ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

14. Juni 2018
von Hardy Gruene
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Zwei Hefte für’n Zehner – Zeitspiel-Aktion bis zum 15. Juli

Ihr wollt „Zeitspiel – Magazin für Fußball-Zeitgeschichte“ mal in Ruhe und doch ausgiebig testen? Dann habt ihr jetzt die günstige Gelegenheit! Denn die aktuelle Ausgabe #11 mit dem Leitartikel „Russland Spezial“ sowie ein weiteres Heft nach freier Wahl aus den Ausgaben 5 bis 10 gibt es bis zum 15. Juli (oder solange der Vorrat reicht) für schlappe 10 Euro inkl. Porto. Jetzt hier ordern!

 

 

2. Juni 2018
von Hardy Gruene
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Russland Spezial: Die „Perle“ von Sotschi

Neuer oder Ter Stegen – das ist die große Frage, die aktuell in den meisten Medien diskutiert wird. Wen zudem noch interessiert, welcher Verein eigentlich im WM-Standort Saransk spielt, warum in Sotchi eine „Perle“ spielt und wie das mit den großen Klubs in Moskau so läuft findet in unserer aktuelle Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Russland Spezial – Fußball zwischen Kaliningrad und Kamtschatka“ Antworten. Auf zwei dichtbedruckten Doppelseiten stellen wir die 50 „größten“ Klubs Russland vor. Auch sonst geht es in dem Heft viel um die russische Fußballseele und -Kultur. Ideal für die kommenden Halbzeitpausen und spielfreien Tage. Jetzt ordern, schon bald lesen!

9. Mai 2018
von Hardy Gruene
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KLARTEXT: Die geschlossene Liga

Von Hardy Grüne

Der DFL ist das Kieler Stadion also zu klein. Und deshalb darf die KSV Holstein im Falle des Aufstiegs nicht dort spielen. Sondern muss nach Rostock oder notfalls eben auch 2018/19 wieder nach Sandhausen und Heidenheim, statt zum FC Bayern und ins Westfalenstadion, pardon, in die Dortmunder Versicherungsarena.

Ein deutliches Signal der DFL. Wir sind hier eine geschlossene Gesellschaft. Du darfst nur rein, wenn du groß und reich bist. Sportliche Erfolge reichen nicht. Um zum erlauchten Kreis der Bundesligisten zu gehören braucht es VIP-Plätze, ordentlich Raum und natürlich dieses ganz besondere Flair eines Premiumproduktes. Im Holstein-Stadion, eines der ältesten Fußballstadien des Landes übrigens, hat man neben ziemlich alter Patina („Deutscher Meister 1912“) nur Erfolg. Und den einigermaßen unerwartet. Denn wer hätte ernsthaft ahnen können, dass die KSV als Aufsteiger erneut um den Aufstieg mitspielen würde? Zumal man in Kiel ja ungleich anderer zuvor unbekannter oder gar erst kurz zuvor gegründeter Klubs nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga nicht sofort massiv auf die Karte Durchmarsch gesetzt hat. Personell wie infrastrukturell.


Ihr plötzlicher Erfolg fällt der KSV Holstein nun vor die Füße. Und entlarvt die DFL als das, was sie ist, was sie geworden ist: eine Interessenvertretung exklusiver Fußballvereine. Was reitet den Verband, Holstein nicht mal eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen? Zumal bekannt ist, dass der Stadionausbau angegangen wird, zumal es keine Sicherheitsbedenken gibt? Sind es die geringen VIP-Plätze, die Rahmenbedingungen, die noch ein bisschen an das erinnern, was Fußball auch in der Bundesliga einmal war? Ist es die Gästekurve in „old school“-Flair, die man den Kunden des FC Bayern oder des BVB nicht zumuten will (wobei die meisten der echten FCB/BVB-Fans sicherlich liebend gerne nach Kiel reisen würden!)?


In einer Zeit, in der man in Chemnitz, Erfurt, Offenbach, Aachen, Zwickau etc. mit ambitionierten Stadionprojekten baden gegangen ist und viel zu häufig die öffentliche Hand für die Rettung sorgen musste, ist das „Nein“ der DFL ein fatales Signal, das man an seine „kleinen“ Mitglieder aussendet. „Baut erst ein vernünftiges Stadion, ehe ihr auch nur daran denkt, in die Bundesliga aufsteigen zu wollen.“ Vor dem Hintergrund der zahlreichen Pleiten in den Regionalligen und der 3. Liga – Spielklassen, in denen das wirtschaftliche Überleben ein echter Drahtseilakt ist, und in denen die KSV Holstein im letzten Jahrzehnt wirtschaftlich erfolgreich arbeitete – führt das endgültig zur geschlossenen Gesellschaft.


Man kann Holstein Kiel sicher dafür kritisieren, dass sich der Klub nach seinem Aufstieg aus der 3. Liga zunächst auf die Stabilisierung seines sportlichen und wirtschaftlichen Umfeldes konzentriert hat. Zumal die durch die DFL angewandte Regelung ja bekannt ist und man schon in der 2. Liga nur mit Sondegenehmigung auf eigenem Platz kicken konnte. Rein auf dem Papier ist man in Kiel also selbst schuld. Doch wer die langjährige Leidensgeschichte der Störche kennt, muss dafür Verständnis und vor allem Sympathie haben. Zumal Kiel ja keine klassische Fußballstadt ist, in der man als Platzhirsch nur die Begeisterung wecken muss, sondern ein mächtiger Stadtrivale Saison für Saison seine Halle allein mit Dauerkarten voll bekommt. Wer in einem solchen Umfeld alles auf eine Karte setzt, würde zu Recht viel Kritik einstecken müssen, wenn es scheitert. Und schlussendlich die öffentliche Hand die Trümmer wegräumen muss. Wie in Aachen, wie in Erfurt, wie in Chemnitz, wie an viel zu vielen Standorten.


Das DFL-Verdikt ist ein Schlag ins Gesicht für alle Klubs, die noch träumen. So wie einst der FC Homburg oder Wattenscheid 09, deren Aufstieg in die Bundesliga Uli Hoeneß zwar die Zornesröte ins Gesicht trieb, gegen den der seinerzeit noch zuständige DFB aber nichts einzuwenden hatte. Und warum auch? Kiel jedoch darf nicht im eigenen Stadion spielen, weil es zu klein ist und muss deshalb möglicherweise nach Rostock ausweichen, wo garantiert nicht mal die 10.000 in Kiel möglichen Fans alle zwei Wochen auftauchen würden, um ihre Störche im „Heimspiel“ zu unterstützen. Mit Verlaub, DFL, das ist absurd! Dieses Urteil wird den Fußball im Übergangsbereich Bundesliga/2. Bundesliga weiter verändern. Denn das Mauseloch, durch das ein Klub wie Holstein Kiel noch durchschlüpfen konnte, ist nun vollends verstopft. Für uns Fußball-Träumer bleibt nur die Botschaft, dass die Trennung der Fußball-Solidargemeinde in die reichen Entscheidungsträger und die nicht so reichen Mitspieler längst perfekt ist.

Der KSV – und auch der DFL – darf man eigentlich nur wünschen, dass sich die Störche in der Relegation durchsetzen. Damit der Sturm der Entrüstung zum Orkan wird.

29. April 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel bei Radklassiker End to End dabei

Liebe Zeitspiel-Gemeinde,

bitte nicht wundern, wenn es in den nächsten vier Wochen etwas ruhiger auf dieser Seite zugeht. Wir sind schon fleißig bei Ausgabe #12, die Ende Juni erscheint und dann u.a. den großen Zeitspiel-Rückblick auf die Saison 2018/19 in den Regional- und Oberligen enthalten wird.

Für unseren Mit-Herausgeber Hardy Grüne aber dreht sich der Alltag gegenwärtig um ganz andere Dinge. Er startet nämlich am 30. April den Radklassiker „End to End“ in Großbritannien, der über 1.600 Kilometer von Land’s End in Cornwall nach John O’Groats im Nordosten von Schottland geht. Danach steht noch eine große Runde durch Wales an, und natürlich wird auch der Fußball unterwegs immer mal wieder eine Rolle spielen. Wer Lust hat, seinem Radabenteuer zu folgen, kann dies über seinen Blog „Jenseits der Komfortzone“ tun. Zeitspiel „fährt“ übrigens mit, denn wir sind als stolzer Trikotpartner auf dem insgesamt 2.000-Kilometer langen Trip dabei!

Und nach Hardys Rückkehr Ende Mai geht es dann mit Volldampf an Ausgabe #12 und dem Leitartikel „Auswärts!“.

13. April 2018
von Hardy Gruene
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„Fusion“ in Fulda – kommt die SG Barockstadt Fulda Lehnerz?

Leider nicht mehr lieferbar: unsere Premierennummer mit der Legende Borussia Fulda

Heute Abend könnte in Fulda Fußballgeschichte geschrieben werden. Der TSV Lehnerz, ambitionierter Hessenligist und Stadtteilverein von Fulda, entscheidet über die Ausgliederung seiner Leistungs-Fußballabteilung als „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“. Wird dies abgesegnet, soll sich Klassen- und Ortsrivale SC Borussia 04 anschließen, will man gemeinsam an einer Renaissance des Fuldaer Fußballs arbeiten. Unter den Fans des SC Borussia 04, der damit quasi von der Bildfläche verschwinden würde, regt sich jedoch heftiger Widerstand.

Von Hardy Grüne

Der SC Borussia 04 Fulda spielt eine besondere Rolle in der Geschichte unseres Magazins. Als wir Herbst 2015 mit Zeitspiel an den Start gingen, war der Traditionsverein aus der Bischofsstadt die erste „Legende“, über die wir berichteten. Ein Klub, wie gemalt für die Rubrik: großer Name, schwierige Gegenwart. Einst hatte man der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilgenommen und 1995 noch 18.000 Zuschauer in der Regionalliga Süd gegen den 1. FC Nürnberg angelockt. Die Gründe für den Absturz waren die üblichen: Verdichtung des Leistungsfußball durch diverse Ligareformen und neue Player, die sich „oben“ einnisten, Verlust der Attraktivität des Fußballs in der, sorry, Provinz und zahlreiche handgemachte, vor allem wirtschaftliche Fehler. Borussia Fulda war der Prototyp des abgestürzten Traditionsvereins mit schwieriger Zukunft.

Als wir das Stadion Johannistal besuchten war man gerade von der Gruppenliga (7. Liga) in die Hessenliga (5. Liga) durchmarschiert und träumte von der Regionalliga. Dorthin wollte auch Nachbar TSV Lehnerz, ein Überflieger, der die lange vakante Rolle des Fuldaer Fußballaushängeschilds mit Verve und auch durchaus Geschick füllte. Es entwickelte sich ein Rennen um die lokale Nummer eins, bei dem Lehnerz zunehmend die Nase vorn hatte und das zugleich bewies, wie hoch das Fußballinteresse in Fulda noch immer ist. 2015 kamen offiziell 4.999 Zahlende, tatsächlich aber fast 7.000, die einen 1:0-Sieg der Borussia sahen. Statt  der Borussen kratzte anschließend jedoch der TSV Lehnerz an der Regionalliga.

Nun will man Konsequenzen ziehen, und die Leistungsfußballer beider Vereine in einem neuen Klub auslagern, der Fulda zurückbringen will in den „großen“ Fußball. Dazu soll sich der SC Borussia 04 aus der Hessenliga zurückziehen und mit seinen Leistungsfußballern zum TSV Lehnerz kommen. Das gemeinsame Fußballdach erhält den Namen „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“. Gespielt werden soll in der Johannisau in Fulda, Vereinssitz ist Lehnerz. Der SC Borussia bleibt zwar bestehen, reduziert sich aber auf die Jugendarbeit der G- bis D-Jugend. Heute Abend fällt auf der Mitgliederversammlung des TSV Lehnerz die Entscheidung.

Unter der zwar kleinen aber überaus aktiven Fanschar des SC Borussia 04 löste die Meldung Widerstand aus. Beim letzten Ligaspiel gegen Waldgirmes kam es zu Protesten, und auf Facebook sammelt die Seite SG Barockstadt Fulda Lehnerz – Auf keinen Fall fleißig Pro- und Gegenstimmen. Die Fans sind sich einig, dass ein Zusammenschluss durchaus ein richtiger Weg sein kann, kritisieren aber vor allem die geplanten Strukturen, die quasi der Fortführung des TSV Lehnerz entsprechen, sowie die Namensgebung, die gelinge gesagt als „unsäglich“ bezeichnet wird. In einem offenen Brief heißt es kämpferisch: „Auch wenn die Zeit mehr als knapp ist und die Chancen überaus gering: Wir sehen uns gezwungen zu kämpfen und unseren Protest kund zu tun – auf das der Name ‚Borussia‘ weiterhin als Synonym für Fuldaer Fußballgeschichte bestehen bleibt. BORUSSIA IST UNVERHANDELBAR!“.

Ein Fankommentar fasste die Proteste in deutlichen Worten zusammen: „Umso unverständlicher ist daher die vollkommene Aufgabe der Identität; im Verein TSV Lehnerz aufzugehen als Lieferant für Spielstätte, 2-3 Spieler, 1-2 Sponsoren und 300 Zuschauer. Unter einem mehr als holprigen Namen, der widerspiegelt wie wenig weltmännisch man ist in Lehnerz und augenscheinlich auch in Fulda. Rational ist es sicherlich sinnvoll die beiden Vereine zu einem zusammen zu führen. Wäre dies auf Augenhöhe geschehen, man zusammengewachsen, gemeinsam aufgestiegen, hätte sich gemeinsam in eine Richtung entwickelt, hätte dies vielleicht einen weniger bitteren Geschmack hinterlassen. So allerdings gehe ich mit mindestens einem weinenden Auge zu den letzten Spielen meiner Borussia, meines Vereins. Eine ansatzweise ähnlich emotionale Bindung zur „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“ aufzubauen liegt momentan außerhalb meiner Vorstellungskraft.“

Unsere erste „Legende“ – SC Borussia 04 Fulda