auf einem Niveau weiterspielen, das ihnen angemessen war, ohne allzu große Einbußen bei der monatlichen Entlohnung verkraften zu müssen. Aktuell wartet die Mannschaft des FSV Wacker übrigens seit Wochen auf eben diese Entlohnung. Denn: Neun Millionen.

Klub und Präsident haben bereits eingestanden, dass die Finanzlage desolat ist. Es ist daher davon auszugehen, dass die FSV Wacker Spielbetriebs GmbH demnächst das Zeitliche segnen wird. Ob sie den e.V. mitreißen wird muss sich noch herausstellen. Fragen gestellt werden müssen jetzt schon. Denn es ist zu einfach, die Schuld ausschließlich bei einem Präsidenten zu sehen, der in seinem Streben nach oben alles auf eine Karte setzte, die er offenbar noch nicht einmal besaß. Nordhausens Finanzpolitik war eine Wette auf die Zukunft mit extrem hohem Risiko. Das konnte jeder erkennen, der es erkennen wollte.

In der Verantwortung stehen in meinen Augen daher der gesamte Klub, seine Mitglieder und Fans, die Presse (siehe Nachsatz) sowie die Öffentlichkeit in Nordhausen. Wer den Verein in den letzten Jahren beobachtet hat wusste, das kann eigentlich nicht gut gehen. Als Wacker 2016/17 schon einmal in die Krise geriet, beteuerte Klubpräsident Kleofas: „Wir schießen nicht wie eine Rakete nach oben, sondern gehen Stufe für Stufe. (…) Wir gehen definitiv unseren Weg gesund weiter“. Daraufhin bekam er von den Mitgliedern eine Zustimmung von 100 Prozent. Nun hat die Stufenrakete den „gesunden Weg“ einer Verschuldung von rund neun Millionen Euro eingeschlagen. Was ist da eigentlich auf den Mitgliederversammlungen geschehen? Wurde jemals über die Defizite informiert? Oder hat sich mal irgendjemand Gedanken darüber gemacht, von was Spieler wie „Toni“ Sailer eigentlich finanziert werden? Angesichts dessen nun dem Präsidenten die alleinige Schuld in die Schuhe zu schieben und über den „bösen Investor“ zu schimpfen wird der Angelegenheit nicht gerecht.

Kleofas ist ins Amt gekommen, weil er ins Amt gewählt wurde. Und weil danach offensichtlich sämtliche Kontrollmechanismen im Verein versagt haben. Vermutlich, weil alle das alte Spiel von „ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts“ gespielt haben. Aus Furcht, dass Präsident und Geldgeber ansonsten einen Rückzieher machen und man den Laden wieder alleine schmeißen muss. Nicht nur Kleofas hat von der 3. Liga geträumt. Auch der FSV Wacker Nordhausen, seine Mitglieder, seine Fans. Nebenbei: der Fall zeigt erneut, dass 50+1 unterhalb der DFL-Ligen schon lange ausgehebelt ist. Und zwar freiwillig, von den Vereinen und ihren Mitgliedern.

Fassungslos steht man nun vor den Scherben. Neun Millionen, um in die 3. Liga zu kommen, von der jeder Beobachter weiß, dass sie ein Zuschussgeschäft ist. Wie um Himmels willen hat man denn in Nordhausen geglaubt, diesen Schuldenberg dort wieder loszuwerden?

Mich macht das wütend. Weil die Folgen alle tragen müssen. Die unteren Mannschaften, das Vereinsgebilde, die Fußballstruktur. Wenn auch nur ein Körnchen Wahrheit an den absurden Zahlen ist dürfte es das Ende des hochklassigen Fußballs beim FSV Wacker sein. Immerhin hat man den Ligabetrieb ausgelagert, so dass der e.V. von der Superpleite nicht direkt betroffen wäre. Die Scherben aber liegen trotzdem bei ihm. Denn wer sonst soll sie wegfegen?

Es muss Schluss sein mit dieser Harakiripolitik. Sportvereine brauchen eine starke Rückendeckung durch ihre Mitglieder und Sympatisanten für eine verantwortungsvolle Politik, die den gesamten Verein im Blick hat. Und nicht nur die Träume Einzelner, die das Geld geben und ausschließlich die 1. Mannschaft im Blick haben. Und die man fröhlich gewähren lässt. Für den Absturz der Stufenrakete FSV Wacker Nordhausen sind alle verantwortlich – nicht nur der Klubpräsident.

 

Nachsatz: Ich wurde auf die Wächterfunktion des Journalismus in einem Fall wie diesem aufmerksam gemacht. Die sehe ich auch, habe das aber in meinem Klartext nicht aufgegriffen, weil ich aus der Ferne nicht beurteilen kann, inwiefern da möglicherweise in Nordhausen in der Vergangenheit kritische Berichterstattung gelaufen ist. Dem Vernehmen nach war dies nicht der Fall. Dann würde ich die Verantwortung auf die lokale Presse ausdehnen. Auch als Journalist kann man sich leicht „mitreißen“ lassen von Drittligaträumen und das berühmte Spiel mit den Händen auf Ohren, Mund und Augen spielen…