ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

17. Oktober 2019
von Hardy Gruene
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Legende #16: Alemannia Aachen

Alemannia Aachen und die schwierige Rückkehr nach vorne

Rubrik „Legende“, Zeitspiel-Ausgabe #16

Zwei Insolvenzen, Absturz in die Viertklassigkeit, Verlust des geliebten und traditionsreichen Tivoli-Stadions – Alemannia Aachen hat wilde Jahre hinter sich. Allmählich scheint die Talsohle jedoch durchschritten und auf dem neuen Tivoli blickt man wieder optimistischer in die Zukunft. Wir haben die Schwarzgelben „Kartoffelkäfer“ in ihrer neuen und absolut hochklassigfußballgeeigneter Spielstätte besucht und berichten in Ausgabe #16 über zehn Seiten ausführlich über die „Schwierige Rückkehr am Tivoli“.

Zeitspiel-Ausgabe #16 ist ab sofort lieferbar. Bezug nur über unseren Shop, nicht im Handel. Als Einzelheft, als Abo als Testabo. Einfach im Shop umschauen und ordern!

15. Oktober 2019
von Hardy Gruene
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Unterbau in Europa – unser Leitartikel in Ausgabe 16

Bundesliga, Premier League, La Liga, Serie A, Division 1 – da spielt sich das Spektakel ab. Strömen die Fans, surren die TV-Kameras aus allen Positionen, versprühen Promis und VIPs mitunter zweifelhaften Glanz. Im Oberhaus will jeder dabei sein und vom großen Kuchen Profifußball profitieren.
Das Unterhaus wird da nur milde belächelt. Wer Zweitligist ist gilt als Verlierer, und Drittligisten sind häufig „abgestürzt“. Schaut man von oben, herrscht im Unterbau Schatten statt Sonne.
Schaut man jedoch von „unten“, präsentiert sich ein anderes Bild. Lebendige Spielklassen mit hohem Zuschauerbesuch, bemerkenswertem sportlichen Niveau und einem gewissen Kultfaktor. Allerdings auch einem Haufen von Problemen, die irgendwie überall ähnlich sind.
Für den Leitartikel „Unterbau in Europa“ unserer aktuellen Ausgabe #16 sind wir über den Kontinent gereist und haben uns seinen Unterbau angeschaut. Haben existenzbedrohende Krisensituationen entdeckt, sind auf umstrittene zweite Mannschaften gestoßen und erfrischend häufig auf eine Lebendigkeit, die gepaart mit Tradition attraktive Ligen schuf. Wer im Unterbau spielt muss sich nicht grämen. Nicht alle können in den Eliteligen spielen, und nicht alle wollen das. Denn wo dort das große Geld für Verzerrungen sorgt und einen Verlust an Authentizität herbeiführt, kann man im Unterbau noch immer so etwas wie den „guten alten Fußball“ anbieten, geht die Reise in Stadien, die oft Jahrzehnte auf dem Buckel haben und zu Fanszenen, die im Schatten des großen Kommerzfußballs bestens gedeihen. Mit anderen Worten: Der Unterbau ist verblüffend oft Geheimtipp!
 
Neugierig? Zeitspiel-Ausgabe #16 ist ab sofort lieferbar. Bezug nur über unseren Shop, nicht im Handel. Als Einzelheft, als Abo als Testabo. Einfach im Shop umschauen und ordern!

13. Oktober 2019
von Hardy Gruene
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Ausgabe #16 jetzt erschienen

Da ist sie, unsere #16!

100 Seiten, prallgefüllt mit abseitigem und doch so zentralen aus der Welt des Fußballs. Garantiert ohne Glitzerfußball, dafür mit Ausflügen in die Welt des Fußballs zum Anfassen. Nach Lippstadt zum Beispiel, in den Oman, zur alten Kultstätte des SC Wacker 04 Berlin oder den traurigen Resten des ehemaligen WM-Stadions in Zürich.

Im Leitartikel setzen wir unsere Reise durch den Unterbau dann konsequent fort und ignorieren Bundesliga, Premier League, Serie A oder La Liga, um zu schauen, wie es darunter aussieht. In Deutschland, England, Schottland, Tschechien, Polen und Ungarn, Frankreich, Italien und Spanien, Österreich, der Schweiz und Portugal sowie den Niederlanden und Belgien. Und wir dürfen schon mal spoilern: spannend!

Außerdem berichten wir u.a. über Göttingen 05, die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, den FC Gießen, Alemannia Aachen, den VfR Mannheim, die Fanszene des SV Lippstadt 08 und über ein ziemlich altes Trikot des VfB Stuttgart. Ausgabe #16 kann ab sofort über unseren Shop (und nur dort, Zeitspiel gibt es nicht im Handel) bezogen werden. Als Einzelausgabe, oder gleich im Abo, damit euch nichts entgeht. Und wer erstmal probieren möchte wählt unserer Testabo zum Sonderpreis.

 

 

5. Oktober 2019
von Hardy Gruene
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Ausgabe 16: Unterbau in Europa

Der Fußball unterhalb der sogenannten Kommerzebene ist unsere Leidenschaft und unser Fokus. In Ausgabe #16, die dieser Tage in Druck geht, steht das Thema „Unterbau“ sogar im Zentrum unseres Leitartikels. Aus insgesamt 15 Ländern Europas berichten wir, wie es um den dortigen Unterbau bestellt ist. Wo die Kultvereine spielen, wie viele Zuschauer so kommen, wie es mit TV-Übertragungen aussieht und natürlich auch, welche Schatten der Kommerzfußball über den jeweiligen Unterbau legt.

Im „Global Game“ geht unsere Reise diesmal nach Oman, ein etwas ungewöhnliches Land, das neben seinen „lauten“ Nachbarn Katar, VAE oder Saudi-Arabien erfrischend zurückhaltend daherkommt. Und auch im Fußball seine ganz eigenen Wege geht. Wege zurück zu alter Größe sucht die Aachener Alemannia, die wir für unsere „Legende“ besucht haben und auf zehn Seiten im Heft vorstellen.

Von alter Größe nur noch träumen kann der VfR Mannheim. Wir haben für den „Schattenspieler“ vorbeigeschaut beim , Deutschen Meister von 1949, der sich neben dem großen Nachbarn SV Waldhof langsam wieder aufrappelt. Und unsere Rubrik „Überleben im Turbokapitalismus“ macht diesmal Station bei Göttingen 05, der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz sowie dem FC Gießen.

Dazu kommen zahlreiche weitere Rubriken wie Buchmacher, Lost Ground, Jays Corner, Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Collectors Corner, Willmanns Kolumne sowie unsere Novitäten „Kleiderkammer“ mit einem Schmankerl aus der Bundesliga-Frühgeschichte des VfB Stuttgart bzw. „Trinkpause“ aus dem „Eisen“ in Bremen.

Ausgabe 16 kann ab sofort hier geordert werden und wird ab 10. Oktober ausgeliefert. Als Einzelausgabe 7,80 plus Porto, im Abo für nur 7 Euro plus Porto. Zum Probieren gibt es unser Testabo mit zwei Ausgaben und automatischem Abo-Ende (Preise für Ausland siehe jeweils im Shop). Und hier geht es zu unserem Shop.

28. August 2019
von Hardy Gruene
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KLARTEXT: Die Fälle Bury und Bolton – ein Plädoyer pro 50+1!

KLARTEXT Die Fälle Bury und Bolton – ein Plädoyer pro 50+1!

Von Hardy Grüne

Aus England bekommt man dieser Tage ein wunderbares Plädoyer für die 50+1-Regel geliefert. Mit dem Bury FC und den Bolton Wanderers sind zwei traditionsreiche Vereine mit 134 bzw. 145 Jahren auf dem Buckel in existenzbedrohende Krisen geraten. Ihre Fälle zeigen, dass Fußball am Scheideweg steht und zu einer gespaltenen Welt geworden ist, in der Einzelpersonen, deren Interessen unklar sind und die oft eine Biografie des Scheiterns hinter sich herziehen, Vereine regelrecht in Geiselhaft nehmen können. Vereine, die zugleich wichtige soziale Funktionen für die lokale Community haben. Es ist ein Lehrbeispiel, welche Auswirkungen Neoliberalismus auf „kleine“ Fußballklubs hat.

Vorab: sowohl in Bolton als auch in Bury ist man selbst verantwortlich für seine Krisen. Die Schuld liegt nicht bei Finanzplayern wie Premier League oder Sky, auch wenn die zerstörerische Strukturen gefestigt haben und gerne als Feindbild benutzt werden. In Bolton und Bury war es die pure Gier, die die Klubs in die Krise gestürzt hat. Und der Gleichmut viel zu vieler Fans, die viel zu lange zuschauten, in der Hoffnung, dass irgendjemand kommt und „alles wieder besser macht“. In Bolton setzte man alles auf eine Karte, um den Klub nach Europa zu bringen (klappte nur kurzzeitig, brachte 200 Millionen Pfund Schulden). In Bury wurde der Drittligaaufstieg im Sommer 2019 auf Pump gekauft. Die existenzbedrohenden Krisen sind bereits seit Anfang des Jahres bekannt, und es gab genügend Zeit und Gelegenheiten, sie zu lösen. Dass es nicht klappte, lag vornehmlich am Verhalten der Eigeninteressen verfolgenden Klubbesitzer bei beiden Klubs.

Zugleich steht die englische Fußball-Liga EFL in der Kritik. Ihr wird mangelnde Sorgfalt gegenüber ihren Mitgliedervereinen vorgeworfen. Sie ist verantwortlich für die ethische und wirtschaftliche Prüfung von Übernahmeangeboten („fit and proper person-test“) und hat in der Vergangenheit bei vergleichbaren Fällen in Blackpool, Coventry und Charlton ein schlechtes Bild abgegeben. So sind potenzielle Käufer beispielsweise nicht persönlich für die Folgen ihrer Finanzpolitik haftbar und können entsprechend ungestraft verbrannte Erde hinterlassen.

In Bolton war seit 2016 ein Finanzmogul Besitzer, zu dessen Vorgeschichte Firmeninsolvenzen, Behinderung von Behörden und Umsatzsteuerumgehung gehörte. Er war deshalb acht Jahre lang für jegliche Unternehmensbeteiligung gesperrt. Die EFL sah dennoch kein Problem in der Übernahme des Klubs. Es war eben dieser „Geschäftsmann“, der am Samstag kurz vor Ablauf eines Ultimatums des Ligaverbandes seine Unterschrift unter einem Kaufvertrag verweigerte, mit dem der Klub hätte gerettet werden können. In Bolton geht es u.a. um ein im Stadion integriertes Hotel. Seit gestern Abend droht dem Gründungsmitglied der Football League nun der sofortige Rauswurf aus dem Profifußball. Ihm bleiben noch exakt 12 Tage, um nachzuweisen, dass er die Saison finanzieren kann. Der bisherige Besitzer kann das nicht, und sollte er weiterhin stur bleiben und nicht verkaufen, wird das Aus unvermeidlich sein.

In Bury, zehn Meilen weiter südlich, sind die Lichter bereits spürbar runtergedimmt. Denn gestern Abend wurde der zweifache FA-Cup-Sieger aus der Football League geworfen, nachdem der Ligaverband dem Verein wiederholt neue Ultimaten eingeräumt hatte, um über seine Finanzverhältnisse aufzuklären. 134 Jahre Vereinsgeschichte gehen damit vermutlich zu Ende, denn eine Liquidierung dürfte unvermeidlich sein. Es ist das erste Mal seit 1992, dass ein Verein aus der Football League geworfen wurde. Damals traf es Maidstone, wo ein neuer Klub entstand, der sich langsam wieder hocharbeitete. Unklar ist, ob in Bury das Stadion an der Gigg Lane erhalten bleiben wird.

Fast schon symbolisch: Ein Aufkleber des französischen Fußball-Unternehmen Paris-SG auf dem Wegweiser zu Bury Stadion. (Foto: Michael Stoffl).

Bury hat eine wilde jüngere Reise mit mehrfachen Eigentümerwechseln hinter sich, und das Stadiongelände ist mit hohen Hypotheken belastet. Die Besitzverhältnisse sind unklar und führen u.a. nach Malta und auf die Britischen Jungferninseln. Verantwortlich dafür ist ein Projektentwickler aus Blackburn, der den Verein 2013 übernahm und ihn 2018 für die symbolische Summe von einem Pfund an den aktuellen Besitzer weiterverkaufte. Der investierte massiv in die Mannschaft und feierte den Aufstieg, blieb den Spielern zugleich aber ihr Gehalt schuldig. Zum Saisonstart hatte Bury keine Mannschaft beisammen und konnte kein einziges Ligaspiel bestreiten. Ein Novum in der Geschichte der Football League. Auch in Bury war es der aktuelle Besitzer, der sich einem Verkauf verweigerte und die Krise damit verschärfte. Einem übernahmewilligen Konsortium verweigerte er zunächst den Blick in wichtige Unterlagen bezüglich der Stadionsituation. Als er sie dann knapp zwei Stunden vor Ablauf eines Ultimatums durch die EFL endlich vorlegte zog sich die Gruppe zurück, weil man die Lage als unrettbar einschätzte.

Der EFL wird vorgeworfen, sowohl in Bolton als auch in Bury viel zu nachlässig die Eignung der Eigentümer geprüft zu haben und vor allem, in der Sommerpause nicht darauf gedrungen zu haben, dass die Verhältnisse vor dem Saisonstart geklärt werden. Nur so konnte es passieren, dass die schwelenden Konflikte in die laufende Saison getragen wurden und die League 1 nun mit nur 23 Mannschaften die Saison bestreiten wird. Für Kritiker hat sich einmal mehr bestätigt, dass die EFL ein zahnloser Tiger ist, wenn es darum geht, ihre Mitgliedervereine vor der Übernahme durch ungeeignete Geschäftsleute zu bewahren. Unglücklich auch die Entscheidung der EFL, Bury ein Ultimatum von 72 Stunden einzurichten, dabei aber zu übersehen, dass diese zu großen Teilen ein Wochenende und einen Feiertag umfassten. Dadurch fehlte dem Verein ein wichtiger Berater bei der Krisenbewältigung. Zugleich muss man allerdings feststellen, dass die EFL in beiden Fällen durchaus geduldig aufgetreten ist und die Fristen immer wieder verlängerte. Sowohl in Bolton als auch in Bury wurde das von den Besitzern vor allem genutzt, um dem Ligaverband regelrecht auf der Nase herumzutanzen.

Leidtragende in beiden Fällen sind zunächst die Fans und die Angestellten. In Bolton, langjähriger Premier-League-Klub, sind 150 Mitarbeiter von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Ohnmacht, die man angesichts der Allmacht der Besitzer über den eigenen Verein verspürt, ist immens. In Bury befragte die BBC einen Fan, der seit 70 Jahren an die Gigg Lane marschierte, und der mit Tränen in den Augen verkündete: „Bury ist das letzte, was mir noch geblieben ist“.

Ein „next match“ wird es in Bury bis auf Weiteres nicht mehr geben. (Foto: Michael Stoffl)

Die Fälle Bolton und Bury dokumentieren zwei strukturelle Symptome. Zum einen scheint unterklassiger Fußball als funktionsfähiges Geschäftsmodell keine Zukunft mehr zu haben. Er ist schlicht zu teuer und wirft zu wenig ab. Eine fatale Entwicklung, denn der lokale Fußballklub ist häufig die älteste noch existierende Gemeinschaft und als solche ein elementarer Bestandteil der lokalen Community. Dass viele kleinere Gemeinden inzwischen selbst tief in der Krise stecken – in Bury musste man 2010 85 Prozent seiner Ausgaben einfrieren, weil die Stadtkasse leer war – zeigt die tiefe strukturelle Dimension, aus denen sich die Krisen der Fußballklubs entwickelt haben. Spitzenfußball ist in England zu einer Domäne der reichen Gemeinden geworden, während alte (und arme) Hochburgen der Industriekultur wie Bolton, Bury oder auch Blackburn hinten runter fallen. Nur wenige Meilen entfernt von den Fußball-Brandherden Bury und Bolton haben sich Milliardäre bei Manchester City und United schillernde Fußballunternehmen geschaffen und hantieren mit Summen, die man sich in Bolton und Bury kaum vorstellen kann. In diesem Sinne ist Fußball ein Mikrokosmos der allgemeinen Entwicklung: die Reichen werden immer reicher, die Armen abgehängt. Und welcher Reiche kauft schon einen Klub aus einer Stadt wie Bolton, deren Entwicklung seit vielen Jahren negativ ist?

Zum anderen zeigt sich, dass das in Deutschland so vehement verteidigte 50+1 ein Pfund ist, auf das man gut aufpassen sollte. Denn sowohl in Bury als auch in Bolton waren es egoistische Alleingänge Einzelner, deren Interesse nicht der Fußball sondern das Kapital war, durch die vorhandene Krisen zu existenziellen wurden. Englands unternehmensgeführter Profifußball war von seinen Strukturen nie vergleichbar mit dem in Deutschland, wo lange Zeit mitarbeitergeführte e.V. auch über die Profis das Sagen hatten. Und dass das keineswegs vor Pleiten schützte, dafür gibt es in der deutschen Fußballgeschichte zahlreiche Beispiele. Schaut man sich beispielsweise die Geschichte von Hannover 96 an, zeigt sich, dass auch in den 1980ern und 1990ern Jahren, als 96 noch ein e.V. war, Einzelpersonen existenzbedrohende Verschuldungen herbeiführen konnten und die Mitglieder alles ausbaden mussten.

Was jedoch in England deutlich wird: Fällt 50+1, wird es den „kleinen“ Vereinen nicht helfen, sondern nur die Spaltung zementieren. Stattdessen droht den „Kleinen“ endgültig der Ausverkauf. In England ist regelmäßig das Stadiongelände Hintergrund für Engagement von bevorzugt „property devolper“ – „Grundstückentwicklern“. Im Unterschied zu Deutschland befinden sich die Stadion in England oft in Vereinshänden. Und weil sie vielfach in begehrten Lagen liegen sind sie ein lohnenswertes Investment. Zugleich zeigt sich in England, dass seriöse Investoren um „kleine“ Klubs einen großen Bogen machen. Mein Verein Bristol Rovers, wie Bury und Bolton Drittligist, sucht seit mehr als einem Jahr einen Käufer. Der Verein hat einen Zuschauerschnitt von 8.000, bei Auswärtsspielen sind oft 1.000 und mehr Fans mit dabei. Es ist also eine gesunde Grundlage vorhanden. Und doch findet sich niemand, der den Verein entwickeln will. Nüchtern betrachtet ist er das Investment nicht wert, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man als Besitzer draufzahlt, ist hoch. Man muss schon etwas masochistisch veranlagt sein, um einen Klub wie die Bristol Rovers zu übernehmen.

Die Schicksale von Bury und Bolton lösten eine Flut von Sympathiebekunden von Fans aus dem gesamten Vereinigten Königreich. Immer wieder wurde dabei darauf hingewiesen, dass allein das monatliche Salär eines einzigen Spielers von Manchester City genügt hätte, um die beiden Klubs zu retten. Doch welches Interesse sollte die Premier League haben, einen Wurmfortsatz wie den Bury FC zu retten? Zumal der Klub ja, wie gesagt, selbst für seine Überschuldung verantwortlich ist. Und wäre es nicht ein fatales Signal, wenn die Misswirtschaft ohne Konsequenzen bliebe? Auch wenn es für die betroffenen Orte und Vereine natürlich fatal ist. Die viel zitierte Spaltung ist in England längst Realität, und es wird Zeit, dass man sich bei den „Verlierern“ mit den Konsequenzen beschäftigt.

Nun wird befürchtet, dass Bury und Bolton lediglich Vorreiter für eine ganze Welle von Vereinspleiten sein werden. Zahlreiche Vereine der dritten und vierten Liga arbeiten im Tagesgeschäft mit Verlust, und in der Championship wird ohnehin mit extrem hohem Risiko gearbeitet. „Wir müssen diese Fußballinstitutionen unbedingt verteidigen und können es uns nicht erlauben, sie verschwinden zu lassen“, mahnte Boltons MP David Crausby auf dem Höhepunkt der Krise bei den Wanderers. Und sein Kollege David Jones aus Bury ergänzte, es sei der „Sargnagel für die ganze Stadt“, sollte der Klub liquidiert werden.

Hoffentlich wird er das nicht bald für den kompletten unterklassigen Profifußball.

Hinweis: In unserer nächsten Ausgabe, die Ende September erscheint, beschäftigen wir uns im Leitartikel ausführlich mit dem Thema „Unterbau in Europa“. Dabei geht es auch um England und die dortigen Strukturen.

Neugierig auf weitere Texte und Kolumnen von Hardy Grüne? Dann ist vielleicht der Sammelband „Ohne Fußball ist alles nichts“ das richtige! Auf 268 Seiten finden sich darin Texte aus Hardy Feder zur Entwicklung des Fußballs aus den letzten 20 Jahren. Für 15 Euro exklusiv nur bei Zeitspiel.

Unsere aktuelle Ausgabe ist dem Leitartikel „Überleben im Turbokapitalismus II“ gewidmet. Darin beschäftigen wir uns mit der viel zitierten „Krise des Fußballs“ und beleuchten in zahlreichen Fallbeispielen sowohl Gegenwart als auch mögliche Zukunftsszenarien auf der großen kommerziellen Ebene sowie im unterklassigen Bereich. Hier geht es zur Heftbestellung. Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel.