ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

3. September 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel-Buch: Montevideo – eine Reise ins Herz des Fußballs

Montevideo – eine Reise ins Herz des Fußballs: Das Buch

Montevideo ist eine der ältesten Fußballstädte der Welt. Gemeinsam mit Buenos Aires war man Geburtsstätte des Fußballs in Südamerika und wurde zur Hochburg mit einer leidenschaftlichen Fankultur. Und hatte enormen Erfolg! Zweimal Olympiasieger (1924 und 1928), zweimal Weltmeister (1930, 1950), 15 Mal Sieger der Copa América – und damit häufiger als Brasilien oder Argentinien – Uruguay, das so viele Einwohner wie Berlin hat, ist die kleine Fußballhochburg der Welt.

Und Montevideo ist ihr fußballerisches Epizentrum. Hardy Grüne besuchte die Stadt 2014 und 2017 und machte sich auf die Suche nach den Wurzeln der Fußball-Liebe. Er ging nicht nur zu den beiden Großen Peñarol und Nacional, die seit über 100 Jahren den Fußball in Uruguay dominieren, er besuchte auch die „Kleinen“ wie Defensor, Wanderers, Cerro, Rampla Juniors, Fénix, Liverpool etc. Was er fand war eine einzigartige Stadionlandschaft, die regelrechte Zeitreisen ermöglichen, eine tief verwurzelte Fanliebe, die den Alltag prägt und eine lebendige Fußballkultur, die jedes Wochenende die komplette Stadt erfasst.

Sein Buch erzählt auf 128 üppig bebilderten Seiten von der Geschichte und vor allem der Gegenwart des Fußballs in Montevideo. Die Reise geht in kultige Canchas wie das Estadio Olímpico von Rampla Juniors, wo ein uralter Tango als Einlaufmusik fungiert bis hin ins hochmoderne Estadio Campeón del Siglo von Serienmeister Peñarol, mit dem Uruguay in die Moderne aufbrechen will. Im Zentrum steht in Montvideo aber immer irgendwie die Vergangenheit, und die wird eindrucksvoll repräsentiert vom Estadio Centenario, dem Endspielort der WM 1930.

Sein Bild- und Textband auf 128 Din-A4-Seiten wird im November als Zeitspiel-Sonderedition erscheinen und kann ab sofort zum Subskriptionspreis von 19,90 Euro (plus Porto) hier in unserem Shop vorbestellt werden. Dieser Sonderpreis gilt bis zum 31. Dezember 2018, danach kostet das Buch 25 Euro plus Porto. Für Bestellungen im EU-Ausland bitte hier, für Bestellungen im restlichen Ausland bitte hier klicken.

 

Inhaltsverzeichnis

  • ¡Bienvenidos en Montevideo! (das Vorwort gibt es hier schon mal zu Lesen: einfach bis zum Ende runterscrollen)
  • Fußball als Pulsschlag der Stadt
  • Uruguays Fußballgeschichte im Zeitraffer
  • Gebrauchsanweisung für Montevideo
  • Montevideos Fußballgeografie
  • Racing Club de Montevideo
  • Club Atlético Peñarol
  • Defensor Sporting Club
  • Club Atlético Rivers Plate
  • Montevideo Wanderers FC
  • Club Atlético Bella Vista
  • Kassenhäuschen
  • Liverpool Fútbol Club
  • Danúbio Fútbol Club
  • Montevideos Fußballseele
  • Estadio Centenario
  • Estadio Pocitos
  • Central Español
  • Club Nacional de Fútbol
  • Stadtimpressionen
  • Club Atlético Cerro
  • Rampla Juniors FC
  • Fußball-Streetart
  • Centro Atlético Fénix
  • Die anderen Klubs
  • Montevideo. Mate. Liebe.

Und hier nun ein paar optische Auszüge aus dem entstehenden Werk:

 

Und wer schon mal reinlesen möchte. Hier ist das Vorwort:

¡Bienvenidos en Montevideo!

Montevideo und Buenos Aires sind für viele Fußballfans Traumziele. Wer guten Fußball sehen will, reist sicher an andere Orte. Wer jedoch eine Fankultur erleben möchte, deren Nukleus die reine und grenzenlose Leidenschaft und Hingabe ist, der kommt voll auf seine Kosten. Bis in die fünfte Liga reihen sich die Spektakel, und wer seine Besuche über die namhaften Vereine hinweg organisiert erlebt eine einzigartige Fußballkultur.

Zwei längere Aufenthalte in Südamerika ließen mich 2014 bzw. 2017 eintauchen in diese Welt, die in uns Westeuropäern häufig ratlose Faszination auslöst. Denn über Stadtautobahnen brausende Buskolonnen voller Fans, die mit freiem Oberkörper aus den Busfenstern hängen oder gleich auf dem Dach hocken und mit Trommeln und Posaunen marschierende Gruppen schwitzender Machomänner wirken aus unserer europäischen „safety-first“-Attitüde ziemlich irritierend. Die selbstverliebte Leidenschaft, mit der die „hinchas“ (Fans) bzw. „barras brava“ (Fangruppen) ihre Choreografien und Gesänge vortragen, ist überwältigend, und selbst wenn die Ultraszene in Deutschland längst eine respektable Kreativität und Intensität entwickelt hat, bleibt Südamerika der Sehnsuchtsort für viele Fußballfans.

Im Gegensatz zur durchchoreografierten Fußball-Eventisierung in Europa ist Fußball in Südamerika zudem unverändert Teil der Alltagskultur und tief im Lebensalltag der Menschen verankert. Es geht nicht nur um Fußball und Stadionbesuch, um Graffitis und Choreografien, es geht um Abgrenzung und Dazugehörigkeit, um Territorium und Eroberung und nicht zuletzt um Hoffnung und Halt in einer Welt, die von existenzieller bis existenzbedrohender Schärfe geprägt ist.

Während Fußball für viele den Lebensanker darstellt, ist die Herzkammer eines jeden Klubs sein Stadtteil. Der „barrio“. Dort, wo die „cancha“ (Stadion) steht, wo Graffitis die Herrschaftsbereiche der „barras brava“ abgrenzen, wo jedes Spiel Farbe, Leben und trotzige Zuversicht in einen oft ernüchternd grauen und tristen Alltag zaubert. In seinem Barrio ist der Klub weit mehr als nur ein Fußballverein, zu dem man hingeht, um sich die Spiele anzuschauen. Er ist das Bannerschild des eigenen Viertels – und oft genug zugleich das Schwert, mit dem der Barrio verteidigt oder der gegnerische Barrio angegriffen wird.

Fußball und Gewalt sind in Südamerika noch unmöglicher zu trennen als in Europa. Wer sich einmal durch eines dieser berüchtigten Barrios getraut hat, die Blicke und den Argwohn auf sich spürte, die einfachen Lebensumstände wahrnahm und die Perspektivlosigkeit vor allem der Jugend begriff, der bekommt eine Ahnung, was der Fußball dort bedeutet. Und dass der sportliche Wettstreit zwischen zwei Fußballmannschaften dadurch schleichend verschwimmt mit Machtkämpfen adrenalingetriebener Machogruppen auf den Rängen und jenem existenziell-menschlichen Grundbedürfnis nach Gemeinschaft, das umso intensiver wird, je stärker die eigene Lebenswelt gefühlt bedrängt ist. In einige Barrios wagt man sich daher besser nur mit wachsamer Vorsicht, gesundem Menschenverstand, dem Bewusstsein über den eigenen Wohlstand (gilt auch für groundhoppende Sparfüchse!) und einer gewissen Durchlässigkeit für die südamerikanische Lebensart.

Auf meinen beiden Reisen habe ich viele dieser Barrios gesehen und so manchen durchwandert. Davon handelt das vorliegende Buch über Montevideo ebenso wie der zweite Band, in dem es um Buenos Aires gehen wird. Es waren Besuche in den Zentren zweier Fußballherzen und zugleich entlang der Welten. In den Stadtzentren von Buenos Aires und Montevideo fühlte ich mich vertraut heimisch, weil vieles wie in Europa ist. Die üblichen Laden- und Kaffeehausketten, die Leichtigkeit des Wohlstands, die Allmacht des Geldes. Schon ein paar Busstationen weiter sieht die Welt jedoch oft völlig anders aus. Wellblechhütten, unasphaltierte Rumpelpisten, ein Leben, das außerhalb der Konsumgesellschaft stattfindet. Stärkstes Symbol für die Bedeutungslosigkeit, in die die Einwohner dieser Barrios von Verwaltung und Politik gerne abgeschoben werden, sind fehlende Straßenschilder. Als würden sie nicht gebraucht, als gehörten diese Straßen ohnehin nicht zur Stadt, als seien sie nicht vorhanden. Touristen verirren sich hier nicht hin.

Es sei denn, sie sind Fußballfans. Dann geht es mitten hinein nach Villa del Cerro oder Jardines del Hippódrome, mitten hinein ins raue Fußballherz. Meine Stadionbesuche dienten nicht dem Spiel, sondern seinem Rahmen. Ich bin losgezogen, weil ich sehen wollte, in welchem Umfeld Fußball gespielt wird. Wie sich die Unterschiede in der Zuschauerschaft zeigen, was für Perlen der Fankultur abseits von Nacional und Peñarol zu entdecken sind. Was die Geschichte erschaffen hat. Davon handelt diese Buch. Keine Spielberichte, keine Torschützen, keine Erzählungen von tollen Flankenläufen. Stattdessen bebilderte Erlebnisberichte aus dem Herzen des gelebten Fußballwahnsinns.

Buen Viaje!

Autor Hardy Grüne

 

 

 

 

 

 

 

 

17. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Global Game: Palästina

Was ist Palästina? Das ist nicht nur eine geografische und natürlich politische Frage, das ist auch eine Frage, die den Fußball betrifft.
In unserer aktuellen Ausgabe #12 kümmern wir uns in der Rubrik „Global Game“ ausführlich um die Geschichte und Gegenwart einer Fußballnation, in der nie nur um Fußball geht: Palästina.
Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel. Jetzt hier bestellen

9. Juli 2018
von Hardy Gruene
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KLARTEXT: Zum Krisenmanagement des DFB

KLARTEXT Zum Krisenmanagement des DFB

Von Hardy Grüne

Über das Krisenmanagement des DFB in der Causa Özil/Gündogan ist eigentlich alles gesagt. Es war und ist eine jämmerliche Show, die jegliche Souveränität vermissen ließ und eines Verbandes der Dimension des DFB unwürdig ist.

Hätte man es bei diesem Fazit nach dem Vorrundenaus belassen und einfach nur den Kopf schütteln können, sieht die Lage nach der Doppel-Nachtritt-Attacke von Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel am Wochenende anders aus. Nun ist das Krisenmanagement des DFB nicht mehr nur unwürdig sondern zudem gefährlich. Erst Bierhoffs durchsichtige Attacke gegen Mesüt Özil und sein Zurückrudern nach dem folgenden Shitstorm. Ich nehme Bierhoff sein zerknirschtes „sorry, war alles nur ein Missverständnis“ nicht ab. Der Mann, unter dem „Die Mannschaft“ zu einem perfekt funktionierenden Marketingag geworden ist, geht mit unschuldiger Naivität an eines der gesellschaftspolitisch brisantesten Themen der jüngeren Fußballgeschichte, merkt seinen Faux-pas selbst beim Gegenlesen des Interviews nicht und stottert dann eine Entschuldigung, als sich alle aufregen? Mit Verlaub, Herr Bierhoff: Das können Sie Ihrem Friseur erzählen. Mesüt Özil ist ein perfekter Sündenbock, der alles hat, was man nach dem WM-Debakel brauchte. Seine türkischen Wurzeln sind da durchaus hilfreich, denn sie schaffen Distanz. War’n ja nicht wir. War „der Türke“.

Dass Reinhard Grindel nun im „Kicker“-Interview nachlegt und Mesüt Özil zu einer Erklärung nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub auffordert, ist in meinen Augen ein grotesker Vorgang. Man mag zu Özils Verhalten stehen wie man will (sowohl in Bezug auf die Bilder mit Erdogan als auch sein Schweigen), und sicher ist die ganze Angelegenheit von Özils Seite alles andere als geschickt gemanagt worden. Ihn durch den Präsidenten des größten Sportverbandes der Welt nun als Prügelknabe hinzustellen und damit jenen Krakeelern einen Blankoschein auszustellen, deren Kritik nicht über ein plumpes „der Türke ist Schuld“ hinausgeht, ist brandgefährlich. Grindel und Bierhoff spielen mit dem gesellschaftlichen Feuer, um ihre eigenen Versäumnisse zu überdecken und sich vor persönlichen Konsequenzen zu drücken. Von der Doppelmoral, die man seit Jahren in Sachen Russland/Putin etc. an den Tag legt mal ganz zu schweigen.

Statt sich vor den Spieler zu stellen und die Ereignisse intern aufzuarbeiten benutzt Grindel sogar die Medien, um den „Fall“ nochmal hochzukochen. Und gefällt damit vor allem in populistischen Kreisen. Man muss sich nicht nach Schweden wünschen, um das zu verabscheuen. Die Folgen werden weitreichend und tiefgehend sein. Das Bild türkischstämmiger Nationalspieler im DFB-Dress dürfte auf unabsehbare Zeit vom „Fall Özil“ begleitet werden. Mehr als bisher werden Spieler mit türkischen Namen keine „deutschen Nationalspieler“ mehr sein, sondern „Türken im DFB-Dress“. Und Spieler mit zwei Pässen werden sich noch sorgfältiger überlegen, ob sie den Adler überstreifen. Denn die Rolle des Buhmanns im Falle des Scheiterns ist damit schon fast gebucht.
Ein souveräner Umgang à la Schweden hätte die Causa Özil/Gündogan zu einem isolierten Vorfall – der er ja ist! – gemacht und dem DFB die Gelegenheit gegeben, sich auch in einem komplizierteren Fall als beispielsweise Cacau oder Sami Khedira zur Integration zu bekennen. Selbst nach der WM noch, als das Kind eigentlich längst in den Brunnen gefallen war! Doch in ihrer Selbstgefälligkeit haben Grindel und Bierhoff nun einen Spaltpilz geschaffen, der bis in die untersten Spielklassen zu spüren sein wird. „Der Türke“ dürfte dort mehr denn je zum spaltenden Kampfbegriff werden.

Reinhard Grindel hat sich in der Krise als ein Präsident erwiesen, auf den sich die Fußballgemeinde nicht verlassen kann. Er sollte zurücktreten.

7. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel-Legende: FSV Frankfurt

Mit Karacho hoch von der vierten in die zweite Liga, mit Karacho wieder runter. Der FSV Frankfurt hat wahrlich ein turbulentes und vielschichtiges Jahrzehnt hinter sich.

Für die Rubrik „Legende“ in unserer aktuellen Ausgabe #12 waren wir zu Besuch auf dem Bornheimer Hang, wo der Optimismus inzwischen zurückgekehrt und man „auf dem Weg zu Stabilität“ ist.

Zeitspiel gibt es nur im Direktbezug und nicht im Handel. Jetzt hier bestellen.

6. Juli 2018
von Hardy Gruene
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Das verschollene Wappen des 1. FC Kaiserslautern

Jahrzehntelang galt das Wappen des FC Bavaria Kaiserslautern, einer der Vorgänger des 1. FC Kaiserslautern, als verschollen.
Nun hat unser Mann für den „Collectors Corner“, Hagen Leopold, diese Lücke endlich gefüllt und in mühsamer Recherchearbeit ein Emblem des Klubs aufgetrieben.
Wie es aussieht und wie Hagen es gefunden hat in unserer aktuellen Ausgabe #12.