ZEITSPIEL

Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

13. April 2018
von Hardy Gruene
1 Kommentar

„Fusion“ in Fulda – kommt die SG Barockstadt Fulda Lehnerz?

Leider nicht mehr lieferbar: unsere Premierennummer mit der Legende Borussia Fulda

Heute Abend könnte in Fulda Fußballgeschichte geschrieben werden. Der TSV Lehnerz, ambitionierter Hessenligist und Stadtteilverein von Fulda, entscheidet über die Ausgliederung seiner Leistungs-Fußballabteilung als „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“. Wird dies abgesegnet, soll sich Klassen- und Ortsrivale SC Borussia 04 anschließen, will man gemeinsam an einer Renaissance des Fuldaer Fußballs arbeiten. Unter den Fans des SC Borussia 04, der damit quasi von der Bildfläche verschwinden würde, regt sich jedoch heftiger Widerstand.

Von Hardy Grüne

Der SC Borussia 04 Fulda spielt eine besondere Rolle in der Geschichte unseres Magazins. Als wir Herbst 2015 mit Zeitspiel an den Start gingen, war der Traditionsverein aus der Bischofsstadt die erste „Legende“, über die wir berichteten. Ein Klub, wie gemalt für die Rubrik: großer Name, schwierige Gegenwart. Einst hatte man der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilgenommen und 1995 noch 18.000 Zuschauer in der Regionalliga Süd gegen den 1. FC Nürnberg angelockt. Die Gründe für den Absturz waren die üblichen: Verdichtung des Leistungsfußball durch diverse Ligareformen und neue Player, die sich „oben“ einnisten, Verlust der Attraktivität des Fußballs in der, sorry, Provinz und zahlreiche handgemachte, vor allem wirtschaftliche Fehler. Borussia Fulda war der Prototyp des abgestürzten Traditionsvereins mit schwieriger Zukunft.

Als wir das Stadion Johannistal besuchten war man gerade von der Gruppenliga (7. Liga) in die Hessenliga (5. Liga) durchmarschiert und träumte von der Regionalliga. Dorthin wollte auch Nachbar TSV Lehnerz, ein Überflieger, der die lange vakante Rolle des Fuldaer Fußballaushängeschilds mit Verve und auch durchaus Geschick füllte. Es entwickelte sich ein Rennen um die lokale Nummer eins, bei dem Lehnerz zunehmend die Nase vorn hatte und das zugleich bewies, wie hoch das Fußballinteresse in Fulda noch immer ist. 2015 kamen offiziell 4.999 Zahlende, tatsächlich aber fast 7.000, die einen 1:0-Sieg der Borussia sahen. Statt  der Borussen kratzte anschließend jedoch der TSV Lehnerz an der Regionalliga.

Nun will man Konsequenzen ziehen, und die Leistungsfußballer beider Vereine in einem neuen Klub auslagern, der Fulda zurückbringen will in den „großen“ Fußball. Dazu soll sich der SC Borussia 04 aus der Hessenliga zurückziehen und mit seinen Leistungsfußballern zum TSV Lehnerz kommen. Das gemeinsame Fußballdach erhält den Namen „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“. Gespielt werden soll in der Johannisau in Fulda, Vereinssitz ist Lehnerz. Der SC Borussia bleibt zwar bestehen, reduziert sich aber auf die Jugendarbeit der G- bis D-Jugend. Heute Abend fällt auf der Mitgliederversammlung des TSV Lehnerz die Entscheidung.

Unter der zwar kleinen aber überaus aktiven Fanschar des SC Borussia 04 löste die Meldung Widerstand aus. Beim letzten Ligaspiel gegen Waldgirmes kam es zu Protesten, und auf Facebook sammelt die Seite SG Barockstadt Fulda Lehnerz – Auf keinen Fall fleißig Pro- und Gegenstimmen. Die Fans sind sich einig, dass ein Zusammenschluss durchaus ein richtiger Weg sein kann, kritisieren aber vor allem die geplanten Strukturen, die quasi der Fortführung des TSV Lehnerz entsprechen, sowie die Namensgebung, die gelinge gesagt als „unsäglich“ bezeichnet wird. In einem offenen Brief heißt es kämpferisch: „Auch wenn die Zeit mehr als knapp ist und die Chancen überaus gering: Wir sehen uns gezwungen zu kämpfen und unseren Protest kund zu tun – auf das der Name ‚Borussia‘ weiterhin als Synonym für Fuldaer Fußballgeschichte bestehen bleibt. BORUSSIA IST UNVERHANDELBAR!“.

Ein Fankommentar fasste die Proteste in deutlichen Worten zusammen: „Umso unverständlicher ist daher die vollkommene Aufgabe der Identität; im Verein TSV Lehnerz aufzugehen als Lieferant für Spielstätte, 2-3 Spieler, 1-2 Sponsoren und 300 Zuschauer. Unter einem mehr als holprigen Namen, der widerspiegelt wie wenig weltmännisch man ist in Lehnerz und augenscheinlich auch in Fulda. Rational ist es sicherlich sinnvoll die beiden Vereine zu einem zusammen zu führen. Wäre dies auf Augenhöhe geschehen, man zusammengewachsen, gemeinsam aufgestiegen, hätte sich gemeinsam in eine Richtung entwickelt, hätte dies vielleicht einen weniger bitteren Geschmack hinterlassen. So allerdings gehe ich mit mindestens einem weinenden Auge zu den letzten Spielen meiner Borussia, meines Vereins. Eine ansatzweise ähnlich emotionale Bindung zur „SG Barockstadt Fulda Lehnerz“ aufzubauen liegt momentan außerhalb meiner Vorstellungskraft.“

Unsere erste „Legende“ – SC Borussia 04 Fulda

 

1. April 2018
von Hardy Gruene
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Ein fußballerischer Ostergruß aus Schechingen

Zeitspiel meldet sich mit einer Osterbotschaft der besonderen Art aus Schechingen!

Schechingen ist eine kleine Gemeinde mit etwa 2.300 Einwohnern im Ostalbkreis nicht allzu weit entfernt von Aalen. Alljährlich wird dort zur Osterzeit der größte Osterbrunnen in Ostwürttemberg errichtet und lockt mit etwa 11.000 handbemalten (echten!) Eiern tausende von Neugierige an.

Unser Mitstreiter Hansjürgen Jablonski hat dieses Jahr extra für Zeitspiel mal vorbeigeschaut (und zwar stilecht wandernd von seinem Wohnort Schwäbisch Gmünd!) und dabei auch eine ganze Eier-Abteilung entdeckt, die sich dem Fußball widmet. Liebevoll mit Klubwappen oder Trikots bemalte Eier oder zur Osterbotschaft passende Slogans wie „1. Liga HSV“ sind dort zu finden. Klickt doch mal durch seine kleine Bilderreise der Welt der Fußballeier und schaut, ob euer Team dabei ist. Und wer ein bisschen mehr wissen möchte zum Schechinger Osterbrunne wird auf der Gemeindewebsite fündig.

In diesem Sinne: frohe Ostern nach überall

Euer Zeitspiel-Team!

 

 

27. März 2018
von Hardy Gruene
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Zeitspiel Ausgabe #11 jetzt erschienen

Frisch aus der Druckerei auf den Tisch gekommen: da ist sie, unsere Nummer #11!

 

Die Hefte an Abonnenten und Vorbesteller sind bereits unterwegs und kommen hoffentlich vor Ostern in euren Briefkästen an (Ausland dauert länger).

Unsere Themen diesmal:

ZEITSPIEL Nummer 11
Leitartikel: Russland Spezial – Fußball zwischen Kaliningrad und Kamtschatka
Legende:
FC Energie Cottbus
Global Game: Luxemburg
Cavanis Friseur: Leeds United und sein Wappen
Rapport: Der 1. FC Nürnberg und die Ausgliederungsdebatte
Zeitspiel International:
Europäische Ligen im Kalenderjahr 2017
Jays Corner:
SC Victoria Hamburg
Überleben im Turbokapitalismus: Alemannia Aachen, Insolvenzen in Italien
Mottenkiste: Süddeutsche Meisterschaften vor 1901

… sowie die üblichen Rubriken wie Willmanns Kolumne, Krisensitzung, Neues aus dem Unterbau, Wappenstube, Eintagsfliege, Abstauber, Echte Liebe, Vereinsheim, Singing Area, Unverzichtbares Wissen, Buchmacher, Stimme aus dem Kuchenblock etc.

Jetzt bestellen hier: ZEITSPIEL Nummer 11

27. März 2018
von Hardy Gruene
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Straßburg und die Süddeutsche

In Zeitspiel-Ausgabe #11 berichten wir über die ersten drei Meisterschaften des Verbandes süddeutscher Fußball-Vereine zwischen 1898 und 1901. Unser Autor Jens Reimer Prüß hat über viele Jahre zu diesem Thema geforscht und zahlreiche Details eruiert, die in der Printausgabe nicht en detail aufgeführt werden konnten. Den ganzen Text mit allen Erkenntnissen gibt es daher hier. Viel Vergnügen – oder, um es mit den Straßburgern zu sagen: Bonne route!

 

 

Straßburg und die Süddeutsche (Langversion)

Die ersten drei Meisterschaften des Verbandes süddeutscher Fußball-Vereine, VsFV, 1898/99 – 1900/01)

Von Jens R. Prüß

Die Geschichte dieser Recherche hat vor ziemlich genau fünfzig Jahren begonnen. Doch, echt! Der „Kicker Almanach“ unter dem Weihnachtsbaum öffnete den Einstieg in die sonderbare Welt der Fußballhistorie, und alsbald erfuhr ich von zwei süddeutschen Meistertiteln des Straßburger FV, errungen 1899 und 1900.

Aus norddeutscher Sicht schien das nur begrenzt bedeutsam, obwohl: Straßburg… ein schon damals verheißungsvoll europäisch klingender Städtename mit dem Oberton deutsch-französischer Versöhnung. Irgendwie blieb er im Fußballgedächtnis haften und klang erneut an, als ich viel später die „Nouvelle üs´m Elsaß-Ländel“ vor Augen hatte, die sich Walther Bensemann 1931 von einem Korrespondenten namens „Schang“ zuliefern ließ. Kostprobe: „ASS. wuchs über sich selbst hinaus und spielte mit einem derartigen Schneid, dass Tourcoing völlig aus dem Konzept kam. Der Match war sehr fair, aufregend und es gab viel abgegriffene Uhren.“

ASS, das war und ist die Association Sportive de Strasbourg – und, richtig, der Name des einstigen Straßburger FV. Wäre es nicht eine schöne Idee (dachte ich), einmal aufzuarbeiten, wie sie im Detail abgelaufen sind, die frühen süddeutschen Meisterschaften? Jetzt 2018, da wir an das Ende des 1.Weltkriegs vor hundert Jahren erinnert werden und daran, wie sehr die Zukunft Europas an Deutschland und Frankreich hängt? Auf dem Rasen vielleicht weniger, aber sonst?

Die Recherche erwies sich als sehr viel zäher als gedacht, obwohl die Quellenlage – den Online-Bibliothekskatalogen sei Dank – eine ganz andere ist als vor fünfzig oder gar hundert Jahren und etliche Kollegen, die noch zitiert werden, schon intensiv am Thema gearbeitet haben. Nur unterscheiden sich ihre Ergebnisse an vielen Stellen; zum Beispiel rund um die Frage, wie oft die Meisterschaft wirklich ins Elsaß-Ländel gegangen sei.

 

1897/98

… ist sie nirgendwo hingegangen, denn da gab es noch keine Meisterschaftsspiele. Das stimmt wirklich, auch wenn missverständliche Formulierungen in alten Chroniken zu Irrtümern geführt haben. Wenn es in „Sechzig Jahre Süddeutscher Fußball-Verband“ (Stuttgart 1957, auf Seite 17) richtig heißt, dass „trotz aller Erschwerungen schon 1898 die ersten Meisterschaftsspiele zur Durchführung kamen“, dann sind damit die Vorrunden im Herbst gemeint.

Gerhard Zeilinger („Die Pionierzeit des Fußballspiels in Mannheim 1894 bis 1919“, daselbst 1992) schreibt auf Seite 16, dass die Verbandstagung des VdFV, des Verbandes süddeutscher Fußball-Vereine,  am 2. Oktober 1898 „im Mannheimer Hotel ´Viktoria´ … die Austragung einer ´Ersten Meisterschafts-Wettspiel-Runde´ beschlossen hat.“

 

1898/99

… blieb der Titel rechts des Rheins. Denn da gewann der Freiburger FC die erste überhaupt ausgespielte Meisterschaft des VsFV. Im Endspiel zu Karlsruhe besiegte er am 8. Januar 1899 den 1.FC Pforzheim mit 6:1 unter Leitung von Schiedsrichter Fritz Gutsch aus der gastgebenden Stadt.

Ein kurzer Spielbericht in „Sport im Bild“ (vom 12. Januar 1899) präsentiert zwar nicht die Torschützen, wohl aber beide Teams:

FFC:  Geis – Wagner, F. Schilling – Ernst Schottelius, Specht, Burkart – Th. Schilling, O. Hoog, Hunn,
Wetzler, B. Schottelius.

Pforzheim: Dillmann – Dietz, Wilhelm Hiller – W.Bühler, Sieder, Arthur Hiller – K. Bühler, Grieshaber,
Steudle, Schweickert, Felss.
Begonnen hatte die Meisterschaft nach Zeilinger (Seite 16) schon mit dem Spiel

Mannheim 1896 – Union Mannheim  13:0   …  am 16.10.98

Er zitiert den örtlichen „General-Anzeiger“ vom 18. Oktober: „Dieses Wettspiel ist das erste, das im süddeutschen Verband ausgefochten wird und wird der Sieger ein Diplom erhalten.“ So weit war es noch nicht, denn in der 1. Runde waren außerdem angesetzt:


Germania Frankfurt – Hanau 93  3:2
   …  am 30.10.98

Wohl das erste süddeutsche Meisterschaftsmatch, dessen beide Aufstellungen überliefert sind; „Sport im Bild“ nennt sie am 4. November auf Seite 709:

Germania:  Diebel – Gerhardt, Murray – Abadie, Wetzel, Müller – Diebold, Kaldenbach, Voigt, Clark,
Clesle.

93:  Fuess – Hony, Fiedler – Hummel, Born, Guckemus – Omcke, Baum, Nies, Speitel, Kausel.

Heilbronner FK – 1.FC Pforzheim  0:5   …  am 16.10. oder 6.11.98

Über das Ergebnis sind sich zwei Kollegen – Wolfgang Roth und Udo Luy – einig, über den Termin nicht, auch der Ort ist umnebelt. Vielleicht hat ein „grüner Tisch“ entschieden? „Sport im Bild“ schweigt zu diesem Spiel; mehr zu den beiden Autoren weiter unten.

Karlsruher FV – Freiburger FC  3:4     …  am 6.11.98 in Straßburg (!)

Oder? Ein anderes Ergebnis, nämlich 0:2, findet sich im „Libero“ (Nr. 5 von 1990, Seite 24) sowie in: „100 Jahre Karlsruher Fußballverein“, Fortsetzungs- und Ergänzungsband, daselbst 1991 (auf Seite 126). Allerdings ist es hier wie dort als Endspiel (sic) der Vorsaison 1897/98 zugeordnet, in der noch gar kein Titel vergeben wurde. Steffen Herberger, Chronist und jetziger Vorsitzender des KFV, verlegt die Partie in die richtige Saison, bleibt aber auch beim 0:2 („Titel“, Seite ..).

Anders erinnerte sich Ernst Karding, ein damaliger Spieler des Freiburger FC, später Funktionär im VsFV und DFB, noch später Stadtkämmerer in Flensburg und Berlin, zitiert nach der Webseite des Vereins www.ffc.de/index.php/verein/klubgeschichte?id=120 :

„Die beiden Hauptereignisse aber waren ein erstes internationales Spiel gegen die Old-Boys Basel am 19. Mai 1898 mit 3:2 (1:2) und das entscheidende Spiel um die erstmalig ausgetragene Süddeutsche Meisterschaft am 6. November mit 4:3 (1:1).“

Wenn man für „das entscheidende“ einsetzt „das vorentscheidende“, kommt es auch vom Termin her genau hin. Der Sieger, ob nun mit 4:3 oder 2:0, war dadurch gleich im Finale (vgl. auch den Ablauf der folgenden Saison), während es für die anderen noch im Wettbewerb befindlichen Klubs wie folgt weiterging (Ergebnisse nach Zeilinger, S. 17, während „Sport im Bild“ leider hartnäckig weiter schweigt):

Mannheim 1896 – Germania Frankfurt  7:1   …  am 4.12.98

1.FC Pforzheim – Mannheim 1896  2:1   …  am 18.12.98

Damit hatte Pforzheim das oben präsentierte Endspiel erreicht. Dessen Ergebnis bestätigt Zeilinger übrigens auch (auf Seite 17). So weit, so gut!

Aber Straßburg… waren die denn gar nicht dabei? Da wird es nun doch kompliziert und es ist an der Zeit, aus einem ebenso schönen wie schwergewichtigen, fünfbändigen Werk zu zitieren: „100 ans de football en Alsace“, erschienen 2002 à Strasbourg, geschrieben von einem Autorenkollektiv, zu dem Wolfgang Roth gehört hat. In seiner Statistik sind auf Seite 5 von Band 1 die bisher genannten Ergebnisse bestätigt… aber es kommt auch der FV Straßburg (so herum) vor, als Sieger über den Karlsruher FV mit 4:3. Das Datum bleibt offen. In der folgenden Runde, und zwar am 29.11.98, habe der Verein dann gegen Pforzheim gespielt; allerdings fehlt das Ergebnis.

Kann das sein? Einerseits ja, denn so wie die Mannheimer könnten auch die Pforzheimer vor dem Halbfinale noch ein Zwischenrundenspiel ausgetragen haben, und warum nicht gegen Straßburg? Udo Luy allerdings, Fußballhistoriker aus Bayern/Franken und Autor von „Fußball in Süddeutschland 1889-1908“, erwähnt ein solches Spiel nicht. Und den Sieg über den Karlsruher FV am 6. November, jenes 4:3, das rechnet auch er dem Freiburger FC zu. Er nennt Straßburg als Austragungsort, und das kann die Ursache späterer Missverständnisse gewesen sein.

Aber „100 ans…“ ist hartnäckig. Im Fließtext von Band 1, im Kapitel zur AS Strasbourg, heißt es auf Seite 21: Der Verein „bestritt die Meisterschaft Süddeutschlands 1898-1899 und schlug den Karlsruher Fussball Verein 4-3 à Karlsruhe le 6 novembre 1898, mit der équipe composée de Tosetti, Kohts, W. Schricker, Yvo Schricker, Gustave Jeffke, Krause, Steffens II, Moormann, Hall, Huber II, Scherwitz.“

Also doch? Nicht alle Namen sind richtig geschrieben, und was die Schricker-Brüder betrifft, sollte man besser Bernd-M. Beyer in Göttingen fragen, Autor von „Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte“. Mit dem ist Walther Bensemann gemeint, zu dessen Freunden und Mitstreitern der spätere FIFA-Generalsekretär Ivo Schricker und sein Bruder Winfried gehörten. Beyer: „1898 spielten die beiden schon in Berlin für den ASC.“ Und das angebliche Straßburger 4:3 gegen Karlsruhe am 6. November jenes Jahres? Ist in Schrickers eigenhändig geführtem „Spielebuch“ nicht enthalten. Es muss somit entweder zu einem anderen Zeitpunkt stattgefunden haben… oder die Aufstellung ist falsch.

Ein Argument für den anderen Zeitpunkt: Gegen wen soll denn sonst der Freiburger FC auf dem Weg ins Finale gewonnen haben, wenn nicht gegen der KFV? Und der kann ja nicht zweimal aus demselben Wettbewerb ausgeschieden sein, und das noch am selben Tag, sans rire?

Also nochmal die Frage an den KFV selbst, einen Verein, der seit vielen Jahren intensiv die eigene Geschichte erforscht: 1898/99 hat er mit 3:4 verloren gegen wen? Der oben erwähnte Ergänzungsband sagt auf Seite 126 (Kunstpause): gegen den Straßburger FV, und damit sei man Vizemeister gewesen.

Gut, dass immerhin der Meister jener Saison sicher ist: der FFC, das Freiburger Akademiker- und Studentenkollektiv um seinen Mitgründer, ersten Vorsitzenden und Kapitän Harry Liefmann, später als Mediziner Dr. Liefmann in Berlin und zeitweise in Hamburg tätig, dann auch Spieler beim HSV-Vorläuferclub Germania. Warum er den Freiburgern im Endspiel fehlte, ist nicht überliefert.

Die Oberrealschule bei St. Johann (Lycée Kléber) trug schicke Designertrikots, aber der Straßburger FV behielt den Hut auf. Leider ist das Ergebnis vom 2. Mai 1899 nicht überliefert … Foto: unbekannt

1899/1900

… nahmen neun Vereine teil. Dieses Mal lässt sich der Ablauf bis ins Frühjahr 1900 hinein sehr gut nachvollziehen, denn der Verband veröffentlichte im Oktober 1899 den Spielplan („Wettspieldaten“, „Sport im Wort“ vom 20. Oktober, Seite 232) und legte drei „Kreise“ fest.
Im 1. (nördlichen) Kreis spielten:

Hanau 93 – Germania Frankfurt  5:1   … am 12.11.99

Mannheim 1896 – Hanau 93  3:0   …  am 26.11.99 in Frankfurt/Main.

Damit hatten die Mannheimer die Vorschlussrunde erreicht.

 

Im 2. (mittleren) Kreis spielten:

1.FC Pforzheim – Frankonia Pforzheim  1:6   … am 5.11.99

Karlsruher FV – Frankonia Karlsruhe  3:4   … am 12.11.99 auf dem KFV-Platz.

Der KFV wurde „nach tapferer Gegenwehr besiegt“ (Sport im Wort vom 1. Dezember, Seite 280), legte aber aus nicht genanntem Grund Protest ein. Dieser wurde offenbar anerkannt, denn der KFV blieb im Wettbewerb, während Frankonia aus dem Verband austrat (nach Luy am 27. November). Aus Verärgerung? Der Spielbericht legt es nahe: „Ein Goal, welches kurz vor Schluss durch Frankonias Pfosten sauste, wurde als auf Seit (= offside / abseits, jrp.) von dem Schiedsrichter nicht gegeben.“ Es wäre der Ausgleich zum 4:4 gewesen.

In welchem Blatt das gestanden hat, geht aus dem Scan auf der Webseite des KFV, http://www.karlsruher-fv1891.de/chronik1.html., nicht hervor. Jedenfalls traf nun der Karlsruher FV auf die „andere“ Frankonia, nämlich:
Frankonia Pforzheim – Karlsruher FV  4:7   … am 10.12.99

Damit war der KFV ebenfalls in der Vorschlussrunde (ein Spielbericht findet sich auch hierzu auf seiner Webseite, als Ausriss aus einer nicht näher bezeichneten Lokalzeitung. Ursprünglich hatte das Spiel bereits am 26. November in Pforzheim stattfinden sollen, doch war es wegen des o. g. Protestes verlegt worden, vgl. Sport im Wort vom 1. Dezember, Seite 280.
Im 3. (südlichen) Kreis spielten:

Straßburger FV – Freiburger FC  0:2   … am 19.11.99

Es war festgelegt, dass der Sieger dieser Partie dadurch unmittelbar das „Schlusspiel“ (damalige Schreibweise), also das Finale erreicht haben würde. Der Autor G. M., vermutlich Gustav Manning, schildert den Spielverlauf und merkt an, der FFC habe nicht an seine gewohnte Leistung anknüpfen können und deshalb „nur einen knappen Sieg davongetragen“ (Sport im Wort vom 1.12., Seite 280).

 

In der Vorschlussrunde hätten die Sieger des 1. und 2. Kreises schon am 3.12.99 in Mannheim aufeinander treffen sollen. Aus den genannten Gründen war eine Verlegung nötig:

Mannheim 1896 – Karlsruher FV  1:3   … am 31.12.99

Hiergegen protestierten nunmehr die Mannheimer erfolgreich (es ging um die zunächst verweigerte Spielberechtigung für ihren Verteidiger Brückel), so dass eine Neuansetzung erforderlich wurde:

Mannheim 1896 – Karlsruher FV  1:1   … erst am 11.3.1900 (ohne Verlängerung!)

durch Tore von Wetzler (0:1, 41.) und Kalnbach (1:1, 75.); Schiedsrichter war Liefmann aus Freiburg.

1896:  Kratochvil – Brückel, Bodri – Marquardt, Gutmann, Schrade – Philipp, Kalnbach, Eith, Föckler,
Mohr.

KFV:  Fazler – Gutsch, Kistner – Altenhein, F.Langer, Santer – Ruzek, Heck, Wetzler, Grieshaber,
Jüngling.
Hier sind wir an der, wie man so schön sagt, neuralgischen Stelle der ganzen Recherche. Zeilinger (S. 22) scheint mit „seinem“ Ergebnis (1:2) zu irren, denn die oben genannten Spieldetails („Sport im Wort“ vom 23. März 1900, Seite 93) widersprechen dem und es heißt am Ende des Berichts ausdrücklich, es sei erneut eine Wiederholung nötig. Dasselbe bestätigt „Spiel und Sport“ tags darauf, am 24. März, und auch der „Mannheimer General-Anzeiger“ hat es so notiert, siehe einkopierten Text.

Also hat danach ein entscheidendes drittes Spiel stattgefunden? Wann und wo? Keine mir zugängliche zeitgenössische Quelle kommt darauf zurück, auch „Spiel und Sport“ weder am 24. noch 31. März noch 7. April. Der KFV-Ergänzungsband nennt nur das 3:1 (das nicht galt) und das 1:1, bezeichnet den eigenen Verein aber als Vizemeister 1899/1900 (Seite 127). Udo Luy, ein sorgfältiger Auswerter aller Quellen, legt sich auf den 18. März – eine Woche später – und auf 2:1 für den KFV im dritten Spiel fest, diesmal in Karlsruhe (S. 76).

Wurde also doch die Mannschaft um Otto Jüngling Endspielgegner des Titelverteidigers? Denn der wurde ja immer noch gesucht. Ende Februar hatte „Sport im Wort“ bekräftigt, dass der Sieger des Halbfinales gegen Freiburg anzutreten habe, und zwar in Karlsruhe (bei Beteiligung des KFV) oder aber in Straßburg, wenn die Mannheimer das Finale erreichen sollten (23.2., S. 61). Von einem Rückzug der Breisgauer aus dem Wettbewerb war keine Rede. Sie vertrieben sich die Wartezeit mit Freundschaftsspielen, gewannen zum Beispiel in Basel gegen Excelsior 14:0 (!) und setzten dort ihre Stars Hunn, Liefmann, Schilling und Geis ein („Spiel und Sport“ vom 31. März 1900, S. 241). Nach einem geschwächten Team sieht das nicht aus.

Warum ist das wichtig? Weil sich hier die Geister sehr weit scheiden, nämlich an der Frage, wer am Ende überhaupt Meister war… ja: ob am Ende überhaupt jemand Meister war. Der Straßburger FV, wir erinnern uns, war bereits im November ausgeschieden – und doch taucht er immer wieder als Süddeutscher Meister 1900 auf, nicht nur im „Kicker Almanach“ (dort nur noch für 1900), sondern zum Beispiel bei Ernst Otto Bräunche in „Sport in Karlsruhe von den Anfängen bis heute“ (daselbst 2006, Seite 170). Oder im „Libero“ No. 5, Seite 24. In „Sechzig Jahre süddeutscher Fußball-Verband 1897 – 1957“ (Verfasser: Paul Flierl) auf Seite 136. Auch Zeilinger (S. 22) stimmt dem zu und „Wikipedia“ ist oder war sich ganz sicher (Stand: 7.2.2018): Toujours Strasbourg! Das offizielle DFB-Jahrbuch hingegen, das erste von 1904-05 (S. 137), nennt den Karlsruher FV als „siegreich 1899-1900“, während die Meisterschaft in der folgenden Saison 1900-1901 „nicht ausgetragen“ worden sei. Letzteres stimmt nicht, wie wir noch sehen werden.

Udo Luy vertritt ebenfalls die Straßburg-Fraktion und hat als einziger eine Erklärung, wie das denn zugegangen sein könnte: „Nach dem Rückruf von 6 Engländern war der Freiburger FC nicht mehr einsatzfähig, so dass der Straßburger FV für die nächste Runde qualifiziert war“ (Seite 76). Und am „25.03. oder 01.04.1900“ hätten die Elsässer dann das Endspiel gewonnen, 4:3 gegen den KFV.

Ein Vorrunden-Loser als Meister? Weil Freiburg keine Mannschaft mehr zusammenbekam? Aber dann in Basel 14:0 gewann? Widerlegen lässt sich das nicht, und eines stimmt: Der Spielausschuss des VsFV hatte nicht unbedingt den tiefen Teller erfunden. Luy zitiert aus einer außerordentlichen Vertreterversammlung vom 8. Juli 1900: „Es folgten die Erörterungen betreffs der Spiele um den Meisterschafts-Pokal von Süddeutschland, in deren Verlauf sich herausstellte, dass das ´Komitee für Spiel-Angelegenheiten´ einer durchgreifenden Reform bedürftig sei (…), so dass die Spiele sich in der Spielsaison 1900/01 glatt abwickeln werden“ (S. 60).

If you twist my arm: Ich glaube, es ist 1899/1900 am Ende gar kein Meister mehr herausgekommen. Endlos hatte sich das Ganze hingezogen, und irgendwann gelang es dem reformbedürftigen Spielkomitee nicht mehr, die verbliebenen Vereine für eine Fortsetzung des Wettbewerbs zu interessieren. Am wenigsten die Freiburger, die im April lieber in Zürich und erneut in Basel antraten. Der Karlsruher FV gastierte noch beim DFC Prag und gewann dort 5:1. Vorher allerdings, schon am 18. Februar, war er beim Straßburger FV angetreten, aber das war ein Freundschaftsspiel und endete 2:2 („Sport im Wort“ vom 2. März, Seite 69).

Am 8. April 1900, zu Ostern, war Straßburg Schauplatz eines Repräsentativspiels des VdFV gegen eine Auswahl der Schweiz. Die süddeutsche Elf gewann 2:0 und sie bestand aus lauter schon erwähnten Freiburgern und KFVern: Liefmann, Ruzek, Heck, Hunn, Wetzler, Jüngling, dazu der umstrittene Brückel aus Mannheim sowie Huber, Steffens und Jeffke vom Straßburger FV, der mit Krause auch den Torwart stellte. Offenbar vertrugen sich alle gut.

Vergessen wir nicht: Die Rede ist von der aufregenden Zeit um die Jahrhundertwende, in der einerseits der DFB gegründet wurde, andererseits die Nachwehen der „Ur-Länderspiele“ in Paris und gegen englische Teams noch immer für Streit sorgten. Vieles lief nicht rund, und vielleicht gibt ein Bericht über ein anderes schlichtes Freundschaftsspiel den entscheidenden Hinweis. Am 25. März 1900 gewannen es die Stuttgarter Kickers 4:2 gegen Frankonia Karlsruhe. Die war offenbar aus dem Schmollwinkel hervorgekommen und bot unter anderen die Spieler Kalnbach, Brückel, H. Link und E. Link auf – so „Spiel und Sport“ in einer ausführlichen Reportage am 31. März auf Seite 242. Vier Mannheimer, von denen Kalnbach und Brückel noch zwei Wochen zuvor beim 1:1 gegen den Karlsruher FV mitgewirkt hatten.  Waren die ihrem Verein also abtrünnig geworden? War es Mannheim 1896, das plötzlich keine funktionsfähige Mannschaft mehr hatte?

„100 ans die football en Alsace“ nennt übrigens den „eigenen“ Straßburger FV nicht als süddeutschen Meister, sondern Roth belässt es bei dem 0:2 gegen Freiburg am 19.11.99 (Seite 5). Und das DFB-Jahrbuch? Karlsruhe als Meister 1900, „nicht ausgetragen“ 2001, das hat man, mehrere Jahre danach, ganz einfach verwechselt. Umgekehrt wird ein Schuh draus

Voilà, sie spielten gegeneinander, der Straßburger FV (links) und der Freiburger FC. Am 19. November 1899 verloren die Elsässer zu Hause 0:2 und waren draußen … Foto: unbekannt

1900/01

… gewann nämlich der Karlsruher FV den Titel, wie auch in den folgenden vier Jahren. „Die Meisterschaft des Verbandes süddeutscher Fußballvereine ist in dieser Saison dem Karlsruher Fußball-Verein zugefallen. Die Uebergabe des Meisterschafts-Pokals findet am Sonntag, den 14. April, in Karlsruhe statt.“

Ein schönes Zitat (aus „Sport im Bild“ vom 29. März 1901, Seite 206), weil es immerhin eine genaue Zeitangabe enthält. Und die verbleibende Recherche eingrenzt, denn nun weiß man: Das Endspiel – wenn es denn eines gab – muss spätestens am 24. März selbigen Jahres, dem letzten Sonntag vor Erscheinen, stattgefunden haben. Aber wo, gegen wen und mit welchem Ergebnis? Das steht nicht da, und das Wort „zugefallen“ verheißt ohnehin nichts Gutes.

„Het Sportblad“ aus den Niederlanden ermöglicht eine weitere zeitliche Eingrenzung, denn es schreibt schon am 15. Februar (!) 1901 auf Seite 16  über die im „Bekersystem“ ausgetragene Meisterschaft: „Zooals reeds hierboven angemerkt, is hun de Karlsruher F.V. winnaar.“

Zum Glück ist gedrucktes Holländisch für Nordlichter nicht schwer („reeds“ heißt „schon“; „hun“ bezieht sich reflexiv auf den VdFV). Trotzdem war das etwas voreilig.

Also auch hier von Beginn an. „Sport im Bild“ bezeichnet am 16.11.1900 (auf Seite 626) die Partie

1.FC Pforzheim – Karlsruher FV  0:6   …  am 4.11.00

als „das erste Wettspiel um die süddeutsche Meisterschaft“ (das Datum ist aus der Angabe „am vorletzten Sonntag“ destilliert). Zeilinger trägt nur bei, dass Mannheimer Vereine in der Saison nicht teilgenommen hätten (S. 29). Otto Jüngling, damals selbst Spieler beim KFV, erinnert sich im DFB-Jahrbuch 1910 (auf S. 110):

„Die Saison 1900/01 sah den Karlsruher Fußball-Verein zum ersten Male als süddeutschen Meister: vier Spiele waren erforderlich, die mit 34:0 Toren gewonnen wurden gegen Vereine aus Freiburg, Pforzheim, die Stuttgarter Kickers und Darmstadt, das allerdings allein 0:15 sich gefallen lassen musste.“

34 minus 6 (Pforzheim, siehe oben) minus 15 (Darmstadt) ergibt 13. Zum Spiel der Vorschlussrunde weiß das Onlinearchiv http://kickersarchiv.de/pmwiki.php/Main/1900-1901 dies:
Stuttgarter Kickers – Karlsruher FV  0:9   …  „Halbfinale, 18.11.1900 auf dem Stöckach“.

Da bleiben rechnerisch noch vier Tore aus einem Spiel gegen den „Verein aus Freiburg“ übrig. Und die liefert Udo Luy auf Seite 91:

Freiburger FC – Karlsruher FV  0:4   … am 2. Dezember 1900.  Also danach!


Jenes 0:9 war somit noch nicht das Halbfinale war. Und das Spiel

Bayern München – Karlsruher FV,  angesetzt auf den 30. 12.1900, jedoch abgesagt,

wäre noch nicht das Finale gewesen. Vergessen wir daher lieber diese Angaben. Warum wurde in München nicht gespielt? Das „Prager Tagblatt“ vom 31. Dezember 1900 (S. 2) meldet, das Spiel „fand bis auf weiteres nicht statt, weil beide Mannschaften z. Z. nicht vollständig sind“. Sicher scheint, dass es vorerst keine Neuansetzung gegeben hat, zumindest ist kein dazu passendes Resultat irgendwo zu finden.

Ist dem Karlsruher FV sein erster süddeutscher Meistertitel also am Ende kampflos „zugefallen“, siehe oben? Nein, auch wenn das „Wiener Sport-Tagblatt“ vom 19. März 1925 (sic, Seite 3) ein Vierteljahrhundert später, in einem Rückblick unter dem Titel „Die süddeutschen Meisterschaften“, zur Saison 00/01 ebenfalls schreibt: „nicht ausgetragen“.

Demgegenüber nennen  verschiedene Quellen ein Endspiel des KFV gegen Germania Frankfurt, ohne ein Datum oder Ergebnis zu nennen. Zu diesen gehört ursprünglich Ludolf Kyll, der die Ergebnisse auf der Webseite www.karlsruher-fv1891.de/Ligeneb.pdf zusammengestellt hat. Darauf wiederum haben sich wohl der „Libero“ (No. D3 von 1992, S. 84), Hardy Grüne („Vom Kronprinzen zur Bundesliga“, Kassel 1996, Seite 15) und auf ihn dann „Wikipedia“ (Stand vom 7.2.2018) bezogen.

Allein, warum hätte Germania Frankfurt im Endspiel sein sollen? Eine normalerweise verlässliche Quelle für den Frankfurter Raum ist das www.eintracht-archiv.de . Dort finden sich für 1900/01 zwei Spiele, die der süddeutschen Meisterschaft zugeordnet werden:


Victoria Frankfurt – Germania Frankfurt  1:0
   …  am 25.11.1900

(nach 76 Minuten wg. Dunkelheit abgebrochen, aber so gewertet); und später

Darmstädter FC – Victoria Frankfurt  5:1   …  am 10.2.1901.

Demzufolge wäre Germania gleich zu Beginn ausgeschieden und der Darmstädter FC hätte die… ja, welche Runde erreicht? Von der fortgeschrittenen Zeit her müsste es das Endspiel, mindestens aber das Halbfinale gewesen sein gewesen sein, und in der Tat:


Karlsruher FV – Darmstädter FC
 15:0   ….  fand am 3. März in Karlsruhe statt, siehe Abbildung.

Und es brachte die Entscheidung. Allerdings, wenn das Karlsruher 4:0 in Freiburg ein Halbfinale gewesen ist und das Darmstädter 5:1 das andere, wie passt dann die abgesagte Partie des KFV in München da hinein, in den „Wettspielplan“ des VsFV, den es bestimmt gegeben hat, der aber, wie es scheint, nicht überliefert ist?

Mein vorläufiges Fazit war, in der Sprache von „Het Sportblad“:  Het spijt me, dat weet ik niet…  Aber kurz vor Schluss ergab sich doch die Lösung. Udo Luy schickte per e-Mail eine Kopie aus „Sport im Wort“ (vom 21.3.01):  „Der Münchener Fußball-Club ´Bayern´, welcher durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse der letzten Monate verhindert war, ein geregeltes Training durchzumachen, hat auf das Schlusspiel um die Meiszterschaft des Verb. Südd. F.-V. verzichtet. Der K.F.V. ist dadurch Sieger der Meisterschaft pro 1900/01.“

Riesendank… und: Na also! Das 15:0 über Darmstadt war somit das „de-facto-Endspiel“, nicht mehr und nicht weniger. Noch weitere viermal in Folge war der Karlsruher FV Meister. 1910, wer wüsste es nicht, gewann er auch die „Deutsche“, mit 1:0 n. V. gegen Holstein Kiel. Zwei Jahre später war es andersherum.

*

Eine Frage bleibt: Wann in aller Welt hat denn nun jenes sagenumwobene 4:3 der Straßburger gegen den KFV stattgefunden? Mit der der équipe composée de Tosetti, Yvo Schricker, Gustave Jeffke undsoweiter? Im Frühjahr 1900 nicht. Wann dann? Was war es für ein Spiel? Het spijt me, dat weet ik niet… Weitere Forschungen werden es irgendwann herausbringen.

In Straßburg gewann Süddeutschland am 8. April 1900 mit 2:0 gegen die Schweiz. Links das VsFV-Team, man erkennt u. a. Harry Liefmann (ganz links mit Ball) und als 3. von links stehend den Mannheimer Brückel; von beiden ist im Text die Rede. Der Lange mit Strohhut ist Torwart Krause vom gastgebenden Straßburger FV … Foto: Sport im Bild

 

Und hier noch die „Kurzversion“ aus der Printausgabe von Zeitspiel #11, die man hier bestellen kann.

 

20. März 2018
von Hardy Gruene
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Global Game special: Kuba

Global Game special: Kuba

Von Stefan Fitzek

Na, woran denkt Ihr spontan, wenn es um Kuba geht? Klar: Rum, Zigarren, Che, Fidel, Sonne, Strand und  Salsa. Aber Fußball? Nicht wirklich, oder? Als meine Frau und ich uns entschieden, die mittelamerikanische Insel zu bereisen, war der Besuch eines Matches dort aber von Anfang an ein wichtiger Bestandteil unserer Planungen, da es eben nicht ganz so einfach ist, dort in den Genuss unseres geliebten Sports zu kommen.

Wie aber kommt man an Informationen über Mannschaften, an Spielpläne oder gar Anstoßzeiten? In einem Land, in dem das Internet noch immer nur recht wenigen Leuten vorenthalten ist und in dem der nationale Fußball eine absolute Randsportart ist, ist die Beschaffung dieser Infos wirklich schwer. Der Seite der FIFA konnte ich zumindest den Rahmenspielplan entnehmen, privat betriebene Seiten zum kubanischen Fußball waren meist alles andere als up to date, widersprachen sich hinsichtlich der Terminierungen und auch die Nachfrage bei den Seitenbetreibern und beim kubanischen Verband brachten nicht das gewünschte Ergebnis.

Mehr oder weniger planlos, aber mit viel Hoffnung fliegen wir also via Amsterdam und Panama nach Havanna, kommen um 2.30 Uhr nachts (nach zwei Stunden Wartezeit aufs Gepäck und einer weiteren aufs Taxi – in diesem Fall ein stinkender Lada) in unserer Unterkunft an und fallen todmüde ins Bett. Wenige Stunden später sind wir wieder wach, treten auf den Balkon und genießen vom 8. Stock aus den Blick über die Altstadt und das Meer. Schon eine komplett andere Welt und eine Reise in eine Zeit, die ich (Geburtsjahr 1978) gar nicht kenne.

Recht viel Zeit haben wir aber nicht, denn nun müssen wir erst mal Geld wechseln und schauen, wie wir aus dem Zentrum zum Estadio Pedro Marrero kommen, da das zu Fuß doch etwas zu weit entfernt ist. Natürlich haben wir noch immer keine Ahnung, wann überhaupt Anpfiff ist, die komplette Familie unserer Hostelbetreiberin wird zur Recherche eingespannt, wir telefonieren mit irgendjemand im Stadion, aber Licht ins Dunkel kommt leider kein bisschen. Egal, wir fahren einfach mal mittags hin und schauen dann, was passiert.

Eine halbe Stunde später haben wir kubanisches Geld in der Hand, wobei man differenzieren muss, denn hier gibt es zwei Währungen: der CUP ist das Geld der Einheimischen, der CUC das der Touristen, wobei Letzteres 25 mal so viel wert ist wie der CUP. Schon blöd, wenn man als Staat zwei Währungen einführt, um den Sozialismus zu fördern, damit aber das genaue Gegenteil bewirkt, da die Bevölkerung natürlich an CUCs kommen will, um sich auch Luxusgüter leisten zu können. Wir hingegen versuchen, möglichst schnell auch CUPs in den Geldbeutel zu bekommen, da man damit eben auch Angebote für Einheimische wahrnehmen kann, sei es an Imbissständen, in Geschäften oder bei städtischen Taxis. So zahlen wir statt umgerechnet 5 Euro nur ca. 40 Cent für die Fahrt im 50er Jahre-Chevrolet, stehen um 12 Uhr vor dem Stadion und siehe da: die Türen sind offen. Wir spazieren also rein, von Fußball aber keine Spur. Ein im Schatten sitzender Rentner klärt uns auf, dass das Spiel erst um 16 Uhr angepfiffen wird, aber das ist mir ganz recht und so nutze ich das Jugend-Leichathletik-Training und die dafür geöffneten Tore, um mich in den Innenraum zu begeben.

Das laute Schreien von der Tribüne, als ich die Laufbahn betrete, gilt eindeutig mir, doch ich ignoriere es, drehe seelenruhig eine Runde, mache Fotos, stehe unter der Gegentribüne plötzlich vor einem FIFA-Büro und bin gerade auf dem Weg, die Anzeigetafel zu erklimmen, als mir meine Frau von der Tribüne aus zu verstehen gibt, ich solle nun doch besser wieder zurückkehren. Gesagt, getan und dort angekommen werde ich aufgeklärt, dass es nicht erlaubt sei, ohne staatliche Genehmigung Fotos zu machen und wofür diese überhaupt seien. Da meine Frau Dolmetscherin für Spanisch ist, fällt es uns relativ leicht, die ältere Dame, die eben noch komplett außer sich war, davon zu überzeugen, dass ich „nur“ Groundhopper bin und keinerlei kommerzielles oder politisches Interesse verfolge. Am Ende haben wir uns also alle wieder lieb, wir müssen aber trotzdem nochmal raus und nachher Eintritt zahlen, um das Spiel sehen zu dürfen. Das ist für uns dann doch ein wenig überraschend, da ein Freund von mir ziemlich genau ein Jahr vorher auch dort zu Besuch war und der Besuch des Ligaspiels gratis war.

Nun gilt es also erstmal, Zeit zu überbrücken und da der Ground fernab jeglicher Sehenswürdigkeiten liegt, fällt dies ziemlich schwer, zumal uns die Hitze zu schaffen macht und man ja auch nicht schon mittags mit dem Saufen anfangen kann. Nach einer kleinen Stärkung und dem Erwerb ein paar einheimischer Biere (Bucanero, Cristal), sowie kubanischer Cola, geht es also um 15 Uhr wieder Richtung Stadion, die Karte kostet den Wahnsinnspreis von 1 CUP (das sind umgerechnet ca. 4 Cent) und dafür gibts sogar ein Ticket und etwas, das entfernt an eine Stadionzeitung erinnert. Traum! Das Mitbringen von Essen und Getränken gehört übrigens scheinbar dazu, auch wenn es im Stadion zumindest Knabberzeug und so ein pappiges Malzgetränk zu kaufen gibt, während man Fanartikel (erwartungsgemäß) vergebens sucht.

Wir verziehen uns sofort wieder Richtung überdachter Tribüne, passieren einen verblassten Hansa-Aufkleber und ich denke, ich sehe nicht recht. Ich will mich gerade setzen, als mein Blick auf eine Person trifft, die ich seit Jahren aus dem Internet kenne, die ich aber bislang noch nie persönlich getroffen hatte: Michael ist wie ich Fan des TSV 1860 München, lebt aber seit geraumer Zeit in Berlin und macht gerade ebenfalls Urlaub auf Kuba und einen neuen Länderpunkt. Zufälle gibts! Doch damit nicht genug, denn zwei Plätze weiter sitzt Kathi, die Schwester meines besten Freundes zu Schulzeiten, die zusammen mit ihrem Freund ebenfalls seit Jahren hoppt. Und der Clou an der Sache: Kathi und Michael haben sich auch zufällig in Havanna getroffen, kannten sich aber schon, weil sie sich im Jahr zuvor in Nordkorea schon mal im Stadion über den Weg gelaufen waren.

Der Kubaner im Deutschland-Trikot vor uns macht ein paar Erinnerungsfotos und dann gehts auch schon los. Der Platz ist katastrophal, der Rasen viel zu lang und viel zu trocken und trotzdem entwickelt sich in der ersten Hälfte ein recht munterer Kick, der mich positiv überrascht. Nichtsdestotrotz kommt das Niveau nicht über die deutsche Oberliga hinaus, das Heimteam La Habana verpasst es jedoch, den Gästen aus Camagüey schon vor der Pause das ein oder andere Tor einzuschenken. Apropos: anders als bei uns gibt es auf Kuba keine Vereine im herkömmlichen Sinne. Stattdessen stellt jede Provinz ein Team und die besten zehn Teams spielen in Hin- und Rückrunde um den Titel. Bei unserer Partie empfängt der Tabellenführer eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte und man erkennt den Klassenunterschied über weite Strecken auch deutlich.

Nach dem Seitenwechsel hält Camagüey besser mit, doch just als die Gäste das Match offen gestalten, schlägt La Habana zu und geht in Führung. Der Jubel fällt eher spärlich aus, aber was will man bei 250 Zuschauern in einem 30.000-Mann-Stadion auch erwarten?

Die Gastgeber bestimmen nun wieder das Geschehen, lassen fahrlässig das 2:0 liegen und kassieren im Gegenzug den doch überraschenden Ausgleich. Und siehe da: Stimmung! Ich glaube ja nicht, dass die Ansammlung der 50 Jubelnden tatsächlich extra aus Camagüey angereist ist, aber plötzlich ist Leben in der (Bruch-)Bude und als die Gäste kurz vor Schluss den Spielverlauf noch komplett auf den Kopf stellen und das 1:2 erzielen, erkennt man wahre Begeisterung. Was für ein riesiger Spaß, was für ein tolles Erlebnis, was für ein genial geiler Ground! Bei uns würde das Ding wahrscheinlich als Lost Ground á la Union Solingen rumstehen, auf Kuba ist es das Nationalstadion, wo Länderspiele ausgetragen werden (z. B. der 2:1-Sieg über die Bermudas im März). Legendär!

Meister wurde am Ende der Saison übrigens Villa Clara dank der um ein Tor besseren Tordifferenz gegenüber Guantánamo. Und La Habana? Die haben es doch tatsächlich geschafft, die Meisterschaft am letzten Spieltag daheim durch ein 0:0 gegen Santiago de Cuba zu vergeigen und mit einem Punkt Rückstand nur Dritter zu werden. Bitter.

Während Kathi am folgenden Wochenende in Cienfuegos noch ein weiteres Ligaspiel besuchte, war mir nur der Besuch einiger Baseballstadien vergönnt. Ein Blick auf den Stadtplan von Trinidad verspricht aber urplötzlich doch nochmal Fußball, denn dort ist ein Ground eingezeichnet. Meine Ernüchterung könnt Ihr Euch vorstellen, als ich den Platz sehe, auf dem wahrscheinlich seit Jahren niemand gespielt hat und auf dem Pferde grasen, wo einst Eckfahnen standen…

Alles in allem kann ich jedem nur den Besuch eines Matches auf Kuba ans Herz legen. Mit Fußball wie wir ihn kennen hat das in vielerlei Hinsicht wenig zu tun, aber gerade das macht die Sache so angenehm, so herzlich, so erfrischend, so exotisch und so liebenswert. Geht offen auf die Menschen zu und werdet dafür mit ganz viel Enthusiasmus und Freude belohnt. Auf der ganzen Insel sieht man Kinder und Erwachsene in Fußball-Trikots (Barcelona, Real, Manchester United, Milan…), überall wird auf den Straßen gekickt, in Havanna gibt es eine coole Sportsbar mit massenhaft Shirts und Flaggen (v.a. Athletic Bilbao), im TV werden die europäischen Top-Ligen live und kostenlos übertragen und sogar in den Restaurants ist der Fußball präsent – wundert Euch also nicht, wenn Ihr Euer Abendessen auf Real Madrid-Geschirr serviert bekommt und das dann mit dem passenden Besteck zu Euch nehmen dürft…

Und hier noch ein paar optische Eindrücke aus Fußball-Kuba: