ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

19. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Zeitspiel Unterwegs: Ausgesperrt bei Racing Montevideo

25.000 auf der „Süd“ mussten heute draußen bleiben (oder fanden sich auf der „Nord“ ein) – ich leider auch. Der Plan war ganz simpel: Racing gegen Liverpool, ein ziemlich unscheinares Duell zwischen zwei eher unscheinbarer Vereine aus dem Nordwesten von Montevideo. Früher kein Problem – zum Stadion fahren, ein Ticket kaufen, reingehen. Heute eine Herulesaufgabe. Denn seit heute gibt es im uruguayischen Fußball eine neue Eintrittskartenpolitik. Man muss sein Ticket spätestens am Tag vor dem Spiel bei einem von zwei Ticketagenturen gekauft haben. Notwendig ist der Pass, denn dessen Nummer wird mitsamt Name auf das Billet gedruckt. Einlass gibt es nur mit Ticket und dazugehörigem Dokument.
Dass man das durchaus ernst sieht, habe ich heute erfahren. Weil ich gestern zu spät ankam, konnte ich kein Ticket mehr erwerben, und sämtliche Versuche, mit Presseausweis, Reisepass und der aktuellen Zeitspiel-Ausgabe (mit der Reportage über Chile) Einlass zu finden schlugen fehl. Der Grund: man hat einfach Angst. Nationalverband AUF hat die Klubs strikt angewiesen, niemanden außerhalb des neuen Systems hineinzulassen. Kontrolliert wurde das durch ein Polizeiaufgebot und vor allem eine zusätzliche Abordnung des Verbandes, mit der dann auch mein „Fall“ ausgiebig und mit großem Bedauern abschlägig beurteilt wurde.
Uruguay hat seit langem ein Gewaltproblem im Fußball, und dieses System soll helfen, es zu lösen. Ich habe da meine Zweifel. Denn zumindest bei Racing ist es nun so, dass der Zuschauerzuspruch – ohnehin schon überschaubar – vermutlich noch weiter zurückgehen wird. Ein spontaner Stadionbesuch ist ja schließlich nicht mehr möglich.
Für morgen habe ich bereits ein Billet für das Abendspiel zwischen Peñarol und Boston River in der Tasche, wohingegen ich für den schon seit Wochen ausverkauften Parque-Prado-Schlager zwischen River Plate und den Montevideo Wanderers am Nachmittag schwarz sehe. Eigentlich hatte ich mich da auf den Schwarzmarkt verlassen. Bei Racing aber wurde heute tatsächlich bei jedem Einzelnen der Pass mit der Eintrittskarte abgeglichen – selbst bei Journalisten und TV-Leuten! Das dürfte morgen nicht anders sein. Zwar hat mir ein Platzwart beim Besuch des River-Stadions „Saroldi“ am Nachmittag versichert, er würde mich morgen in jedem Fall reinlassen („komm einfach eine Stunde vorher an dieses Tor, da werde ich warten“), dass ihm das wirklich gelingt glaube ich nach den heutigen Erfahrungen jedoch nicht.
Abenteuer Fußball…

Hier aber nun zumindest ein paar optische Eindrücke aus dem Racing-Umfeld.

 

Sieht gar nicht so wild aus – ein Vorbeikommen gab es dennoch nicht.

13. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Zeitspiel unterwegs: Buenos Aires und Montevideo

Der Koffer gepackt, Fotoapparat und Laptop für neue Eindrücke und Stories freigeräumt – wir sind mal wieder unterwegs für Euch.
Die Reise geht nach Buenos Aires und Montevideo.
In den nächsten fünf Wochen wird ein Teil unserer Redaktion (Hardy nämlich) dort ihren temporären Wohnort beziehen. Und sich auf die Suche nach der Seele des Fußballs machen. Die vor allem in Buenos Aires, aber auch in Montevideo bekanntlich vielfältig ausfällt. Mehr dazu erfahrt ihr immer mal wieder auch an dieser Stelle – und natürlich später dann in einer gedruckten Ausgabe von Zeitspiel.
Wie „spontan“ Fußball in Südamerika funktioniert ist übrigens daran zu sehen, dass sich die argentinische Liga derzeit im Streit bzw. Streik um die TV-Gelder befindet und der Ligastart deshalb kurzerhand um einen Monat nach hinten verlegt wurde. Hat unsere Planungen natürlich nur „ein klein bisschen“ durcheinandergebracht… Am 3. März soll es nun endlich losgehen. Unsere Reise beginnt daher in Montevideo, wo am Wochenende u.a. der Nachbarschaftsschlager zwischen River Plate und den Montevideo Wanderers auf dem Programm stehen.
Nos vemos!

8. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Unser Schwerpunkt #7: Chinas Fußball-Revolution

Das Thema China und Fußball ist derzeit in aller Munde und löst großes Staunen und auch eine gewisse Unruhe aus. Mit scheinbarer Mühelosigkeit locken chinesische Klubs namhafte Spitzenspieler ins Land und in eine Liga, die bislang als bessere Operettenliga galt. Während sich die eine Seite über einen zu erschließenden Milliardenmarkt freut, sorgt sich die andere Seite um die Hegemonie im Weltfußball.
Wir haben uns in unserem Schwerpunkt intensiv mit den vielen Seiten der „chinesischen Fußball-Revolution“ beschäftigt. Denn sie geht weit über die schlagzeilenträchtige Verpflichtung von Spielern wie Hulk oder Carlos Tevez hinaus. Chinas Fußball-Revolution hat das Zeug, den Weltfußball nachhaltig und grundlegend zu verändern.


Und so  starten wir in unseren 30-seitigen Schwerpunkt „Chinas große Fußballoffensive – und was sie für Europa bedeutet“:

AC und Inter Mailand. Slavia Prag, ADO Den Haag, AJ Auxerre. OGC Nizza, Espanyol Barcelona, Atlético Madrid. Aston Villa, Wolverhampton Wanderers, Manchester City, der Schweizer Vermarkter Infront, Portugals 2. Liga. Die Spieleragentur GestiFute und selbst die FIFA. Große Namen des Weltfußballs, die eins gemeinsam haben: Investoren oder Besitzer aus China.

Mehr als 1,5 Milliarden Euro investierte China seit Ende 2015 in Beteiligungen und Übernahmen europäischer Vereine. Spieler- und Marketingagenturen von Weltruf kamen unter chinesische Verantwortung. Und auch die heimische „Chinese Super League“ (CSL) öffnete ihre Schatullen. Im Frühjahr 2016 tätigten chinesische Klubs laut „transfermarkt.de“ fünf der sechs größten Transfers, wechselten atemberaubende 300 Mio. Euro für Spielerpersonal die Seiten.

Gefühlt binnen eines Wimpernschlages hat sich China von einer müde belächelten Fußballrentner-Destination zu einem einflussreichen Mitbewerber im Weltfußball aufgeschwungen. Mit seiner enormen Finanzkraft hat man inzwischen selbst zur englischen Premier League aufgeschlossen und erschüttert die alteingesessene (eurozentrische) Fußballwelt in ihren Grundfesten.

Eine Fußballkultur zu „kaufen“ ist sicher kein neues Phänomen. Das gab es in den 1970ern in den USA, als vor allem Warner Brothers mit Cosmos New York für eine Fußball-Revolution sorgte. Oder in den 1990ern in Italien, als Auto-, Food- und Medien-Tycoons auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen. In den 2010er Jahren in Russland und der Ukraine, als Oligarchen und andere Gewinner der politischen Entwicklung sich Fußballklubs als Spielzeuge leisteten. Und natürlich aktuell in England, wo Roman Abramowitsch eine Entwicklung einleitete, die zum Ausverkauf des dortigen Vereinsfußballs führte.

Doch der Fall China ist anders. Denn China ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Welt und das mit den weltweit meisten Milliardären, sondern vor allem ein Land, in dem der Fußball einen enormen Nachholbedarf hat und dessen politische Führung (der demokratische Entscheidungsprozesse ziemlich egal sind), die Fußballrevolution federführend anstieß und unterstützt. Das alles ergibt ein Potenzial mit nie zuvor erlebter Schlagkraft, über das Arsène Wenger im Herbst 2015 sagte: „Ich weiß nicht, wie groß das Verlangen in China ist, aber wenn es ein starkes politisches Verlangen ist, sollten wir uns sorgen.“

Fußball-Revolution als 50-Punkte-Plan

Es war der 23. Februar 2015, als sich die Geschicke des Weltfußballs entscheidend veränderten. Generalsekretär und Staatspräsident Xi Jinpig bat die „Zentrale Führungsgruppe für Reform“ zu einer Sitzung ins KP-Hauptquartier Zhongnanhai. Schon kurz nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten im März 2013 hatte Xi – in den Medien gerne als „passionierter Fußball-Liebhaber“ dargestellt, ohne dass es dafür belastbare Belege gibt -, eine Untersuchung über den Zustand des Fußballs im Land anordnet und radikale Reformen angekündigt. Denn für Chinas KP-Chef ist Fußball „eine Grundlage für Glück und Erfüllung in der modernen Gesellschaft“.Nun lag das „Reform- und Entwicklungsprogramm für den chinesischen Fußball“ vor. Es begann mit den Worten: „Seit Kamerad Xi Jinping Generalsekretär des 18. Kongresses der Kommunistischen Partei Chinas (CCP) wurde, hat er die Entwicklung des Fußballs auf die Agenda gesetzt, um China zu einer großen Sportnation zu machen“. Herausragendes Ziel ist die Umsetzung eines drei Punkte umfassenden WM-Plans: 1.) Qualifikation zum Endturnier, 2.) Ausrichtung eines Endturniers und 3.) Gewinn bis 2050.

Nachdem Xi den Befehl zur „Wiederbelebung des chinesischen Fußballs“ gegeben hatte (O-Ton der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua), setzte sich das halbe Land in Bewegung. Liu Xiaoxin, Chefredakteur der Fachzeitung „Fußball“ prophezeite damals: „Wenn die Regierung sagt, Fußball ist Trumpf, dann heißt das: Alle werden sich nun auf den Fußball stürzen.“

Genau so kam es. Der Staatsrat, Chinas Regierung, verabschiedete umgehend einen 50 Punkte umfassenden Fußball-Aktionsplan. Offizielle von der obersten Zentralregierung bis hinunter auf die kleinste Provinzebene beeilten sich, Xis Visionen in die Realität zu übertragen. Landesweit entstanden Fußballplätze und Graswurzelvereine, wurde der Fußball in die Schulen getragen und zu einem fixen Bestandteil des Bildungswesens. Bis dato war er bei Chinas Eltern eher verpönt, wollte man den Nachwuchs lieber Wissen pauken sehen. Nun sollen bis 2017 rund 20.000 Schulen in Fußball-Akademien umgewandelt sein, die rund 100.000 Spieler „produzieren“; entstand in Guangzhou die weltweit größte Fußball-Akademie mit über 3.000 Schülern. Noch 2010 waren in China übrigens insgesamt lediglich 7.000 Fußballer registriert (Deutschland: 6,3 Mio.), sagte Bora Milutinovic, der China 2002 zu seiner bisher einzigen WM-Teilnahme geführt hatte: „In jedem Land sieht man Jungs auf den Straßen oder in Hinterhöfen kicken. Nur hier nicht.“

Ihr wollt weiterlesen und mehr über die chinesische Fußball-Revolution erfahren? Dann Zeitspiel-Ausgabe 7 bestellen! Darin berichten wir auf insgesamt 30 Seiten aus folgenden Blickwinkeln über China und seine Fußball-Revolution:
– Chinas globale Fußballoffensive – und was sie für Europa bedeutet
– Sport als Werkzeug: Die politische Dimension der chinesischen Fußball-Revolution
– Schwachpunkt Nationalmannschaft: Chinas quälende Wunde
– Warum Fußball? Chinas Obsession mit Tradition und Luxusmarken
– Die Spielmacher der Fußball-Revolution: die einflussreichsten Personen, Firmen und Konsortien
– Die Spielfelder der Fußball-Revolution: in welchen Fußballklubs Europas sind chinesische Unternehmen bereits involviert
– Eine lange und kuriose Geschichte: Fußball in China
– Worlds Next Top League?: Die Chinese Super League (CSL)
– Guangzghou Evergrande: der Premier-Klub
– Die eigentliche Revolution: Chinas Nachwuchsarbeit
– Nur ein neuer Markt? Deutschland und China
– Interview mit einem Schalke-Fan über eine Gastspielreise der Königsblauen nach China im Sommer 2016
– Klartexte zum Thema von Tarik Dede und Marco Stein

 

Außerdem im Heft:

Leitartikel Revolutionen im Fußball – Wie China den Weltfußball erschüttert und der Unterbau in Europa aufmuckt
Legend Kickers Offenbach
Global Game Chile
Gästekurve Luckenwalde
Jays Corner SV Lohhof
Mottenkiste Schlesischer Fußball an der Peripherie
Dazu kommen die üblichen Rubriken wie Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Hagen Leopolds Collector’s Corner, Zeitspiel International, Frank Willmanns Kolumne, Fußballwelt und Weltfußball, Buchmacher, Abstauber, Singing Area, Alle Tassen im Schrank etc.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Infos und Bestellung hier.

6. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Mottenkiste: Schlesischer Fußball an der Peripherie

Im bis 1933 bestehenden Südostdeutschen Fußball-Verband stellten die Bezirke Ober- und Niederlausitz, Niederschlesien sowie der 1918 abgetrennte Bezirk Posen die Peripherie einer Region, die im reichsweiten Fußball insgesamt an der Peripherie stand. Nichtsdestotrotz wurde natürlich auch in Posen, Forst, Cottbus, Görlitz, Liegnitz, Schweidnitz, Hirschberg etc. fröhlich und bisweilen auch erfolgreich gegen das runde Leder getreten
In Zeitspiel-Ausgabe 7 erzählen wir die ganze Geschichte des schlesischen Fußballs an der Peripherie. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

 

Als man in Forst noch um die „Deutsche“ spielte. Schlesischer Fußball an der Peripherie

Von Hardy Grüne, Till Scholtz-Knobloch und Christian Wolter

Die gewaltigen Unterschiede zwischen Metropole und Provinz im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts wurden im Südosten des Reichsgebiets besonders deutlich. Dort gab es neben der Kultur- und Industriestadt Breslau sowie dem oberschlesischen Industriegebiet mit Städten wie Kattowitz, Gleiwitz und Hindenburg im ländlichen Raum nur vereinzelte Siedlungsschwerpunkte. Darunter die Stadt Posen, in der zur Jahrhundertwende rund 110.000 Menschen lebten, die Industriestandorte Cottbus und Forst in der Lausitz sowie Orte wie Görlitz, Liegnitz, Waldenburg oder Hirschberg im Riesengebirge.

Bezüglich seiner geografischen Proportionen war der SOFV ein Kompromissmodell. Sein Kerngebiet bildete die preußische Provinz Schlesien, doch bis 1918 gehörten darüber hinaus Teile der preußischen Provinz Posen sowie bis 1933 die zur preußischen Provinz Brandenburg gehörende Niederlausitz zum Verbandsgebiet. Die Oberlausitz war unterdessen fußballerisch geteilt. Während der Osten im SOFV kickte, gehörte der sächsische Teil mit Städten wie Bautzen, Zittau und Löbau zum Gebiet des mitteldeutschen VMBV.

Aufgrund der turbulenten politischen Entwicklung waren die Randbereiche des SOFV-Territoriums wiederholt Gebietsveränderungen unterworfen. So fiel die Provinz Posen nach dem Ersten Weltkrieg nahezu vollständig an Polen. 1933 ging die Niederlausitz bei der Gründung der 16 Sportgaue an Brandenburg, und 1945 blieben lediglich Teile der Lausitz beim deutschen Rumpfstaat bzw. der späteren DDR. Für die Vereine bedeutete dies ein ständiges Wechselspiel und mehrfach veränderte Konstellationen.

Cottbus Gründungsort des SOFV

Als 1903 mit dem Verband Breslauer Ballspiel-Vereine (VBBV) der erste Regionalverband im Gebiet des späteren SOFV gegründet wurde, erwachte der Fußball in der Lausitz sowie der ländlich geprägten Provinz Posen gerade erst. Eine erste Verankerung hatte das Spiel in den niederlausitzer Industriestädten Forst bzw. Cottbus erhalten, wo man bereits in den 1890er Jahren Fußballvereine gründete. 1904 entstand mit dem Verband Niederlausitzer Ballspiel-Vereine (VNBV) eine Regionalorganisation, die  im selben Jahr erstmals eine Meisterschaft ausschrieb. Vier Teams aus Cottbus sowie zwei aus Forst ermittelten seinerzeit im Ligasystem mit dem SC Alemannia Cottbus den ersten Regionalmeister. Im schlesischen Teil der Oberlausitz sowie der Provinz Posen gab es zu jenem Zeitpunkt noch lediglich Einzelvereine und eine sehr rückständige Organisation.

Cottbus war dann am 18. März 1906 auch Schauplatz der Gründungsversammlung des SOFV. Auf Druck des DFB entstanden, absorbierte der Verband zunächst sukzessiv die kleinen Regionalverbände VBBV und VNBV, ehe er 1906 bzw. 1910 für die Provinz Posen bzw. die schlesische Oberlausitz eigenständige Bezirke einrichtete. Ab 1910 war das Verbandsgebiet des SOFV damit komplett erschlossen – um schon 1918 durch den Abgang der Provinz Posen an Polen erstmals beschnitten zu werden. 1925 schließlich bildete sich der Bezirk Bergland, dessen Vereine zuvor weitestgehend in Niederschlesien gespielt hatten.

Sportlich vermochten die Vereine der Peripherie bis zum Ersten Weltkrieg durchaus an der Spitze des SOFV mitzuhalten, ohne jedoch den Durchbruch zu erzielen. 1905 scheiterte Alemannia Cottbus in der Vorqualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft des DFB deutlich an Schlesien Breslau (1:5), und in den Folgejahren vermochten weder Brandenburg Cottbus (1906, 2:3 gegen Schlesien Breslau) noch Britannia Cottbus an den Breslauer Teams vorbeizukommen. Britannia erreichte 1907 über den ATV Liegnitz (3:2) immerhin das SOFV-Endspiel, wo man Schlesien Breslau mit 1:2 unterlag. Erst 1909 sicherte sich mit Alemannia Cottbus erstmals ein Team aus der Niederlausitz die SOFV-Meisterschaft (3:2-Finalsieg über Preußen Kattowitz). Zwei Jahre später stand der FC Askania aus der Textilstadt Forst dann in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft dicht vor einer Sensation, als man gegen den VfB Leipzig unglücklich mit 2:3 verlor.

FC Energie Cottbus als heutiges Aushängeschild

Nach dem Ersten Weltkrieg gerieten die Mannschaften aus der Peripherie tiefer in den Schatten der Teams aus Breslau und vor allem denen aus dem aufstrebenden Industrierevier. Nicht fiel besser ging es den Teams aus der Niederlausitz nach dem Wechsel der Region zum Gau Brandenburg 1933, in dem man sich fortan mit Gegnern aus Berlin konfrontiert sah. Und so war die Fußballbegeisterung zwar hoch, Erfolge aber blieben Mangelware. Dabei blieb es auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als lediglich Teile der Lausitz deutsch blieben und im DDR-Fußball zunächst keine Rolle spielten. Die alte Fußballhochburg Forst fiel als nunmehr geteilte Grenzstadt mit einem polnischen und einem DDR-Teil sogar völlig aus dem Spitzenfußball. In Cottbus dauerte es bis 1963, ehe mit der Gründung des SC Cottbus – maßgeblich initiiert durch die Delegierung der Kumpelmannschaft aus Brieske-Senftenberg in die Bezirkshauptstadt– ein Team entstand, aus dem sich der heutige FC Energie Cottbus entwickelte.

 

Neugierig geworden? Sie wollen mehr erfahren über den Fußball im schlesischen Hinterland? Dann Zeitspiel-Ausgabe 7 bestellen. Darin berichten wir auf insgesamt acht Seiten über die Geschichte des Fußballs in der Region. Dazu gibt es regionale Tabellen von 1928 bis 1930 sowie einen Exkurs zum Arbeiterfußball in Schlesien.

Außerdem im Heft:

Leitartikel Revolutionen im Fußball – Wie China den Weltfußball erschüttert und der Unterbau in Europa aufmuckt
Legend Kickers Offenbach
Global Game Chile
Gästekurve Luckenwalde
Jays Corner SV Lohhof
Dazu kommen die üblichen Rubriken wie Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Hagen Leopolds Collector’s Corner, Zeitspiel International, Frank Willmanns Kolumne, Fußballwelt und Weltfußball, Buchmacher, Abstauber, Singing Area, Alle Tassen im Schrank etc.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Infos und Bestellung hier.

3. Februar 2017
von Hardy Gruene
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Global Game: Chile – Die verkannte Hochburg (Zeitspiel #7)

Ins geografisch so eigentümlich geformte Chile in Südamerika führt uns in der aktuellen Zeitspiel-Ausgabe #7 die Reise in der Rubrik „Global Game“. Chile gehört zwar zu den Fußballpionieren Südamerikas und war auch an allen wichtigen Entwicklungen beteiligt, musste aber dennoch bis 2015 auf seinen ersten großen kontinentalen Erfolg warten. Dem damaligen Gewinn der Copa América im eigenen Land folgte 2016 beim Jubiläumsturnier in den USA gleich der zweite Triumph.

Wie Fußball nach Chile kam, wie (und wo) er sich dort entwickelte, welche Schwierigkeiten es gab (und gibt), inwieweit das Pinochet-Regime Einfluss auf den nationalen Fußball nahm – alles das und noch vieles mehr lest ihr auf zehn dichtbeschriebenen Seiten. Dazu kommen Porträts der wichtigsten Vereine, ein Blick auf Chiles Fankultur und ein Interview mit einem seit zehn Jahren vor Ort lebenden Hannover-96-Fan, bei dem auch die wichtige Frage nach dem Bier im Stadion geklärt wird.

Außerdem im aktuellen Heft:

Leitartikel Revolutionen im Fußball – Wie China den Weltfußball erschüttert und der Unterbau in Europa aufmuckt
Legend Kickers Offenbach
Mottenkiste Schlesien mit Ober- und Niederlausitz, Niederschlesien, Bergland sowie Arbeiterfußball in Schlesien
Gästekurve Luckenwalde
Jays Corner SV Lohhof
Dazu kommen die üblichen Rubriken wie Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Hagen Leopolds Collector’s Corner, Zeitspiel International, Frank Willmanns Kolumne, Fußballwelt und Weltfußball, Buchmacher, Abstauber, Singing Area, Alle Tassen im Schrank etc.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Zeitschriftenhandel. Infos und Bestellung hier.