ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

9. Juli 2018
von Hardy Gruene
2 Kommentare

KLARTEXT: Zum Krisenmanagement des DFB

KLARTEXT Zum Krisenmanagement des DFB

Von Hardy Grüne

Über das Krisenmanagement des DFB in der Causa Özil/Gündogan ist eigentlich alles gesagt. Es war und ist eine jämmerliche Show, die jegliche Souveränität vermissen ließ und eines Verbandes der Dimension des DFB unwürdig ist.

Hätte man es bei diesem Fazit nach dem Vorrundenaus belassen und einfach nur den Kopf schütteln können, sieht die Lage nach der Doppel-Nachtritt-Attacke von Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel am Wochenende anders aus. Nun ist das Krisenmanagement des DFB nicht mehr nur unwürdig sondern zudem gefährlich. Erst Bierhoffs durchsichtige Attacke gegen Mesüt Özil und sein Zurückrudern nach dem folgenden Shitstorm. Ich nehme Bierhoff sein zerknirschtes „sorry, war alles nur ein Missverständnis“ nicht ab. Der Mann, unter dem „Die Mannschaft“ zu einem perfekt funktionierenden Marketingag geworden ist, geht mit unschuldiger Naivität an eines der gesellschaftspolitisch brisantesten Themen der jüngeren Fußballgeschichte, merkt seinen Faux-pas selbst beim Gegenlesen des Interviews nicht und stottert dann eine Entschuldigung, als sich alle aufregen? Mit Verlaub, Herr Bierhoff: Das können Sie Ihrem Friseur erzählen. Mesüt Özil ist ein perfekter Sündenbock, der alles hat, was man nach dem WM-Debakel brauchte. Seine türkischen Wurzeln sind da durchaus hilfreich, denn sie schaffen Distanz. War’n ja nicht wir. War „der Türke“.

Dass Reinhard Grindel nun im „Kicker“-Interview nachlegt und Mesüt Özil zu einer Erklärung nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub auffordert, ist in meinen Augen ein grotesker Vorgang. Man mag zu Özils Verhalten stehen wie man will (sowohl in Bezug auf die Bilder mit Erdogan als auch sein Schweigen), und sicher ist die ganze Angelegenheit von Özils Seite alles andere als geschickt gemanagt worden. Ihn durch den Präsidenten des größten Sportverbandes der Welt nun als Prügelknabe hinzustellen und damit jenen Krakeelern einen Blankoschein auszustellen, deren Kritik nicht über ein plumpes „der Türke ist Schuld“ hinausgeht, ist brandgefährlich. Grindel und Bierhoff spielen mit dem gesellschaftlichen Feuer, um ihre eigenen Versäumnisse zu überdecken und sich vor persönlichen Konsequenzen zu drücken. Von der Doppelmoral, die man seit Jahren in Sachen Russland/Putin etc. an den Tag legt mal ganz zu schweigen.

Statt sich vor den Spieler zu stellen und die Ereignisse intern aufzuarbeiten benutzt Grindel sogar die Medien, um den „Fall“ nochmal hochzukochen. Und gefällt damit vor allem in populistischen Kreisen. Man muss sich nicht nach Schweden wünschen, um das zu verabscheuen. Die Folgen werden weitreichend und tiefgehend sein. Das Bild türkischstämmiger Nationalspieler im DFB-Dress dürfte auf unabsehbare Zeit vom „Fall Özil“ begleitet werden. Mehr als bisher werden Spieler mit türkischen Namen keine „deutschen Nationalspieler“ mehr sein, sondern „Türken im DFB-Dress“. Und Spieler mit zwei Pässen werden sich noch sorgfältiger überlegen, ob sie den Adler überstreifen. Denn die Rolle des Buhmanns im Falle des Scheiterns ist damit schon fast gebucht.
Ein souveräner Umgang à la Schweden hätte die Causa Özil/Gündogan zu einem isolierten Vorfall – der er ja ist! – gemacht und dem DFB die Gelegenheit gegeben, sich auch in einem komplizierteren Fall als beispielsweise Cacau oder Sami Khedira zur Integration zu bekennen. Selbst nach der WM noch, als das Kind eigentlich längst in den Brunnen gefallen war! Doch in ihrer Selbstgefälligkeit haben Grindel und Bierhoff nun einen Spaltpilz geschaffen, der bis in die untersten Spielklassen zu spüren sein wird. „Der Türke“ dürfte dort mehr denn je zum spaltenden Kampfbegriff werden.

Reinhard Grindel hat sich in der Krise als ein Präsident erwiesen, auf den sich die Fußballgemeinde nicht verlassen kann. Er sollte zurücktreten.

7. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel-Legende: FSV Frankfurt

Mit Karacho hoch von der vierten in die zweite Liga, mit Karacho wieder runter. Der FSV Frankfurt hat wahrlich ein turbulentes und vielschichtiges Jahrzehnt hinter sich.

Für die Rubrik „Legende“ in unserer aktuellen Ausgabe #12 waren wir zu Besuch auf dem Bornheimer Hang, wo der Optimismus inzwischen zurückgekehrt und man „auf dem Weg zu Stabilität“ ist.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel. Jetzt hier bestellen.

6. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Das verschollene Wappen des 1. FC Kaiserslautern

Jahrzehntelang galt das Wappen des FC Bavaria Kaiserslautern, einer der Vorgänger des 1. FC Kaiserslautern, als verschollen.
Nun hat unser Mann für den „Collectors Corner“, Hagen Leopold, diese Lücke endlich gefüllt und in mühsamer Recherchearbeit ein Emblem des Klubs aufgetrieben.
Wie es aussieht und wie Hagen es gefunden hat in unserer aktuellen Ausgabe #12.

6. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Der große Zeitspiel-Rückblick 2017/18

1.082 Zuschauer begrüßte der FC Homburg durchschnittlich bei seinen Heimspielen in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar – das ist der diesjährige Rekord auf Ligaebene fünf. Am anderen Ende rangiert Nordost-Oberligist SV Schott Jena, der auf ganze 45 Zahlende pro Heimpartie kommt.
Diese und viele weitere Zahlen und Infos gibt es in unserem 15-seitigen Rückblick auf die Saison 2017/18 in der 3. Liga, den vier Regionalligen sowie den 13 Oberligen. Wir berichten über den Saisonverlauf in jeder Staffel, stellen Tops und Flops vor, haben sämtliche Aufsteiger parat und liefern natürlich auch die Tabellen.
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6. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel #12: Auswärts! Feuertaufe für den wahren Fan

Wer das erste Mal zum Auswärtsspiel fährt verändert sein Leben. Es droht irgendwas zwischen unstillbarer Sucht mit Auswärtsdauerkarte und akuter Abscheu mit dem Fazit „nie wieder!“ Für Auswärtsspiele tut man Dinge, die jenseits jeglicher Rationalität liegen. Fliegt um die halbe Welt, schlägt sich ganze Nächte in klaustrophoben Zugabteilen oder zugemüllten Kleinbussen um die Ohren, trinkt viel zu viel Alkohol und verplempert seinen ganzen Jahresurlaub. Vom Geld wollen wir gar nicht reden.
Im Leitartikel unserer aktuellen Ausgabe #12 beschäftigen wir uns mit den zahlreichen Facetten von Auswärtsfahrten. Und haben ziemlich gestaunt, als wir in die Archive hinabstiegen und von Sonderzügen zum Meisterschaftsendspiel 1911 oder einer Reise von HSV-Fans zum Spiel in Königsberg während des Zweiten Weltkriegs erfuhren. Die damalige Leidenschaft und Bereitschaft, sein Team auch unter schwierigen Umständen zu unterstützen unterschied sich kaum von der heutigen. Fußball, Fankultur und Auswärtsspiel bilden seit Ewigkeiten eine Einheit.

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