ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

25. März 2020
von Hardy Gruene
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Ausgabe #18 jetzt vorbestellen

Es ist vollbracht! In historischen Zeiten wie diesen rollen wir die Geschichte auf und blicken 100 Jahre zurück, als der Fußball ziemlich schlagartig das wurde, was er (noch) ist: Volkssport.

In unserer Ausgabe #18, die gegenwärtig durch die Druckmaschinen rotiert, haben wir uns auf vielen Ebenen dem Jahr 1920 genähert und versucht, die damalige Stimmung und Ausgangslage nachzuzeichnen. Die erregte Diskussion um sozialdemokratische Arbeitersportvereine, die als Gefahr für Land und Leute betrachtet wurden, während rechtsgerichtete Freikorps auf den Fußballfeldern statt Gegenwehr Unterstützung erfuhren. Eine geradezu unfassbare Vereinsgründungswelle, die heute, 100 Jahre später, zu einer gewaltigen Jubiläumsfeierwelle führte und vor allem den ländlichen Raum betraf. Zuschauerzahlen, von denen man vor 1914 nicht einmal geträumt hatte, die Verwandlung des Fußballs in ein politisches Werkzeug und natürlich diese umwälzenden Veränderungen auf den Tribünen, wo plötzlich die Arbeiter die Ränge füllten. 1920 ist das zweifelsohne folgenreichste Jahr der Fußballgeschichte!
Auch sonst sind wir in umwälzenden Zeiten unterwegs gewesen. Die Rubrik Legende führte uns nach Erfurt, wo der FC Rot-Weiß Erfurt ein paar Tage vor unserem anvisierten Besuch im Steigerwaldstadion den Spielbetrieb einstellte. In Buenos Aires besuchen wir den Fünftligisten Club Atlético Claypole, mit dem Blog „Grenzenlos Groundhopping“ machen wir uns auf den Weg in die Fußballstadt Hongkong, der Schattenspieler führt uns zum VfB Fichte Bielefeld, in der Kleiderkammer landen wir bei Eintracht Frankfurt, Jays Corner hat in Dessau vorbeigeschaut und aus Chile erreichte uns eine wundervolle Geschichte der Vereinigung verfeindeter Fangruppen im politischen Protest.

Corona findet auch ein bisschen statt, denn die Endphase der Hefterstellung war bereits stark geprägt von den beinahe minütlich eintreffenden Meldungen über die Dimensionen der Pandemie auch für den Fußball.

 

Vorbesteller und Abonnenten werden ab Montag mit dem Heft beliefert und sollten, so die Post in diesen Zeiten wie gewohnt mitspielt, im Laufe der kommenden Woche mit Lesestoff in Ausgangssperrenzeiten versorgt werden. Wer noch bestellen möchte kann dies nun hier tun, und wer unsere Arbeit in diesen Tagen unterstützen möchte hilft uns am besten durch Verbreitung dieser Botschaft oder gleich einem Abo.
Nachstehend geht’s direkt zur Bestellung der Nummer #18 innerhalb Deutschlands. Dort im Shop findet ihr auch Bestellmöglichkeiten für das Ausland sowie alle unsere Abo-Angebote.
Kommt gesund durch die Tage und bleibt solidarisch! Frank, Hardy und das ganze Zeitspiel-Team.

25. März 2020
von Hardy Gruene
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Brennen für den Ballesterer

Hallo, liebe Leute.

Dies ist ein schwieriger Post in schwierigen Zeiten. Als wir 2015 Zeitspiel aus der Taufe hoben, waren uns die Kolleg:innen vom Ballesterer wohlwollende Gesprächspartner, die uns wertvolle Tipps für die Gründungsphase gaben. Wir haben uns seitdem gemeinsam freundschaftlich begleitet, Texte und Autoren miteinander geteilt und auch ein bisschen die Zielgruppe. Man kann auch sagen: Wir sind sehr gut mit- und zueinander gewachsen.

Nun braucht das Team des ballesterer unsere Hilfe. Die auch uns allzu vertraute Kombination aus (zu) viel Arbeit/Zeitaufwand und (zu) überschaubarem wirtschaftlichen Erlös haben zu einer Schieflage geführt, die wir hoffen, gemeinsam mit euch allen beheben zu können. Die Kampagne steht unter dem Motto „ballesterer brennt & Brennst du für den ballesterer?“. Hier seht ihr, welche Möglichkeiten ihr habt, das unter Beweis zu stellen und somit dazu beizutragen, dass eine unverzichtbare Stimmung im Fußball(kultur)spektrum erhalten bleibt


Lasst uns alle brennen für den ballesterer!

 

21. März 2020
von Hardy Gruene
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Finnland: Die Liga der Frauen

Hyvää huomenta!

Aus Finnland erreichte uns in diesen wilden Corona-Zeiten ein Kommentar unseres ständigen Mitarbeiters vor Ort zur Umbenennung der höchsten Fußball-Spielklasse der Frauen. Die heißt nun „Subway Kansallinen Liiga“, was einige Fragen aufwirft. 

Von Felix Zschauer
Am 27. Februar hat der finnische Fußballverband endlich den neuen Namen für die 1. Liga der Frauen veröffentlicht. ”Endlich” sage ich nicht, weil ich mir eine neue Bezeichnung gewünscht hätte. Im Gegenteil sollte man nicht in jedem zweiten Jahrzehnt den Namen wechseln, so wie es in Finnland üblich ist, sondern etwas Tradition wachsen lassen. Es handelt sich um den fünften Namen in 49 Jahren offiziellem Frauenfußballs!
Endlich sage ich deshalb, weil die Klubs ihre Zeit brauchen, um ihre Kleidung und Werbung usw. dementsprechend anpassen müssen. Aber wie kam es zum Namenswechsel für den sich der Verband jetzt gar international (The Guardian) feiern lässt?
Offiziell geht es darum, das Wort „Frauen“ zu entfernen und zwecks Gleichberechtigung nicht mehr von Fußball bzw. Frauenfußball zu sprechen. So schön, so gut. Und nachvollziehbar. Was als neuer Name kam, war aber ausrechenbar. Abgesehen davon, dass das Finnische einfach nicht wirklich viele Möglichkeiten hergibt, den Namen so prägnant auszudrücken (wie z.B. die norwegische Toppserien), wurde davor („nur zu Marketing-Zwecken“) der Name einer internationalen Butterbrotkette eingefügt. Nichts gegen den Sponsor an sich – das ist nicht Gegenstand dieser Diskussion. Aber dass man sich vom „sperrigen Namen“ Naisten Liiga („Liga der Frauen“) verabschiedet, um sie „Subway Kansallinen Liiga“ zu nennen, ist absurd. Einige erinnert der neue Name an politische Ideologien (Kansallinen steht für „Nationale“), anderen ist er zu nah am finnischen Begriff für die Nations League (Kansojen Liiga). Der Schachzug, den Sponsoren in den Namen einzufügen, während man in der öffentlichen Diskussion auf „Gleichstellung“ hinweist, erinnert mich an die Zeiten als der FC Barcelona seinen ersten Brustsponsor vorstellte und dann langsam zu einem Unternehmen aus Nahost mutierte.
Ich verstehe, dass man das Geld, das dahintersteckt, gerne annimmt. Und selbstverständlich hoffe ich, dass wir unsere Spitzenspielerinnen auch mal im Land halten könnten. Um den Namen zu verkaufen, bin ich jedoch einfach ein zu konservativer Fußballfan. Immerhin war man konsequent genug, alles aus dem öffentlichen Auftritt zu entfernen, was irgendwie an Weiblichkeit erinnert. Das Pink des Logos wurde durch finnischen Blau ersetzt – damit kann ich leben. Ansonsten erinnert das Logo stark an das aktuelle Logo eines Turiner Spitzenklubs. Nur, dass an Stelle des „J“ ein kantiges „I“ ist. Jedenfalls sieht es danach aus. Wofür das stehen soll, weiß keiner. Wir brauchen ja keinen Pferdeschwanz oder „weibliches“ Pink oder Rosa. Doch im neuen Logo erkennt man nicht, was dahinter steckt.
Weiblichkeit? Ausgelöscht! Was daran ist Gleichberechtigung? Dürfen Frauen nicht stolz sein auf ihre Weiblichkeit? Es soll ja Fußballfreunde geben – und ich bin selber einer – der den Frauenfußball dafür schätzt, dass nicht ganz so viel auf dem Boden rumgerollt und reklamiert wird. Es passt zu unserer heutigen Zeit, dass systematisch alles ausradiert wird, was im Frauenfußball zur Tradition geworden ist. Die Vereine des Männerfußballs sollen auch die Führung im Frauenfußball übernehmen.
Für mich hat das alles absolut nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Ganz im Gegenteil! Und die Scheinheiligkeit des gesellschaftspolitischen Vorangehens verdeckt in diesem Fall nur das Voranbringen kapitalistischer Ideen!
Felix Zschauer, 1986 in Berlin geboren, lebt seit 2010 in Finnland. Für Zeitspiel-Ausgabe #17 schrieb er über die Qualifikation der finnischen Männer-Nationalmannschaft zur Euro 2020

17. März 2020
von Hardy Gruene
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Ausgabe 18 – unaufhaltsam!

Liebe Leute. Seit fünf Jahren gibt es Zeitspiel nun, und inzwischen liegen 17 Ausgaben vor. Die 18. steht unmittelbar vor der Drucklegung, und wir dürften fröhlich verkünden, dass uns offenbar so gut wie nichts aufhalten kann.
Denn die Herausforderungen waren dieses Mal wirklich sehr außergewöhnlich. Es begann damit, dass uns die „Legende“ wegbrach. Just vor dem Wochenende, an dem wir eigentlich dem FC Rot-Weiß Erfurt einen Besuch abstatten wollten kam die Meldung, dass der Klub sich mit sofortiger Wirkung aus dem Spielbetrieb zurückgezogen hat. Haben wir so hingenommen und unsere Pläne modifiziert: nun geht es in der Reportage eben um die (hoffentliche) Wiedergeburt der Legende FCRWE.
Kurz darauf der nächste Knüppel, den uns das Schicksal zwischen die Füße warf: Bei Hardy fiel das Internet aus. Und zwar nicht nur für ein paar Stunden, sondern für mehr als zwei Wochen. Währenddessen meldete sich bei Frank ein lange vergessener Weisheitszahn, der es sich in einem Eiterbett bequem gemacht hatte. Alles sehr unschön!
Und dann, als wir allem Unbill zum Trotz mit dem Heft auf die Zielgerade einbogen, Corona. Plötzlich Sorgen um ältere Familienmitglieder, um unsere Fußballklubs, um die Gegenwart und die Zukunft. Immerhin haben wir genügend Klopapier.
Nun aber ist es soweit, die finalen Arbeiten an Ausgabe #18 laufen aktuell. Gebt uns noch zwei/drei Tage, dann geben wir das Heft in die Druckerei und kümmern uns um alles andere – also auch die Bestellformulare im Shop.
Was euch im Heft erwartet? Die übliche bunte Mischung aus gestern, heute und morgen! Im Leitartikel blicken wir 100 Jahre zurück und erzählen, wie der Fußball 1920 binnen kurzem zum Volkssport im ganzen Lande wurde, was da alles passierte und was davon bis heute geblieben ist. Die Legende führt wie gesagt nach Erfurt, im Global Game machen wir Station in Hongkong. Reportagen gibt es von Rot-Weiss Essen und Türkgücü München, aus Chile und Buenos Aires, von einem längst vergessenen Fußballstadion in Braunschweig und dem VfB Fichte, der im Schatten der Bielefelder Arminia steht. Na ja, und alles andere wie Abstauber und Singing Area, Letzte Minute und Kleiderkammer, Jays Corner, Krisensitzung etc.
Kommt gut durch die wilden Tage!
Frank und Hardy

1. Februar 2020
von Hardy Gruene
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Buenos Aires: Eine Reise in die Seele des Fußballs

Buenos Aires ist die vielleicht verrückteste Fußballstadt der Welt. 80 Profi- und Halbprofivereine konkurrieren dort um die Fangunst, und Fußball ist tief verankert in jedem Stadtviertel (Barrio). Die Fankultur ist legendär, die Leidenschaft unübertroffen und auch bei den Schattenseiten hat Buenos Aires einiges zu bieten. Eine Reise dorthin ist eine Reise in die Seele des Fußballs. Denn so wie Buenos Aires die Stadt mit der höchsten Rate an Psychologen im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist so sehr dienen die zahlreichen Fußball (-klub) den Porteños der Seelenreinigung. Wenn die Hinchas auf den Tribünen stehen, werden sämtliche Leinen der Vernunft gelöst, tauchen sie ab in die unendliche Weite des Fandaseins.

Hardy Grüne hat sich umgeschaut in dieser Welt und hat Eindrücke, Fotos und Reportagen mitgebracht. In seinem Text-/Bildband „Buenos Aires – Eine Reise in die Seele des Fußballs“ erzählt er von seinen Erlebnissen und dokumentiert mit rund 500 Bildern die überwältigende Leidenschaft der Porteños für ihre Klubs, Farben und Barrios. Er war unterwegs bei den großen und namhaften Klubs, aber er tauchte auch hinab in die Niederungen des Halbprofifußballs und fand auch dort die Seele des Fußballs. Neben Berichten zu 23 Klubs bzw. Spielen liefert sein Buch eine Kurzgeschichte des Fußball in Argentinien bzw. Buenos Aires sowie einen (auch historischen) Einblick in die Fankultur. Hinzu kommt eine „Gebrauchsanweisung“ für all diejenigen, die sich selber auf die Suche nach der Seele des Fußballs machen wollen.

Sein Buch umfasst 208 Seiten und rund 500 Fotos im A4-Format und ist für 35 Euro inkl. Porto und Verpackung (innerhalb Deutschlands, Preise Ausland siehe Shop) nur im Zeitspiel-Shop zu beziehen.